Seinen Bewunderern galt er als der „Sokrates vom Starnberger See“. Ob Habermas dem alten Griechen in Sachen Weisheit das Wasser reichen konnte, sei dahingestellt. Aber zumindest verbrachte er seinen Lebensabend in dem beschaulichen oberbayerischen Örtchen Starnberg, wo er vergangenen Samstag im geradezu biblischen Alter von sechsundneunzig Jahren gestorben ist.
Manch andere spöttelten über ihn als dem „Ayatollah vom Starnberger See“ und karikierten damit die moralische Autorität, die ihm gemeinhin zugeschrieben wurde – und die er sich wohl auch gerne selber zuschrieb. Wie auch immer. In meiner Studienzeit war Habermas jedenfalls einer der großen deutschen Namen, auf die man sich als deutscher Student, gerade auch im Ausland, etwas einbilden konnte.
In aller Bescheidenheit, darf ich auch behaupten, dass ich Jürgen Habermas im Wesentlichen drei Einsichten verdanke, die meinen Blick auf Mensch und Welt entscheidend mitgeprägt haben und die mir heute noch immer – vielleicht sogar noch mehr als damals – Orientierung liefern. In griffige Thesen verpackt, könnte man sie wie folgt formulieren:
1. Das Politische hat im Privaten nichts verloren.
In Habermas' verschwurbelter Ausdrucksweise klingt das natürlich etwas anders. Er sprach von der „Kolonisierung der Lebenswelt“ durch die zweckrationalen Systeme und meinte damit, dass die politischen Konstrukte des Staates, der Wirtschaft und des Rechtssystems immer stärker in die Privatsphäre der Menschen vordringen und sie mit ihrer starren, lebensfremden Logik konfrontieren.
Wer kennt nicht den Ärger mit Behörden, Krankenkassen, Banken, Anwälten und so weiter, der so gar nichts mit dem zu tun hat, was das Leben wirklich ausmacht? Habermas hat mir damit einen Kompass an die Hand gegeben, der mich solcherlei Verstrickungen besser erkennen und verstehen lässt und in einigen Fällen vielleicht sogar vermeiden hilft.
2. Es gibt einen linken Faschismus.
Letztlich wollte es Habermas dann doch nicht so gemeint haben. Aber verbürgt ist, dass er die radikale Agitation linker Studentengruppen als „Linksfaschismus“ bezeichnet hat. Nur die eigene Meinung gelten lassen, Andersdenkende niederbrüllen oder am besten gleich ganz mundtot machen – diese autoritäre Intoleranz ist typisch für die Linke. Habermas hatte das schon früh erkannt.
Auch heute müssen wir beobachten, dass es wieder Studenten an deutschen Hochschulen sind, die sich für besonders links und progressiv halten, sich aber wie die reinsten Faschisten aufführen. Zudem zeigt ein Blick in die Geschichte, dass der Faschismus aus dem Sozialismus/Kommunismus hervorgegangen ist und Linke offenbar besonders anfällig für faschistoide Ideologien sind, in denen ein Mitmachzwang für alle herrscht.
3. Jemanden nicht ausreden lassen, ist asozial.
Und jemanden gar nicht zu Wort kommen lassen, noch viel mehr. Vielleicht hat Habermas gerade aus seiner Erfahrung mit der linken Diskussions(un)kultur, mit ihren Sprech- und Denkverboten, seine Idee vom „herrschaftsfreien Diskurs“ entwickelt. Damit beschrieb er eine ideale Sprechsituation, bei der alle Beteiligten auf Augenhöhe miteinander kommunizieren können sollen.
Man schaue sich nur mal eine Parlamentsdebatte oder einen Polit-Talk in den Öffentlich-Rechtlichen an, um sich davon zu überzeugen, wie viele Lichtjahre wir davon noch entfernt sind. Ich denke, es ist Habermas darin zuzustimmen, dass nur eine machtfreie und zwanglose Kommunikation vernunftgeleitete Übereinkünfte herstellen kann. Aber das ist wahrscheinlich Utopie.
Ob Habermas das alles immer so gemeint hat, wie ich es verstanden habe, kann ich natürlich nicht mit Sicherheit sagen. Aber das macht einen großen Denker ja aus, dass seine Worte über die eigene Intention hinauswachsen und jedem etwas Substanzielles bedeuten können.
P.S. Dieser Text wurde inspiriert durch den Artikel „Der Onkel mit dem Grundgesetz“ von Snorre Martens Björkson und versteht sich als eine wohlwollende Replik darauf.
