Beda M. Stadler, Gastautor / 12.06.2020 / 06:08 / Foto: Achgut.com / 138 / Seite ausdrucken

Corona-Aufarbeitung: Warum alle falsch lagen

Das Coronavirus verzieht sich allmählich. Was hat sich in den vergangenen Wochen eigentlich abgespielt? Die Experten haben grundlegende Zusammenhänge übersehen. Die Immunantwort gegen das Virus ist viel stärker, als man dachte. 

Dies ist keine Anklageschrift, aber eine schonungslose Bilanz. Ich könnte mich selber ohrfeigen, weil ich das Virus SARS-Cov-2 viel zu lange mit Panik im Nacken betrachtet habe. Ein wenig ärgere ich mich auch über viele meiner Immunologen-Kollegen, die bislang die Diskussion rund um Covid-19 den Virologen und Epidemiologen überlassen haben. Mir scheint, es wäre Zeit, einige der hauptsächlichen und komplett falschen Aussagen rund um dieses Virus in der Öffentlichkeit zu kritisieren.

  • Erstens: Es war falsch, zu behaupten, das Virus sei neu. 
  • Zweitens: Noch falscher war es, zu behaupten, es bestünde in der Bevölkerung keine Immunität gegen dieses Virus.
  • Drittens: Es war sozusagen die Krönung der Dummheit, zu behaupten, man könne die Krankheit Covid-19 symptomlos durchmachen oder andere gar ohne Symptome anstecken. 

Nun aber der Reihe nach:

1. Ein neues Virus?

Ende 2019 tauchte in China das Coronavirus auf, das man als neuartig ansah. Nachdem aber die Gensequenz, also der Bauplan für das Coronavirus, identifiziert war und dieses einen verwandten Namen zu dem 2002 aufgetauchten SARS erhalten hatte, nämlich SARS-Cov-2, hätte man eigentlich bereits fragen sollen, wie weit diese Verwandtschaft eventuell bis zu anderen Coronaviren, die auch uns Menschen krank machen, reichen könnte. Nein, stattdessen hat man diskutiert, von welchem Vieh, das zugleich auch auf dem chinesischen Speiseplan existiert, das Virus wohl abstammen könnte. Inzwischen glauben allerdings viel mehr Menschen sogar daran, die Chinesen seien so dumm, dieses Virus im eigenen Land auf sich selber losgelassen zu haben. 

Jetzt, da es darum geht, Impfstoffe gegen das Virus herzustellen, tauchen hingegen wissenschaftliche Arbeiten auf, die aufzeigen, dass dieses sogenannte neue Virus stark verwandt ist mit SARS sowie mit anderen Beta-Coronaviren, unter denen wir jedes Jahr in der Form von Erkältungen leiden. Neben den reinen Sequenzhomologien, zwischen den verschiedenen für Menschen krankheitserregenden Coronaviren werden derzeit diverse Bereiche auf den Viren definiert, wie sie von den menschlichen Immunzellen erkannt werden. Dabei geht es also nicht mehr bloß um die genetische Verwandschaft, sondern wie das Virus für das Immunsystem aussieht, also welche Teile von SARS-Cov-2 aber auch anderen Coronaviren allenfalls als Impfstoff verwendet werden könnten. 

Also: SARS-Cov-2 ist gar nicht so neu, sondern eben ein saisonales Erkältungsvirus, das mutiert ist und wie alle anderen Erkältungsviren im Sommer verschwindet – was jetzt auch fast überall auf der Welt beobachtbar ist. Grippeviren mutieren übrigens in einem wesentlich höheren Masse, und niemand würde behaupten, ein neuer Grippevirus-Stamm sei etwas komplett Neues. Viele Tierärzte haben sich denn auch über die Behauptung vom komplett neuen Virus geärgert, schließlich verwenden sie seit Jahren Impfstoffe gegen Coronaviren bei Katzen, Hunden, Schweinen und Rindern. 

2. Die Mär von der fehlenden Immunität

Von der Weltgesundheitsorganisation WHO bis zu den Facebook-Virologen haben alle behauptet, das Virus sei besonders gefährlich, weil keine Immunität dagegen vorherrsche, da es ein neues Virus sei. Sogar Anthony Fauci, der wichtigste Berater der Trump-Regierung, betonte anfänglich bei öffentlichen Auftritten jedes Mal, die Gefahr des Virus bestünde darin, dass es dagegen keine Immunität gebe. Tony und ich hatten seinerzeit in den USA oft nebeneinander gesessen in Immunologie-Seminaren am National Institute of Health in Bethesda, weil wir damals auf verwandten Gebieten arbeiteten. Also war ich eine Zeit lang seiner Aussage gegenüber ziemlich unkritisch, schließlich stammte sie von einem respektablen Kollegen.

