Vera Lengsfeld / 12.07.2018 / 13:30 / 9 / Seite ausdrucken

Das Ende der Klassik

„Seit die klassische Musik verboten wurde, hat sich mein Leben grundlegend verändert. Ich hocke wie in einem Mauseloch, und draußen lauert wie eine große Katze der Staat“.

So beginnt Autor A.Henry seine Erzählung "Das Ende der Klassik" über das allmähliche Abgleiten in eine neue Diktatur. Es begann mit den scheinbar gerechten Forderungen nach Gleichheit. Damit waren nicht die Gleichheit vor dem Gesetz und die Chancengleichheit gemeint, sondern die Eliminierung der Unterschiede zwischen den Menschen. Die Schaffung des Einheitsmenschen begann mit der Einführung von Quoten. Die klassischen Orchester sollten zur Hälfte aus Musikerinnen bestehen. Das war noch relativ einfach zu erfüllen. Dann sollten aber auch Behinderte, die nur „anders Befähigte“ genannt werden durften, mittels Quote in Orchester integriert werden. Das war schon schwieriger, konnte aber noch gelöst werden, indem sich Musiker Behinderungen bescheinigen ließen. An der Spitze standen Autismus und Schwerhörigkeit. Schließlich war Beethoven sogar taub gewesen und hatte noch Meisterwerke geschaffen.

In den öffentlich-rechtlichen Sendern war immer weniger Klassik zu hören. Nur Mendelssohn Bartholdy machte eine Ausnahme, weil er schon einmal verboten worden war und man mit dieser Diktatur nichts gemein haben wollte. Das Problem Mendelssohn Bartholdy löste sich von selbst, als klassische Musik generell verboten wurde.

Sie musste aus allen öffentlichen Institutionen und Privathaushalten verbannt und vernichtet werden. Rebell war, wer, wie der Erzähler, heimlich Klassik hörte. Dazu mussten umfangreiche Vorkehrungen getroffen werden. Im Klassik-Keller durfte es keinen Laptop, kein Handy, keinen Chip und keine Bank- oder Gesundheitskarte geben, damit man dem Täter nicht auf die Spur kommen konnte.

Die öffentliche Stimmung wurde durch zahlreiche „Rock gegen Klassik“-Konzerte angeheizt. Zahllose freiwillige Helfer denunzierten eifrig jeden Verdächtigen. „Sie gehen gegen jeden vor, der es wagt, ihren festgelegten Welterklärungen zu widersprechen. Sie verlangen Gefolgschaft für ihre Behauptungen, fordern Bekenntnisse, Nachplapperei. Drohen mit Strafen für abweichendes Denken! Für Denken überhaupt!…Dabei haben sie nichts in der Hand, als ihre lächerlichen Verbote…“

Nach einer Haussuchung, bei der die Behörden nicht fündig wurden, braucht der Erzähler dringend ein Dosis klassische Musik, die Stimme des Sarastro: „Strahlen der Sonne vertreiben die Macht, zernichten der Heuchler erschlichene Macht“. Danach weiß er wieder: „Der Tag wird kommen, an dem ihre Macht zusammenbricht. An dem wir wieder Mozart hören können – unter freiem Himmel.“

P.S. Klassische Musik war in Maos China verboten. Heute gibt es zahlreiche chinesische Musiker in den Orchestern der Welt

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Leserpost (9)
peter luetgendorf / 12.07.2018

Sehr geehrter Herr oder Sehr geehrte Frau Rath, haben Sie noch alle Tassen im Schrank? Das “für vile unverständliche US-Englisch-Kauderwelsch-Song-Unwesen” wird seit etwa 60 Jahren von Ihren geliebten deutschen Musikanten schlecht abgekupfert. Und es tut mir leid, daß Sie die englische Sprache nicht beherrschen. Damit entgehen Ihnen ca. 90 % der besten Witze der Welt. Gruß

A. Henry / 12.07.2018

Der Autor des Buches bittet um Verständnis für die derzeitige Lieferverzögerung. Die Nachfrage ist enorm, womit nicht zu rechnen war. Das Buch befindet sich in dritter Auflage in der Druckerei und wird in wenigen Tagen wieder verfügbar sein. A. Henry

R.E.Rath / 12.07.2018

Frau Lengsfeld: Die Beurteilung der Situation endet nicht bei den von Ihnen genannten klassischen Klassikern. Sie endet eigentlich erst mit Beginn der 80er Jahre. Klassiker sind für mich neben den von Ihnen genannten Kulturschaffenden Kurt Edelhagen, Strasser, Count Basie, Louis Armstrong, James Last, SFB-Tanzorchester, Ella Fitzgerald, deutsche Pop-Musik der 20er und 30er Jahre, das Bundeswehrorchester, Volkslieder, Karl Valentin, europäisches Liedgut usw.usw. Alles das wird dem das Volk dämlich haltende für vile unverständliche US-Englisch-Kauderwelsch-Song-Unwesen geopfert und bestenfalls zu sehr unpopulären Zeiten gesendet. Das erinnert irgendwie an die unselige Bücherverbrennung. Die Schönheiten der europäischen Muttersprachen werden in ganz Europa von quotenjagenden Radio- und Fernsehsendern, privater und öffentlich rechtlicher Coleur, zur Erlangung lukrativer Werbeverträge geopfert. Zumindest die „Öffentlichen“ in Deutschland sollten sich bewusst sein, dass es ihre Aufgabe ist, auch die Ansprüche der kulturell interessierten Minderheiten zu befriedigen. Sonst habe sie es ja auch zur Pflicht gemacht Minderheiten lautstark zu vertreten. Welche ich meine, erspare ich mir zu nennen. Daher erneuere ich noch einmal mein Anliegen, dass es wünschenwert ist, wenn die „Achse“ einmal prüfen würde, einen europäischen Radiosender ins Leben zu rufen.

Robert Jankowski / 12.07.2018

Da das Buch anscheinend vergriffen ist, fragte ich mich sofort, wie es um den Achgut Verlag bestellt ist? Da müsste doch noch einiges an Literatur kommen, die sich bei den gleichgeschalteten Verlagen nicht verlegen lässt. Nebenbei liebe Vera: du bist ein echter Querkopp und Freigeist. Bleib bitte so, es tut wirklich gut dich zu lesen.

Martin Müller / 12.07.2018

Der neue Multi-Kulti-Staat geht einher mit einer Art von Softdiktatur, sonst wäre dieser Staat ja auch gar nicht zu verwirklichen. Weil er natürlich gegen die vitalen Interessen der Einheimischen Bevölkerung mittlerweile institutionell und politisch aufgestellt ist. Dabei werden die Mechanismen eines schleichenden Prozesses ebenso genutzt wie die guten konjunktureller Daten, um den Umbau unseres Landes von einer homogenen, geschlossenen Solidargemeinschaft zur grenzenlos offenen und heterogenen Gesellschaft zu realisieren.

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