Als die Europäische Zentralbank am 11. Juni zum ersten Mal seit 2023 die Zinsen anhob, wurde diese Nachricht in der gesamten Eurozone mit Unmut aufgenommen. Besonders unwillkommen war sie in Deutschland. In der gesamten Währungsunion schwächt sich das Wachstum ab, während die Preise steigen. Ökonomen haben einen Begriff wieder aus der Versenkung geholt, der zuletzt in den 1970er Jahren in Mode war: Stagflation. Zu Beginn des Jahres sah 2026 noch weniger beunruhigend aus. Die Märkte erwarteten, dass die EZB stillhalten würde. Dann trieb der Iran-Krieg den Ölpreis auf über 100 Dollar pro Barrel, und die Inflation in der Eurozone stieg auf 3,2 Prozent.
Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, erklärte, die Zinsentscheidung sei bei mehreren möglichen Szenarien sinnvoll. Sie ging jedoch nicht darauf ein, wie unangenehm diese Szenarien für Deutschland sind. Die EZB entscheidet natürlich nicht darüber, welche Zinsen Deutschland für seine Schulden zahlt. Das tun die Kapitalmärkte, und diese haben als Erste reagiert. Zehnjährige deutsche Staatsanleihen bringen bereits mehr als 3 Prozent Rendite – so viel wie seit 2011 nicht mehr. Der allgemeine Schock hatte Berlin bereits dazu gezwungen, die Wachstumsprognose für dieses Jahr auf 0,5 Prozent zu halbieren. Die Bundesbank rechnet mit einer Inflationsrate von knapp 3 Prozent. Deutschland steht kurz vor einer Rezession, während die Inflation weiterhin zu hoch ist.
Das tiefgreifendere Problem Deutschlands ist jedoch struktureller Natur. Bis 2030 könnten allein Rentenzuschüsse, Verteidigung und Zinsen rund zwei Drittel der Bundesausgaben und nahezu die gesamten Steuereinnahmen des Bundes verschlingen. Bei keinem dieser drei Bereiche lassen sich leicht Einsparungen vornehmen. Was übrig bleibt, muss alle anderen Aufgaben der Regierung abdecken. Diese Zahlen stammen größtenteils aus den eigenen Haushaltsplänen der Regierung und nicht aus feindseligen Schätzungen. Die Subventionen zur Stützung des Rentensystems steigen von 128 Milliarden Euro in diesem Jahr auf 154 Milliarden Euro bis 2029, während der Verteidigungshaushalt bis 2030 180 Milliarden Euro erreicht.
Die Zinsen vervollständigen den Druck. Das Institut der deutschen Wirtschaft, ein wirtschaftswissenschaftlicher Think Tank in Köln, berechnet, dass der Schuldendienst im vergangenen Jahr jeden 13. Steuereuro verschlungen hat. Bis 2030 wird es fast jeder fünfte sein. Man könnte erwarten, dass eine Regierung, die über fünf Jahre fast eine Billion Euro aufnimmt, diese in Infrastruktur und Verteidigung investiert. Doch nach der unbereinigten Messgröße des Instituts sinkt der Investitionsanteil am Kernhaushalt bis 2030 von 9,3 auf 7,7 Prozent. Unterdessen hat Clemens Fuest, Leiter des Münchner ifo-Instituts, davor gewarnt, dass ein Großteil der neuen Kreditaufnahme nur dazu dient, Haushaltslöcher zu stopfen, statt echte Investitionen zu finanzieren.
Die „schwarze Null“ wurde zu Schäubles Credo
Wie konnte das Land, das jahrzehntelang in der gesamten Eurozone finanzpolitische Tugend predigte, hier landen? Um das zu verstehen, muss man in das Jahrzehnt zurückblicken, als alles noch zu funktionieren schien. Im Jahr 2017 trat Wolfgang Schäuble, das strenge Gesicht der deutschen Haushaltsdisziplin, nach acht Jahren als Finanzminister in den Ruhestand. Um ihn zu verabschieden, versammelten sich Hunderte seiner Beamten im Ehrenhof des Ministeriums und formten eine riesige menschliche Null. Die „schwarze Null“ wurde zu Schäubles Credo: ein Bundeshaushalt ohne Neuverschuldung, verehrt als Doktrin.
