War das Vertrauen in die Politik schon vor Corona erschüttert, so ist es nun vollends verschwunden. Sagt die Regierung hü, muss hott richtig sein, so die Meinung. Sind führende Vertreter des harten Corona-Kurses nun für Waffenlieferungen an die Ukraine, dann muss das falsch sein. Und damit sind wir mitten im Dilemma der Ukraine-Debatte.
„Ich liebe Robert Habeck!” Dieser Satz in einem sozialen Netzwerk stammt von einer mir unbekannten Frau, vielleicht ist sie berühmt, keine Ahnung. Beigefügt war ein kurzer Videoclip, in dem Robert Habeck irgendetwas sagt. Was es war, weiß ich auch nicht, denn es interessierte mich nicht. Aber dieses Anhimmeln fiel mir auf. Ups, dachte ich, also bei mir ist das völlig anders. Mag sein, es liegt daran, dass ich glücklich verheiratet bin und auch sonst ein ausgefülltes Leben führe. Oder vielleicht liegt es daran, dass ich nicht zu emotionalem Überschwang neige, weder in schwärmerischer noch hysterischer Hinsicht. Für mich ist Habeck eine Null, ein Schaumschläger par excellence.
Nun lehne ich ganz grundsätzlich grüne Politik ab, weil sie unter dem Vorwand des Klimawandels Deutschland deindustrialisiert und gerade Bürger mit kleineren und mittleren Einkommen in die Verarmung schickt. Ihre Ideologie ist nur etwas für die oberen Zehntausend oder die, die ein sicheres Einkommen von dem erarbeiteten Geld derjenigen beziehen, die sie so offen verachten. Ihre Besorgnis um „das Klima“ ist nicht glaubhaft, denn hätten sie wirklich Todesangst, hätten wir schon längst zahlreiche moderne und sichere Kernkraftwerke und zusätzlich zielführende Anpassungsmaßnahmen.
Immer dann, wenn ein Problem von der Politik nicht gelöst, sondern aufgebauscht wird, geht es nicht um dessen Lösung, sondern um Macht. Nichts zeigt also deutlicher, ob ein Problem real oder „politisch“ ist, als der Umgang damit. Mit dem Grünen Robert Habeck als Wirtschafts- und Klimaschutzminister hat man den Bock zum Gärtner gemacht. Warum sollte ich ihn mir also anhören? Und warum sollte ich ihn sogar anhimmeln? Ich mag meine Mitmenschen, möchte nicht, dass sie verarmen. Also bin ich nicht für die Grünen.
Schicke Kleider sind nie verkehrt, nur reichen sie nicht
Auch das Hohelied auf eine Annalena Baerbock singe ich nicht. Fairerweise muss man sagen, dass sie nach Merkel ein attraktiverer Anblick ist und Deutschland optisch besser auf der Weltbühne vertritt. Schicke Kleider sind nie verkehrt, nur reichen sie nicht. In dem Moment, in welchem unsere Außenministerin den Mund aufmacht, wird es riskant. Wahrscheinlich sollte man sie darauf einschwören, nur Sätze aus vorgefertigten Manuskripten von sich zu geben, die jemand mit zumindest durchschnittlicher Intelligenz und Bildung sowie einem grundlegenden Gespür für Diplomatie gefertigt hat. Entgegen Annalenas Vision ist das Außenministerium nämlich nicht die Weltmissionsstation, sondern hat irgendwie etwas mit Diplomatie zu tun. Klar, das ist ein anspruchsvolles Profil, aber ich lebe nun einmal nicht in der Berliner Blase, in meiner Welt ist es tatsächlich normal, dass jemand gewisse Qualifikationen für einen Job haben muss. Dieses Konzept mag in Berlin vielleicht exotisch klingen, ist aber der Grund, weshalb Deutschland überhaupt noch funktioniert.
Man kann mir also vieles nachsagen, aber gewiss nicht, dass ich der grünen Politik huldige. Ebenso wenig wie ich zu den „Coronaten“ gehörte, die nach mehr und mehr Staat, Maßnahmen und Verboten riefen, ganz im Gegenteil.
Nun stehe ich auf der Seite der Ukraine, halte Waffenlieferungen für richtig und wichtig und kritisiere, dass diese zu spät, zu zögerlich und nicht ausreichend erfolgen. Die Ukraine wurde mit einem Krieg überzogen, und Zeit ist ein alles entscheidender Faktor im Krieg. Ein Kanzler, der in einer Krisensituation nicht schnell entscheiden kann, ist seiner Aufgabe objektiv nicht gewachsen.
