Vera Lengsfeld / 14.05.2015 / 12:29 / 10 / Seite ausdrucken

Das Bundesverdienstkreuz mit Unterstützung von SED und Stasi?

Gestern ging die Nachricht durch alle Medien, dass der so genannten Nazijägerin Beate Klarsfeld, bekannt geworden durch ihre Ohrfeige, die sie Bundeskanzler Kiesinger verabreichte, das Bundesverdienstkreuz verliehen werden soll. Angeblich soll Bundespräsident Gauck die Urkunde schon unterzeichnet haben. Leider müssen wir nicht befürchten, dass sich der ehemalige Stasiunterlagenbeauftragte hinterher nicht mehr im Spiegel sehen konnte.  Gauck ist inzwischen ein Musterbeispiel dafür, wie man sich in einem Amt so verbiegt, dass man kaum glauben kann, dass es sich um denselben Menschen handelt, den man gekannt hat. Mit der Verleihung soll einem langjährigen Wunsch Klarsfelds entsprochen worden sein.

Vor drei Jahren war Klarsfeld auch in allen deutschen Medien präsent. Als Bundespräsidentenkandidatin der SED-Linken. Damals wurde noch darauf hingewiesen, dass diese Wahl der SED-Linken mehr als zweifelhaft sei. Mehrere Medien brachten Berichte darüber, dass Klarsfeld, von Stasioffizieren intern „Klara“ genannt, von der Stasi und der SED munitioniert wurde.

Partei- und Staatschef Walter Ulbricht gab höchstpersönlich die Anweisung, Klarsfeld jede „sachdienliche Hilfe“ zu gewähren. Der Chefpropagandist der SED Albert Norden bedauerte lediglich, dass Klarsfeld auf Bundeskanzler Kiesinger „reduziert“ war.  Schließlich hatte die Stasi jede Menge manipuliertes und gefälschtes NS- Material gegen andere Bundespolitiker in petto.

Abgesehen davon, hat Sven Felix Kellerhoff darauf hingewiesen, dass Verdienste, die sich Klarsfeld zuschreibt, etwa den Pariser Gestapochef Kurt Lischka aufgespürt zu haben, keine sind. Lischkas Aufenthalt war den Behörden vor Klarsfelds „Enthüllungen“ schon bekannt. Klarsfeld reiste mehrmals in die DDR, um Material entgegenzunehmen. Von 1966 bis 1989 dauerte ihre Zusammenarbeit mit dem MfS, wie Günter Bohnsack, Mitarbeiter der Hauptverwaltung Aufklärung der Staatsicherheit, bereits 1991 dem „Spiegel“ mitteilte.

Natürlich beteuert Frau Klarsfeld, nicht gewusst zu haben, dass sie in einer legalisierten Außenstelle des MfS Stasimitarbeiter getroffen hatte. Das Gegenteil ist ihr nicht zu beweisen. Aber allein die durch Äußerungen von SED-Funktionären dokumentierte Unterstützung der SED hätte genügen müssen, den Gedanken, Klarsfeld wäre eine geeignete Kandidatin für das Bundesverdienstkreuz, gar nicht erst aufkommen zu lassen. Dass sich ausgerechnet Gauck anders entscheiden hat, ist ein Schlag ins Gesicht all derer, die für ihren Widerstand gegen das SED- Regime mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt wurden.

Was ist dieses Bundesverdienstkreuz wert, wenn es an Profiteure des SED- Regimes verschleudert wird?

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Leserpost

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Thomas Schweighäuser / 16.05.2015

Kontakte nach Ost-Berlin sind also schlimmer als die Jagd auf die bis dahin unbehelligten Brunner, Barbie, Lischka—Frau Lengsfeld pflegt ein merkwürdiges Geschichtsbild.

Heiner Bargel / 16.05.2015

Mit Verlaub, Frau Lengsfeld, aber für jemanden, der aus einem Lande stammt, in dem es eine wahre Ordensflut gab und diese Orden unter anderem Namen wie “Held der DDR” trugen, und in dem Wissen, wer da so alles zu Recht und Unrecht mit diesem Metall behängt wurde, haben Sie immer noch sehr romantische Vorstellungen von staatlichen Auszeichnungen.

Danny Wilde / 15.05.2015

@ Cora Stephan: bei Tanta Wiki steht “MfS-intern HV A”, also ist “HVA”-Schreiben schon OK.  

Dr. Dean Grunwald / 15.05.2015

Wenn Frau Klarsfeld in die DRR reiste um Einsicht in die Akten von NS-Verbrechern zu bekommen war das nur logisch, schliesslich musste sie an den Ort reisen wo diese Akten lagerten. Das der Aufenthaltsort des ehem. Pariser Gestapochef Kurt Lischka und anderer NS-Verbrecher den BRD-Behörden bekannt war, ist unbestritten. Jedoch hatten BRD-Beamte aus bekannten Gründen kein Interesse daran, ihre “Alten Kemeraden” der Justiz zu überstellen um sie für ihre Verbrechen zur Rechenschaft zu ziehen. Das dies im Falle von Kurt Lischka dennoch gelang, ist mit das Verdienst von Frau Klarsfeld und dafür gebührt ihr Dank und Anerkennung! Dr. Dean Grunwald Israel Nachrichten Ltd. Jerusalem, Israel

Matthias Kranzkowski / 14.05.2015

Sehr geehrte Frau Lengsfeld, wenn Sie Frau Klarsfeld als “so genannte Nazijägerin” bezeichnen, dann tun Sie ihr und ihrem Lebenswerk Unrecht. Trotz der von Ihnen berechtigten Kritik an Frau Klarsfeld. Das wäre, als wenn man Sie, verehrte Frau Lengsfeld “so genannte Stasijägerin” nennen würde. Denn damit täte man Ihnen Unrecht.

cora stephan / 14.05.2015

Die HV A heißt “a”, wie “b”, dachte ich? Ansonsten. Gauck ist wirklich eine Enttäuschung.

Thomas Baader / 14.05.2015

Das Naheliegendste wäre meiner Ansicht nach: das eigene Bundesverdienstkreuz aus Protest gegen diese Entscheidung zurückgeben. Und andere Träger darum ersuchen, es ebenfalls zu tun. Aus Protest gegen die Haftentlassung von Christian Klar hatte damals Jürgen Vietor, der Copilot der “Landshut”, sein Bundesverdienstkreuz zurückgegeben. In jedem löst es zumindest eine öffentliche Debatte aus.

Francesco Salatino / 14.05.2015

Beate Klarsfeld und Günter Wallraff sind 2 Beispiele von mutigen Menschen, die sicherlich gute Aktionen gegen Nazis (Klaus Barbie) und Faschisten (griechische Militärdiktatur) vollbracht haben. Aber sie haben sich weiche Ziele ausgesucht, wo das Risiko nicht besonders groß war.  Vor dem Kommunismus und antisemitischen Linksextremismus, vor dem Islamofaschismus haben sie Respekt. Die eine ließ sich von der SED instrumentalisieren, der andere fürchtete den Islam. Das ist alt so, wenn man nur den einen Totalitarismus bekämpft und die andern Totalitarismen nicht sehen will. Das ist Zynismus gegenüber den Opfern.

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