
So dämlich sind diese Volksweisheiten nicht immer. Man kann Statistiken durchaus massiv manipulieren ohne im Anschluss die Zahlen verfälschen zu müssen. Man muss nur die Fragen entsprechend stellen. Ein Klassiker ist eine Umfrage wie: “Wünschen Sie sich Merkel oder Steinmeier als Kanzler?” Das man dabei die Auswahl “Keinen von beiden” einfach weglässt verfälscht die anschließende Aussage massiv. Gerade bei Themen wie z.B. dem Klimawandel oder alternativen Energien wird das ebenfalls sehr oft so gehandhabt. Die Fragen werden einfach so gestellt, dass das gewünschte Ergebnis sich ganz von alleine ergibt, da man schlichtweg keine ablehnenden Antworten zugelassen sind oder eine unsachliche Emotionalität in die Fragestellung eingebaut wird, welche die Entscheidung beeinflussen soll. Ganz offensichtlich “gedoktorte” Zahlen hat man bei Umfragen vor der Wahl. Die Umfragewerte für die AFD lagen teilweise noch kurz vor der Wahl um annähernd 100% daneben. z.B. Infratest 12.09 2,5% Ergebnis 22.09 4,7%. Wenn man noch einige Wochen zurück geht sahen die Umfragewerte bei anderen Instituten recht ähnlich aus. Man kann hier nicht davon ausgehen das sich die Wählerschaft der AFD innerhalb einiger Wochen irgendwie verdoppelt hat, weil in dieser Zeit die Berichterstattung der Medien so positiv war. (Die Berichterstattung war so negativ wie möglich) Entweder sind solche Umfragen also so ungenau, dass man sich schon mal um 100% verrechnen kann oder es wurde absichtlich manipuliert. Der ehrliche Statistiker mag sich darüber ärgern das seinem Berufsbild so wenig Vertrauen entgegen gebracht wird. Aber dem Bürger entgeht halt nicht, dass tatsächlich viele Umfragen auf manipulativen Fragen basieren oder saubere Statistiken im Anschluss absichtlich von Medien und Politikern fehlinterpretiert werden. Und zu dem Thema: - Was wäre wohl los, wenn jemand sagen würde „Ich glaube keinem Zeitungsartikel, den ich nicht selbst erlogen habe.“ - Nun ganz ohne Statistik stelle ich mal die Behauptung auf, dass der größere Anteil der Leser der Achse dieses Blog statt oder zusätzlich zu den Main Stream Medien lesen weil Sie dieses Statement problemlos unterschreiben könnten. :)
Oh je. Der “Statistik”-Spruch ist ein (abgedroschenes) Bonmot. Solche Paradoxe sind als Amüsement gedacht und sollen auflockern. Wenn zu oft benutzt, bleibt diese Wirkung natürlich aus. Mit Argumentation hat das aber nichts zu tun, und wer ein Bonmot argumentativ verwendet, der greift ins falsche Register. Ein Bonmot aber logisch auseinander nehmen zu wollen ist in etwa so wie einem Zirkusclown zu empfehlen, er solle den Rollstuhl benutzen, da er so oft stolpert. Im übrigen war Churchill ein Freund und Meister des Bonmots, hier eins von ihm über Statistik “Statistics are like a drunk with a lampost: used more for support than illumination.”
Ich stimme mit Ihnen überein, dass der Satz bezüglich der “gefälschten Statistik” unsinnig ist. Allerdings begehen Sie in einem von Ihnen geschriebenen Artikel, den Sie hier auch verlinkt haben, einen Fehler, den auch schon ein hier publizierender “Statistikprofessor” mehr als einmal begangen hat: Sie verwechseln bei der Armutsdefinition Durchschnittseinkommen mit Medianeinkommen. Ich kann das einem durchschnittlichen Leser einer Zeitung verzeihen, allerdings sollte jemand, der beruflich mit der Statistik zu tun hat, nicht passieren. Zumal es tatsächlich auch zu völlig falschen Schlüssen führt wie z.B. die Aussage: “Wenn Wendelin Wiedeking mehr verdient, gibt es statistisch gesehen mehr Armut.” Das wäre beim Durchschnittseinkommen so, bei Medianeinkommen interessiert die Einkommensentwicklung eines Superreichen aber gar nicht. Dieser Fehler ist vor kurzem sogar in einer EU-Publikation erschienen, so dass ich nachfragen musste, ob sich in der Armutsberechnung etwas geändert hätte (es ist aber gleich geblieben). Man sollte zur Interpretation von Statistiken daher zumindest die Grundbegriffe beherrschen und sich in der Hinsicht auch Statistiken im Detail anschauen.
