Gastautor / 10.03.2019 / 06:17 / Foto: Fabian Nicolay / 18 / Seite ausdrucken

Das Antidepressivum: Mein Hund Lou

von Michael Ludwig. 

Im Rahmen unseres Jugend-Workshops „Wie produziere ich einen politischen Blog?“ wird achgut.com am heutigen Sonntag den 10.03.2019 von jungen Talenten produziert. Das gilt auch für die Kolumnen. Das Antidepressivum stammt heute von Michael Ludwig (22), er studiert Politik und Soziologie

Haben Sie Haustiere? Wenn ja, dann wissen Sie mit Sicherheit, dass hinter jedem Haustier sehr viel Arbeit steckt. Ich hatte nie Haustiere. Haustiere können schon sehr goldig sein, aber irgendwie gingen diese Viecher nie wirklich an mich. Weder so noch so. Aber eines Tages sollte sich das bei mir ändern. Meine Schwester wollte schon immer Haustiere haben. Katzen, Hunde, Hamster, Hasen, Meerschweinchen und was es sonst noch alles im Sortiment gibt. Mein Vater war stets dagegen. Doch plötzlich, als meine Schwester schon längst die Hoffnung verloren hatte, wollte nun mein Vater einen Hund. Ein Labrador Retriever in braun. Ich war völlig dagegen. Ich habe es geliebt, vom Boden essen zu können, in Socken durch das Haus zu laufen und meinen Allerwertesten eben nicht in den Wald bei Wind und Wetter zu bewegen. Leider kommt es erst anders, und dann als man denkt. 

Nun ging meine eifrige Familie los zum Züchter und brachte einen acht Wochen alten Welpen mit. Der Bauch noch recht kahl, aber süß und verunsichert bis zum Himmel. Aus den Stammtischen kennen Sie vielleicht Charaktere, auf die man einredet, aber es kommt nichts an. Das kann einen zur Weißglut treiben. So ist das auch bei einem Hund. Ohren wie ein Luchs, Sprachkenntnisse eher mangelhaft. Darum wollte es die ersten zwei bis drei Jahre nicht so ganz zwischen Lou – so wurde er getauft – und mir  funktionieren. Zusätzlich kam noch die Hundehaarbelastung mit dem entsprechenden Staubsaug- und Bodenwischpensum. Der Horror. Aber süß! 

Im Wald beim Gassigehen in den ersten Jahren kamen Ratschläge über Ratschläge. „Den Hund nicht an der Leine führen! Das verunsichert ihn!“ „Den Hund an der Leine führen! Das gibt ihm Schutz und Zugehörigkeit!“ „Nicht über den Hund steigen! Das bereitet ihm Angst und er wird aggressiv!“ Bla bla bla. Ich mag es nicht, von Leuten belehrt oder beraten zu werden, die ich nicht darum gebeten habe. Ich mag das nicht am Unicef-Stand, ich mag das nicht in Wahlkampfzeiten, ich mag es bei Media Markt, aber da passiert es nie, selbst wenn man danach fragt.

Seltsam finde ich, dass diese Art von Menschen, die die selbsternannten Hundeprofis sind, ihre eigenen Kinder nicht erziehen. Die fahren mit dem Laufrad gegen die Einbahnstraße, brüllen den Aldi zusammen, fallen überhaupt auf mit destruktiven Handlungen und halten sich gegenüber ihren Eltern für erziehungsberechtigt.

Diskussionen blieben häufig ergebnislos

Viele, wenn nicht fast alle Hundebesitzer, führen seltsame Konversationen. „Feiner Hund“ „Hast du ein Stöckchen im Mäulchen, Hundi?“ „Wollen wir lieber links oder rechts lang, ?“ „Magst Du heute kein Häufchen legen?“ Ich finde das sehr, sehr seltsam. Ein Hund versteht normalerweise klare, deutliche und kurze Laute. Aber lange Sätze und vor allem Fragen, beantworten Hunde eher selten. Ich sag deshalb zu meinem Hund: „Mein Bester, die haben doch alle einen an der Waffel“.  Wir sprechen eher weniger miteinander, auch Diskussionen blieben häufig ergebnislos. 