Der Groschen fiel bei mir erst, als ich realisierte, dass der erste kommerzielle Antikörpertest aus einem alten Antikörper bestand, der eigentlich SARS erkannte. Bei dieser Art von Test schaut man, ob im Blut Antikörper vorhanden sind und die in einem früheren Kampf gegen das Virus so entstanden sind. Aus einem Lama wurden sogar Antikörper isoliert, die gleichermaßen SARS, SARS-Cov-2 und MERS erkennen. Zudem wurde bekannt, dass in China an Orten, wo SARS gewütet hatte, SARS-Cov-2 weniger Unheil anrichtete. Das sind klare Befunde, die zwingend nahelegen, dass unser Immunsystem zumindest SARS und SARS-Cov-2 als teilweise identisch betrachtet und wahrscheinlich das eine Virus uns vor dem anderen schützen könnte.

Ich realisierte da, dass die ganze Welt einfach behauptete, es gebe keine Immunität, aber in Wirklichkeit hatte gar niemand einen Test zur Hand, um eine solche Behauptung zu belegen. Das war keine Wissenschaft, sondern bloß eine Spekulation aus dem Bauchgefühl, die von allen nachgeplappert wurde. Bis heute gibt es nämlich keine Antikörper-Tests, die all die verschiedenen möglichen immunologischen Situationen beschreiben, wie etwa: Ob man immun ist, seit wann, wogegen die neutralisierenden Antikörper gerichtet sind und wie viele Strukturen auf anderen Corona Viren existieren, die ebenfalls zu Immunität führen.

Mitte April erschien dann eine Arbeit aus der Gruppe von Andreas Thiel von der Charité in Berlin. Es war eine Arbeit mit dreißig Autoren, unter anderem auch mit dem Virologen Christian Drosten. Darin wurde gezeigt, dass bei 34 Prozent der Berliner, die nie Kontakt gehabt hatten mit dem SARS-Cov-2 Virus, trotzdem eine T-Zellen-Immunität (eine andere Art der Immunreaktion, siehe unten) dagegen festgestellt werden konnte. Das heißt, unsere T-Zellen, also weiße Blutkörper, erkennen gemeinsame Strukturen auf SARS-Cov-2 und den normalen Erkältungsviren und bekämpfen somit beide.

Eine Studie von John P. A. Ioannidis an der Stanford University, gemäß der Einstein Stiftung in Berlin einer der zehn meistzitierten Wissenschaftler auf der Welt, zeigte zudem auf, dass die Immunität gegen SARS-Cov-2, gemessen mit Antikörpern, wesentlich höher ist als bislang angenommen. Ioannidis ist sicher kein Verschwörungstheoretiker, der bloß gegen den Strom schwimmt, er wird jetzt trotzdem kritisiert, weil keine wirklich präzisen Antikörperteste verwendet worden seien. Die Kritiker geben damit zu, dass auch sie keine solchen Tests haben. Im Übrigen ist John P. A. Ioannidis ein derartiges wissenschaftliches Schwergewicht, dass alle deutschen Virologen zusammengenommen dagegen ein Leichtgewicht sind.

3. Das Versagen der Modellbauer

Die Epidemiologen gingen dem falschen Glauben, es gebe keine Immunität im Volk, ebenfalls auf den Leim. Zudem wollten sie auch nicht wahrhaben, dass Coronaviren eben saisonale Erkältungsviren sind und im Sommer verschwinden. Sonst wären ihre Kurvenmodelle anders ausgefallen. Nachdem die anfänglichen Worst-Case-Szenarien nirgendwo aufgetreten sind, klammern sich manche nun noch an Computer-Modelle, die das Auftreten einer zweiten Welle voraussagen. Lassen wir ihnen diese Hoffnung, ich habe noch nie einen Wissenschaftszweig gesehen, der sich selber derart ins Abseits manövriert hat. Ich habe auch nicht verstanden, weshalb Epidemiologen derart interessiert sind an der Anzahl der Todesfälle anstatt daran, wie viele Leben zu retten wären.

