Alptraum: Man erwacht eines Morgens wie in Kafkas Erzählung Die Verwandlung, zwar nicht als Insekt, doch als „Rechtsradikaler“. Was Entsetzen bei nahe stehenden Menschen hervorruft, bei Freunden, Kollegen, Geschäftspartnern. Plötzlich gehört man nicht mehr dazu. Ist ein Feind. Und zur Bekämpfung des Schädlings sind alle Mittel erlaubt.
Mir ist in den letzten Wochen genau das passiert. Kritik an der Nahost-Politik eines SPD-Außenministers führte erst zur Ausladung und Absage einer lange verabredeten Veranstaltung durch die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung, dann, als ich den Fall öffentlich machte, zu massiven Denunziationen. Texte auf der Achse des Guten wurden von der Ebert-Stiftung als Mitarbeit an einem „Forum, dass man mindestens rechtspopulistisch nennen kann“, diskreditiert. Daraus entstand im Verlauf weniger Wochen die Behauptung, ich sei „in der rechtsradikalen, bzw. rechtspopulistischen Szene involviert“, wie mir vor einigen Tagen ein Veranstalter schrieb, der mich eigentlich zu einem Vortrag einladen wollte, nun aber einen Schreck bekam.
Ich kann hier in Israel darüber lachen. Doch viele, die von solchen Verwandlungen in Deutschland heimgesucht werden, können es nicht. Ich weiß nicht, wie oft mir deutsche Besucher inzwischen ihre Sorgen anvertraut haben, sie fürchteten wegen einer abweichenden Meinungsäußerung zum Klimaschutz, zur Migrationspolitik oder zur Einrichtung von Toiletten für ein drittes Geschlecht in Misskredit zu geraten und existenziell geschädigt werden bis zur Entlassung aus ihrer Arbeitsstelle. Inzwischen weiß ich, dass sie nicht übertreiben. Das Denunzieren hat im heutigen Deutschland erneut Konjunktur. Als erinnere man sich nicht mehr, welches Unheil es in zwei deutschen Diktaturen angerichtet hat.
Ein Paradies der Mitläufer, Schweiger und Duckmäuser
Ich muss Angela Merkel den Vorwurf machen, dass sie mit ihrer vorschnellen, inkompetenten Verurteilung von Thilo Sarrazins erstem Buch, vorgetragen 2010 mit dem ganzen Gewicht ihrer Kanzlerschaft, wesentlich beigetragen hat zum Aufkommen des neuen Denunzianten-Unwesens und zur Vergiftung der geistigen Atmosphäre in Deutschland. Eine katastrophale Fehlentscheidung war die darauf folgende Entfernung Sarrazins aus dem Vorstand der Bundesbank, wodurch, von der Kanzlerin initiiert und sanktioniert, der Präzedenzfall geschaffen wurde, dass eine unliebsame Meinungsäußerung eine existenziell schädigende Bestrafung nach sich zieht. So hat sich in den anderthalb Jahrzehnten, seit Angela Merkel Kanzlerin ist, die einst um offene Diskussion, klare Argumentation, kreative Kontroverse bemühte Öffentlichkeit der Bundesrepublik Deutschland zurückverwandelt in frühere Formen, in ein Paradies der Mitläufer, Schweiger und Duckmäuser, in ein Dickicht der Denunzianten.
Angela Merkel hat nie verstanden, was westliche Meinungsfreiheit eigentlich meint. Woher auch? Sie kennt sie nicht. Sie ist in Harmonie mit einer deutschen Diktatur aufgewachsen, dann hinüber geschlüpft in ein anderes geschlossenes System, einen anderen Partei-Apparat, den der West-CDU unter Helmut Kohl. Wo ihre Karriere nahtlos weiterging und sie weiter agierte nach den ethischen Standards ihrer Jugend.