Woher nehmen Sie diesen naiven Glauben, Herr Petersen? Sehr wohl werden Statistiken gefälscht, und zwar verdammt oft. Und, was die Zeitungsartikeln betrifft: Denen ist auch kaum zu glauben, Journalisten missionieren anstatt zu berichten, der Zweck heiligt Manipulation/Lüge, denken sie.
Sie schreiben: “Was wäre wohl los, wenn jemand sagen würde „Ich glaube keinem Zeitungsartikel, den ich nicht selbst erlogen habe.“ Und wer würde denjenigen, der dies sagt, wohl noch ernst nehmen?” Da frage ich mich, wiviele Zeitungsleute Sie so kennen? Mir gegenüber wurde unter vorgehaltener Hand bestätigt, daß die Artikel manipuliert werden und sei es durch Nichterscheinen, wenn es politisch nicht opportun ist.
Ist das aber wirklich ein Wunder? Menschen die sich in Deutschland allgemein hin für besonders Intellektuell halten, haben es hier gemein hin nicht so mit Mathematik oder Naturwissenschaften insgesamt. Im intellektuellen Deutschland der Journalisten, Politologen, Sozialwissenschaftler, Theologen und Theaterschausteller sind Naturwissenschaften generell etwas verpöhntes, dass typischerweise für dystopische Weltuntergangszenarien her halten muss. Von daher haben diese Menschen quasi von Haus aus von allem eine Ahnung nur nicht von der Wirklichkeit. Aber was will man von einem Volk erwarten, welches quasi vor allen technischen Entwicklung der letzten 100 Jahre Angst hat, egal ob es das eigene Leben unvergleichlich verbessert hat oder nicht. Könnte ja doch irgendwo ein Haken sein. Das Impfungen die Kindersterblichkeit weltweit auf ein Rekordtief gebracht haben, bringt eine immer größere Gruppe von Natur-Puristen nicht davon ab Impfungen nicht genrell als Teufelszeug zu verdammen, was sich quasi zwischen den Menschen und die heilsame wohlmeinde Mutternatur drängt. Typische First-World-Probleme. Solche beinahe religiösen Ängste muss man sich natürlich leisten können, genauso wie seine ignorante Ahnunglosigkeit. Wenn man täglich ums überleben kämpfen muss, ist man natürlich froh schon das erste Hindernis, da hat man keine Zeit sich davor zu fürchten das hinter der 3 Kurve und 7 Ecke doch irgenwo ein Reißbrettstift lauern könnte.
Die Überschriften der Artikel stammen ja in der Regel nicht vom Verfasser, sondern von der Schlussredaktion. Und sie haben nicht den Zweck, den Inhalt des Artikels wahrheitsgemäß zusammen zu fassen, sondern den, den Leser zur Lektüre zu ermuntern. Das ist bei wissenschaftlichen Artikeln vielleicht anders, da es dort auch darum geht, den Forscher bei seiner Recherche zu unterstützen. Den Zeitungen geht es aber um Aufnerksamkeit, Aufmerksamkeit und Aufnerksamkeit. Im Web wird diese durch die Anzahl der Klicks gemessen und nicht durch die Anzahl der Artikel, die man nicht liest, weil die Überschrift bereits alles sagt.
Sehr geehrter Herr Dr. Petersen, Danke, ein schöner Artikel. Bitte seien Sie aber nicht so wehleidig mit sich und Ihrer Statistikerzunft wie im Zitat: “...die sich kaum jemand trauen würde, anderen Berufsgruppen als Statistikern gegenüber auszusprechen… “ Denken Sie doch nur an die Mitglieder der ständigen Impfkommission, die dem ständigen Generalverdacht ausgesetzt werden, von der “Pharmalobby” gekaufte akademische Mietmäuler zu sein. Oder wenn eine große Arzneimittelfirma ein neues Medikament zulässt, mit einer großen Studie, sagen wir einmal 18.000 Patienten je 9000 im Studienarm mit dem neuen bzw. bisherigen Standardmedikament, und das neue erweist sich tatsächlich bezüglich besserer Wirkung bei weniger oder gleichen Nebenwirkungen, muss der halbgebildete Durchschnittsbürger in z.B. der “Zeit” lesen, dass das ja eine von der Pharmaindustrie gekaufte Studie sei. Ihrem Fall und den von mir genannten ist jedoch gemein, dass eine verantwortungslose Journaille die Welt -widiwidibumm- wie sie ihr gefällt - beschreibt. Fakten haben da keinen Platz oder müssen diskreditiert werden. Der Trost des Tages: Sie sind nicht so allein, wie Sie sich fühlen. Mit freundlichen Grüßen, Dr. G.
Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.