4. Die Immunologie des gesunden Menschenverstandes.

Als Immunologe vertraue ich einem natürlichen Modell, nämlich dem menschlichen Organismus, der ein erprobtes und lernfähiges Immunsystem ausgebildet hat. Ende Februar auf der Rückfahrt nach einer SRF-Arena-Sendung äußerte ich, eingeklemmt im Fiat 500 von Daniel Koch, ihm gegenüber meine Vermutung, dass es im Volk eine Grundimmunität gegen SARS-Cov-2 gibt. Er bestritt diese Ansicht. Ich habe ihn trotzdem später verteidigt, als er darlegte, Kinder seien kein treibendes Moment für diese Pandemie. Er vermutete, Kinder hätten keinen Rezeptor für das Virus, was natürlich Unsinn ist. Aber man muss ihm zugutehalten, dass seine Beobachtung richtig war. Dass ihm dann jedoch Wissenschaftler an den Karren fuhren und entsprechende Studien verlangten, birgt doch eine gewisse Ironie. Schließlich verlangte man auch keine Studien, um zu demonstrieren, dass Menschen aus der Risikogruppe sterben.

Als nach den ersten Statistiken aus China und dann auch aus der weltweiten Datenlage ebenfalls der gleiche Trend zu beobachten war, dass nämlich praktisch nie ein Kind unter zehn Jahren erkrankt, hätte eigentlich jedermann aufs Argument kommen müssen, dass Kinder offensichtlich immun sind. Bei jeder anderen Krankheit, bei der eine bestimmte Gruppe von Menschen nicht krank wird, würde man davon ausgehen, dass diese Gruppe immun ist. Wenn in einem Altersheim Menschen leider sterben, aber am gleichen Ort Pensionäre mit den gleichen Risikofaktoren völlig unbehelligt bleiben, sollte man eigentlich ebenfalls davon ausgehen, dass diese eben immun waren.

Dieser gesunde Menschenverstand ist aber einigen Menschen abhandengekommen, also nennen wir sie hier spaßeshalber "Immunitätsleugner". Diese neue Gattung der Leugner musste beobachten, dass der allergrößte Teil der Menschen, die positiv auf dieses Virus getestet wurden, denen also Viren im Rachen nachgewiesen wurden, gar nicht krank werden. Man hat dafür den Begriff „silent Carrier“ aus dem Hut gezaubert, "stille Träger", und behauptet, man könne krank sein, ohne Symptome zu haben. Das wäre ja pikant. Sollte sich dieses Prinzip in der Medizin von nun an einbürgern, hätten die Krankenkassen ein Problem, aber auch etwa Lehrer, da von nun an Schüler jede Krankheit vorgaukeln können, um die Schule zu schwänzen, schließlich braucht es ja gar keine Symptome mehr, um krank zu sein. 

Der nächste Witz, den gewisse Virologen verbreitet haben, war die Behauptung, dass diese symptomlos Kranken trotzdem andere Menschen anstecken könnten. Diese „gesunden“ Kranken würden im Rachenraum so viele Viren beherbergen, dass bei einer normalen Unterhaltung zwischen zwei Menschen der eine "Gesunde" den anderen Gesunden anstecke. Nun muss man sich vergegenwärtigen, was da alles abläuft. Falls sich irgendwo im Körper, eben auch im Rachen, Viren bilden, heißt das, dass menschliche Zellen zugrunde gehen. Wenn Zellen sterben, wird sogleich das Immunsystem alarmiert, und es entsteht eine Entzündung. Eines der fünf Kardinalsymptome einer Entzündung ist der Schmerz. Es ist verständlich, dass leidende Covid-19-Patienten sich nicht mehr an das anfängliche Kratzen im Hals erinnern können und dann allenfalls behaupten, sie hätten vor ein paar Tagen noch keine Symptome gehabt. Daraus als Arzt oder Virologe eine Story von "gesunden" Kranken zu machen, die Panik verursacht und oft ein Grund war für strengere Lockdown-Massnahmen, zeigt, wie schlecht der Witz in Wirklichkeit war. Wenigstens hat die WHO die Behauptung der asymptomatischen Ansteckung nicht übernommen und zweifelt diese Behauptung sogar auf ihrer Webpage an.

Hier auf griffige Art und speziell für die Immunitätsleugner nochmals eine ganz kurze Zusammenfassung, wie wir Menschen von Keimen angegriffen werden und reagieren: Hat es in unserer Umgebung krank machende Viren, so werden alle Menschen, egal ob immun oder nicht, vom Virus befallen. Ist man immun, beginnt jetzt der Zweikampf mit dem Virus. Als erstes versuchen wir mit Antikörpern zu verhindern, dass sich das Virus an unsere Zellen bindet. Dies gelingt natürlich nur teilweise, nicht alle werden blockiert, und viele Viren werden sich in den geeigneten Zellen einnisten. Das muss nicht zu Symptomen führen, ist aber eben auch keine Krankheit. Denn die zweite Garde des Immunsystems kommt jetzt zur Hilfe. Das sind die oben bereits erwähnten sogenannten T-Zellen, weiße Blutzellen, die von außen feststellen können, in welchen anderen Zellen sich die Viren verstecken, um sich dort zu vermehren. Solche Zellen, die quasi Viren ausbrüten, werden dann im ganzen Körper gesucht und von den T-Zellen umgebracht, bis das letzte Virus ausgerottet ist.