Berlin brachte den Bundeshaushalt tatsächlich ins Gleichgewicht, und zwar nicht nur einmal: Von 2014 bis 2019 nahm der Bund sechs Jahre in Folge keine neuen Nettoschulden auf. Doch die Null war billig zu haben. 2009 zahlte der Bundeshaushalt noch rund 38 Milliarden Euro an Zinsen. Ein Jahrzehnt später lag die Summe nur noch bei knapp 12 Milliarden Euro, und 2019 bezahlten Anleger Berlin sogar dafür, seine dreißigjährigen Anleihen halten zu dürfen.
Zu wenig von diesem unerwarteten Vorteil floss in Maßnahmen, die Deutschland sicherer oder wettbewerbsfähiger gemacht hätten. Anstatt in das Militär oder die Infrastruktur zu investieren, wurde das Geld für den Ausbau des Sozialstaats verwendet. Im Jahr 2014 war die Rentenkasse so gut gefüllt, dass eine Senkung des Beitragssatzes gesetzlich vorgeschrieben war. Die Regierung strich die Senkung und gab das Geld stattdessen für die Rente mit 63 für langjährige Arbeitnehmer und höhere Renten für ältere Mütter aus. Dieses Paket kostet jährlich rund 10 Milliarden Euro und ist damit eine der teuersten Rentenerweiterungen in der jüngeren deutschen Geschichte. Spätere Regierungen gingen noch weiter und versprachen, dass das Standardrentenniveau nicht unter 48 Prozent des Durchschnittslohns sinken würde, ganz gleich, wie schnell die Bevölkerung altert. Im vergangenen Jahr verlängerte die Koalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz dieses Versprechen bis 2031 und erhöhte erneut die Renten für Mütter.
Die schwäbische Hausfrau hatte selbst Schulden
Ironischerweise geschah all dies, während Berlin Südeuropa Vorträge über fiskalische Verantwortung hielt. Kanzlerin Angela Merkel forderte die Welt auf, sich an der schwäbischen Hausfrau zu orientieren, Deutschlands Symbol für häusliche Sparsamkeit, und Schäuble spielte mit dem Gedanken, Griechenland wegen seiner fiskalischen Sünden aus dem Euro zu drängen. Griechische Demonstranten reagierten, indem sie deutsche Flaggen und Merkel-Puppen verbrannten. Doch während Deutschland Athen wegen seiner ausgewiesenen Schulden zurechtwies, häufte es still und leise implizite Verbindlichkeiten in einem Ausmaß an, das keine Maastricht-Schuldenquote erfassen konnte: die Rentenversprechen einer alternden Nation. Wer hätte gedacht, dass die schwäbische Hausfrau selbst Schulden hatte?
Und doch war nichts davon verborgen. Seit Jahren hatten deutsche Ökonomen gewarnt, dass diese Großzügigkeit nicht gut enden werde, weil die bereits beschlossenen Ausgabenversprechen untragbar würden. Schon die Fortsetzung der bestehenden Politik würde ausreichen, um den Haushalt zu sprengen. Die Stunde der Abrechnung schlägt nun. Das Jahrzehnt des billigen Geldes geht zu Ende, gerade als Berlin in diesem Jahr Bundesanleihen im Rekordwert von 512 Milliarden Euro emittiert und Millionen von Babyboomern in den Ruhestand gehen. Hinzu kommen sechs Jahre praktisch wachstumslosen Verlaufs der deutschen Wirtschaft.
Vor 27 Jahren, im Juni 1999, bezeichnete „The Economist“ Deutschland als den „kranken Mann des Euro“. Gerhard Schröder, der sozialdemokratische Bundeskanzler (und damals noch kein Lobbyist für russische Pipelines), reagierte darauf mit seiner Sozialreform „Agenda 2010“. Diese Reformen trugen dazu bei, die Wettbewerbsfähigkeit des Landes wiederherzustellen, kosteten ihn jedoch letztendlich 2005 das Amt des Bundeskanzlers. Berlin weiß, was ein ernsthaftes Reformpaket beinhalten würde. Doch jeder erinnert sich daran, was mit Schröder geschah, weshalb sich niemand freiwillig bereit erklärt, seinen Ansatz zu wiederholen.
Und es wird kein deutsches Problem bleiben. Der Euro wurde auf der Annahme deutscher Solidität errichtet. In der nächsten Krise könnte sich herausstellen, dass Europas Anker weniger stabil ist, als Europa annimmt. Deutschlands Finanzminister hat bereits jetzt Mühe, Milliarden-Euro-Lücken im Haushalt zu stopfen. Aus der Perspektive der 2030er Jahre betrachtet, könnten diese Zeiten als die guten Jahre in Erinnerung bleiben.
