Roger Letsch / 17.06.2020 / 15:00 / Foto: Fabian Nicolay / 36 / Seite ausdrucken

Die Corona-App und der Nannystaat

Die Corona-Warn-App des RKI und der Bundesregierung steht bereit, und die Presse ist voll des Lobes. Die Datensicherheit sei ganz wunderbar, es würde nichts zentral gespeichert, und weil man den offiziellen Weg über die Schnittstellen von Apple und Google gehe, sei auch technisch alles sauber und transparent. „Da seht ihr’s mal, ihr Kritiker! Die Politik bekommt für Geld sogar Software ans Fliegen!“ – anders als Flughäfen und Bahnhöfe, möchte man hinzufügen. Bereits nach wenigen Stunden überschlagen sich die positiven Rezensionen im Apple-Store, und ich frage mich, wie hoch der Anteil jener Wortmeldungen dort ist, die in der Social-Media-Abteilung der Agentur „Zum goldenen Hirschen“ erdacht und als Zubehör noch zum Lieferumfang der App gehören, so überschwänglich werden die politischen Intensionen gelobt, statt über die Funktionalität der App zu sprechen, von der ja noch nicht viel erprobt sein kann.

Selbst an einige „negative Ausreißer“ hat man gedacht, wenn etwa ein User namens „Illuminati“ vor der App warnt, weil Bill Gates mit Hilfe des RKI den Echsenmenschen zur Macht verhelfen wolle. Das klingt offensichtlich irre genug, um nicht abschreckend zu wirken und sorgt in der Gesamtbewertung für weniger nordkoreanische Begeisterungswerte.

Von mir werden Sie hier keine Empfehlung erhalten, liebe Leser. Weder für noch gegen diese App. Ich gebe lediglich einiges zu bedenken.

Keine Untersuchung, kein Test

Das Prinzip der App ist, dass getestete User (via QR-Code lässt sich der Untersuchungsbericht eines Tests erfassen) bei Begegnung mit anderen App-Usern dies per Smartphone anonym bekanntgeben, woraufhin der potenziell Gefährdete informiert wird und sich testen lassen kann, soll oder muss. Das setzt aber voraus, dass man als potenzieller Überträger überhaupt einen Test machen lassen kann.

Die Fälle, von denen ich im Bekanntenkreis Kenntnis habe, liefen jedoch stets so ab: Hatte jemand Kontakt zu einer infizierten Person, wird er oder sie kommentar- und testlos in die 14-tägige „Do-it-yourself-Quarantäne“ geschickt. Das war’s! Keine Untersuchung, kein Test. Wenn Symptome auftreten, ist das natürlich was anderes, aber die asymptomatischen oder sehr milden Fälle drückt man so aus der Statistik heraus – und damit auch aus einem kompletten Bild, wie genau sich das Virus gerade ausbreitet. Unerkannt positive Menschen fallen aus der Betrachtung, und Begegnungen mit ihnen macht auch die App nicht sicherer. Gegen diesen „blinden Fleck“ würde nur eines helfen: massenhafte und flächendeckende Tests, also klassische Medizin, nicht staatliche Digitalprojekte.

Die angegebene Altersfreigabe der App liegt übrigens unerklärlicherweise bei 17 Jahren, was zumindest theoretisch die hochmobile und noch dazu stark vernetzte Gruppe der 12- bis 16-Jährigen ausschließt. Praktisch dürfte das zwar kaum eine Rolle bei der Verbreitung der App spielen – wer in dieser Zielgruppe schummelt nicht gern beim eigenen Alter. Problematischer ist, dass die Kerngruppe der Gefährdeten bereits die 80 überschritten hat und sich nicht gerade durch große digitale Affinität auszeichnet. Der Smartphone-Bestand bei über 80-Jährigen ist nicht sehr groß. Wer die App nutzt, ist also nicht in Gefahr und wer in Gefahr ist, nutzt die App meist nicht.

