Gastautor / 11.06.2020 / 14:00 / Foto: Pixabay / 28 / Seite ausdrucken

Corona-Aufarbeitung: Eine Analyse mit unangenehmen Fragen

Von Adorján Kovács.

In der 24. Woche des „Corona-Jahres“ kann auf die von der WHO zur Pandemie erklärten Ausbreitung des Neuen Corona-Virus SARS-CoV-2 zurückgeblickt werden, da sich in Europa die medizinische Lage (im Gegensatz zur politischen) normalisiert hat (Ende der „Welle“). Völlig unklar ist bis heute die Anzahl der Infizierten, das heißt die Durchseuchung der deutschen beziehungsweise europäischen Bevölkerung, da keine repräsentative Testung durchgeführt wurde; zudem ist der Test, mit dem eine Infektion mit SARS-CoV-2 bestimmt wird, anerkanntermaßen unsicher.

Bekannt ist, dass die Zahl der erkannten Infektionen bzw. Erkrankungen mit der Intensität zusammenhängt, mit der getestet wird, also nicht die Realität widerspiegelt. Deshalb hängen auch sogenannte „Ausbrüche“ der Infektion mit dieser Testungsintensität zusammen. Wir wissen also lediglich, dass es dieses Virus gibt, dass nur eine geringe (zelluläre) Immunität in der Bevölkerung besteht und dass es bei manchen Menschen zu einer lebensgefährlichen Lungenentzündung (Covid-19) führen kann. Einigkeit besteht mittlerweile auch darin, dass es weit überwiegend schwerkranke, über 80 Jahre alte Menschen sind, die an dieser Lungenentzündung sterben. Bei der großen Mehrheit (80 bis 90 Prozent) der Menschen bleibt die Infektion mit SARS-CoV-2 entweder ganz ohne Symptome oder verläuft milde mit gewissen Erkältungs- und anderen Krankheitszeichen.

Die europäischen Regierungen haben mit drastischen Maßnahmen auf die vermutete Ausbreitung des Virus reagiert. Grundrechte der Bürger wurden im Schnellverfahren ausgesetzt. In Deutschland wurde ein bestehendes Gesetz erheblich erweitert und als Grundlage für diese Notstandsmaßnahmen genommen; die Begründung für die (zeitweise?) Beseitigung von bürgerlichen Grundrechten war ausdrücklich nicht die Verhinderung von Todesfällen, sondern die Sorge, dass die Intensivbettenkapazität überlastet werden könnte: Es ging um die „Abflachung der Kurve“ der Infektions- und damit auch Erkrankungsfälle, um so jeden an Covid-19 Erkrankten optimal behandeln zu können.

Die Todesfälle in 24 europäischen Ländern werden an eine Datenbank gemeldet, die European Mortality Monitoring Project (EUROMOMO) heißt (www.euromomo.eu). Die Ergebnisse werden in wöchentlichen Bulletins veröffentlicht; der Verlauf der Mortalität kann von Anfang 2016 bis heute verfolgt werden. Die beteiligten Staaten sind (in der Reihenfolge der englischsprachigen Auflistung) Österreich, Belgien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Deutschland (Berlin), Deutschland (Hessen), Griechenland, Ungarn, Irland, Italien, Luxemburg, Malta, Niederlande, Norwegen, Portugal, Spanien, Schweden, Schweiz, Großbritannien (England), Großbritannien (Nord-Irland), Großbritannien (Schottland), Großbritannien (Wales).

Die Kurve für die Mortalität

Die Ursache der Todesfälle spielt bei EUROMOMO keine Rolle, ist aber ohnehin unsicher. Es existieren zwar andere Statistiken, die auf den groben Angaben der Eintragungen auf den Totenscheinen beruhen, aber die Feststellung, ob, was hier besonders interessiert, jemand an Covid-19 verstorben ist, hängt von vielen Unwägbarkeiten ab, so etwa von der Güte des Tests, der Entscheidung, alle, die mit dem Virus infiziert waren, ohne weitere Differenzierung zu den „Corona-Toten“ zu zählen, der Unsicherheit, ob eine Lungenentzündung von SARS-CoV-2 oder einem anderen Virus verursacht wurde, auf das nicht getestet wurde, der Tatsache, ob eine Obduktion durchgeführt wurde, usw. Daher scheint es geboten, auf die reine Mortalität zu sehen, ohne über irgendwelche Ursachen zu spekulieren. Dafür sind die Daten von EUROMOMO geeignet.