Macht man also bei einem immunen Menschen einen PCR-Corona-Test, wird ja kein Virus detektiert, sondern nur ein kleines Stück des viralen Genoms. Der Test wird so lange positiv sein, bis keine Trümmer des Virus mehr vorhanden sind. Richtig, auch wenn längst keine infektiösen Viren mehr vorhanden sind, kann ein Corona-Test also noch positiv ausfallen, weil durch die PCR-Methode selbst ein kleines Stück des viralen Genmaterials im Test genügend vervielfältigt wird. So geschehen, als aus Korea die Meldung rund um den Globus ging und von der WHO übernommen wurde, dass mehr als zweihundert Koreaner, die Covid-19 durchgemacht hatten, wieder angesteckt worden seien, dass also wahrscheinlich keine Immunität gegen dieses Virus entstehe. Die Erklärung des wahren Sachverhalts und die Entschuldigung kamen erst etwas später, als man feststellte, dass die immunen Koreaner alle kerngesund seien und nur einen kurzen Zweikampf mit dem Virus hatten. Der Haken war eben, dass die Virustrümmer mit dem allzu sensitiven Test noch erfasst wurden und das Signal „positiv“ auslösten. Wahrscheinlich beruhen bei uns eine Großzahl der täglich rapportierten Ansteckungen bloß auf solchen Virustrümmern.

Der PCR Test mit seiner enormen Empfindlichkeit war also am Anfang goldrichtig, um herauszufinden, wo das Virus sein könnte. Der Test kann aber nicht feststellen, ob die Viren noch intakt, also noch ansteckend sind. Leider hat dies auch dazu geführt, dass einige Virologen die Stärke des Test-Signals mit der Viruslast, also der Menge an Viren, gleichgesetzt haben, die man ausatmen könne. Zum Glück blieben unsere Kitas trotzdem offen. Da deutsche Virologen wahrscheinlich aus Prinzip nicht in andere Länder blicken, in den die Fallzahlen schneller sinken als zu Hause, ging das an ihnen vorbei.

5. Corona-Immunität als Problem.

Was heißt das für die Praxis? Die überaus lange Inkubationsperiode von 2 bis 14 Tagen und Berichte über 22 bis 27 Tage sollte jeden Immunologen aufschrecken. Genauso wie die Behauptung, die meisten Patienten würden nach 5 Tagen kein Virus mehr ausscheiden. Beides legt nämlich wiederum den Schluss nahe, dass es – quasi im Hintergrund – eine Grundimmunität geben muss, die zu einer Verzerrung der Vorgänge führt, wie man sie normalerweise erwarten würde – eben zu langen Inkubationszeiten und zu rascher Immunität. 

Genau diese Immunität scheint auch bei den Patienten mit ernsthaftem Verlauf das Problem zu sein. Unsere Antikörpertiter, also die Treffsicherheit des Abwehrsystems, nehmen nämlich mit zunehmendem Alter ab. Aber auch bei Menschen, die falsch oder unterernährt sind, kommt es zu einer Immunschwächung, weshalb das Virus ja nicht nur die medizinischen Probleme eines Landes aufzeigt, sondern auch einen Teil der sozialen Missstände. 

Hat ein Angesteckter also zu wenig Antikörper, also eine zu schwache Immunabwehr, wird sich das Virus langsam, aber stetig über den ganzen Körper verteilen. Jetzt da nicht mehr genügend Antikörper vorhanden sind, bleibt nur noch das zweite Bein der Immunantwort übrig: Die T-Zellen beginnen überall im Körper gegen die vom Virus befallenen Zellen zu kämpfen. Dies kann zu einer überschießenden Immunreaktion führen, quasi zu einem gewaltigen Gemetzel, das wird dann Zytokin-Sturm genannt. Ganz selten kann dies auch bei Kleinkindern passieren und wird dann als Kawasaki Syndrom bezeichnet. Mit diesem Spezialfall bei Kindern hat man auch bei uns versucht, Panik zu schüren. Interessant ist allerdings, dass dieses Syndrom einfach und gut zu behandeln ist. Den Kindern werden nämlich Antikörper von gesunden Blutspendern verabreicht, also von Menschen, die Coronavirus-Erkältungen durchgemacht haben. Somit wird hier die totgeschwiegene Immunität in der Bevölkerung trotzdem therapeutisch eingesetzt.