Unter ihrer Herrschaft entstand eine selbsterklärte, konturlose Mehrheit der Mitläufer, die sich auf ein paar Schlagworte einigt, immer und überall zu wiederholen, gebetsmühlenartig, das warme Herdengefühl der Übereinstimmung: „Kampf gegen Rechts“, „Gegen Rassismus“, „Gegen den Klimawandel“. Und so undeutlich, letztlich unbrauchbar das ist, so unbarmherzig wird Erfüllung verlangt. Und jeder denunziert, der Zweifel anmeldet. Die Denunziation „rechtsradikal“ zu sein, kann einen Alt-Linken treffen, ein Jude kann beschuldigt werden, sich mit Nazis einzulassen, eine lesbische Aktivistin kann in Verdacht geraten, die strikten Gebote der „Gender Equality“ zu missachten, ein Energie-sparender Öko-Freak, der gegen Schulschwänzen ist, nicht entschlossen genug „gegen den Klimawandel“ zu kämpfen. Die Vorwände können nichtig sein, entscheidend ist der Wille, die Abweichung zu bestrafen. Das Ende dieses Weges ist bekannt, er führt in die von Orwell beschriebene Gesellschaft des Schweigens, der Selbstunterdrückung und allgemeinen Angst.
Inzwischen schlägt auch die deutsche Wirtschaft Alarm. Denn in einem Land, in dem man die kreative Kontroverse abschafft, das alternative Denken, die intellektuelle Infragestellung, wird es auch nichts mit neuen Technologien und der digitalen Revolution. Da wird gar nichts mehr.

Die Zeichen der Zeit. Nie waren sie wieder deutlicher zu sehen, als heute. Der Umfang des Gesamtschadens aber wird größer sein, als alles bisher Dagewesene. Ganz Europa, ja, die gesamte westliche Welt befindet sich im Endspurt auf der Zielgeraden. Die Verblödung findet schon in elitären Universitäten statt, mit dem kompletten Programm von Diffamierung, Ausschluß, bis hin zur geistigen Kreuzigung aller, die es wagen, eine konträre Meinung zur globalen Geisteskrankheit zu haben. Eine Geisteskrankheit, die weder eine Klassifizierung in den gängigen Psychatriehandbüchern der Welt aufweist, noch eine bekannte Diagnose zuläßt. Sie ist so weltumfassend, daß ein Clash unumgänglich ist. Denn es ist schwer, zu glauben, daß die, die an sich selbst so besoffen sind, wieder absehbar nüchtern werden und somit zur Vernunft kommen.
"Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch" sang Biermann und hatte recht - wenn auch anders, als er glaubte. Ich will nicht wieder Herrn Silone zitieren, sondern einfach mal die Farbenlehre bemühen: rot + grün gibt BRAUN. Das weiß jedes Kind aus eigener Erfahrung.
Für mich war es längst zu erwarten gewesen. Als ich Anfang der 90er vom Osten in den Westen Deutschlands gezogen bin habe ich es sehr bald befürchtet. Ich habe mir schon damals überlegt, wenn hier mal die "richtigen" Umstände zusammen treffen, dann könnte es noch schlimmer als in der DDR werden. Diese Umstände waren zum Teil schon vorhanden, wurden aber dann mit Merkels Regierungsantritt vervollständigt. Jetzt sehen wir die "Früchte" der unsäglichen "Saat" gedeihen. Ich will garnicht viel schreiben, die Liste wäre zu lang. Nur soviel. In einer "Ellenbogengesellschaft", in der jeder das Beste für sich selbst heraus holen will, nach "oben" streben, wo aber inzwischen wahre gute Leistung und Bildung nichts mehr zählen, da treten andere Mechanismen in Kraft. Man kann es in Parteien, auf der Straße und in den Arbeitsstätten beobachten. Vorwärts kommt man nicht mehr hauptsächlich durch bessere Leistung, sondern durch das bessere "Schleimen", durch "Angepasstheit, dadurch das man die Leistung des Anderen herabwürdigt, auf ihm herum trampelt, durch Denunziantentum eben. Umgekehrter "Darwinismus", die Dummen gewinnen die Oberhand. In Deutschland hat so etwas scheinbar eine echte, regelmäßig wiederkehrende Tradition.