Die Daten der Mortalität sind bei EUROMOMO teils in absoluten Zahlen, teils nach Bearbeitung als statistische Werte zu sehen. Zu den statistischen Werten, die im Laufe der Pandemie eine gewisse Bekanntheit erlangt haben, gehört der Z-Wert, mit dem Originalwerte standardisiert und auf den Wertebereich einer Standardnormalverteilung transformiert werden. Dadurch kann gezeigt werden, um wieviel Standardabweichungen ein gemessener Wert von dem erwarteten Wert einer Referenzpopulation abweicht. Aus diesen diversen Datenmanipulationen resultiert eine Abstraktheit, die für unsere Fragestellung eher nachteilig ist. Auch ist die Einteilung in Altergruppen mit einer gewissen Unsicherheit behaftet, sodass hier nur die Gesamtzahl der Verstorbenen (pooled deaths) interessieren soll. Wir wollen lediglich wissen, ob und in welchem Zeitraum des Winters und Frühlings 2019/20 mehr oder weniger Menschen in Europa gestorben sind als in den bekanntlich von Influenzaepidemien geprägten Winter- und Frühlingsmonaten 2016/17 und 2017/18.

Die Kurve für die Mortalität in den 24 meldenden europäischen Ländern von 2016 bis heute, beruhend auf absoluten Zahlen, ist aufschlussreich; auf Anhieb kann der auffällige saisonale Anstieg der Mortalität vor allem in der Winter- und Frühlingssaison 2016/17, 2017/18 und 2019/20 gesehen werden. (Unter „pooled number of deaths by age group" finden Sie die gesuchte Kurve ganz oben: all ages. Darüber, bei "week range" steht 2020-22 und "number" ist aktiviert. Das ist so beim Öffnen eingestellt. Die oberste ist dann die gesuchte Kurve mit den absoluten Zahlen. Wenn Sie auf den Graphen klicken, öffnen sich jeweils die Zahlen der pro Woche Verstorbenen).

Der saisonale Anstieg in den Wintermonaten gegenüber den Sommermonaten ist normal und an der grauen Kurve erkennbar, die den Normbereich erstellt. Es ergibt sich eine Art Sinuskurve mit einer normalen Mortalität in Europa zwischen 46.000 und 55.000 Toten pro Woche. Für unsere Untersuchung haben wir den Zeitraum zwischen der 45. Kalenderwoche (Anfang November 2016, 2017 und 2019) und der 18. Kalenderwoche (Ende April 2017, 2018 und 2020) gewählt, da dies der übliche Zeitraum der bekannten Influenzaepidemien ist. 

Was ist die Norm, und wie ist sie berechnet worden?

Die Berechnung erfolgte folgendermaßen: Die wöchentlichen Mortalitätszahlen der genannten Zeiträume wurden addiert. Daraus ergab sich für den genannten Zeitraum 2016/17 die Zahl von 1.491.564 Toten, für 2017/18 diejenige von 1.517.356 Toten und für 2019/20 diejenige von 1.596.869 Toten. Diese Zahlen mussten nun mit der Entwicklung der Bevölkerungszahlen in den 24 Teilnehmerländern in Bezug gesetzt werden. Diese demographischen Daten finden sich bei der Datenbank Statista (de.statista.com) und beziehen sich jeweils auf die Bevölkerungszahl am Ende eines Jahres, was unserer Berechnung entgegenkommt, die ja den Zeitraum kurz vor und einige Wochen nach dem Jahresende 2016, 2017 und 2019 umfasst. Ganz exakt wäre die In-Bezug-Setzung beider Zahlen pro Kalenderwoche, aber mir ist keine wöchentliche Messung der Bevölkerungszahlen bekannt, sodass diese Ungenauigkeit akzeptiert wurde.

