Die Frage des Lesers
"Guten Tag, ich habe eine Frage an Herrn Dener, der ja die migrantischen Kreise von innen kennt und zwar sowohl im Herkunftsland als auch im Ankunftsland.
Im konservativ-kapitalistischen Teil der deutschen Gesellschaft und auch im sozialdemokratisch-arbeiterfreundlichen Teil war es ja allgemeines Verständnis in der Gesellschaft, dass die Sozialkassen etwas ganz entferntes sind und man mit Stolz seine Mark dorthin trägt. Nur im größten Notfall durfte man mit gespitzten Fingern eine kleine Münze entnehmen und musste sich selbstverständlich auch ein wenig dafür schämen, dass man etwas aus der Kasse entnommen hat.
Nun hat sich die Zeit gewandelt bzw wurde gewandelt und abseits von der Sozialministerin wissen alle, dass zweistellige Anteile von Migranten in den Sozialsystemen verweilen. Herr Dener kann hier wahrscheinlich nicht für Vietnamesen und Kroaten sprechen, sondern für das türkischstämmige Umfeld. Wie ist da auf Neudeutsch das "Mindset"? Wie ist das Verständnis von einem Sozialsystem? Taucht da nicht irgendwann mal die Frage auf, dass so eine Kasse auch mal leer sein kann? Oder ist das ein Pragmatismus: "es wird so lange gut gehen, wie es gut geht"? Oder ist da auch eine ideologische Komponente im Sinne von: "Wir sind benachteiligt und haben das Geld als Ausgleich verdient" oder das gleiche Schema umgedreht "wir sind ethnisch/religiös überlegen und verdienen es, von anderen Geld zu bekommen"?
Wenn – ohne Detaildiskussion – recht deutliche Teile der Migranten in den Sozialkassen verweilen, dann werden zumindest einige da ja nicht hinein gestolpert sein. Diese könnten nach einer Abfolge von verketteten Ereignisse dort gelandet sein oder sich auch mit Absicht in dieses System hineingesetzt haben. Mal ohne große politische Fragen: Was denken die Leute, die sich dort offenbar zahlreich aufhalten? Ist das Pragmatismus? Oder gar Rache gegen den Westen?
Eine bisher schwer zu erklärende, aber immer wieder mir selbst entgegengebrachte Erklärung ist: Der große Staat hat einfach Geld. Der Westen ist reich und wenn man will, kann man sich etwas nehmen. Das ist einfach so. Das ist kein Witz, die Leute erzählen das wirklich. Welche Erfahrungen hat Hr. Dener da gemacht, ggf. mit Fokus auf die ihm bekannten Kulturkreise?"
H.P.
Meine Antwort:
Das ist eine konkrete Frage an mich, da ich die migrantischen Kreise von innen kenne – und zwar sowohl im Herkunftsland als auch im Ankunftsland. Er wirft mit Fokus auf das mir vertraute türkischstämmige und nahöstliche Umfeld fundamentale Fragen auf, die in der politischen Korrektheit des Mainstreams meist tabuisiert werden. Es geht um das Mindset und welches Verständnis von einem Sozialsystem hier überhaupt vorherrscht. Es geht um die Nachhaltigkeit und ob ein Bewusstsein dafür existiert, dass Gemeinschaftskassen kollabieren können, oder ob der Pragmatismus dominiert, dass es so lange gut geht, wie es eben gut geht.
Auch die Frage nach der Rechtfertigung steht im Raum: Ist es das Resultat unglücklicher Kettenreaktionen oder spielen ideologische Muster eine Rolle – etwa ein gefühltes Recht auf Ausgleich wegen vermeintlicher Benachteiligung? Und schließlich: Stimmt die Beobachtung, dass der deutsche Staat oft nur als anonyme, unerschöpfliche Geldquelle wahrgenommen wird, aus der man sich einfach bedienen kann?
