Archi W. Bechlenberg / 15.10.2017 / 06:15 / Foto: Archi W.Bechlenberg / 3 / Seite ausdrucken

Das Anti-Depressivum zum Sonntag: Stars und Stare

Wussten Sie, dass Wilfried Gliems Schwiegermutter die Cousine von Bruce Willis' Mutter Marlene ist? Eben – ich war genau so verblüfft wie Sie, als ich davon erfuhr. Zudem ich nicht die geringste Ahnung hatte, wer Wilfried Gliem ist. Inzwischen bin ich schlauer. Der Mann isst gerne Kürbissuppe, Wurst und Käse und ist ein „Schwergewicht“, und Scout und Tallulah Willis, Töchter des beliebten Hollywood-Mimen, haben den Hessen nun daheim besucht.

Dessen Schwiegermutter ist nämlich  die Cousine von Bruce Willis' Mutter Marlene – ach, das wussten Sie schon? Sie sind also Fan der Wildecker Herzbuben oder lesen Focus, dem dieser herzige Besuch eine detaillierte Meldung in der Rubrik Kultur über Wilfried Gliem („ein angeheirateter Großcousin“) und die große Welt des Showbusiness zwischen Hollywood-Babylon und Idar-Oberstein wert war.

Nach dem „Kleine-Welt-Phänomen“(engl. small-world experiment), einem vor 50 Jahren geprägten sozialpsychologischen Begriff, hängen ja alle Menschen irgendwie eng zusammen. Nicht unbedingt als angeheirateter Großcousin eines Action-Stars, aber doch erkennbar. Um längstens sechs Ecken sind wir gemäß dem Kleine-Welt-Phänomen alle verknüpft mit allen, vor allem mit berühmten Personen der Zeitgeschichte.

Es mag einen gruseln, wenn man daran denkt, dass ihn nur wenige Beziehungs-Schritte trennen von Jakob Augstein oder Anis Amri oder der Kanzlerin oder Harvey Weinstein oder Til Schweiger oder Kim Jong-Un. Zwischen mir und Ex-Präsident Obama liegt nur eine personelle Zwischenstation, zwischen mir und Fidel Castro war es auch nur eine, zwischen mir und Idi Amin ebenso.

Das Leben der Anderen interessiert mich brennend

Wie viele es zu Wilfried Gliems Schwiegermutter sind, habe ich noch nicht heraus gefunden, aber es würde mich brennend interessieren. Zudem es dann bis Bruce Willis auch nicht mehr weit wäre und vor allem zu seiner dritten Tochter Rumer, die sich, auch hier weiß der Focus Bescheid, bis auf die Unterwäsche auszog. Somit habe ich mit der jungen Dame sogar etwas Alltägliches gemeinsam, und wir könnten uns sicherlich eben so lange unterhalten wie die Gliems mit  Scout und Tallulah.

Das Leben der Anderen interessiert mich brennend. Zwar informiere ich mich nicht nach der Maasahane-Methode, doch auch weniger clandestine Quellen bieten reichlich Wissen und Unterhaltung. Dem Comedian Michael Mittermeier wurde das Auto böse zerkratzt, und das auch noch in Heidelberg; das nackte Beach-Babe Monica Sims (25) pflegt dunkle Gedanken und verrät sie auch noch (nein, ich verrate sie nicht weiter) und der mir bis dato leider völlig unbekannte TV-Star Kathrin Heß (32) verblüfft mit Schambehaarung und unrasierten Achseln. Die hübsch anzuschauende Dame will damit „ein Statement gegen den heutigen Schönheitswahn setzen“, was ihr mit einem abgehalfterteren Äußeren als dem ihren wohl ansonsten nur als Politikerin möglich wäre und das auch nicht im Playboy.

Attraktive Frauen leben durchaus nicht nur auf Booten von Playboys, Magnaten oder in der Fantasie von Akif Pirincci, sondern auch gefährlich. Ein anderes Playboymädel namens Jenna Bentley wurde beim Joggen am kalifornischen Strand fast k.o. geschlagen. Nein, nicht von den üblichen Verdächtigen, sondern von ihrer rechten Brust. Diese konnte sich während der morgendlichen Leibesertüchtigung nämlich nicht mehr in Jennas Funktionskleidung festhalten und „ploppte direkt ins Gesicht“ der Sportskameradin mit Körbchengröße E. Mit dramatischen Folgen. Die so unvermittelt Geploppte verlor das Gleichgewicht und fiel zu Boden. Und es kam noch schlimmer: „Niemand war in der Nähe, der mir hätte helfen können.“ (Notiz an mich: persönliche Verknüpfung mit der Athletin überprüfen). Nun hat Jenna Bentley einen folgenschweren Entschluss gefasst: sie lässt sich die rechte Brust verkleinern und hofft, dass ihre Fans ihr trotzdem gewogen (sic!) bleiben.

Stare rangieren bei mir unter dem Begriff Kampfkackspechte

Apropos Bentley: auch ich fahre, mancher weiß es aus früheren Erzählungen, ein Auto aus britischer Produktion. Für dieses einst noch weitgehend von Hand gefertigte und somit recht fragile Fahrzeug der Firma British Elend haben harte Wochen begonnen. Immer um diese Jahrerzeit versammeln sich Fantastillarden von Staren in unserem Sprengel, die außer lustigen Geräuschen auch eine Menge Kot produzieren, weshalb Stare bei mir unter dem Begriff Kampfkackspechte rangieren. Ich mag die schwarz-bunt schillernden Gesellen dennoch, oft sitzen sie scharenweise vor meinem Fenster und lassen sich die prallen Beeren des Wilden Weins schmecken, gierig beobachtet von Kater Django, dem einfach nicht klar zu machen ist, dass er nie einen Star erwischen wird.