Was nun?

Das Virus ist erst mal weg. Wahrscheinlich wird es im Winter zurückkommen, das wird aber keine zweite Welle sein, sondern eben eine Erkältung. Wer als gesunder junger Mensch derzeit mit einer Maske herumläuft, sollte deshalb gescheiter einen Helm tragen, da das Risiko, dass einem etwas auf den Kopf fallen könnte, größer ist als eine schwere Erkrankung mit Covid-19. 

Sollte in vierzehn Tagen nun trotzdem ein signifikanter Anstieg an Ansteckungen zu beobachten sein, wüssten wir wenigstens, dass eine der Lockerungsmaßnahmen von vorher eine sinnvolle Einschränkung war. Ansonsten empfehle ich allen die Lektüre von John P. A. Ioannidis’ neuester Arbeit, in der er die Situation bezogen auf die weltweite Datenlage vom 1. Mai 2020 beschreibt: Unter 65-Jährige ohne Vorerkrankung machten demnach bloß 0,7 bis 2,6 Prozent aller Covid-19-Todesfälle aus. Um der Pandemie Herr zu werden, reiche eine Strategie aus, die sich auf den Schutz der über 65-jährigen Risikopersonen beschränke. Wenn ein Top Experte dieser Ansicht ist, wird ein erneuter Shut-Down zu einem No-Go.

Zurück auf dem Weg zur Normalität, würde es uns Bürgern jetzt guttun, wenn sich einige Panikmacher entschuldigen würden. Etwa Ärzte, die eine Triage der über 80-jährigen Covid-19-Patienten forderten, damit diese nicht mehr beatmet werden. Auch Medien, die mehrmals Panik-Videos aus italienischen Spitälern gezeigt haben, um damit etwas zu illustrieren, das so nie existiert hat. Alle Politiker, die TESTEN, TESTEN, TESTEN forderten, ohne überhaupt zu wissen, was der Test misst. Oder der Bund für eine App, die nie funktionieren wird und mich auch dann warnen wird, wenn jemand in meiner Nähe positiv, aber nicht ansteckend ist.

Im Winter, wenn dann die Grippe und andere Erkältungen wieder grassieren werden, können wir uns dann etwas weniger oft küssen, aber die Hände waschen sollte man ja auch ohne Viren. Und Menschen, die trotzdem etwas aufgelesen haben, sollen dann die Masken hervornehmen und allen zeigen, wie viel sie aus dieser Pandemie gelernt haben. Und falls wir immer noch nicht gelernt haben, unsere Risikogruppen zu schützen, müssen wir auf einen Impfstoff warten, der hoffentlich auch bei den Risikopersonen funktionieren wird.

Lesen Sie zum gleichen Thema: Corona-Aufarbeitung: Eine Analyse mit unangenehmen Fragen

 

Professor Dr. Beda M. Stadler ist emeritierter Professor für Immunologie und ehemaliger Direktor des Instituts für Immunologie an der Universität Bern. Neben der wissenschaftlichen Tätigkeit ist er auch publizistisch tätig. Dieser Beitrag erschien auch in der Schweizer Weltwoche.

Foto: Achgut.com

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Karla Kuhn / 12.06.2020

Renate Bahl, tut mir leid, egal wie ich mein Köpfchen anstrenge, mir fällt NIEMAND ein. Schauen Sie, WAS sollen denn diejenigen ohne jede Ausbildung machen ?? Wahrscheinlich deshalb Augen zu und weiter durch ?? Nach Jahren der vom Steuerzahler gezahlten Diäten, dann vielleicht Mindestlohn ?  Da gehört eine GANZ starker Charakter dazu, der aber in Deutschland, nicht nur in der Politik, absolut Mangelware ist. Abgesehen davon, der ROTROTGRÜNECDU Sozialismus mit dem “begnadeten”  Kühnert an der Spitze muß doch vorangetrieben werden. Und Frau Leyen wurde doch nicht umsonst von Merkel in den Sessel gehievt.  Nee, das muß sich schon lohnen, also tragen die “Untertanen” brav ihre Maulkörbe und viele Achse Leser oder Leser von anderen Blogs, werde weiter als RÄÄCHTE POPULISTEN verteufelt, denen nur noch eine ZWANGS APP und die UNSÄGLICHE ZWANGSIMPFUNG helfen kann, auch wenn sie an letzterer sterben können, weil nicht genug geprüft. Kollateralschäden müssen eben in Kauf genommen werden. Gabriele Klein, die NERVENSCHÄDIGUNGEN (POLYNEUROPATHIEN)  können durch CHEMOTHERAPIEN weitaus größer sein, vor allem weil es wesentlich mehr KREBSERKRANKUNGEN als Corona gibt, ergo auch wesentlich mehr IRREVERSIBLE NERVENSCHÄDIGUNGEN (Übrigens UNTER ANDEREM !) Bestrahlungen und Chemotherapien hinterlassen in sehr vielen Fällen äußerst schlimme Kollateralschäden. WER ganz sicher gehen will und sich vor Angst in die Hosen macht, muß sich in die Glasvitrine setzen und da kann das Glas auch brechen ! Das ganze Leben ist ei einziges RISIKO !! Silas Lay, SO ist es. HaJo Wolf, malen Sie den Teufel nicht an die Wand aber vermutlich ist es genau das !