Gehen wir der Sache also ohne ideologische Scheuklappen auf den Grund. Welche Erfahrungen habe ich gemacht? Auch wenn ich meine Erlebnisse primär mit Türkeistämmigen gesammelt habe, war ich neugierig genug auf die Gegenwart. Also habe ich mich in meinem Umfeld umgehört und die Eltern jener Kinder befragt, die zu meinen Schützlingen zählen und bis jetzt vor allem aus Syrien, Afghanistan und Somalia kommen.
Es stimmt: Früher empfand man es als zutiefst peinlich, den Gang zum Amt anzutreten. Das galt selbst für die erste Generation der türkischen Gastarbeiter. Früher galt in der gesamten deutschen Gesellschaft – vom wertkonservativen Bürgertum bis zur sozialdemokratischen Arbeiterschaft – das ungeschriebene Gesetz, dass man mit Stolz einzahlt. Staatliche Hilfe galt als äußerste Notlösung, die man nur mit einer gewissen Scham in Anspruch nahm. Ich erinnere mich gut an meine Zeit als Student und Übersetzer in Köln. Wenn ich damals türkische Staatsbürger zum Sozialamt begleitete, glichen die ersten Minuten einer geheimdienstlichen Operation: Erst einmal wurde die Gegend akribisch sondiert. Bloß keinem Bekannten begegnen! Es durfte sich in der Gemeinde nicht herumsprechen, dass man staatliche Hilfe benötigte. Für den stolzen Türken war es nicht nur beschämend, hilfsbedürftig zu sein. Es schmerzte ihn im Ehrgefühl, für das Nichtstun Geld aus dem Topf derer zu nehmen, die dafür hart arbeiteten. Entsprechend krampfhaft und ehrgeizig wurde versucht, so schnell wie möglich irgendeine Arbeit zu finden, um dieser Scham ein Ende zu setzen.
Was als Notanker gedacht war, wurde zur Gewohnheit
Doch die Jahre vergingen, und mit ihnen schwand der moralische Kompass. Was als Notanker gedacht war, wurde zur Gewohnheit. Dass man anderen etwas wegnahm, verlor an Schrecken. Aus Scham wurde ein forderndes „Es ist mein gutes Recht!“, bis es schließlich zur absoluten Selbstverständlichkeit verkam. Mehr noch: Das System wurde zum Spielfeld für kreative Optimierer. Man heckte Strategien aus, wie man trotz florierender Selbstständigkeit zusätzlich vom Amt kassieren konnte. Ich kannte Franchisenehmer von bekannten Bäckerei-Ketten, bei denen der offizielle Vertrag auf den bereits erwachsenen Sohn lief. Dieser ging brav woanders einer regulären Arbeit als Angestellter nach, war aber parallel auf dem Papier selbstständig, während die Eltern rein praktisch den Laden schmissen. Da blieben damals monatlich locker 10.000 bis 15.000 DM rein netto hängen. Aber auf die Sozialhilfe der Eltern verzichten? Darauf doch nicht!
Es entwickelte sich über die Jahrzehnte ein regelrechter Volkssport daraus, wie man das deutsche System am besten austricksen konnte. Nach 2015 ging die Post dann so richtig ab. Machen wir uns nichts vor: Die meisten der Neuankömmlinge sind genau wegen dieser sozialen Rundum-Versorgung hier. In den Heimatländern wurde – und wird – fleißig Deutschland-Werbung betrieben.
Die Botschaft: Dort drüben wirst du fürs Nichtstun bezahlt. Das tiefere „Warum“ dahinter versteht in Syrien oder Somalia ohnehin niemand. Ein System, das Geld fürs Atmen verschenkt, gab es in ihrer Heimat nie und ist auch aus den Nachbarländern unbekannt. Wo bitteschön soll da der ökonomische Sinn liegen?, fragen sich viele insgeheim. Doch am Ende zuckt man dankbar mit den Schultern: Man muss ja im Leben nicht alles verstehen. Man nimmt es einfach.
