Das Ende des Islamischen Staates?

Von Arye Sharuz Shalicar.

Seine Hochburg Al Rakka hat der Islamische Staat (IS) aufgegeben. Am 16.10.17 sollen nach Angaben der arabisch-kurdischen Kräfte (SDF), die das Gebiet übernommen haben, die letzten Kämpfer des IS in einem "Deal" aus der Stadt hinausbefördert worden sein. Sie haben etwa 400 Zivilisten als "menschliche Schutzschilder" mitgenommen, um diese geplante Flucht heil zu überleben. Auch aus der weiter süd-östlich liegenden syrischen Stadt Deir al Zor hat der IS sich vor wenigen Tagen zurückgezogen, und sie werden langsam aber sicher von schiitischen Milizen unter der Führung des Iran und der libanesischen Terrormiliz Hisbollah immer weiter in das Wüstengebiet zwischen Syrien und Irak vertrieben. Maximal nur 10 Prozent des syrischen Territoriums befinden sich mittlerweile noch unter der Kontrolle des IS. Es ist eine Frage der Zeit, bis auch diese 10 Prozent von aus dem Westen kommenden schiitischen oder aus dem Norden heranschreitenden kurdischen Truppen eingenommen werden. Der Wettlauf um Gebietseroberungen ist in vollem Gange.

Im Irak steht es nicht besser mit dem IS. Während der nördliche Teil komplett unter kurdischer Herrschaft steht, hat die irakische Zentralregierung unter Al Abadi und mit enormer militärischer Stütze aus dem Iran das Zentrum und den Süden des Landes fest unter seiner Kontrolle. Der IS spielt keine wesentliche Rolle mehr im "Befreiungskampf" des Irak, insbesondere seit der Befreiung Mosuls von der Terrorbande. Es bahnt sich ein anderer Konflikt an, und zwar zwischen den Kurden und der schiitischen Mehrheit um die Auflösung oder den Zusammenfall des 1920 künstlich zusammengepuzzelten Staates Irak. Dazu aber mehr bei anderer Gelegenheit. Zurück zum IS.

Der IS ist am Ende, zumindest in Syrien und im Irak. Genau in jenen Gebieten, von denen aus sie im Jahre 2014 das Kalifat ausgerufen haben.  Die Frage ist, wo wird er sich neu formieren, beziehungsweise existierende Terrorstrukturen und Zellen verstärken? Ehemalige IS Kämpfer sind verstreut auf der Welt. Einige Hundert radikale Terroristen befinden sich auf westeuropäischem Boden und stehen zumindest teilweise unter Beobachtung der verschiedenen Dienste. In der Türkei, Nordafrika, auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel und der Arabischen Halbinsel sind Zehntausende von ihnen unterwegs, glücklicherweise oftmals nicht gut organisiert (Ausnahme Sinai) und bei weitem nicht die stärkste Terrormiliz in ihren jeweiligen neuen Umgebungen. Nicht wenige von ihnen haben schon und werden in den kommenden Monaten den Pfad nach Osten suchen, über Iran, Richtung Afghanistan, Pakistan und eventuell sogar bis hin nach Südost-Asien. Alles Gebiete in denen islamistischer Terror eine sehr starke Minderheit stellt und man wieder Teil "einer Idee", eines neuen "Heiligen Krieges" werden könnte.

Ob der IS in seiner heutigen Form jemals wieder ein so großes Territorium an sich reissen kann, von wo aus es Mord und Totschlag dirigiert, wage ich zu bezweifeln. Jedoch wird die Idee des Heiligen Krieges, des islamischen Kalifats, der islamischen Weltherrschaft präsent bleiben. Je nach geopolitischen Erfordernissen werden sich neue Formationen, neue Monster bilden, um wieder die Gunst der Stunde zu nutzen und Angst und Schrecken zu verbreiten.

Leider werden immer genug Kämpfer bereitstehen, um im Namen einer Religion, jedoch oftmals eigentlich nur, um aus ihrer eigenen Misere zu fliehen, diese Idee auf Teufel komm raus in die Tat umzusetzen – auch, oder bevorzugt, mit ihrem eigenen Leben.

Arye Sharuz Shalicar wurde 1977 in Deutschland als Sohn persisch-judischer Eltern geboren. Seine Autobiographie  "Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude" ist 2010 im DTV erschienen. Heute ist er Abteilungsleiter für Internationale Beziehungen im israelischen Ministerium für Nachrichtendienste im Büro des Ministerpräsidenten.

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Leserpost (4)
Richard Loewe / 04.11.2017

Natürlich wird die islamische Weltherrschaft weiterhin das Ziel sein, es ist ja schließlich Teil des fünfmaligen Gebets der Muslime und der Eröffnungssatz des Korans. Der Kommandeur der Truppe, die Deir al Zor “befreit” hat, ist übrigens auf der offiziellen Terrorliste der USA. Und die ist immer noch sehr kurz. Nachdem wir alle die Geographie des Mittleren Ostens immer genauer kennen, werden wir bald wieder mehr vertraute europäische Ortsnamen in der Presse lesen können. Die Vornamen Ahmed und Mohammed werden die Schlagzeilen aber exotisch bereichern.

Karla Kuhn / 04.11.2017

WIEVIEL davon sind bereits in Deutschland?

Hermann Neuburg / 04.11.2017

Sorry, lieber Autor, war dieses beim Islam nicht von Anfang an so, zu Zeiten Mohammeds: “um im Namen einer Religion, jedoch oftmals eigentlich nur, um aus ihrer eigenen Misere zu fliehen”? Es waren die Looser in Mekka, die Mohammed nach Medina folgten. Wenn man ganz ehrlich mit seiner Religion Islam ist, muss man das eindeutig mit Ja beantworten. Der Islam wird seit 1400 Jahren instrumentalisiert, von seinen Führern, um Perspektiven (man kann es auch Ausbeutung der anderen nennen) für junge Männer zu bieten. Der Unterschied zum Christentum oder Buddhismus ist, dass weder Jesus noch Buddha damit angefangen haben, im Diesseits, auf der Erde, Macht, Sex und Reichtum seinen Anhängern (und sich selbst, bezogen auf Mohammed) zu bieten. Bitte darüber Mal nachdenken und die Geschichte aufrichtig aufarbeiten.

Wilfried Cremer / 04.11.2017

“... auf Teufel komm raus…” Genau. Der Allah dieser Mörder ist ein Beelzebub im Gottespelz.

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