Die meldenden 24 europäischen Länder hatten am Jahresende 2016 356,74 Millionen Einwohner, am Jahresende 2017 waren es 357,95 Millionen und Ende 2019 359,99 Millionen. Daraus ergibt sich mit der genannten Ungenauigkeit eine Mortalität von 0,418% in der Winter-Frühlingssaison 2016/17, ein Jahr später (2017/18) waren es 0,424% und in der soeben beendeten Saison (2019/20) waren es 0,443%. Der von offizieller Seite der „Corona-Pandemie“ zugeschriebene saisonale Anstieg der Mortalität 2019/20 lag also um 0,019% über dem der „Influenzasaison“ 2017/18, in der es keinerlei staatliche Grundrechteeinschränkungen gab. Befürworter der staatlichen Notstandsmaßnahmen werden darauf hinweisen, dass dies an eben diesen Maßnahmen lag.

Diese Berechnung entspricht dem bei EUROMOMO ebenfalls ermittelten Verhältnis der Übersterblichkeit (= Erhöhung der Mortalität in einem bestimmten Zeitraum gegenüber der normalen Mortalität dieser Population in gleichen Zeitraum) in den betreffenden Jahren, die jedesmal ein wenig höher war. Lediglich 2018/19 ist es zu einer Abnahme dieser Zahl gekommen (siehe http://www.euromomo.eu). Das Problem der Übersterblichkeit ist, dass sie sich laut EUROMOMO über das gesamte Jahr verteilt. Man erkennt das auch an der oben beschriebenen Kurve: Noch in den Kurventälern liegt die Mortalität immer etwas über der Grundlinie und geht teils sogar über den Normbereich hinaus. Das Problem ist hier die Bezugsgröße: Was ist die Norm und wie ist sie berechnet worden? Aus diesem Grund habe ich nur die Gesamtmortalität in absoluten Zahlen verwendet, die zwar von der Meldedisziplin der Teilnehmerstaaten abhängt, bei der aber die geringste statistische Manipulation zu erwarten ist.

Betrachten wir die Kurven genauer. Die beiden saisonalen Mortalitätsanstiege 2016/17 und 2017/18 zeichnen sich jeweils durch eine breite Kurve aus, verliefen also über einen längeren Zeitraum, beginnend um die 48. Kalenderwoche. 2018 wurde der Normbereich erst um die 14. Kalenderwoche erreicht. 2019 sah es im Winter zunächst so aus, als ob es zu einem der Saison 2018/19 vergleichbaren, sehr geringen Mortalitätsanstieg kommen sollte. Bis etwa zur 11. Kalenderwoche (= Mitte März) 2020 lag die Mortalität im oberen Normbereich um die 55.000 Tote pro Woche. Zu diesem Zeitpunkt wütete allen offiziellen und praktisch allen Medienberichten nach die Pandemie bereits in ganz Europa. Der Anstieg der Mortalität vollzog sich im Unterschied zu den vorherigen Vergleichszeiträumen spät, erst ab der 12. Kalenderwoche.

Der sogenannte Fall-Verstorbenen-Anteil

Der so genannte „Lockdown“ (korrekt: Ausrufung des Notstands) wurde in Italien am 9. März (11. Woche) verhängt, in Spanien am 13. März (11. Woche), in Frankreich am 16. März (12. Woche), in Deutschland und Großbritannien am 23. März (13. Woche), um die größten Bevölkerungen unter den europäischen Meldeländern zu nennen. Innerhalb von zwei Wochen (11. bis 13. Kalenderwoche) wurde in ganz Europa der Notstand ausgerufen, Ende März (ab der 13. Kalenderwoche) waren praktisch in ganz Europa außer Schweden Ausgangssperren, Abstandsregeln usw. in Kraft. Haben diese staatlichen Maßnahmen etwas bewirkt?

