Rainer Bonhorst / 23.03.2016 / 06:30 / Foto: Krokodyl / 5 / Seite ausdrucken

Absolutes Geschwafel über absolute Sicherheit, die es nicht gibt

Es ist mal wieder so weit. Nach der Anschlagsserie von Brüssel wird uns von zahlreichen befugten Stellen und Personen wieder und wieder mitgeteilt: „Eine absolute Sicherheit kann es nicht geben.“ Danke für die Information. Das hätte ich absolut nicht gedacht. Überhaupt: Was ist schon absolut. Selbst ein absolutes Geschwafel kann es nicht geben. Oder vielleicht doch? Gelegentlich hat man den Eindruck, dass die Kunst des Schwafelns zumindest in die Nähe des Absoluten gelangen kann.

So schwafelt man sich durch die Islamisten-Krise. Derweil sind allein in Deutschland an die 10.000 Salafisten aktiv. Europaweit ein Vielfaches mehr. Die Salafisten schwafeln auch. Sie schwafeln von einem Islam, der Morde an den angeblichen Feinden des Islams gutheißt, und sie finden damit immer neue gewaltbereite Anhänger, die nicht schwafeln sondern morden.

Wie es heißt, werden diese Hetzer vom Verfassungsschutz beobachtet. Donnerwetter. Sie werden beobachtet. Das eine oder andere Grüppchen wird sogar verboten und hetzt dann unter neuem Namen weiter. Und, kaum zu glauben: Bayern hat neulich so einen Hetzer sogar ausgewiesen. Einen! Ausgewiesen! Ja, geht denn das? Aber die Bayern sind ja bekanntlich knallhart. Und es hat natürlich ein ziemliches Gezeter gegeben.

Das Problem mit dem bloßen Beobachten ist, dass es ein Element der Passivität enthält. Es erinnert mich an die bird watchers in England. Die gucken durch ihr Fernglas und beobachten, was die Vögel so treiben. Ein schönes Hobby. Sind Verfassungsschützer auch so eine Art Vogelbeobachter? Ich hoffe nicht. Bei uns sind ja offenbar schon einige Anschläge verhindert worden. Gerade noch. Anderswo waren die Beobachter weniger erfolgreich.

Warum muss man diese Feinde unserer demokratischen Grundwerte so lange beobachten, bis sie uns fast umbringen? Kann man ihnen nicht das Handwerk legen bevor sie zuschlagen? Schon mal was von Volksverhetzung und Aufforderung zum Mord gehört? Kann man sie nicht vorher rausschmeißen, wenn man sie kennt? In Berlin sollen ja besonders viele Hass-Prediger interessiert beobachtet werden. Und muss man denen, die als Mordlehrlinge nach Syrien gehen und dann frisch ausgebildet zurückkommen, nicht einfach mal sagen: „Bei uns hast du nichts mehr zu suchen. Gehe dorthin, wo der Pfeffer wächst?“

Ich weiß, ich weiß, das ist juristisch problematisch. Und wir wollen ja keine luftdichten Grenzen. Deswegen kann man leider nicht genau wissen, wer sich da alles bei uns herumtreibt. Tja. Schicksal. Dann hoffen und beobachten wir also weiter. Und schwafeln weiter von der absoluten Sicherheit, die es nicht geben kann.

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Leserpost

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Wilfried Cwik / 23.03.2016

“Gehe dorthin, wo der Pfeffer wächst!?” Ein Satz wie dieser zu diesemThema löst üblicherweise ein hyperventilieren beim Gegenüber aus. Dabei steht in unseren Gesetzen, dass einem die Staatbürgerschaft aberkannt wird, wenn man in einer fremden Armee kämpft. Jeder Versuch einer vernunftbetonten Diskussion wird unterbunden. Auf der einen Seite wird restriktiv gegen Hetzer vorgegangen,was ja auch richtig ist,  auf der anderen jedoch wird nur beobachtet. Ich verstehe es einfach nicht mehr. Der Mensch als vernunftbegabtes Wesen karrikiert sich selbst. Da wird die Sicherheit übers Hochseil ohne Netz und doppelten Boden gejagt, und dann schaut man mal, was so passiert….

