Archi W. Bechlenberg / 08.07.2018 / 06:15 / 5 / Seite ausdrucken

Das Antidepressivum: Malakoff Kowalski

Aus Gründen gibt es an diesem Sonntag nur ein ganz kurzes Antidepressivum. Damit Sie nun nicht ganz und gar in Saturns Schatten versinken, lasse ich Ihnen heute ein wenig Musik da. Sie stammt von Malakoff Kowalski, der in Wirklichkeit anders heißt, nämlich Aram Pirmoradi. Er ist auch kein Russe, sondern persischer Abstammung; seine Eltern flüchteten vor dem Islam aus ihrer Heimat, zuerst in die USA, dann nach Deutschland. In Persien war er noch nie.

Geboren wurde er 1979 in Boston, aufgewachsen ist er im Hamburg. Er trägt – vielleicht deshalb – am liebsten eine Prinz Heinrich Mütze und macht, seitdem er 15 war, Musik. Nicht wirklich das, was seine Eltern sich erhofft haben. Arzt, Anwalt oder sonst etwas Richtiges hätte ihnen besser gefallen. Dabei war seine Mutter selber Konzertpianistin. 

Von ihr stammt denn auch das Instrument, auf dem Kowalski sein vor drei Monaten erschienenes Album My first Piano eingespielt hat. Die Platte ist nicht his first Record, die diskografische Vorgeschichte zu My first Piano finden Sie auf seiner Website. 

Es handelt sich für meine Ohren um ein ganz außergewöhnliches Album, angefüllt mit zehn zugleich leichtfüßigen wie bedeutungsschweren Miniaturen, die bereits beim ersten Hören für sich einnehmen und keiner lange Eingewöhnungszeit bedürfen. Offenbar reagieren nicht nur meine Ohren so positiv; im März 2018 lud Chilly Gonzales ihn in die Düsseldorfer Tonhalle ein und im Juni spielte er ein ausverkauftes Konzert in der Elbphilharmonie Hamburg, da noch im Kleinen Saal. 

Am 26. August können Sie sich, diesmal im Großen Saal der Elbphilharmonie Hamburg, von Malakoff Kowalski in seine Klangwelt mitnehmen lassen, im Rahmen einer Lesung mit Ferdinand von Schirach. Weitere Soloabende finden in Frankfurt (10.09.18) und in Berlin am 2.12.18 statt. Bis dahin folgen Sie doch bitt'schön den unten stehenden Links und lernen den Musiker näher kennen.

Links:

Musikvideos mit Malakoff Kowalski 

Website 

Wikipediaeintrag 

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Leserpost (5)
Jan Stunnenberg / 08.07.2018

Lieber Bernhard Maxara: Sie brauchen nur ein stärkerer Dosierung des Antidepressiva.

Bernhard Piosczyk / 08.07.2018

Nicht schlecht: die ersten Töne J.S bzw. Ph.E. Bach, danach viel Keith Jarrett. Ein nettes Intermezzo.

Belo Zibé / 08.07.2018

@Maxara:Ein Management alleine genügt nicht.Selbst ein einfacher Dreiklang gewinnt an Bedeutung,wenn dem ,der ihn spielt, etwas geheimnisvolles anhaftet.Mutter Konzertpianistin,aus dem fernen Persien über Boston nach Hamburg und schon entsteht eine Tiefe.,die bei einem »Horst Meier mit Prinz Heinrich Mütze aus Kükelborstel« ausbleibt und besonders bei deutschen Kulturvermittlern Euphorie auslösend wirkt. Andererseits hat es in der Vergangenheit sicherlich Stimmen gegeben,die Satie oder Debussy als lange Schatten werfende Zwerge im Lichte einer tief stehenden Kultursonne bezeichnet haben,auch wenn der Vergleich etwas gewagt erscheint.

Rolf Lindner / 08.07.2018

Die Klavierstücke haben die Tendenz, sich leicht ins Ohr zu schmeicheln. Für meinen Geschmack zu leicht, aber so etwas haben auch ganz große Namen geschafft und damit sogenannte Evergreens produziert. Jedenfalls nicht die Dumpfbackenmusik die mir von vielen Sendern entgegenschallt, wenn ich mal den Suchlauf vom Autoradio einschalte, um nach einem Informations- oder Kultursender zu suchen, und auch kein ewig gleichklingender Hip-Hop oder Rap. In der bisherigen Form stelle ich mir die Klavierstücke als Grundlage für Jazz- oder Jazz-Rock-Interpretationen vor. “Andere Leute” ist da schon ein anderes Kaliber. So was kann er auch.

Bernhard Maxara / 08.07.2018

Tut mir leid, Herr Bechlenberg, aber das überstrapazierte Kraus-Wort von der tiefstehenden Kultursonne, in welcher selbst Zwerge lange Schatten werfen, ist nun einmal aktueller denn je. Jeder Tonsatzschüler, der unschlüssig vor sich hinklimpert, bringt solche Meisterwerke zustande, allerdings eher aus Versehen. Was man heute braucht, ist ein Management und sonst nix, schon winken die Früchte einer leistungsfreien Prominenz.

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