Ob sich die Kurve der Erkrankungszahlen abgeflacht hat oder nicht, kann kaum entschieden werden, da die Zahl der Erkrankten von ihrer Erfassung und der Art der Testung abhängt. Die offiziellen Zahlen scheinen dafür zu sprechen, dass seit (wegen?) dem Lockdown immer weniger Menschen pro Zeitraum erkrankt sind. Bei der Mortalität ist es sehr spät, nämlich von der 12. bis zur 14. Kalenderwoche zu einem rasanten Anstieg gekommen, wie er in den Jahren zuvor nie beobachtet worden ist. Das verwundert, da es sich bei SARS-CoV-2 um ein Virus handelt, das, wie die Influenza, für die meisten Menschen (zwischen 80 und 90 Prozent) nicht gefährlich ist.

Der sogenannte Fall-Verstorbenen-Anteil (englisch „Case Fatality Rate" CFR), also die simple Division der Anzahl der Todesfälle an Covid-19 durch die Anzahl der gemeldeten Fälle, führt in Deutschland zwar zu einer hohen Zahl von 4,7%, die aber sicher falsch ist, da nur die schwereren Fälle gemeldet und getestet werden. Die mit anderen Methoden derzeit für Deutschland gemessene CFR von 0,2% liegt dagegen unter den Daten der vom RKI errechneten CFR für Influenza der Jahre 2017/18 von 0,5% und von 2018/19 von 0,4%, allerdings über der weit verbreiteten Zahl von 0,1%, für die es keinen zuverlässigen Beleg gibt (siehe Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. unter www.ebm-netzwerk.de). In anderen Ländern sind die Raten (nicht exorbitant) anders, aber es wird auch anders getestet. 

Insofern gibt es eigentlich keinen medizinisch-epidemiologischen Anlass für den beobachteten steilen Ausschlag der Mortalitätskurve ab der 12. Woche. Zwar besteht keine spezifische Immunität gegen das Neue Corona-Virus und es gibt keinen Impfstoff, aber die Gefährlichkeit und epidemiologische Kinetik von SARS-CoV-2 ist mit jener der Influenzaviren vergleichbar.

Nochmals sei das Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V. (http://www.ebm-netzwerk.de) zitiert:

„Wird hier im Fall von SARS-CoV-2 – im Gegensatz zur Influenza – einfach nur umfangreicher gemessen? 2017/18 sind in Deutschland 25.100 Menschen an Influenza verstorben. (Diese Zahl ist geschätzt und mglw. zu niedrig, da keine Tests gemacht wurden, während aktuell Verstorbene dann als Covid-19-Tote gelten, wenn sie einen positiven Test haben, egal ob sie an etwas anderem gestorben sind; AK) Wenn man die vom RKI für 2017/18 errechnete CFR von 0,5% zugrunde legt, entspricht dies einer Anzahl von 5 Millionen Infizierten. Die Grippe-Saison dauerte laut Surveillance-Bericht des RKI von der 52. Kalenderwoche 2017 bis zur 14. Kalenderwoche 2018, also 15 Wochen. Um innerhalb von 15 Wochen auf 5 Millionen zu kommen, müsste sich die Anzahl der Infizierten alle 4,4 Tage verdoppeln – ähnlich wie wir es jetzt bei SARS-CoV-2 sehen –, nur bei der Influenza haben wir es nicht gemessen. Es gab jedenfalls 2017/18 keine Meldungen, dass unser Gesundheitssystem überlastet war, obwohl sicher alle 25.000 Grippetoten vor ihrem Tod medizinisch versorgt wurden, die meisten sicher stationär oder gar intensivmedizinisch.“

Dagegen ist es in anderen europäischen Ländern schon 2017/18 zu einer Überlastung des Gesundheitswesens gekommen, die nur niemanden interessiert hat (siehe dazu Quellen bei Reiss/Bhakdi, Corona-Fehlalarm?, 2020, S. 56).

Etwas Neues muss zu SARS-CoV-2 hinzugetreten sein. Was?

