Nach dem Zusammenbruch der Monarchie im Deutschen Reich 1918 dankte nicht nur Kaiser Wilhelm II. ab. Auch die Fürsten der einzelnen deutschen Länder verloren ihre Throne. Einer von ihnen war Friedrich August III., der letzte König von Sachsen. Am 13. November 1918 verzichtete er auf den Thron. Ihm wird der berühmte sächsische Satz zugeschrieben: „Nu da machd doch eiern Drägg alleene!“ – auf Deutsch: „Na, dann macht doch euren Dreck alleine.“
Vierzig Jahre später findet sich das bei einer Schriftstellerin, die genau dieses „Dann macht euren Dreck alleine“ in die moderne Wirtschaft holt. Die Autorin Ayn Rand wusste aus eigener Erfahrung, wie schnell eine Gesellschaft ihr Fundament verlieren kann. Sie wurde 1905 als Alisa Rosenbaum in Sankt Petersburg geboren und erlebte als Kind die Russische Revolution. Ihr Vater war Apotheker und besaß ein gutgehendes Geschäft. Nach der bolschewistischen Machtübernahme wurde es enteignet. Die Familie, zuvor Teil des wohlhabenden Bürgertums, verlor ihre wirtschaftliche Grundlage. 1926 ging Rand in die USA.
1957 erschien ihr Roman Atlas Shrugged, auf Deutsch Der Streik. Darin stellt sie eine einfache Frage: Was passiert mit einer Gesellschaft, wenn ausgerechnet diejenigen verschwinden, die investieren, erfinden, organisieren und Verantwortung übernehmen? Rands Warnung: Ein Zusammenbruch kommt nicht am nächsten Morgen, nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Zuerst wird weniger investiert. Dann wird die neue Fabrik eben woanders gebaut. Ein Ingenieur wandert aus. Ein Unternehmer verkauft seinen Betrieb. Eine Maschine wird nicht ersetzt. Dann fehlen Arbeitsplätze, Steuern und Wohlstand. Nicht mit einem großen Knall, sondern Stück für Stück.
Eine Stadt mit drei Säulen
„Rand zeigt die Gefahr an einer konkreten Stadt. Starnesville lebt von der Twentieth Century Motor Company. Das Werk gibt den Menschen Arbeit, die Geschäfte leben von den Löhnen, die Stadt lebt vom Werk. Dann kippt die Ordnung im Betrieb. Gute Leute gehen, die Leistung sinkt, das Werk verfällt – und mit ihm die ganze Stadt.“ Was innerhalb der Werkstore beginnt, bleibt nicht dort. Der Bäcker verliert Kunden. Der Handwerker Aufträge. Der Wirt seine Gäste. Irgendwann stehen nicht nur Maschinen still. Eine ganze Stadt verarmt.
Und genau hier wird Rand plötzlich ziemlich gegenwärtig. Dann entdeckt die Politik, dass einige Unternehmen sehr viel verdienen. Das Stahlwerk soll mehr Steuern zahlen. Das Kraftwerk bekommt Preisvorgaben. Die Maschinenfabrik soll eine zusätzliche Übergewinnsteuer zahlen. Über Enteignung wird ebenfalls wieder gesprochen. Jede Maßnahme bekommt natürlich einen freundlichen Namen, etwa „Das gute Unternehmer-Gesetz“. Noch kein Politiker stellt sich morgens vor das Rathaus und verkündet: Heute beschädigen wir unsere Wirtschaft. Es läuft subtiler. Am Ast wird leise gesägt.
Nur wird die geplante neue Halle nicht gebaut. Der Besitzer fragt sich, warum er zehn Millionen riskieren soll, wenn ihm vom Erfolg immer weniger bleibt. Der Ingenieur nimmt ein Angebot in der Schweiz an. Die Eigentümer verschieben ihre nächste Investition um zwei Jahre. Beim Bäcker merkt davon zunächst niemand etwas. Aber genau so fängt es an. Mit der Maschine, die nicht bestellt wird. Mit der Halle, die nicht gebaut wird. Mit dem Fachmann, der geht. Mit dem Unternehmer, der irgendwann sagt: Das tue ich mir nicht mehr an.
„Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will“, dichtete Georg Herwegh 1863 für die Arbeiterbewegung. Gewiss, ein starker Arm kann die Räder anhalten. Doch Ayn Rand dreht den Gedanken weiter: Was geschieht, wenn nicht die Arme, sondern die Köpfe der Unternehmen streiken? Dann steht nicht nur eine Maschine still. Dann wird die nächste Maschine gar nicht erst erfunden. Die neue Halle wird nicht gebaut. Das Geld für die Erweiterung kommt nicht. Der Ingenieur geht. Der Unternehmer verkauft. Und irgendwann steht eine ganze Fabrik still.
Sie machen einfach nicht mehr mit
In ihrem berühmtesten Roman Der Streik verschwinden nach und nach Unternehmer, Erfinder und Wissenschaftler. Nicht weil sie mehr Lohn wollen. Nicht weil sie demonstrieren. Sie machen einfach nicht mehr mit. Die Leute, die bisher entschieden, investiert und etwas Neues gebaut haben, ziehen sich zurück. Rands „Streik“ ist deshalb ein Streik der klugen Köpfe. Rands Frage ist ziemlich handfest: Wie oft kann die Politik auf eine tragende Säule einschlagen, bevor sie sich wundert, dass diese Risse bekommt? Das Gefährliche daran: Man kann erstaunlich lange von dem leben, was schon geschaffen wurde.
Und der Fachmann, der geht, ist längst keine Romanfigur mehr. Rund 210.000 Deutsche zwischen 20 und 40 Jahren verlassen jährlich das Land. Etwa drei Viertel von ihnen haben einen Hochschulabschluss. 2025 zogen insgesamt 288.579 deutsche Staatsangehörige ins Ausland. Und diejenigen, die geblieben sind, müssen den Dreck irgendwann tatsächlich allein machen.
Friedrich August III. hätte für Ayn Rands dicken Roman vermutlich keine tausend Seiten gebraucht. „Nu da machd doch eiern Drägg alleene“ ist bereits die Kurzfassung. Und wie gut staatliche Kombinate funktionieren, wissen die Deutschen aus eigener Anschauung.
Meinrad Müller ist ehemaliger Unternehmer und betrachtet das Zeitgeschehen gerne mit etwas Abstand.
Hollywood hat sich dem Thema auch schon satirisch gewidmet, in der Science-Fiction-Komödie „Idiocracy“. Der Film stellt zu Beginn die These auf, dass in einer modernen Gesellschaft Intelligenz und Bildung keine Selektionskriterien sein müssen, d.h. dass die Dummen gemäss dem demographisch-ökonomischen Paradoxon sich deutlich stärker vermehren können als die Intelligenten bis irgendwann kritisches Denken und Bildung nahezu ausgestorben sind. Die Protagonisten geraten zufällig via Zeitmaschine ins Jahr 2505, wo das schon geschehen ist. Selbst der amerikanische Präsident ist ein Volltrottel. Herrlich die Szenen, in denen der Hauptdarsteller verzweifelt versucht, den Leuten etwas Banales zu erklären. Zum Totlachen.
Die Wegzugsgefahr ist im Bundesapparat zumindest erkannt, wenn gleich noch nicht völlig gebannt. Walter Ulbricht, geborener Sachse, fand die Lösung schon 1961. Zwar wird die Mauerschützenpartei die alten Fehler so nicht wiederholen: der Schuss in den Rücken erfolgt nun menschenfreundlich auf finanzielle Art. Weil jedoch Wegzugssteuern und -strafen die Eigenart haben, umso drastischer aufzufallen, je länger man bleibt und je fleißiger man arbeitet, wirken sie langfristig sozialistisch kontraproduktiv.