Beitragsbild: Wolfram Huke CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Bekanntlich muss bei deutschen Denkern spätestens seit Hegel auch der letzte Schwachsinn Methode haben, System und Methode. Dann stimmt alles, ist alles richtig, irgendwie. Und dann muss es natürlich auch gnadenlos durchexerziert werden, zwanghaft und bis zum ausdenkbar bittersten Ende. Auf das Ausgedachtsein kommt es dabei, mehr braucht es gar nicht, denn die Gedanken sind bekanntlich selbst in Deutschland frei, und in seinem transzendentalen Wolkenkuckucksheim kann der deutsche Untertan schön herumspinnern, ganz ohne Rücksicht auf seine Herren. Und auf den lieben Gott kann er dort natürlich auch pfeifen. Labermas, wie wir ihn im Studium nannten, war ein besonders unangenehmes Exempel dieser fatalen Logik und sein Gelaber ein Instrument und Katalysator ihrer Fortschreibung.
Stimme vollständig zu und ergänze einen vierten Punkt: Religion ist Privatangelegenheit und sollte niemals für politische Zwecke missbraucht werden.
Angenehmer Text. Man sollte immer nach dem Verbindenden Ausschau halten, zumal bei Toten. Auf dem Foto trägt er kein Parteiabzeichen. Bei dem vielen Bösen und nach den Erfahrungen mit den offiziellen und inoffiziellen Stasis ist es ein sehr schmaler Grat zwischen Opfer und Täter. Die eindeutigste Aussage ist sicher: die Zeit der Frankfurter Schule ist vorbei. Linke bekommen ihre Zwangsjacke, Grüne kommen hinter Gitter und Pedos verhungern, weil ihnen keiner ein Stück Brot geben wird.
Man kann auch Roger Scruton lesen, der sich sehr eingehend in einem „ ganzen Buch“ mit den „ linken Philosophen des 20. Jahrhunderts , der Frankfurter Schule und natürlich dann auch mit Herrn Habermas beschäftigt hat. Als zugegeben offen konservativer Philosoph konnte er mit den völlig realitätsbefreiten “ Höhenflügen „ der Linken aus guten Häusern nichts anfangen. Im Unterschied zu Sokrates, bei dem sogar Schrifliches fehlt, und etlichen anderen ( weit) vor ihm dürfte von H. Habermas nicht allzuviel hängen bleiben. Weder seine Einlassungen im “ Historikerstreit„ , noch seine wohl nicht einmal originäre Kreation des “ Verfsssungspatriotismus„ , welcher bereits an einer semantischen Prüfung zerschellt. Inhaltlich ist er Käse. Nicht der einzige. Der Autor darf sich gerne mit dem zweiten Habermasfan zusammentun. Inwieweit der inflationär verwendete , nicht geschützte Begriff “ Philosoph„ auf Habermas zutrifft, sei dahingestellt. Nicht jeder, der wieviele “ Linke„ , zuhauf Unverständliches oder Widersprüchliches produziert, wird deshalb Philosoph. Der von einem Kommentator gestern im Kontext mit Habermas erwähnte Nietzsche zeigt, dass dieser Kommentator sehr viel nachzuholen hätte. Nietzsche gehört da wahrlich nicht dazu. Andere davor schon eher.
Das sind ja drei lustige „Einsichten“, die sie dem „großen Philosophen“ verdanken.
-- In meiner Studienzeit war Habermas jedenfalls einer der großen deutschen Namen, auf die man sich als deutscher Student, gerade auch im Ausland, etwas einbilden konnte. -- Es gibt ein Zitat, ich weiß leider nicht, von wem: „Dort, wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten.“ War wohl ehedem auf den Hinke-Sepp gemünzt, aber es paßt auch hier. Kann weg. So wie die Ideen dieser Person. (Ich weiß, ist ein recht frommer Wunsch…es wird lange dauern, bis unser Land aus diesem Schatten herausgetreten sein wird, falls das überhaupt möglich ist.)
´Habermas Nein Danke!´, um es mal im charakteristisch gehässigen Jargon seiner Jünger zu formulieren. Als Philosoph ist er, nett gesagt, überbewertet, historisch betrachtet besteht seine ´Leistung´ darin, die kollektivistischen und ´sozial-idealistischen´ Fehl- und Nachgeburten des Deutschen Idealismus, insbesondere die Monster des Klassenkampf-Marxismus und des aus diesem hervorgegangenen Nazismus (welcher in seiner dürftigen ideologischen ´Substanz´ ein Rassenkampf-Marxismus war und die Blaupause heutiger grün-links codierter Identitätspolitik bildet), in jenes unerträgliche, pseudobürgerlich-zivilgesellschaftelnde Genuschel des BRD-Akademiebetriebs verwandelt und damit ´gerettet´ zu haben, mit welchem sich die demokratisch aufgeputzte, deswegen aber nicht minder totalitäre Spielart des Deutschen Sozialismus des BRD-Regimes so gerne präsentiert. In Sätzen, welche regelmäßig noch länger und unlesbarer waren als der vorige. Good riddance.