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) liegt die Inkubationszeit (Zeit von der Ansteckung = Infektion bis zum Beginn der Erkrankung an Covid-19) im Mittel (Median) bei 5 bis 6 Tagen (Spannweite 1 bis 14 Tage), die Zeit vom Erkrankungsbeginn bis zum Akuten Lungenversagen mit folgendem Tod betrug, soweit bekannt, im Mittel (Median) acht oder neun Tage (Interquartilbereich, d.h. Bereich, in dem die Hälfte aller Werte liegt: 6 bis 12 Tage). Die Dauer der Infektiosität in der präsymptomatischen Phase lag im Mittel bei zwei Tagen (Spannbreite 1 bis 4 Tage, nach Symptombeginn fanden sich Infektionszeiträume bei Infizierten von durchschnittlich sieben Tagen mit im Verlauf abnehmender Infektiosität. Im Mittel ist eine infizierte Person also acht bis elf Tage infektiös (daher Quarantänedauer von zwei Wochen). Die Dauer von der Infektion bis zum Tod kann nur sieben Tage, aber auch bis zu 26 Tage lang sein. Im Mittel dauert es zwei Wochen von der Infektion bis zum Tod. Erinnert sei an die Tatsache, dass in aller Regel schwerkranke, über 80 Jahre alte Menschen an Covid-19 sterben. Damit haben wir die für die Interpretation der Mortalität verfügbaren nötigen Informationen.

Der Höhepunkt der Mortalität war in der 14. Woche 2020 erreicht, danach ging die Mortalität dramatisch zurück, um in der 18. Woche annähernd normale Werte zu erreichen. Es gab also einen rasanten Anstieg der Todeszahlen, der drei Wochen (12. bis 14. Woche) dauerte, und einen rasanten Abfall von diesem Peak, der vier Wochen (15. bis 18. Woche) dauerte. Zuvor lag die Mortalität unter den Werten der Vorjahre. Die in der 12. bis 17. Kalenderwoche Verstorbenen müssen sich, wenn der Anstieg der Kurve überhaupt der „Corona-Pandemie“ geschuldet ist, in der 10. bis 15. Kalenderwoche, d.h. von Anfang März bis Mitte April, infiziert haben, also teils vor, teils nach dem Lockdown. Das spricht gegen eine positive Wirkung des Lockdown, der unter Berücksichtigung der Inkubationszeit schon Ende Februar hätte stattfinden müssen, zumal auch das Abflachen der Kurve bis zur 18. Woche (= Ende April) normal wie immer bei Epidemien mit Influenza- oder Coronaviren ist (Mika J. Mäkelä et al., Viruses and Bacteria in the Etiology of the Common Cold, DOI: 10.1128/JCM.36.2.539-542.1998) und mit dem Lockdown eher nichts zu tun haben dürfte. Dafür sprach auch das vom RKI beschriebene Verhalten des R-Werts (= Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele Menschen ein Infizierter in einem bestimmten Zeitraum im Durchschnitt ansteckt). 

Die Risikogruppen (schwerkranke, über 80 Jahre alte Menschen) sind jedenfalls nicht effektiv vor dem Virus geschützt worden, denn sie sind es gewesen, die gestorben sind (siehe die nach Alterskohorten unterteilte Mortalität bei EUROMOMO). Aber auch das erklärt den so rasanten Anstieg der Todeszahlen nicht. Es sieht so aus, als habe sich etwas plötzlich Bahn gebrochen. Etwas Neues muss zu SARS-CoV-2 hinzugetreten sein. Was?

Eine „nichtpharmakologische Intervention“

Durch die „Corona-Krise“ könnten ganz andere Abläufe in der Versorgung und Behandlung Erkrankter überhaupt, also auch bei Nicht-Covid-19-Patienten, aufgetreten sein. Dazu gehört die aus Angst vor Ansteckung mit SARS-CoV-2 mglw. zu früh durchgeführte Intubation und Überdruckbeatmung von an Viruspneumonie Erkrankten, die dann massenhaft zum Tod geführt haben könnte (siehe zum Beispiel hier). Es könnte eine akute Verstärkung der Wirkung (Kumulation) der bereits grassierenden, aber humoral/zellulär gerade noch attenuierten Influenza- und anderen Viren durch das neu aufgetretene Neue Corona-Virus stattgefunden haben.