"Inzwischen schlägt auch die deutsche Wirtschaft Alarm." Ich vermute mal, die Euphorie von den meisten dieser Leute wurde spätestens gedämpft, als sich raus gestellt hat, daß kaum echte "Fachkräfte" über die offen Grenze gekomme sind und wahrscheinlich auch etliche (viele?), die den Anforderungen auch für einfache Tätigkeiten (zum Drücken des Mindestlohns ??) nicht gewachsen sind. Ein Bäcker hatte einen Hilfsbäcker, Anfang 20, eingestellt, der aber bereits am dritten Tag nicht erschienen ist, ihm sei das zeitige aufstehen zu anstrengend. Aber "Vater Staat" NEIN, der Steuerzahler sorgt schon dafür, daß es ihnen trotzdem gut geht ! Schon als kleines Kind wurde mir von meinen Eltern gelehrt "Der GRÖßTE LUMP im ganzen Land, das ist und bleibt der DENUNZIANT" ( mein jüdischer Stiefgroßvater wurde von so einem Lumpen in den Selbstmord getrieben.) Als ehemalige Sachsen Ossi hebt mich das nicht mehr vom Hocker, mußte ich doch in meiner Stasi Akte von diesem "netten" Menschenschlag lesen. ABER, ich habe zurückgeschlagen: Nachdem ich auch die NAMEN der IM hatte, habe ich von ALLEN, die mich denunziert und auch noch völlig verlogene Berichte geschrieben haben mit Hilfe von Freunden die Adressen ihrer VERWANDTEN bekommen und ihnen die Kopien der jeweiligen Denunzianten zugeschickt. Und damit meinen Groll ! Wow, das war ein Effekt, die meisten Angehörigen wußten nämlich gar nicht, daß sie einen Denunzianten in ihren eigen Reihen hatten !! Meine ECHTEN Freunde, die sind mir bis heute geblieben und dafür bin ich dankbar !
"Forum, das(s) man mindestens rechtspopulistisch nennen kann". Ist das ein wörtliches Zitat? Wenn ja, muss gesagt werden, dass man die Inklusion auch übertreiben kann.
Werter Herr Noll, Ihre Anklage ist natürlich richtig und begründet, aber nach meinem Geschmack viel zu akademisch, vielleicht schon fast tolerierend. Ich denke, dass die brutale Vorgehensweise der Unterdrücker-Fraktion auch in brutale Worte zu fassen ist, damit diese die Vorwürfe nicht einfach abperlen lassen. Geht es nicht viel mehr um hartes, kriminelles Stalking, um Strafdelikte, um brutale Unterdrückung, Separierung von Unterlegenen zur Selbsterhöhung, um nackten Terror, mit dem Zweck, selbst Fettauge auf der kommenden Suppe zu sein, also um nackte Kriminalität ? Ist es nicht auch oder nur das Problem, dass der feige Radfahrer immer einen zum Treten braucht und dafür auch bereit ist, kriminell zu handelt ? Also, harte Taten, harte Fakten, harte Worte ! ...."Angela Merkel hat nie verstanden", doch, sie hat sehr gut verstanden !
Denunziation ist ein Angestelltengift. Unfähige, die in mittlere Führungspositionen aufgerückt sind und denen die Angst im Nacken sitzt, ertappt werden zu können, schaffen ein Heer von Hilfskräften in sozialer Abhängigkeit, die alles wegbeissen sollen, von dem Gefahr droht durch Aufdeckung der Fehlleistungen. Der Lohn sind zum Teil geradezu lächerliche Privilegien. Das Klima der "mentalen Bereitschaft " wurde bereits 1929 /30 von Siegfried Kracauer in "Die Angestellten " durchleuchtet. P.S.: Merkel konnte nur das werden, was sie ist, weil sie eine besonders diensteifrige Erfüllungsgehilfin war. Ein äußerst kaltblütiger, gewiefter " Besen " für die Gier anderer. " Frei " ist sie auch nicht, nur skrupellos. Das Signal dieser Skrupellosigkeit ist bis in den letzten Winkel dieses Landes vorgedrungen als erfolgversprechendes Konzept. Das ist der eigentliche Schaden, den sie angerichtet hat : es könnte funktionieren, wenn man nur abgebrüht genug ist. Wahrscheinlich hat sie mehr vom " destruktiven Charakter " Benjamins "gelernt" als ganze Philosophieseminare.