Christian Freund / 12.06.2020

Die Hinweise auf eine pandemische Paranoia verdichten sich.

beat schaller / 12.06.2020

@ Dr. Buitoni, Frances Johnson, Sabine Schönfelder. Ihnen und viele mehr, herzlichen Dank für die hochinteressanten Kommentare und Ergänzungen zu all den jeweils in diesem Trauerspiel erschienenen Beiträgen. Sowas gibt es nur auf der Achse und zwar auch , wenn die Meinungen kontrovers und weit auseinander gehen. Es ist gut, dass man sich hier mit Namen identifizieren muss. Darum sind die Kommentare sehr viel wert und führen dazu, dass man sich als Nicht Arzt oder Virologe ein sehr gutes Bild zum treffen einer eigenen Entscheidung für sich selbst machen kann. Ich habe tatsächlich mit diesem heutigen Artikel so viele Ungereimtheiten erklärt bekommen, dass ich meine , für mich getroffene Entscheidung mit Überzeugung weiter ziehen kann. Ich habe ein Stück Achtung vor unserer Politik in der Schweiz verloren . Das sind keine Verantwortungsträger. Die Leute sind nur träg aber von Verantwortung ist da keine Rede. Nicht einmal einen Rücktritt gibt es. Ich hoffe, dass es bald, wenn die echten Schäden richtig sichtbar werden, einen Haufen von Klagen geben wird, auch wenn mit Sicherheit keiner zur Kasse gebeten wird. Ich könnte für die in der Zwischenzeit das Schulterklopfen übernehmen, damit sie es nicht selber tun müssen, aber das würde dann wohl sehr bald als Körperverletzung strafbar gemacht, darum sollen sie es selber tun, so lange sie noch an der Steuergeld Zitze hängen. b.schaller

M. Klemens / 12.06.2020

Auch herzlichen Dank von mir für diesen erhellenden Artikel. Ich habe selbst als Arzt etwas Falsches im Umgang mit dem Virus und Risikoüberschätzung vermutet, aber die Details nie so präzise wie Sie es in diesem Artikel formulieren, finden können. Dafür vielen Dank!

Emma W. in Broakulla / 12.06.2020

@Gabriele Klein - Mich wuerde wirklich interessieren wo Sie leben. Sie schreiben ”  Mag sein, die Leichenberge waren alle eine Erfindung der Presse wie sie suggerieren. Der Tod der in meinem unmittelbaren Umfeld grassierte, die Nachrufe und die Berichte jener die dieses Virus durchlitten haben sind es allerdings nicht.” Ich lebe im vielgescholtenen Schweden. In meinem unmittelbaren und auch weiteren Umfeld gibt es keinen “grassierenden Tod” und auch keine Berichte von Menschen die diesen Virus durchlitten haben. In meinem recht grossen Bekanntenkreis hier, in dem die meisten Personen ueber 70 sind, viele ueber 80 und auch 90jährige sind dabei, befindet sich kein einziger Coronafall. Und auch in den Familien dieser Personen nicht. Und all das in Schweden. Deswegen mein Interesse an Ihrem Wohnort wo doch soviele Menschen an Corona gestorben sind oder diesen Virus durchlitten haben.