Warum habe ich diese Position? Weil ich die Russlandpolitik von Merkel schon während ihrer Regierungszeit für gefährlich hielt. Ebenso falsch wie die Klima-, Migrations- und Coronapolitik. Es mag sein, dass in Berlin viele vom Kriegsausbruch überrascht waren, aber das zeigt nur, wie inkompetent unsere Politiker sind. Julian Reichelt sagt, was ich denke:
„Komplette, historisch verheerende, an Naivität nicht zu überbietende, jahrelang von Korruption getriebene Fehleinschätzung, oder wie das regierungstreue Fernsehen sagt: Hoffnung bis zur letzten Minute“.
Der Westen präsentierte sich als feige und bequem
All die Jahre war mir bewusst, dass das Abkommen von Minsk nichts weiter als ein Scheinfriede war, der mitnichten der Ukraine Zeit gab aufzurüsten, denn die dafür nötigen Militärgüter erhielt sie nicht. Russland hingegen rüstete sichtbar massiv auf, alle Welt wusste es. Russland hielt Militärübungen ab, bei denen der Überfall auf die Ukraine sehr konkret geübt wurde. Syrien war ein Testfeld für die russische Armee, zudem ein politischer Test, um zu sehen, was der Westen bereit ist, hinzunehmen. Die Antwort war klar, der Westen präsentierte sich als feige und bequem. Er schien moralisch dermaßen abgewirtschaftet zu sein, dass von ihm kein Widerstand zu erwarten war.
All das wurde von westlichen Fachleuten beobachtet, dokumentiert und die Einschätzungen publiziert. Gehört hat niemand auf sie. Und waren die Warnungen, dass die Bundeswehr sträflich vernachlässigt worden sei, nicht auch überall zu hören? Ebenso die Warnungen vor den fatalen strategischen Folgen von Nordstream II? Doch, natürlich war das alles bekannt, Merkel geruhte nur, es zu ignorieren. Lieber wollte sie die grünen Wahnvorstellungen einer Energiewende umsetzen, damit sie bei der Presse gut ankommt, hochgejubelt wird. Das gelang ihr ja auch. Der Kult um ihre Person hat die Grenze zur Peinlichkeit oft genug überschritten. Die Zukunft unseres Landes war ihr hingegen komplett egal, Machterhalt war alles, was zählte.
Kanzler Scholz trägt nicht erst seit gestern Regierungsverantwortung, er hat viele Versäumnisse nicht nur mit zu vertreten, sondern führt speziell den Merkelkurs in der Energie- und Migrationspolitik eisern fort. Er muss auch frühzeitig über die drohende Invasion informiert gewesen sein. Weihnachten 2021 war der drohende russische Angriff in meinem Bekanntenkreis schon Gesprächsthema. Dass er bald kommt, war jedenfalls sicher. Wenn wir davon wussten, dann müssen die Verantwortlichen in Berlin erst recht Bescheid gewusst haben.
Die westliche Politik war einfach grottenschlecht
Wurden die nötigen Konsequenzen gezogen? Nein. Genau wie all die Jahre zuvor sah man die Aufrüstung in Russland, bezahlt von unserem Geld für Energielieferungen – alles wegen der grünen Energiewende. Wurde unsere Bundeswehr gestärkt? Nein. Wurde die Ukraine so aufgerüstet, dass eine Fortsetzung des 2014 begonnenen Krieges sich für Putin nicht rentiert hätte? Nein. Wurde in all den Jahren seit 2014 irgendetwas unternommen, um Putins schon damals klar geäußerte Pläne zur Wiederherstellung des großrussischen Reiches Grenzen zu setzen? Nein.
Die westliche Politik war einfach grottenschlecht, und Deutschland ist dabei der unrühmliche Spitzenreiter.
Wenn sich die Grünen nun als besonders Ukraine-freundlich aufspielen, ist das schlicht und einfach verlogen. Natürlich wollen sie nicht, dass Putin gewinnt, denn dann sind ihre Träume einer grünen Republik ausgeträumt. Aber sie sind wesentlich verantwortlich dafür, dass es überhaupt so weit gekommen ist. Gleiches gilt für weite Teile der Presse, des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und der Wirtschaft, die als Korrektiv nicht nur komplett ausfielen, sondern umgekehrt Jubelarien anstimmten.