Meine Vorhersage: nur solange das Bundesghetto Berlin noch hipp ist, wird man halbwegs ungeschoren davon kommen. Man muss allerdings leider in den sauren Apfel beißen und in Deutschland alles aufgeben. Wohnung, Auto, Immobilien und fast alle EU-Bankkonten. Gleichzeitig erschweren es neue EU-Regulierungen, Bankkonten außerhalb der EU zu eröffnen, solange man noch seinen Wohnsitz in der EU hat. Da aber EU-Banken den Wegzug mit Kontenschließung quittieren, bleibt nur eine kurze Übergangszeit oder gute Vorbereitung, die Kröten in Sicherheit zu bringen. EU-Vermögensregister sanktionieren bald jeden Goldtaler und wenn die Herde erst zu rennen beginnt, dürften auch die Plätze in geeigneten Refugien sehr knapp werden.
Das alles ist kein Zufall, sondern, so fürchte ich, bereits die Vorbereitung auf den Krieg, der offenbar den EU-Eliten als Ausweg vorschwebt.
Ich sage nur Wolfsburg und VW. Erst wenn das letzte Werk geschlossen und der letzte Arbeitnehmer entlassen wurde, werdet ihr merken, daß Dekarbonisierung und Abschaffung von hocheffizienten Verbrenner-Motoren doch keine so guten Ideen waren. VW ist nicht mehr wettbewerbsfähig! Falsche Management-Entscheidungen (Verbrenner-aus) unter politischem Druck, weltfremde EU-Abgas-Vorgaben, viel zu hohe Energiekosten und dazu Löhne am oberen Ende der Arbeitsmarktskala und – an Untreue grenzende – viel zu hohe Manager-Boni trotz Krise bilden eine toxische Mischung. Betriebsrat und Gewerkschaften, denen die Klima- und Energiewende gar nicht schnell genug gehen konnte, wollen jetzt streiken. Macht mal. Irgendwann werden wir von den Kommunen hören, daß die Steuerzahlungen ausbleiben. Die nächsten Landtagswahlen in Niedersachsen dürften interessant werden.
Uns die noch immer etwa gleich große Gruppe von Menschen, die jedes Jahr neu in dieses Land kommt, besitzt zu einem hohen Anteil weder einen Schulabschluss noch eine Berufsausbildung
und wird ihr Leben lang auf staatliche Hilfen angewiesen sein.
Zwar erklärte damals das Bundesforschungsministerium es zu einem strikten Tabu, auch nur zu versuchen, darüber Aufschluss zu gewinnen, was der wahre Grund dafür war, weshalb die einstige AEG-Telefunken AG am 9. August 1982 als wissenschaftlich und technisch global überaus hoch stehendes Unternehmen vor Gericht ihre Auflösung beantragte. Inzwischen jedoch lässt sich nicht mehr verbergen, dass dort vor allem die klügsten Köpfe im Konzern sich von der Politik instrumentalisiert sahen. Auf Dauer hält das kein Mensch aus. Spätestens am 19. Juli 2023 kritisierte das Präsidialamt der Vereinigten Staaten von Amerika denn auch nicht von ungefähr wenigstens „four decades of misguided economic philosophy“. Es nimmt dann nicht wunder, wenn besonders die Volkswirtschaft Deutschlands längst den Anschluss an die Weltspitze verloren hat.
Erst SPD wählen und dann abhauen.
Schweiz und Österreich haben eine starke Handelsabhängigkeit mit Deutschland. Wenn es hier knirscht, merken die das auch.
Genosse Schröder hat damals Sanktionen für Österreich verfügt, weil da falsch gewählt worden ist. Wir können auch anders.
Wirtschaftlich bieten Schweiz, Östrreich und die USA sicher ganz gute Perspektiven, die suchen Facharbeiter, aber sozial wachsen da keine Bäume in den Himmel. Die Migrantenprobleme begleiten sie überall mit hin.
Spanien ist auch ein bevorzugtes Auswanderungsland. Da kann man gleich hier bleiben. Allerdings ist Spanien nicht so stark vom Handel mit Deutschland abhängig.
als Merkel gewählt wurde bin ich ins Ausland gegangen und war bei der AfD-Gründung nochmal ein paar Jahre in Deutschland, um dann endgültig in die USA auszuwandern. Man zahlt hier die Hälfte an Steuern und Abgaben und die Arbeit ist hier auch einfacher. Deutschland ist schlichtweg ein Alptraum.