Der Beitrag erschien zuerst auf der Website von Oliver Marc Hartwich und in Newsroom.co.nz (Wellington).
Na klar. Die Leistungsträger bekommen zuviel. Da muß gekürzt werden. Gleichzeitig wird die Ukraine und der Rest der Welt gerettet und Millionen im Land gepampert.
Ich habe das Gehabe um die schwarze Null immer als Populismus empfunden. Klar wäre es schön gewesen, die Stabilitätspolitik der Bundesbank in der EZB zu bewahren. Aber warum ist wohl der Euro eingeführt worden, wenn nicht, um einer Finanzelite mehr Freiheiten der Geldvermehrung zu übertragen und so die Gesellschaft effizienter auszuplündern? In einer solch inflationären Ausgangslage sind alle die Dummen, aber diejenigen, die sparen und anderen das Schuldenmachen auf ihre Kosten überlassen, die Allerdümmsten.
Problem der Deutschen ist nicht die Schuldensause, mit der sie lediglich zu den Italienern und Griechen aufschließen, sondern der drastische realwirtschaftliche Einbruch. Die Deindustrialisierungspolitik der Energiewende in Verbindung mit sozialen Verpflichtungen aus der suizidalen Migration in die Sozialsysteme wird die Bundesrepublik nicht als freiheitlich-demokratisches System überleben. Die Schulden von jetzt kaufen in 10 Jahren nur noch Trittins berühmte Kugel Eis. Um die mache ich mir überhaupt keine Gedanken.
… und unsere Narren wollen der Ukraine zum Endsieg verhelfen. Unfassbar. Der Wiederaufbau wird teurer als der Krieg.
Hahaha, das schlägt ja dem Fass den Boden aus. Die DEUTSCHE NULL wird niemals enden, nimmerdar!!!
Friedrich M. und Wirtschaft. Das gehört wohl in die Welt der Märchen. Friedrichs bevorzugte Strategie ist also woanders zu suchen. Ja,da ist das Kanzleramt. Nur dafür braucht er keinen Plan. Es reicht,der SPD mit Mrd zu dienen. Die eine, einzige Strategie des Friedrich M. (Kanzler sagt man ungern) könnte gar klappen, wenn sie denn eine ist. Vielleicht ist es auch nur Sabotage an Partei und Land: Friedrich führt die nutzlose bis gesellschaftsgefährdende CDU ins marginale Allerlei oder in die Aufspaltung. Er träumte einst, die AfD zu halbieren. Der Traum zerplatzte. Nun träumt er sich, einem Teenager gleich, als eine Art Robin Hood des vierten Reichs, das aber und für Friedrich natürlich bedauerlich, gar nicht kommt. Friedrich, ein Robin Hood des Lummerland, der, weil Friedrich, etwas arrogant gegenüber jedermann und mit wenig Instinkten ausgestattet für das Richtige und mit noch weniger für den Bürger. Was er träumt, ist natürlich das eine. Das reale Andere ist, dass er seine eigenen Leute ins Drittel stolpert und somit in die berufliche Selbständigkeit in einer Wirtschaft, die abschmiert und turmhoch Arbeitslose kreiert, aber obendrauf haufenweise Fachkräfte bekommt, die keine sind. Andere Nationen kreieren derweilen Kreatives aus KI, was wiederum den Deutschen zu noch mehr Arbeitslosen verhelfen wird. Dieses Mal bis weit in die Mitte hinein und mit Mitte ist tatsächlich die Mitte gemeint. Man muss ja neuerdings immer klarstellen, dass das Wort nicht umgedeutet. Kommt die Aufspaltung der CDU, dann gibt es wohl eine Kohl-Partei; vielleicht nennen sie die Allerdümmsten gar KP. Die andere Hälfte wird zur Mu, zur Merkelunion, mit Hendrik I, dem Grünen, als Fürst von $188-Gnaden und seiner Entourage der Erfüllungsgehilfen. Sollte Hendrik I Glück haben, weil Friedrich so weitermacht, dann findet sich Hendrik in der vorindustriellen Zeit wieder, in der ringsum Fürsten das ungeteilte Sagen haben. Dort unten angelangt, könnte dann wirklich ein Robin Hood auf KP & Mu warten.
Die „Welt“ am 30.03.2026:
„Verschuldung steigt exponentiell“ – Rechnungshof-Präsident kritisiert Bundesregierung scharf.