Warum sollte ich nun, wo sich das Debakel der Merkeljahre deutlich zeigt, plötzlich meine Meinung ändern? Das wäre, als würde ich nun sagen, Ausgangssperren, Schulschließungen und Maskenpflicht seien wunderbar geeignete Maßnahmen, um der „Todesseuche“ Corona wirksam zu begegnen.
Meines Erachtens ist das größte Hindernis für die Unterstützung der Ukraine zumindest in Deutschland, dass die Grünen und Teile der Medien auf der Seite der Ukraine zu sein scheinen. Nach Corona ist nichts mehr, wie es war. War das Vertrauen in die Politik schon vorher erschüttert, so ist es nun bei vielen vollends verschwunden. Sagt die Regierung hü, muss hott richtig sein, so die landläufige Meinung. Sind führende Vertreter des harten Corona-Kurses nun für Waffenlieferungen an die Ukraine, dann muss das falsch sein. Schließlich haben diese Herrschaften ihr mangelndes Urteilsvermögen hinreichend unter Beweis gestellt.
Man weiß nicht einmal mehr, wofür man kämpfen soll
So kommt es zu der seltsamen Schnittmenge zwischen „Corona-Skeptikern“ und „Putin-Verstehern“, über die sich Susanne Gaschke wunderte. Sie versteht nicht, wie jemand, der hier für Freiheit kämpft, dort der Unterdrückung das Wort reden kann:
„Gerade deshalb bin ich komplett verblüfft, jetzt etliche von ihnen auf der Seite der Putin-Verteidiger und Ukraine-Verdächtiger wiederzufinden. Wie sind sie dort hingeraten? Wie kann jemand, der sich in Deutschland für die Geltung der Grundrechte, für wissenschaftlichen Pluralismus und für einen selbstbewussten Parlamentarismus starkmacht, den Antidemokraten Putin und seinen verbrecherischen Angriffskrieg entschuldigen? Ich verstehe einfach nicht, wie man beide Positionen gleichzeitig in einem Kopf haben kann, hier für die Freiheit und da für das Sich-Ergeben in die Unfreiheit.”
Der Punkt ist, dass aus gutem Grund kaum noch jemand unserer politischen Führung vertraut oder noch weiß, wem man überhaupt vertrauen kann. Noch schlimmer: Man weiß nicht einmal mehr, wofür man kämpfen soll, denn ein wokes, klimaneutrales und gnadenlos genderndes Deutschland ist nur für wenige der Himmel. Für viele wäre das die Hölle. Und dafür kämpfen?
Die politische Klasse hat noch nicht begriffen, dass Corona die politische Statik grundlegend verändert hat. Mit den alten Methoden funktioniert nichts mehr, am deutlichsten spüren das die Freien Demokraten. Sie werden dafür abgestraft, dass sie das Unheil durch eine Ampel-Regierung erst ermöglichen, dessen Ausmaß sie versprechen zu begrenzen. Wobei ihnen nicht einmal das gelingt. Diese Partei hätte den Schlüssel in der Hand, um die Tür zu wirklichen Lösungen zu öffnen. Sie nutzt ihn nicht, macht sich damit überflüssig.
Es gibt Bürger, die weder eine grüne noch eine putinsche Diktatur wollen, sondern einen Staat nach der Vision des Grundgesetzes: ein freies Land vernünftiger Bürger, in dem jeder nach seiner Fasson selig werden kann. Diese verstehen den Kampf der Ukrainer sehr gut.
Beitragsbild: Alek Tretiak

Und was, verehrte Autorin, meinen Sie zu dem Terrorakt auf Northstream 2? Fragen Sie mal den Herrn Scholz, den Allwissenden, der zu diesem garantiert alles weiß aber am Vergessensprozess arbeitet.
„Lieber wollte sie die grünen Wahnvorstellungen einer Energiewende umsetzen, damit sie bei der Presse gut ankommt, hochgejubelt wird. Danke f. den Artikel, Dass Frau Dr. Merkel der Presse gefallen will fällt mir ungefähr so schwer zu glauben wie die Aussage, dass Honnecker sein Verhalten an der aktuellen Kamera auszurichten bemüht war. Ich glaube es verhält sich eher umgekehrt unterstellt man eine Gleichschaltung der Medien
Der Krieg in der Ukraine wurde spätestens ab 2014 seitens des Westens massiv vorbereitet, so dass die Ukraine eine der grössten und schlagkräftigsten Armeen in Europa hatte [Aussage Henry Kissinger Februar 2023], um im Februar 2022 in einen Krieg ziehen zu können, wovon Bk Scholz und Präsident Macron den ukrainischen Präsidenten auf der Siko im Februar 2022 nicht abbringen konnten.