R.Stefan / 12.06.2020

@Sam Lowry -genau diese “Quintessenz” vermisse ich gegenwärtig auch noch.Und ich habe keine Angst davor, als Verschwörungstheoretiker abgekanzelt zu werden- denn es fehlt mir immer noch eine schlüssige Begründung dafür, warum es weltweit in Staaten mit unterschiedlichsten Gesellschaftsystemen zu Lockdowns mit dramatischen wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen auf die Bevölkerung kommen konnte.Ich meine, es war ein gezielter Angriff auf die Menschheit, ausgelöst von einer Gemengelage aus verschiedensten Nutzniessern(ich vermeide jetzt bewußt mal einzelne Namen ),man wird spätestens nach dem offiziell verkündeten “Abschluß” der “Pandemie” an den Börsen der Welt die Gewinner erkennen. Vielleicht sollte man aber auch erkennen, das wohl Gottseidank die Welt noch (zu) aufmerksam genug ist, um derartige böswillige Angriffe auf die Menschheit zu unterbinden(auch als Erkenntnis an die “Verursacher”).Es könnte allerdings auch sein, das die nicht unmittelbaren Folgen von Corona-z.B.die Situation in den USA oder die Destabilisierung Europas und die bisher nicht mal im Ansatz gelösten Probleme Afrikas -zu einer signifikanten Schwächung der gesamten Menschheit führen kännte- und da wurde das Wort “Krieg” noch nicht einmal in den Mund genommen.

Sabine Schönfelder / 12.06.2020

Michael@ Dost, träumen Sie weiter. Die Maske ist ein Witz! Das Virus geht lässig durch und sammelt sich zusätzlich darin an! Außerdem wird allenfalls von geschätzten 2% der Menschen die Maske korrekt getragen bzw. die Hygiene angemessen eingehalten. Sie leben in einer Scheinsicherheit. Sie können trotzdem täglich von einem pathogenem Keim heimgesucht werde. Momentan allerdings eher NICHT von Covid-19, aber das liegt nicht an Ihren Maske-tragenden Mitmenschen. Vergessen Sie nicht den Politikern und Medien zu danken, die erst die unbegründete ANGST in Ihrem Kopf verursachten, so daß Sie jetzt wiederum soo dankbar sein k ö n n e n. Haben Sie einen Balkon? Dann sollten Sie hinaustreten, um ein wenig zu klatschen! Frische Luft kommt immer gut, falls Sie die Maske absetzen sollten.

Harald Hotz / 12.06.2020

Immer wieder schön, auch Stimmen aus dem freien Westen zu hören. In der DDR2.0 fühlt man sich inzwischen wie hinter einem eisernen Vorhang: Alles, was die Harmonie der Regierenden stören könnte, muß außen vor bleiben. Hinter dem informationellen Schutzwall, der kaum alternative Informationen aus anderen Ländern oder gar abweichende Meinungen durchläßt, wabert eine drückende und zunehmend bedrückende Dunstglocke der Volksverblödung. Man wacht morgens auf und möchte rufen: “Mrs. Merkel tear down this wall!” und sehnt sich nach Gorbatchow und Perestroika. Schlimm ist nicht, wenn jemand die eigene Meinung oder Einschätzung nicht bestätigt oder ihr gar widerspricht, schlimm ist aber, daß es anscheinend nur mehr eine amtliche Einschätzung geben darf, daß jede Debatte abgelehnt wird und jeder, der wagt der amtlichen Wahrheit zu widersprechen oder sie in Frage zu stellen, sofort exkommuniziert wird. - Wie konnte eine einstmals blühende Republik so herunterkommen? Wie konnten Zeitungen wie die Zeit, die FAZ, die Welt, der Spiegel auf ein derart armseliges Niveau absinken? Jede nur noch eine Art “Bravo” für Langzeitstudierende, die bereits in der Oberstufe die MINT-Fächer abgewählt haben und mit Merkel als Dauer-Postergirl.

M. Haggenmacher / 12.06.2020

Herr Stadler, ihr ‘Freund’ war ich ja nie, aber hier haben Sie einiges gutgemacht! Oeffentlich Kreide gefressen und erst noch alles in einer verständlichen Sprache für Laien erklärt. Ganz herzlichen Dank M. Haggenmacher

