Gastautor / 21.01.2020 / 17:00 / Foto: Pixabay / 6 / Seite ausdrucken

„Da bin ich ganz bei Ihnen“

Von Eckehard Frauendorf.

Endlich hatte ich Zeit und wollte mal richtig shoppen gehen. Es sollte doch möglich sein,  meinen letzten Einkauf mit der neuen To-do-Liste noch zu toppen. Mal sehen, ob ich das alles auf die Reihe bringen kann. Als ich in den Laden kam, war ich vom Angebot richtig geflasht. Dann irritierte mich das Hallo der Verkäuferin. Sie blickte etwas pikiert, aber akzeptierte mein Guten Tag und war offensichtlich gut aufgestellt, so dass mein Einkaufs-Event starten konnte. Als ich unschlüssig die Auslagen betrachtete und die Verkäuferin fragte: „Was kann ich für Sie tun?“, dachte ich, du kannst die Dame schlicht und ergreifend nicht so lange warten lassen, musst Deinen Wunsch auf den Punkt bringen.

Mein Ich würde denken, unterbrach die Verkäuferin, mit: „Wir werden das schon händeln.“ Als ich ein Objekt meiner Begierde gefunden hatte, war ich über den Preis erschrocken. Die Verkäuferin meinte nur: „Das ist Kult heute“, und um die Verkäuferin nicht zu verärgern, wollte ich ihre Message nicht auf ihren Sinn abklopfen, denn für mich sind ganz andere Sachen Kult. Eigentlich hatte ich auch einen ganz anderen Preis angedacht. Von daher war es notwendig, meine weiteren Einkaufswünsche auf ihren Sinn abzuklopfen, um diese zu verschlanken. Die Verkäuferin bemerkte mein Zögern. Sie wollte sich aber offensichtlich einbringen und erklärte mir: „Ich würde sagen – und möchte den Preis auch nicht klein reden – dass dieser korrekt ist. Da gibt es keine Stellschraube, um den Preis auf den Prüstand zu stellen.“

Das wird wieder viel Geld in die Kasse spülen, dachte ich. Hoffentlich habe ich nicht die Rote Linie überschritten, die meine Frau vorgegeben hat, denn die habe ich immer auf dem Schirm. Aber das Objekt meiner Begierde war für mich ein absolutes Must-have.

Mein „Ja, gut“ nahm die Verkäuferin mit Erleichterung zur Kenntnis, und meine Bemerkung, dass mein Kaufobjekt schließlich gut zu mir passt, ergänzte sie mit: „Da bin ich ganz bei Ihnen.“ Damit war mal wieder alles in trockenen Tüchern. Nach dieser Unterstützung gab es für mich kein Zuwarten, ich kaufte mit gutem Gewissen, musste viel Geld in die Hand nehmen und wurde mit „Schönen Tag noch“ verabschiedet – dankte mit „gerne“ und ging. O je, da habe ich „gerne“ wohl falsch angewendet – kann mit 80 passieren. Ist nicht so schlimm, wie wenn der Sinn des Wortes nicht erkannt und zum Unwort gemacht wird.

 

Eckehard Frauendorf ist Diplomingenieur für Verfahrenstechnik und seit 1986 als Freizeitornithologe intensiv mit den Dialekten der Vögel beschäftigt (www.goldammerdialekt.de), „gelernter“ DDR-Bürger ohne Partei (noch immer) und Kampfgruppe.

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netiquette:

Heinz Gerhard Schäfer / 21.01.2020

In einer E-Mail an mich während meiner Zeit in einem großen deutschen Elektrokonzerns von einem Abteilungsleiter: (Zitat) “Als nächstes to do ist das Festlegen der Location!” Danach habe ich ernsthaft erwogen, dem Verein “DEUTSCHE SPRACHWELT” beizutreten.

Otto Nagel / 21.01.2020

Sehhr geehrter Herr Frauendorf , mit der “Kampfgruppe"ist Ihnen etwas entgangen, bzw. haben Sie etwas realsozialistisches versäumt ! War ohne Partei in diesem Verein, tolle Abende im Feld, meistens mit nachfolgendem Kater. Und ein Seitensprung glückte mit der Ausrede ” muß zur Kampfgruppe”. Betriebliche Probleme wurden oft mit besprochen und gelöst. Rotlichtbestrahlung war vernachlässigbar ,  also nur Kollateralschaden. Machen Sie also mit, kommt ja bald wieder !

Jürgen Probst / 21.01.2020

Ich bin happy, dass Sie das Einkaufsevent geflasht hat.

R. Gremli / 21.01.2020

Herrlich, wie Sie dieses Narrativ proaktiv einsetzen konnten! Sie müssen nur achtsam sein, dass ihr Must-have nicht in ein No-go umschlägt. Inhaltlich gehe ich mit Ihnen d’accord und danke für das gelungene Framing.

R. Schäfer / 21.01.2020

Ich sage mal: Buzzword- und Phrasendichte sind echt profimässig. Hammer, wie der Text von diesem chilligen Tekki auf die Strasse gebracht wurde! Preismässig ist krass, daß der letzte Preis der erste geblieben ist. Und alles ohne Internet oder Händi, das war wohl saturday for shopping centre.

n.reher / 21.01.2020

Super, dass Sie das Kauferlebniss so locker stemmen konnten!

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