Kurz vor seinem Abschied rechnet Kay Scheller mit der Haushaltspolitik der Bundesregierung ab. Ein Großteil des „Sondervermögens“ werde zweckentfremdet, warnt der Präsident des Bundesrechnungshofs:
„Wenn man sich den laufenden Haushalt anschaut, fließt inzwischen fast die Hälfte des Budgets in Zinsen (!), Verteidigung und Renten“, sagte Scheller. Hinzu kämen zahlreiche gesetzliche Verpflichtungen. „Das lässt kaum noch Spielraum für Neues. Etwa 90 Prozent der Haushaltsmittel sind fest verplant, lediglich rund zehn Prozent sind flexibel einsetzbar“, so der Jurist. Diese Versteinerung des Bundeshaushalts führe dazu, dass in Krisenzeiten oft nur der Griff zu neuen Krediten bleibt: Die Verschuldung steigt exponentiell.
Das ist nun mal so wenn man nie zurückzahlt, dann hat man den Zinseszinseffekt der Schulden und der verläuft exponentiell.
Es geht ihnen nur um sie selbst: So wollen sie gewählt werden durch Bestechung der Wähler auf Schulden, durch Stimmenkauf mit der Gießkanne auf Pump. Es ist ja nicht ihr Geld.
Rechnungshof-Präsident kritisiert Bundesregierung scharf: „Verschuldung steigt exponentiell“.
Das macht den Staatsbankrott irgendwann aber sicher zum typischen Ende des demokratischen Systems. Das ist die eigentliche Gefahr für des demokratische System, ausgelöst von denjenigen, die sich selbst als die maximalen Demokraten bezeichnen.
Sie sprechen von Rechtspopulisten, seltener von Linkspopulisten, aber die Populisten der Mitte sind die maximalen Populisten.
Und reicht das Geld nicht mehr für die Gießkanne, dann ist der Finanzminister schuld bzw. seine Partei, siehe Umfragen bzgl. FDP und SPD. Die CDU hat auf das Finanzministerium verzichtet.
Final bezahlen die Rechnung dann diejenigen, denen sie die Stimmen abgekauft haben, ja wer denn sonst?
Es geht ihnen nur um sie selbst, es geht ihnen nicht um uns, sonst würden sie das nicht machen.
Man kann nicht nur die betrieblichen Altersvorsorge vorfinanziert (!) / kapitalgedeckt anlegen, man kann auch die gesetzliche / Umlagen finanzierte Altersversorgung auf Kapitaldeckung umstellen. Jeder finanziert im Voraus bis er die Rente bezieht. Dieses Kapital ist dann für jeden Rentner da, unabhängig ob die Arbeitenden weniger und die Rente beziehenden mehr werden, weil jeder, der Rente bezieht diese in seinem Arbeitsleben schon vorfinanziert hat. Diese System ist demografisch unabhängig!! Das System ist ausgleichend: Bezieht jemand bezüglich eines Mittelwertes weniger lange Rente, so finanziert die Kapitaldeckung die Rente derer mit, die länger als der Mittelwert Rente beziehen.
Dann fragen wir mal die KI xAI:
In welchen Ländern ist die Rente Umlagen finanziert (wie Generationenvertrag) und in welchen Ländern ist die Rente Anlagen vorfinanziert?
Daraus gekürzt, also z.B.:
Länder mit primär vorfinanziertem also kapitalgedecktem System:
Singapur. Central Provident Fund
Malaysia: Employees Provident Fund
Hong Kong: Mandatory Provident Fund
Neuseeland: KiwiSaver
usw.
Aber, die Umstellung der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland von einem Umlageverfahren auf ein anlageorientiertes, demografisch unabhängiges (!) Verfahren würde erhebliche Übergangskosten verursachen:
Vollständige oder weitgehende Umstellung:
Der implizite „Schuldenberg“ des Umlagesystems (Barwert der zukünftigen Rentenverpflichtungen minus Beiträge) wird auf mehrere Billionen € geschätzt. Ein Kapitalstock, der die gesamten Rentenausgaben (aktuell ca. 300–350 Mrd. € jährlich) langfristig decken soll, würde bei realistischen Netto-Renditen (z.B. 3–5 % real nach Kosten und Inflation) ein Volumen von mehreren Billionen € erfordern:
Die erstmaligen Kosten einer ernsthaften Umstellung kumuliert über Jahrzehnte bei aktuell ca. 300 Mrd. € jährlich reichend für 20 Jahre würden bei 6 Billionen € (!!!) liegen.
So viel kostet es, wenn man vor Jahrzehnten einen kontinuierlichen Übergang verpasst hat!