CSU, knallhart

Am 14. Oktober 2018 gibt es in Bayern eine Landtagswahl. Bei der letzten, im Jahr 2013, war der CSU unter dem damaligen Ministerpräsidenten und heutigen Bundesinnenminister Horst Seehofer (das ist der knallharte Typ, den man an der erschreckend konsequenten Verfolgung seiner Ankündigungen erkennt) ein Erfolgserlebnis beschert worden. 2008 hatte die Partei seit 1962 erstmals die absolute Mehrheit in „ihrem“ Land verloren und war zu vorübergehender Ehe mit den Liberalen gezwungen. 2013 nun konnte die absolute Mehrheit zurückerobert werden. Mit dem Wahlergebnis beinahe (47,7 Prozent), mit den Parlamentssitzen aber ganz sicher (101 von 180).

Nach aktueller Umfrage sieht es allerdings für die CSU schlecht aus mit der abermaligen Verteidigung der absoluten Mehrheit in fünf Monaten. Demnach würde die 42-Prozent-Marke nur knapp übersprungen werden. Da muss sich Markus Söder, der sich im vergangen März bekanntlich erst nach langem Zögern entschließen konnte, den nach Seehofers Aufstieg verwaisten Posten des bayerischen Ministerpräsidenten zu übernehmen, ganz schön anstrengen.

Gut, dass der zweite CSU-Markus, der Generalsekretär Markus Blume, erkannt hat, wo der Schuh drückt und wo die fehlenden sieben oder acht Prozent zu holen sind. Berichtet wird über ein Strategiepapier zum bevorstehenden Wahlkampf. Darin ist zu lesen, dass die CSU tatsächlich ein „bürgerliches Lager“ ausgemacht hat. Für dieses wiederum beansprucht sie nun gleich ein „Alleinvertretungsrecht“. Niemand anderes hat hier etwas zu suchen, schon gar nicht… Man ahnt es bereits und wird nicht enttäuscht: „Die AfD ist ein Feind von allem, für das Bayern steht.“

Die etwas holprige Grammatik dieses Satzes (und dabei waren bayerische Gymnasien einmal führend), ist wohl der verständlichen Erregung des Herrn Blume geschuldet. Weiter erfährt man, die CSU sei entschlossen, die AfD als „zutiefst unbayerisch“ zu bekämpfen. Klingt fast, als ob das jahrhundertealte 1a-Feindbild „Preuße“ damit endgültig ausgedient hat. Einen „harten Kampfkurs“  wolle man gegen die AfD fahren. Weiterhin ist die Rede von jemandem (offenbar der besagten Partei als Kollektivorgan), der „Hass sät und die Gesellschaft spaltet“. Dem sei dann zu sagen: „Brauner Schmutz hat in Bayern nichts verloren!“ Ein verbaler Farbbeutelwurf der Extraklasse.

Differenzierte Formulierungen, klare Zukunftsvorstellungen

Durch solch differenzierte Formulierungen, gepaart mit klaren Zukunftsvorstellungen zur Gestaltung der Politik, dürfte wohl kaum ein Angehöriger des „bürgerlichen Lagers“ in Bayern noch irgendwelche Zweifel hegen, wo er sein Kreuz (gemeint ist hier das auf dem Wahlzettel) zu machen hat. Sollte es dennoch verstockte Restrenitenz geben, so wird weiteres schweres, strategisch-argumentatives Geschütz aufgefahren: Die Vergewaltigung von Franz Josef Strauß! Nein, nein, keine Angst, kein Hashtag. Es geht um die politische Vergewaltigung des Andenkens des vor 30 Jahren verstorbenen CSU-Granden. Eine derartige Vergewaltigung – die Idee einiger AfD-Unterstützer, besagter Strauß würde heute ihre Partei wählen – bildet nämlich einen Höhepunkt in den mannigfaltigen antibayersichen Sündenfällen der Partei, gegen die die CSU nun ihren „harten Kampfkurs“ eingeschlagen hat.

Andere konkurrierende Parteien, die für die CSU im Unterschied zur AfD „Wettbewerber“ und keine „Gegner“ sind, wurden in dem Strategiepapier beinahe vergessen. Dass man FDP lediglich „Verantwortungslosigkeit“ bescheinigt, ist fast eine Streicheleinheit. Wenn die Liberalen lernen, könnte mit denen also noch etwas zu machen sein, möglicherweise eine (notwendige) Koalition. Wobei sich natürlich die Frage stellt, wer die FDP wählt, wenn die CSU auf dem „Alleinvertretungsrecht“ für das „bürgerliche Lager“ bestehen sollte…

Aber das ist zurzeit wohl nicht das Hauptproblem. Die CSU hat nämlich nicht so recht mit dem Herrn Lindner (das ist ein wichtiger Mann bei der FDP) gerechnet. Der hatte sich schon nach der letzten Bundestagswahl beim Stichwort „Jamaika“ als äußerst unzuverlässig erwiesen. Und nun das: Just einen Tag nach Erscheinen des Strategiepapiers hat er über Irritationen in der Schlange beim Bäcker gesprochen.

Aber er hat es dann doch anders gemeint. Oder nicht ganz. Jedenfalls wurde ein Satzfetzen vernommen, in dem die Wortkette „ein sich bei uns illegal aufhaltender, höchstens geduldeter Ausländer“ vorkommt. Das qualifiziert für einen braunen Farbbeutel im Familienpackungsformat. Kommt eine Partei mit derartigem Personal noch als Partner in Frage? Die Empfehlung maßgeblicher Stimmen unseres Landes, beispielsweise des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, dürfte lauten: „Nein.“ Gewohnt locker liefert die ARD auch gleich noch einen Schenkelklopfer: Lindner „hat es versemmelt“!

Foto: Bildarchiv Pieterman

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Leserpost (6)
Wolfgang Richter / 15.05.2018

Ein “Drehhofer” und seine Merkelfolger, müssen sich nicht wundern, wenn sie -nicht nur in Bayern- nicht mehr ernst genommen werden. Symptomatisch für die auch von der CSU ausgeblendete Realität aktuellen Politikerwirkens ist das hilflose Rumgeeiere um einen krawalligen Togoer samt Freunden, die jedem mit noch halbwegs wachem Verstand offenbaren, daß der Rechtsstaat dem Schicksal der aufgegebenen Grenzen schon länger gefolgt ist.

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