Karla Kuhn / 12.06.2020

“Ich realisierte da, dass die ganze Welt einfach behauptete, es gebe keine Immunität, aber in Wirklichkeit hatte gar niemand einen Test zur Hand, um eine solche Behauptung zu belegen. Das war keine Wissenschaft, sondern bloß eine Spekulation aus dem Bauchgefühl, die von allen nachgeplappert wurde.“GANZ voran die “GOTTGLEICHE Kanzlerin mit dem Bankkaufmann am “Gängelband?”  Durch sie wurde ganz Deutschland und viele Menschen ins Elend gestürzt und die meisten MP hatten nicht den Mut sich dieser Frau zu wiedersetzen. JEDER, der eine andere Meinung hatte war/ist ein Verschwörungstheoretiker” , Rassist, Populist etc., RÄÄCHTZ sowieso.  Und anstatt jetzt ENDLICH diese Maulkorbpflicht SOFORT aufzuheben, nehmen wahrscheinlich viele Politiker weiterhin in Kauf, daß kranke Menschen (ohne Corona) durch diese Maske krank werden können. Dazu auch immer , um abzulenken die HASS Berichte über Amerika. Die Amis müssen doch Trump auf KNIEN danken, daß sie SO einen realitätsbezogenen Präsidenten haben. Na ja Amerika FIRST !  Deutschland ?? Auch der Vergleich mit anderen Ländern war Schwachsinn. Die einzigen, die sich nicht der “Krone” angeschlossen haben, sind die Schweden. Abgesehen davon, wenn ich schon wieder höre, XXX haben sich mit Corona infiziert, dreht sich mir der Magen um. Vielleicht haben diese Menschen schon seit JAHREN das Virus in sich ?  A, sind viele Tests ungenau und B wurde nicht/kaum obduziert, so daß ich von Anfang an den Verdacht hatte, es soll etwas BRISANTES verschwiegen werden. BHAKTI, STREECK, Püschl, WORDAG u. a. Koryphäen wurden nicht mal angehört von Merkel und Co. Dieser Beitrag ist glasklar geschrieben, ohne Schnörkel, vor allem NACHVOLLZIEHBAR für LAIEN, so daß ich dahinter einen Mann vermute, der nicht nur sehr intelligent ist, sondern auch realtätsnah arbeitet und der NACHDENKT. SCHADE, daß er uns nicht als Berater zur Seite gestanden hat. Wäre aber sicher für Merkel GAR NICHT HILFREICH gewesen ! TRETEN SIE ENDLICH AB,  FRAU MERKEL !!!!!!!!!

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Beda M. Stadler, Gastautor / 05.09.2020 / 06:00 / 87

Masken der Angst

Zur Bekämpfung von SARS-CoV-2 gab es in der Schweiz (und auch in Deutschland/ Anm. der Redaktion) anfangs eine Strategie. Sie hieß „Flatten the Curve“ und…/ mehr

Beda M. Stadler, Gastautor / 17.07.2020 / 06:00 / 102

Die Zeugen Coronas

Warum wurde die Maskenpflicht zu einem Zeitpunkt eingeführt, als kein Anstieg an Corona-Fällen ersichtlich war? Wer ist eigentlich dafür verantwortlich, dass kurz vor der Einführung…/ mehr

Beda M. Stadler, Gastautor / 09.10.2015 / 11:15 / 3

Schweine im Schlaraffenland

Wir essen nicht mehr, um zu geniessen, sondern um gesünder zu werden. Was Spass macht, wird verboten. Wenn es so weitergeht, sind die Beipackzettel der…/ mehr

Beda M. Stadler, Gastautor / 09.08.2015 / 06:30 / 5

Wollen sie Ewig leben?

Möchten Sie ewig leben? Was fällt jemanden ein, wenn er sich vorstellt, dass es immer weiterginge? NZZ-Folio hat bei acht Prominenten nachgefragt. Bei mir auch.…/ mehr

Beda M. Stadler, Gastautor / 27.10.2014 / 13:43 / 2

Afrikas unheimliche Krankheiten

Von Aids bis Ebola: Der Schwarze Kontinent bleibt ein riskantes Gelände. Seine Krankheiten haben allerdings mehr mit sozialen Umständen als mit tödlichen Mikroben zu tun.…/ mehr

Beda M. Stadler, Gastautor / 05.04.2014 / 00:07 / 6

Haben die Veganer recht?

«Sentience», auf deutsch Empfindungsfähigkeit, ist die Bezeichnung für zwei Volksinitiativen in Bern und Basel damit Väterchen Staat uns vegane Menus in Kantinen von Schulen, Spitälern,…/ mehr

Beda M. Stadler, Gastautor / 20.03.2014 / 20:22 / 2

Macht Politik krank?

Als Nationalrat und GLP-Chef Martin Bäumle kürzlich einen Herzinfarkt erlitt, haben die Medien gemeinsam die Diagnose gestellt: Politiker führen ein ungesundes Leben. Die Liste der…/ mehr

Beda M. Stadler, Gastautor / 27.02.2014 / 17:37 / 0

Glaube und Demokratie

Wir werden oft gezwungen ja oder nein zu sagen. Ein derartiger Zwang führt aber meist zu einem No-Go. Schreit der brünstige Liebhaber während dem Koitus:…/ mehr

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com