Ein Lockdown gilt als eine „nichtpharmakologische Intervention“ (NPI). Wie jede Therapie hat er daher Nebenwirkungen, die noch nicht genügend ins Blickfeld geraten sind. Sein Beginn lag in der 11. bis 13. Kalenderwoche und koinzidiert auffällig mit dem Kurvenanstieg. Es gibt Hinweise für exzessive Todesraten bei Nicht-Covid-19-Kranken als Folge der medialen panischen Berichterstattung und des Lockdowns (zum Beispiel hier). Ab der 15. Kalenderwoche hätte unter dieser Annahme zwar die Zahl an „Coronatoten“ aufgrund der natürlicherweise abflauenden Epidemie abgenommen, aber die an den Folgen der staatlichen Maßnahmen Gestorbenen hätten die Mortalität noch bis zur 18. Woche weit über dem normalen Niveau gehalten, bis es im Mai zu einzelnen Lockerung der Notstands gekommen ist. Es ist aber eine bis auf weiteres bleibende Erhöhung der Mortalität zu erwarten durch die Folgen massenhaft verschobener lebenswichtiger Operationen, Selbstmorde, mangelnder Bewegung usw.. Für diese Vermutung gibt es bei EUROMOMO aufgrund noch fehlender Meldungen bisher keinen Anhalt. 

Zusammengefasst sind also in der Winter-Frühlings-Saison 2019/20 0,019% mehr Menschen in Europa gestorben als in der Influenzasaison 2017/18, als es keinerlei staatliche Notstandsmaßnahmen gab, aber der Exzess an Mortalität war 2019/20 viel später, nämlich am Ende der Saison, und die Menschen starben in viel kürzerer Zeit. Da das Neue Corona-Virus trotz der geringen Immunität der Bevölkerung nicht tödlicher als bekannte Corona- oder Influenzaviren ist und die Epidemie wie sonst bei Coronaviren auch diesmal im April des Jahres beendet war, müssen zusätzliche Ursachen für das ungewöhnliche Mortalitätsverhalten vorliegen. Diese Ursachen können nur künstlich sein, müssen also außerhalb der „Naturgeschichte von Covid-19“ liegen. Dafür bieten sich inadäquate Versorgungs- und Behandlungsmethoden bei den Covid-19-Patienten sowie der Lockdown als so genannte „nichtpharmakologische Intervention“ und seine negativen Folgen bei Nicht-Covid-19-Patienten an.

Aktueller Nachtrag: Auf der Seite der „Swiss Policy Research“ gelangt man unter Berücksichtigung anderer Fakten zum selben Schluss. Die angebliche Sorge um Alte, Demente und Pflegebedürftige hat demnach im Gegenteil zu deren Massensterben geführt.

 

Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Dr. habil. Adorján Kovács, geboren 1958 in Stolzenau an der Weser, ist niedergelassener Mund-, Kiefer-, und Gesichtschirurg. Er hat 20 Jahre an einer Universitätsklinik gearbeitet, über 150 wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht und sich zur regionalen Chemotherapie bei Kopf-Hals-Krebspatienten habilitiert. Er ist auch publizistisch tätig.

Foto: Pixabay

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Silas Loy / 12.06.2020

Der Hamburger Pathologe Püschel soll bei seinen Untersuchungen coronainfizierter Verstorbener als Todesursache weniger Lungenentzündungen als vielmehr -embolien gefunden haben. Dies als unbestätiger Hinweis für den Autor. Demnach wären nach herrschender Aufassung (Lungenenzündung) die Kranken wohl falsch behandelt worden.