Andreas Rochow / 23.03.2016

Ja, das absolut Erwartbare ist eingetreten: Der politische Korrektsprech, der uns einreden will, dass wir uns nicht ängstigen lassen, trotzig erst recht weitermachen (was?) sollen, Sicherheit nicht gegen Freiheit ausspielen lassen, offene Grenzen akzeptieren, die eine absolute Sicherheit nicht garantieren können. Wer das hinterfragt, dem wird unterstellt, den “europäischen Wert” der Grenzenlosigkeit für ein Grundübel zu halten. Wie aber will man mit einer Grundhaltung, die den “amerikanisierten” Polizeistaat (dlf) und Geheimdienste entschieden ablehnt und Datenschutz nur für den Fiskus aussetzt, die objektiven Probleme lösen? - Das Gefasel von einer “europäischen Lösung”, die jetzt gefragt sei, verwechselt jedenfalls Ursache und Lösung.

Paul Mittelsdorf / 23.03.2016

Ja, “juristisch problematisch”. Ich frage mich nur, wen das Gesetz eigentlich mehr schützt: Potentiell gewaltbereite Terroristen (die man nicht behelligen darf) oder den ganz normalen Bürger, der dann in Belgien oder Paris oder sonstwo in die Luft gejagt wird (weil man die potentiell gewaltbereiten Terroristen nicht behelligen darf).

Hans Meier / 23.03.2016

Nun versuchen alle „Obrigkeiten ihre Hände in Unschuld zu waschen“ so wie „einst demonstrativ Pontius Pilatus zu Ostern“. So, als ob sie mit dem entschiedenen Kampf der Extremisten, die in Europa eine orientalische Herrschaft errichten wollen, nicht das Geringste zu tun hätten. Weder als politisch tolerante Dulder, oder Förderer noch als an Lockende einer Massenzuwanderung. Auch die, die ein Kalifat und die Scharia in Europa einführen wollen, sind sie bereit, ständig zu entschuldigen, statt genau dagegen entschieden aktiv zu werden. Entweder man findet unsere freie Kultur gut oder man findet dorthin, wo die orientalische Vertrautheit bereits vorhanden ist. Auch mit allen Nachteilen und fehlender Sozialversorgung. Heute treten unsere Polit-Profis wieder vor Kameras und behaupten dreist, sie hätten mit der Ausbreitung von Parallel-Gesellschaften überhaupt nichts zu tun, und auch mit dem Extremismus rein gar nichts, weil sie keinen Terrorismus, sondern nur Menschen importieren würden. Die Anführerin dieser üblen Politik lässt alles Mögliche für gefährlich erklären, um die Bevölkerung zu erpressen, statt die öffentliche Sicherheit zu erhalten.

Frank Stricker / 23.03.2016

Was in diesen Situationen am meisten nervt, wenn die politische Elite von “unheimlicher Betroffenheit” schwafelt…...... Diejenigen trifft nämlich eine gehörige Mitschuld, weil sie die letzten Jahre aktiv weggeschaut haben ,als sich diese radikalisierte Islamistenszene in unseren Demokratien in Europa breitgemacht hat, Im Gegenteil, solche Stimmen die auf diese unhaltbaren Zustände hingewiesen haben, wurden in schöner Regelmäßigkeit als islamophob diffamiert. Ständig hing und hängt noch immer der Begriff Generalverdacht in der Luft sobald man darauf hinweist, dass die Täter ausschließlich aus dem islamischen Kulturkreis kommen. Aber, wie heißt es doch so schön : “Jedes Volk kriegt die Politiker, die es verdient”.

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