Was ich ihm auch eindrücklich untersagen würde, erst recht jetzt, da der NABU den Star zum Vogel des Jahres 2018 ernannt hat. Weniger wegen seines drolligen Äußeren – nein, der Star schwindet dramatisch und wurde ohne die ansonsten übliche Zwischenwarnung von  „ungefährdet“ auf „gefährdet“  hochgestuft. Ich bin nicht ganz sicher, ob da etwas dran ist, ansonsten müsste der Lack meines Autos nämlich reziprok von gefährdet auf ungefährdet klassifiziert werden. Wofür ich keinerlei Anzeichen erkenne. Gut möglich also, dass der vom NABU beobachtete Schwund des Stars aus dem öffentlichen Bild damit zusammen hängt, dass die Flattermänner schlicht alle nur noch über meinem armen Gefährt kreisen. Mit dem aber möchte ich wenigstens  noch bis 2030 fahren können, ab dann nämlich soll für Benziner und Diesel die Stadt Paris endgültig tabu sein.

Zurück zum Showgeschäft (folgen Sie mir noch? Gut.). Eine Sängerin namens Anastacia - nicht verwandt oder verschwägert, nicht einmal als Großcousine einer Schwiegermutter - mit der russischen Zarentochter gleichen Namens hat sich „einen ziemlich heftigen braunen Billig-Likör an den Nacken geschmiert“, damit sie nach Alkohol riecht. Das hätte sie auch mit dem allbekannten Wundermittel Melissengeist machen können, aber es musste offenbar braun (sic!) sein. Man mag fragen, warum sie ihn sich nicht in den Hals geschmiert hat, aber die Dame ist aus gesundheitlichen Gründen dem Fusel abhold geworden.

Eine durch und durch trunkene Geschichte

War der braune Likör ein Zeichen gegen Rechts? Nein. Die Sängerin sollte als leicht angeduselte Duse für eine Folge der Sendung „Verstehen Sie Spaß?“ den Moderator Pierre M. Krause foppen. Krause hat auch schon Henryk M. Broder besucht und ausgefragt, und Alkohol war da ganz offensichtlich nicht im Spiel, aber das war ja auch nicht für „Verstehen Sie Spaß?“ mit versteckter Kamera. Für Anastacias Streich ging es aber wohl nicht anders. Eine durch und durch trunkene Geschichte; den Link dorthin finden sie unten, es besteht jedoch keine Anklickpflicht (für Fremdschämer herrscht beim Ansehen sogar akute Lebensgefahr!), im Gegensatz zu der Dreiviertelstunde Krause bei Broder. Konzentrieren Sie sich dabei auf den Gastgeber und Hund Chico, Krause kommt eher öffentlich-rechtlich daher.

Bei vielem, das Leute in der Öffentlichkeit tun und sagen, habe ich übrigens das Gefühl, sie seien in Wirklichkeit so genannte Lockvögel von „“Verstehen sie Spaß?“ oder der „Versteckte Kamera“, so wirr und wahnsinnig kommen sie mit dem, was sie sagen und tun, daher. Dabei weiß ich, es ist pures Wunschdenken meinerseits, die Möglichkeit eines in Wirklichkeit bloß bösen Streiches auch nur anzudenken. Natürlich meint die Kanzlerin es ernst, wenn sie fordert, "Abgelehnte Asylbewerber besser [zu] integrieren", natürlich war es Wischi-Waschi, als vor der Wahl alle, die irgendwas mit FDP machen, versicherten, Jamaika werde es nicht geben. Natürlich gibt es keine Obergrenze, da konnte das Wort noch oft fallen (so wie Drehhofer fallen wird).

Aber würden wir nicht alle aufatmen, wenn sich plötzlich der Himmel öffnete und Heinrich Pumpernickel aka Chris Howland („Ich bin auch bis nach Hollywood gekommen – aber den Flug musste ich selber bezahlen.“) würde erscheinen und  hämisch lachend die versteckte Kamera ins Bild halten und den ganzen politischen Schlamassel als Streich entploppen?

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Leserpost (3)
Prof. Dr. Otto Jastrow / 15.10.2017

Vielen Dank für diesen phantastischen Artikel, der meinen Horizont unerhört erweitert hat! Unfaßbar, wieviele wichtige Leute ich bisher nicht gekannt habe. Zu der Idee von Jenna Bentley, sich die rechte Brust verkleinern zu lassen, möchte ich an die Amazonen der Antike erinnern. Diese kriegerischen Damen ließen sich die rechte Brust komplett wegoperieren, weil sie ihnen beim Spannen des Bogens im Weg war.

Winfried Sautter / 15.10.2017

Herr Bechlenberg, Sie haben vergessen zu erwähnen: Hape Kerkeling, “Das ganze Leben ist ein Spiel, und wir sind nur die Kandidaten ...” Philosophie pur.

Hjalmar Kreutzer / 15.10.2017

Lieber Herr Bechlenberg, danke für das sehnsüchtig erwartete Antidepressivum.  „Ich bin deines Vaters, seines Bruders, seines Neffen, seiner Großmutter ehemaliger Zimmerkumpel.” An diesen Satz von Lord Helmchen in Mel Brookś Starwars-Parodie „Spaceballs“ musste ich angesichts ihres ersten Satzes denken. Ja, so gibt es jeden Tag überaus wichtige Zeitungsmeldungen. Einen schönen Sonntag!

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