Jens Breitenbach / 11.06.2020

Ich bin immer etwas skeptisch, wenn Fachfremde sich zu wissenschaftlichen Themen äußern, so auch bei Chirurgen zu Themen der Epidemiologie. Was in dem Artikel nicht hinterfragt wurde: a) inwieweit hat die Kontaktbeschränkung dazu geführt, dass gleichzeitig die Influenza eingedämmt wurde? b) Welche quantitativen Angaben gibt es zu Todesfällen durch verschobene akute Operationen? c) Sind signifikant mehr Fälle von z.B. Brust- oder Darmkrebs nach der Lockerung der Kontaktbeschränkungen bekannt geworden, die darauf hinweisen könnten, dass während der zwei Monate notwendige Präventionsuntersuchungen unterblieben sind? Was allerdings auch zu erkennen ist,  ist (1.) der Verlauf der Todeszahlen 2019/2020 im Vergleich zur Grippesaison 2017/2018: Bei Influenza ein geringerer Anstieg und längere Dauer und Plateauphase, bei Covid-19 ein extrem steiler Anstieg mit kurzem Peak und steilem Abfall. Letzteres ist aber offenbar auf die Kontaktbeschränkungen zurückzuführen; (2.) dass auch die Altersgruppe 15 - 44 eine erkennbar höhere Todesrate aufweisen kann (insbesondere in England) - also nicht nur die vielzitierte Risikogruppe der Senioren - und dass sie in Frankreich während der Zeit der Ausgangssperre deutlich nach unten weist (womöglich weniger Verkehrsunfälle?); (3.) dass in Schweden, dem vielgerühmten Ausnahmefall ohne Ausgangsbeschränkungen, 2020 eine deutlich höhere Sterberate herrschte als während der Influenzasaison 2017/18 (Frage: Bekamen die Schweden vorab den besseren Impfstoff, der hierzulande nur den Privatpatienten vorbehalten war?). Aber solange die Fragen nicht beantwortet sind, ist alles Geraune, der Lockdown habe mehr Schaden angerichtet als die Epidemie einfach laufen zu lassen, nichts weiter als eben das: Geraune.

Alexandra Klabuter / 11.06.2020

Covid scheint extrem unberechenbar zu sein. Was m.M.n. dafür bestätigt, dass das Ding aus dem Labor kommt. Lt. Dr. Wodarg wurde (anfangs?) vielen Cov- Patienten Hydrochloriquin gegeben, ein Malaria-Mittel, welches angeblich helfen sollte. Das Problem scheint zu sein, dass HCOQ eine Gegenanzeige zu Favismus hat. Speziell im Süden und bei Personen aus südlichen Ländern haben viele Menschen diesen Gen-‚Defekt‘, der zu einer gewissen Malaria-Resistenz verhilft. Das würde erklären, warum die Lethalität in IT, ES aber auch in BE relativ hoch ist. Trotzdem… warum traf es in IT fast nur Bergamo und nicht Prato, das als ‚ChinesischEs Zentrum‘ für den Import der Seuche sorgte!? Ich fürchte, falls Covid19 aus dem Labor stammt, dass das ‚Targeting‘ sehr speziell auf bestimmte Gene war. Egal wie, das Ding ‚stinkt‘.

Karla Kuhn / 11.06.2020

, Ich schließe mich Karl Kaiser an. swprs.org  Langer Text aber HOCHINTRESSANT und es könnte so manchem das KOTZEN kommen !

Detlef Orth / 11.06.2020

sehr interessanter Beitrag. Ich habe zwei Anmerkungen: 1) Wenn ich es richtig sehe, dann würden aus der BRD die Länder Berlin und Hessen erfasst( siehe EUROMOMO- Starseite). Falls dies so ist, dann sind das nur gut 10% der Bevölkerung. Es wäre in diesem Fall schon interessant abzuschätzen welchen Einfluss auf die Zahlen haben könnte. 2) Die Angabe der Bevölkerung in den 24 beteiligten geographischen Gebieten, bzw. die Angaben zum Bevölkerungswachstum beziehen sich auf alle Altersklassen. Hier wäre doch auch eine altersspezifische Betrachtung hilfreich. Es könnte doch durchaus sein, dass die Altersklasse 65+ überproportional angestiegen ist. In der BRD ist dies der Fall!

A.Werner / 11.06.2020

Die Prozentangaben zu Mortalitäten sind 10mal zu hoch. Z.b. für 2016/2017: 1,5M/357M entspricht 0,42% nicht 4,2 %. Entsprechend ist der Corona Antieg 0,019% und nicht 0,19%.