Im Wald fühlt sich mein „Bester“ sehr wohl. Es ist meistens schön schattig und kühler als in der Wohnsiedlung. Ab Temperaturen von 15 Grad Celsius über Null wird es Lou schon zu heiß. Neulich wurde der Wald für ein paar Wochen gesperrt. Für Hundebesitzer ist das sehr ärgerlich, denn die fair gehandelten Kotbeutel – weil kostenlos, aber trotzdem aus Plastik – der Stadt, die sich auf Augenhöhe an sämtlichen Grünflächen in Spendern befinden, müssen nun in Gebrauch genommen werden. Die Maßnahme, die dann mit ihnen folgt, erspare ich Ihnen jetzt.

Interessant ist aber, warum der Wald, der sich an einer Hauptschienenverbindung für Güterzüge, an einer Autobahn und unter einer Hauptflugschneise (je nach Windrichtung) befindet, nun gesperrt ist. 

Vielleicht sind die Fledermäuse eine Marktlücke für die SPD

Man mag es kaum glauben, aber mitten in einer Großstadt gibt es Fledermäuse. Da Fledermäuse nachtaktiv sind, müssen Sie tagsüber nächtigen. Vielleicht sind die Fledermäuse eine Marktlücke für die SPD oder für Gewerkschaften, denn diese Nachtarbeit ist bestimmt nicht gut für den Körper der Insektenjäger. Da herrscht meiner Meinung nach Handlungsbedarf vom Gesetzgeber.

Aber zurück zum Wald. Dort schlafen angeblich tagsüber die Fledermäuse. Die Fledermäuse sind dem Lärm der Flugzeuge, der Autobahn, des Staus und der Güterzüge ausgesetzt. Deshalb hat sich wohl eine Maus ins Grünflächenamt verirrt und sich beschwert. Nicht über die Flugzeuge und so, das machen sie ja noch mit, sondern über die Hunde und deren Besitzer! Ist ja allerhand! Rasch wurde der Wald hunmdemässig zum Bannwald und die Wege sicherheitshalber umgegraben. Außerdem wurden Bäume gefällt und als Barrikade auf die Wege gelegt, damit man die Fledermäuse nicht mehr stören kann.

Im Gegenzug wurden für Spaziergänger neue Wege installiert, die nicht durch die Mitte des Waldes sondern drum herum führen, gewissermaßen Fledermaus-Umgehungsstrassen. In die Rinder der Bäumne wurden als Warnsymbol Abbilder von Fledermaus-Häusschen geschlagen. Alles, damit sich die Fledermäuse tagsüber entspannen können. Blöd an der fantastischen und notwendigen Idee für die Nachtaktiven: Hunde verstehen solche Maßnahmen nicht. Wie eingangs erwähnt, kann man so viel mit einem Hund darüber diskutieren, wie man will, er wird es nicht verstehen. Er ist Pragmatiker. Und deshalb fühlt sich der Hund jetzt sogar im Wald noch wohler. Er springt über Baumstämme, zerlegt die Äste und kann noch ungestörter sein Geschäft verrichten. 

Ich liebe meinen Hund. Ich liebe ihn sehr! Und ich denke, von ihm kann man noch viel lernen. Will ihm jemand einen Strich durch die Rechnung machen, zieht er trotzdem seinen Nutzen daraus und regt sich nicht mal auf. Die Ökos Er hinterlässt trotz seiner Ignoranz gegenüber Umweltvorschriften einen sehr kleinen ökologischen Pfotenabdruck, und man kann ihm am Ende nie böse sein.

Man verzeiht Lou den Dreck, den er verursacht und jegliche Arbeiten und Kosten, die anfallen. Ich wäre auch gerne ein Hund. Ein Hund lebt sogar im Sozialismus. Er arbeitet so viel wie all seine anderen Kollegen (also nichts), hat immer genug essen, Grünflächen gehören der Allgemeinheit und werden als größte Gemeinschaftstoilette geteilt. Er besitzt nichts und doch alles und vor allem ist er einfach nur glücklich und lebensfroh. Vor allem lügt ein Hund nie. Er wackelt immer mit dem Schwanz, wenn er einen mag, teilt aber auch ganz ehrlich und trocken mit, wenn er einen nicht mag. so diskrimiert er ständig Gott und die Welt. Gott sei Dank bin ich auf den Hund gekommen.