Zwar sind sich die verschiedenen Communities untereinander oft nicht grün, aber das digitale und analoge Netzwerk funktioniert wie eine Eins. Sobald der deutsche Staat irgendwo eine neue Geldquelle öffnet, macht das in Sekundenschnelle die Runde. WhatsApp-Gruppen glühen: Wer muss wo welchen Antrag stellen? Welche bürokratische Zauberformel muss man beim Sachbearbeiter aufsagen? Deutschland wird als Beute wahrgenommen, die zum Ausnehmen bereitsteht – und diese Einladung wird dankend angenommen.
Der deutsche Gutmensch schlägt dabei gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Er tut Gutes hier vor Ort und saniert gleichzeitig die Volkswirtschaften in den Herkunftsländern. Denn von dem staatlichen Segen wird selbstverständlich regelmäßig Geld per Western Union & Co. an die Verwandtschaft in der Heimat geschickt.
„Wenn ich tot bin, möchte ich in Damaskus begraben sein.“
Das deutsche Füllhorn kennt ohnehin keine Grenzen: Da gibt es großzügige Erstausstattungen für nagelneue Möbel. Es winken Sonderzahlungen für jede erdenkliche Lebenslage. Im Härtefall übernimmt der deutsche Steuerzahler sogar die Überführung und Beerdigung in der fernen Heimat, weil der Verstorbene das nun mal als letzten Wunsch angegeben hat: „Wenn ich tot bin, möchte ich in Damaskus begraben sein.“ Wer würde da widersprechen wollen? Die Pietät verbietet in deutschen Amtsstuben schließlich jede Budgetgrenze.
Doch bei all diesem vermeintlichen Glück stelle ich zunehmend eine paradoxe, fast tragische Entwicklung fest: Die Menschen, die wir als beneidenswert glücklich wahrnehmen müssten, weil sie ohne Gegenleistung alimentiert werden, kommen mit der Situation auf Dauer psychisch überhaupt nicht klar. Der Mensch ist nicht für das totale Nichtstun geschaffen. Wenn man 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche nur Freizeit hat und keine Freizeitbeschäftigung, muss diese Leere irgendwie gefüllt werden. Besonders bei den zahllos allein eingereisten, jungen Männern führt das zu einem massiven psychischen Stau. Gedanken, dass das Geld in den Töpfen mal nicht da sein könnte, existieren nicht – wie denn auch? Auch wenn man die Sprache nicht versteht: Schlagzeilen über Milliarden Euro an die Ukraine verstehen nicht nur die über eine Million Ukrainer im Land. Es vermittelt das Gefühl: Geld ist im Überfluss da.
Was bleibt also übrig? Man sitzt den lieben langen Tag zusammen. Dann werden fleißig Ideologien gewälzt, der Westen verachtet und religiöse Ansichten radikal auf den Kopf gestellt. Man vertreibt sich die endlose Zeit mit dem Entwurf einer Welt, die mit den Werten des Gastlandes nichts mehr zu tun hat. Was Deutschland auf Dauer blüht, ist unschwer zu erraten: Es entsteht unweigerlich eine hochexplosive Parallelgesellschaft. Das Besondere an ihr ist lediglich ihr Geschäftsmodell: Sie ist komplett von der Bundesrepublik Deutschland gesponsert.
