Das Antidepressivum: „Wo habe ich nur meine Eier versteckt?“

Es gehört zu den gut gehüteten Geheimnissen der preußischen Geschichte, dass Friedrich der Große nicht immer unter dem Beinamen „Der Alte Fritz“ bekannt war. Vor allem in den Jahren zwischen 1712 und 1728 kannte ihn niemand anders als „Der Junge Fritz“. Nur sein französischer Erzieher Jacques Égide Duhan de Jandun nannte den Knaben auch gerne „Löppeti“, was Friedrich II. bis ins hohe Alter verschwieg.

Zu Ostern hatte der spätere Kurfürst von Brandenburg stets ein distanziertes Verhältnis. So verbot er bei Prügelstrafe das Aufhängen von bunt bemalten Eiern in Forsythienbüschen, auch ließ er bereits als Kind die obligatorische Eiersuche von Untergebenen erledigen, während er dem Flötenspiel von Johann Joachim Quantz lauschte, der dabei, als Pan verkleidet, auf einem Bein durch den Park von Schloss Thalbach hüpfen musste.

Ganz anders hingegen der frühere Gouverneur von Kalifornien Arnold Schwarzenegger. Der konnte das alljährliche Osterfest kaum erwarten und schätzte es höher als seinen Namenstag. Arnold traf sich jeden Ostersonntag vor dem Feierlichen Hochamt in der Stiftkirche von St. Kützelmütz mit seinen Kumpeln Lauser und Krampus, um in den Hühnerställen des Ortes Eier zu entwenden. Doch nicht für sich: Bunt bemalt mit teils leicht anrüchigen Motiven legten sie die Eier anschließend wieder zurück. Wenn dann das Hochamt zu Ende war, fanden die örtlichen Bäuerinnen diese Eier und waren erschrocken bis entsetzt.

Man glaubte an einen bösen Spuk, und es wurde erwogen, aus St. Emmeran a. d. Buchse einen erfahrenen Exorzisten zu engagieren. Dazu kam es aber nicht, denn das infernalische Trio wurde 1968 als Urheber des Spuks entlarvt; Lauser hatte versehentlich seine linke Hand bemalt, was einem Forstadjunkt aus Mürzsteg auffiel. Bereits nach kurzem Verhör gestand der Übeltäter alles. Krampus wurde ergriffen und Lauser auf der Flucht erschossen; nur Arnold entkam nach Kalifornien, das gelobte Land, in dem einst Arnolds großes Vorbild Luis Trenker Kaiser geworden war.

„Wo habe ich nur meine Eier versteckt?“

Anton Kuh, der stets hoch verschuldete Wiener Journalist, Essayist und Erzähler, schätzte Ostereier ganz und gar nicht; selbst ein sauber zubereitetes Hemendex konnte ihn nicht begeistern. Seine bevorzugten Eier kamen nicht von Federtieren, sondern vom Stör, und nur allzu gerne ließ er sich den teuren Kaviar in Wiener Restaurants kredenzen. Dabei wurde er eines Tages von einem Mann erwischt, dem Kuh eine hübsche Stange Geld schuldete. „Aha!“ rief der Gläubiger aus, „die Schulden nicht begleichen, aber hier Beluga schlemmen!“ Kuh blickte nur kurz hoch und antwortete: „Regen Sie sich ab, Herr Finanzrat. Erstens ist es Sevruga, und zweitens habe ich nicht vor, das Essen zu bezahlen.“

Viele Geschichten ranken sich um Eier und das Osterfest, und zum ersten Mal hat ein Autor sich die Mühe gemacht, besonders lustige, aber auch nachdenkliche, ja sogar tieftraurige Anekdoten zu sammeln, in denen die Großen dieser Welt und Prominente aus Kunst, Kultur und Showbusiness die Hauptrollen spielen. Die meisten dieser Geschichten waren bis dato gar nicht oder nur Eingeweihten bekannt, und man kann die Recherchearbeit von Jürgen Fissur, dem Herausgeber der Sammlung „Wo habe ich nur meine Eier versteckt?“ gar nicht hoch genug einschätzen.

Dass Jean Paul Sartre gerne rot angemalte Eier aß, war nur engsten Vertrauten sowie dem Oberkellner der Brasserie La Coupole in Paris bekannt. Goethe veranstaltete im Innenhof des Reichskammergerichts zu Wetzlar in der Nacht von Ostersonntag auf -montag 1773 ein nächtliches Eiersuchen, bei dem er der Braut des hannoverschen Legationssekretärs Kestner zu nahe kam – köstlich, wie Fissur die sich daraus entwickelnde Prügelei mit anschließender Flucht in allen Einzelheiten erzählt. Da Goethe und Trenker sich nie begegneten, emigrierte der Dichter nicht nach Amerika, sondern blieb in Europa und schrieb in wenigen Wochen in einer Frühstückspension nahe Buff am Main seinen Briefroman „Die Leiden des jungen Werthers“. „Letztendlich“, so Fissur in seinem abschließenden Kommentar zu dieser Episode, „ist Goethes Ruhm einem eher albernen Osterbrauch zu verdanken.“

Heinrich Heine, Franz Grillparzer, Henryk M. Broder, Mark Twain, Miley Cyrus, Rudolf Diesel, Humphrey Bogart oder der berühmte Schneeteufel Felix Nikolaus Alexander Georg Graf von Luckner, der einmal eine Ostereiersuche unter Wasser organisierte – sie und viele mehr sind in „Wo habe ich nur meine Eier versteckt?“ mit unvergesslichen Anekdoten vertreten. Spätestens durch dieses Buch wurden sie unsterblich. Eine vergnügliche Lektüre fürwahr!

Jürgen Fissur (Herausgeber): Wo habe ich nur meine Eier versteckt. Die schönsten Anekdoten rund um das Osterfest. Phimose Verlag, Hodenwald. Fester Einband, 256 Seiten. Lesebändchen aus Halbleinen 24,95 Euro. ISBN 555-3-86680-192-9 

Foto: Bildarchiv Pieterman

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Leserpost (14)
wolfgang schulze / 01.04.2018

Sehr schön, Warum können wir manche Fake News gut leiden und mache nicht??? Fissur in Phimose Oh, oh

Brigitte Mittelsdorf / 01.04.2018

Achtung! Aufgrund der hohen Nachfrage gibt es das Buch jetzt nur noch seitenweise. Der bevorzugte Autor kann genannt werden, ist aber ohne Garantie.

Rudolf Petersen / 01.04.2018

Sehr geehrter Herr Bechlenberg, der Aprilscherz gleich am Anfang für Kenner der preussischen Geschichte - großartig!

Archi W. Bechlenberg / 01.04.2018

Liebe Leser, mich beschleicht der laute Verdacht, Sie nehmen das nicht ernst. Mimimi… SCHÖNE OSTERN und ERFOLGREICHE SUCHE!

F. Jung / 01.04.2018

Bei meinem kurzen Zwischenstopp in St. Kützelmütz anläßlich eines Zwischenstopps in Europa erzählte man mir am Stammtisch der Dorfkneipe, dass Arnie bei der Gelegenheit die Idee entwickelt hätte, verstärkt zu terminieren…... Auch so ein kaum öffentlich bekanntes Schmankerl ! Beste Grüße aus der Mongolei, hier ist auch Ostern aber kaum Jemand geht hin ...... ;-)

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