Das Ziel des ukrainischen Präsidenten und der hinter im stehenden Kreise war und ist, durch den Krieg mit der Russischen Föderation eine ‚ukrainische Nation‘ aus der Taufe zu heben. Der Krieg diente und dient der Ukraine also als Gründungsmythos einer von allem Russischen befreiten Ukraine.
Mittlerweile hat die Ukraine einen so hohen Blutzoll für dieses Ziel gezahlt, dass die ukrainische Regierung glaubt, nicht mehr zurückzukönnen. Da muss die Nato neben Angeboten für Waffenlieferungen auch schon mit ziemlich harten Forderungen nach Waffenstillstandsverhandlungen gegenüber der Ukraine kommen.
Und der Druck der eigenen Bürger auf Regierungen von Nato-Staaten wird grösser. Denn in diesen Staaten will nach wie vor niemand für die Ukraine frieren und hungern. Die Lebensmittelpreise wurden bei uns seit Februar 2022 bis Februar 2023 teilweise bis zu über 100% in die Höhe getrieben.
Schaut mal, wer hier zurzeit agiert… Zu Joe Biden und dem Jugoslawienkrieg: „I was the one who suggested the bombing of Belgrade. I was who suggested to send American pilots and blow up all the bridges over the Danube.“ Joe Biden, 1999 pic.twitter.com/NrkvmTqN33
Ein wesentlicher Teil des Dilemmas in der Ukraine-Debatte, besteht darin, dass wesentliche Teile des Problems von manchen ausgeblendet werden, weil sie nicht in ihr Narrativ passen.
Leider, Frau Heinisch, tun Sie dies in diesem Beitrag auch.
Ich bin auch für die Ukraine und gewiss kein Putinversteher. Mich wundert es nur, dass die einstigen politischen Kräfte, die Putin immer die Hände spielten (links-grün) und auch das deutsche Militär schwächten, jetzt plötzlich andere als Putinversteher diffamieren und eine Rhetorik wählen, die militärisch eskaliert. Russland die Beine wegzuhauen, dass es nicht mehr auf die Beine komme, ist so ein Satz, denn welchen Grund hat denn Putin dann noch, sich aus der Ukraine zurückzuziehen, wenn im Anschluss keine Friedensordnung winkt, in der normaler Handel zum Vorteil beider Parteien stattfinden kann? Die Hoffnung ist, dass Baerbock sowieso nicht mehr ernst genommen wird, nach ihrer Hüpferei im finnischen Bunkern und ihrer 360°-Wende.
Die Verfasserin vergleicht Äpfel mit Birnen, wenn sie suggeriert, dass die regierungskonforme Darstellung des Ukrainekonflikts durch die ACHSE realistisch sei, weil sie ja auch bei der regierungskritischen Berichterstattung zu den Coronamaßnahmen richtig gelegen habe. Dazu folgendes:
1. Die Achsen-Beiträge zum staatlichen Coronairrsinn zeichnen sich durch faktengesättigte, auf Evidenzen basierende und genau belegte Argumente aus und haben es auch nicht nötig, durch vorangestellte, z.T. demagogische Illustrationen den nachfolgenden Text gefühlsmäßig zu framen. Die Auslassungen Herrn Ostholds et.al. hingegen bestehen überwiegend aus Mutmaßungen, Gerüchten, westlicher Propaganda und z.T. übler Polemik, weswegen ich sie für nicht weniger unglaubwürdig halte als die russisch.
2. Die Haltung der ACHSE zum Ukrainekrieg kann – im Gegensatz zur Coronafrage – schon deshalb nicht unvoreingenommen sein, weil das bekenntnishafte Motto „pro-amerikanisch“ jede Beurteilung des Konflikts vor Beginn an präjudizierte. Hier leitet in der Tat das schiere Interesse jede vorgebliche Erkenntnis.
3. Weswegen die Grünen sich nur als Freunde des Selenskyi-Regimes „aufspielen“, erschließt sich mir bei bestem Willen nicht.