Es ist daher höchste Zeit für eine politische Kehrtwende, die das Prinzip von Leistung und Gegenleistung reaktiviert. Solange der deutsche Staat den Missbrauch belohnt und Naivität als Humanismus tarnt, wird dieser Zustand anhalten. Wir müssen dringend weg von arbeitsfreien Geldleistungen hin zu Sachleistungen. Wer gesund ist, muss für jede staatliche Unterstützung eine Gegenleistung erbringen – und sei es gemeinnützige Arbeit. Die rund 40 Millionen Deutschen, die dieses Land durch ihre gemeinnützige Arbeit und Engagement tragen, werden älter und sterben weg. Neuer Nachwuchs, der dieses System aus reinem Pflichtbewusstsein füttert, kommt kaum noch nach. Sozialarbeit für lau durch die vom Staat gesponserten Migranten? No way, das passiert nicht freiwillig. Wer unser System jedoch ausschließlich als Beute betrachtet und sich jeder Gegenleistung verweigert, hat das Recht verwirkt, von dieser Solidargemeinschaft getragen zu werden.
Beitragsbild: Ryan Lintelman CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Das erste mal habe ich mich tatsächlich geschämt. Beim zweiten mal hatte ich noch einen vorausgefüllten Antrag. Beim dritten mal habe ich perspektivisch wegen Aufstocken nachgerechnet.
Und als Wachmann im Sozialamt einer deutschen Großstadt sage ich heute: Greif raus aus dem Topf was du kriegen kannst. Die die da ihre Finger drin haben, würden dir ohne zu zögern den Hals aussaugen. Und viel ist nicht mehr drin im Topf…
„Wer unser System jedoch ausschließlich als Beute betrachtet und sich jeder Gegenleistung verweigert, hat das Recht verwirkt, von dieser Solidargemeinschaft getragen zu werden.“ Noch ne blöde Frage: Wieso begleiten sie die Leute dann noch zum Sozialamt?
Doch, es gibt noch Leute, die sich schämen: die alten Bio-Kartoffeln, die bei Dunkelheit Flaschen sammeln und inständig hoffen, von niemandem erkannt zu werden.
Der Sozialstaat ist die Wurzel allen Übels. Er gleitet zwangsläufig früher oder später gänzlich in den Sozialismus ab. Und der funktioniert dann so lange, bis ihm das Geld anderer Leute ausgeht. //// Der Sozialstaat zerstört natürliche gesellschaftliche Strukturen wie z.B. insbesondere die Familien. Soll er ja auch. Bismarck hatte den Sozialstaat ja nicht eingeführt, um irgendwem etwas Gutes zu tun. War auch nicht nötig. Soziale Netze auch jenseits der Familien gab es ja schon. Und genau darum ging es: Bismarck führte den Sozialstaat ein, um die Macht der Konkurrenzstrukturen -- insbesondere der Gewerkschaften -- zu brechen.
„Was Deutschland auf Dauer blüht, ist unschwer zu erraten: Es entsteht unweigerlich eine hochexplosive Parallelgesellschaft.“
Völlig korrekt. Die Zukunft heißt Bürgerkrieg oder Unterwerfung.
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„Es ist daher höchste Zeit für eine politische Kehrtwende…“
Dafür ist es doch schon lange zu spät. Wenn das Füllhorn versiegt, werden die Invasoren nicht plötzlich eine Arbeit anfangen (selbst wenn sie wollten -- welche ist durch die Deindustrialisierung überhaupt noch da?) oder einfach wieder friedlich nach Hause fahren. Nein. Sie werden sich selbst beim Nachbarn das holen, was der Staat diesem nicht mehr abpresst und ihnen umverteilt. Direkte Schutzgelder werden ja auch jetzt schon von Clans erhoben. Die neuen Gesellschaftsstrukturen sind schon längst entstanden. In den nächsten Jahren werden die Clans sowohl ihre regionale Macht ausweiten als auch die alten Staatsorgane noch weiter unterwandern.
Wir haben ja eine multiple Sozialhilfe-Klapse: Bürgergeld, Beamtenstaat. NGO-Staat, Parteienstaat, Frühverrentung, Stundentenschwemme usw. Manches richtet sich mehr an Fremde, aber nicht das meiste.
Sozialhilfe und Betrug. Das bedingt einander wie Schallplattenspieler und Schallplatte.