Dieser Artikel ist im Rahmen des Projekts  "Achgut U25: Heute schreibt hier die Jugend" in Zusammenarbeit mit der Friedrich A. von Hayek Gesellschaft und dem Schülerblog „Apollo-News“ entstanden. 

Foto: Fabian Nicolay

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Susanne antalic / 10.03.2019

Schon Schopenhauer hatte gesagt” seit dem ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere”, recht hat er gehabt, aber aufpassen, die moslemische Partei in Holland die Denk heisst, hat in ihrem Parteiprogramm, das man alle Hunde aus EU verbanden muss, den sie sind schmuzig und nicht mit dem Islam kompatible. No ja, unsere Hunde werden es nicht mehr erleben, aber deren Nachkommen wahrscheinlich schon, wie andere Nachkommen Spezies wahrscheinlich auch.

J. Polczer / 10.03.2019

Sehr geehrter Herr Ludwig, Sie studieren Politik, wie ich sehe, dann haben Sie ja noch die Möglichkeit etwas zu ändern in diesem Land.  Sie müssen sich ja dann vielleicht gar nicht in einem Hund verwandeln. Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Walter Knoch / 10.03.2019

Aus persönlicher Erfahrung kann ich über das Zusammenleben mit Hunden nichts sagen. Ich hatte nie einen. Dafür leben in unserem Haushalt Katzen. Seit mehr als 40 Jahren. Es waren in diesen 40 Jahren einige. Ein Katzenleben ist eben kürzer als das des Menschen. Dabei wollte ich nie Katzen. Doch die erste Katze hat mich gewollt. Sie saß, während ich immer wieder durchs Fenster schaute, auf der Straße, heimat-, herrenlos, und sah mich an. Ich erbarmte mich. Sie blieb 12 Jahre bei uns. Jahre später, es war dann eine andere Katze, kam ich nach einer Chemotherapie nach Hause. Wer legte sich vor mich, als wollte er mich trösten. Es war mein Kater. Mucky. Er tat dies und wich nicht von meiner Seite nach jeder Therapie. Er tat mir gut. Ein alter Mann aus der Nachbarschaft, mein Bruder und ich nannten ihn Onkel, Onkel Franz. Die Töchter waren ausgeflogen. Er war über 80 als seine Frau starb. Mutterseelenallein im großen Haus, blieb ihm sein Pferd. Er schlief fortan im Stall. Der Hals des Pferdes war sein Kopfkissen. Als die Schlachter sein Pferd abholten, lebte er noch 4 Wochen. Mit dem Pferd hatte ihn das letzte, das ihm Trost gab, verlassen. Ein weiteres, wenn es nicht langweilt. Einem guten Freund verstarb die Ehefrau. Sie hatten einen Hund, der beiden ein treuer Begleiter war. Ob das der Hund auch fühlte. Ich weiß es nicht. Wir interpretieren. Aber als dieser Hund dann auch eingeschläfert werden musste, fing mein Freund wieder das Rauchen an. Er rauchte, mit 4 Bypässen wie ein Schlot. Nun hat er einen neuen Hund, raucht weiter und geht mit diesem Hund jeden Tag ab halb 4, 4 für 2 Stunden spazieren. Es tut seiner Seele gut. er ist nicht mehr allein. Vor allem in der Nacht, wenn die “Kinder” nach Hause gegangen sind. Zu ihren eigenen Familien. Meine Story zum Thema Haustiere. Zum Thema Tiere als Begleiter.

Hjalmar Kreutzer / 10.03.2019

Man liebt Hunde nicht wegen ihrer Intelligenz. Manche grünen Stadträte aber auch nicht. Danke für die schöne Sonntagsgeschichte. Bitte weitermachen!

Stefan Lanz / 10.03.2019

Auch an Herrn Ludwig, für seinen vergnüglichen Text, ein Lob von mir! Ich hatte mir schon überlegt, Fledermäuse zu halten, aber nach diesem Text kaufe ich mir doch lieber einen Hund :-)

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