Dieter Grimm / 11.06.2020

Und am kommenden Sonntag, also 7 Tage nach den Massendemos von Abertausenden Corona-Ignoranten bzw. Corona Leugnern gegen Rassismus und Polizeigewalt, kommt es zum finalen show down. Es gibt nur 2 Varianten dieses Coronaregelverstoss-Events. Entweder werden ab kommenden Sonntag die Infektionen der Teilnehmer in Berlin, München, Hamburg…... in nie geahnte Höhen steigen und diese Städte müssen vor der gesunden deutschen Bevölkerung abgeriegelt werden, da die Leichenberge in den Strassen dieser Ortschaften immer höher werden. Oder aber???? nix, einfach nix. Nichts wird passieren. Wenn das eintrifft, müssten sich diverse “GefälligkeitsVirologen” und ähnliche regierungsberatende “Pandemiespezialisten” aber erklären. Ich bin mal gespannt welche Alternative dann eintrifft. Eins ist sicher, am Montag, den 15.06. macht sich die Regierung so, oder so zum Löffel. Entweder weil sie ihre eigenen erlassenen Regeln und Vorschriften auf das widerlich dümmste selbst ignoriert und nichts dagegen unternommen hat oder aber es gibt keine gravierenden Infektionen und der Bürger fragt sich dann, in welchem Verhältnis diese ganze Hysterie zu verstehen ist.

C. Hofmann / 11.06.2020

Wenn Bewohner in einem Pflegeheim wochenlang nur in ihrem Zimmer bleiben, ohne Bewegung, Beschäftigung und Besuche, ist das schon schlimm. Aber, eine überforderte Pflegekraft, die keine Kontrolle durch Angehörige befürchten muss, lässt schon mal was liegen. Viele Angehörige nehmen sich die Zeit, täglich das Essen zu reichen, weil die Pflegekräfte dafür keine Zeit haben, wer hat das in diesen Wochen übernommen? Der Schutz der Alten, für mich in keinster Weise glaubhaft.

Arthur Sonnenschein / 11.06.2020

Garbage in = garbage out wie alle wissen, die sich mit der Interpretation von Datensätzen beschäftigen. Allein auf Basis der nicht standardisierten Verfahren bei der Zuordnung der Todesursache verbietet sich eine Analyse des Einflusses der saisonalen Grippe auf europäischer Ebene. Der Input ist Kraut und Rüben. Selbst ganz ohne Daten würde man mit einem Anstieg der Sterblichkeit bezogen auf die nächsten Jahre rechnen müssen, da der Anteil sehr alter Menschen steigt wie ja auch andere Leser feststellten. Das ist aber inzwischen auch egal. Das Kind ist in den Brunnen gefallen und für die Politik ist die Expertise von Med/Pharma-Spezialisten nur akzeptabel, wenn sie als Mittel den momentanen politischen Zweck erfüllt. Nichts mehr zu holen, alles zu spät.

Wolfgang Kaufmann / 11.06.2020

Ob ein erhöhtes medizinisches Risiko bestand, wird vielleicht die Zukunft zeigen; man wird auch sehen, welche Rolle die allgemeine Grippeanfälligkeit oder ein korruptes Krankenhauswesen spielen, wie sich für Belgien und die Lombardei vermuten lässt. Immerhin gibt es Länder wie Brasilien, in denen Corona heute noch wütet; es wäre also zynisch zu behaupten, es sei gar nichts passiert. – Hingegen nehmen wir andere Risiken sehr gerne in Kauf, wenn sie nur politisch korrekt sind. So wurden binnen weniger Tage viele Ladenbesitzer in den USA um ihr Lebenswerk gebracht, ohne dass der Staat eingegriffen hätte. – Oder der IQ in Deutschland befindet sich seit 20 Jahren im freien Fall, so dass viele hochtechnische Ausbildungsplätze gar nicht mehr adäquat besetzt werden können. Hier ergreift man aber keine Maßnahmen bis hin zur Grenzschließung, da es ja der allgemeinen Lohndrückerei dient, die inzwischen zu Deutschlands Geschäftsmodell in Europa geworden ist.

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