Mangelnde Akzeptanz

Das größte aller Probleme dürfte allerdings die mangelnde Akzeptanz der App sein. Die Statistiker geben an, dass etwa 60 Prozent der Bevölkerung die App aktiv und vor allem ehrlich benutzen müsste (niemand ist verpflichtet, ein positives Testergebnis auch wirklich in die App zu übertragen), damit der Einsatz einen positiven Effekt haben kann. Die unter 17-Jährigen fallen teils aus, ebenso ein erheblicher Teil der älteren Menschen. Je nach Medium und Umfrage kommen aber 20–40 Prozent hinzu, die sich einer regierungsamtlichen App komplett verweigern. Der Grund ist meist ein tiefes Misstrauen gegen jedwedes Regierungshandeln und offizielle Verlautbarungen – ganz gleich, ob diese aus einem Ministerium, von der Kanzlerin, Georg Restle oder einem staatlich bestellten Institut wie dem RKI stammen.

Hier rächt sich, dass uns die Politik in den letzten Jahren überreich eingeschenkt hat aus dem Fass mit der Aufschrift „Das tut dem Bürger gut, er muss nur schlucken“, ohne dass man sich auch nur die Mühe gemacht hätte, mal nach unserer Verdauung zu fragen. Die Energiewende bescherte uns die zweithöchsten Strompreise der Welt (nach den Bahamas) und nun sollen wir ausgerechnet Begeisterung für E‑Autos aufbringen. Bei jeder Volte der EU-Kommission sagt man uns, wir seien die eigentlichen Gewinner jeder absurden Regelung. Weil wir so „reich“ seien, zahlen wir sogar freiwillig mehr ein in die EU, übernehmen nun auch noch die Hauptlast des 1001. Rettungsschirms gegen … ja, gegen was eigentlich?

Wir verzweifeln fast daran, dass sich die versprochene Dividende der Willkommenskultur einfach nicht einstellen will, und neuerdings entdeckt unsere Regierung auch noch massenhaft tiefsitzenden, „systemischen” Rassismus in der Gesellschaft, den sie uns abgewöhnen will – ganz zu schweigen vom unerklärlich grassierenden Antikommunismus, der trotz ausufernder Staatswirtschaft, Geldsozialismus, Marx-Gedenken, Lenin-Statue, einer linksextremen Verfassungsrichterin, einer undefinierbaren, aber gut finanzierten „Antifa” und Saskia Esken einfach nicht verschwinden will.

Aus wabernden Orakeln entsprungen

Nach Darstellung unserer Regierung läuft hier im Grunde seit Jahrhunderten gar nichts richtig (es sei denn, die Regierung stößt es an) und benehmen sich die Bürger wie dumme, verantwortungslose Kulturbanausen (es sei denn, sie durchlaufen die gedankenläuternden Programme von mit Steuergeldern gefütterter Demokratieverbesserer-NGOs). Der Staat schenke uns alles, ohne Staat seien wir nichts. Was können wir doch froh sein, solch einen fürsorglichen Staat zu haben, der sich um alle Aspekte unseres Daseins kümmert. Ein Fürsorgerstaat, ein Nannystaat.

Wie die Umfragen zur Corona-App-Akzeptanz zeigen, liegt die Zahl derer, die die Nase gestrichen voll haben vom Gewindeltwerden, zwischen 20 und 40 Prozent. Sicher sind auch einige Spinner dabei, sogar extreme Typen, ideologische Impfgegner, Bewohner des Planeten Globuli, Vegane Koch-Hunnen und andere Aluhut-Träger. Aber allein mit denen kommt man nicht auf solche Ablehnungswerte. Dazu muss man seinen Bürgern schon etwas länger mächtig auf die Nerven gegangen sein mit immer neuen Schikanen, Steuern, Abgaben und Zukunftsprojekten, die aus wabernden Orakeln entsprungen waren. Und es brauchte die nicht regelbare Lautstärke politikabhängiger Applaudiermedien, die Haltungsnoten verteilen und die (richtigen) Ängste im Volkstopf immer hübsch am Köcheln halten.

Die Menschen sind womöglich so müde vom Mahnen, Warnen, Appellieren, Aufrütteln und den permanenten „Wolf“-Rufen, dass sie womöglich gerade jetzt den einen, einzigen Fall in zwanzig Jahren ignorieren, in welchem sich zentralisiertes, verantwortungsvolles Handeln der Politik vielleicht – nur vielleicht – als segensreich erweisen könnte.

Es hören nur immer weniger Menschen zu, weil es einfach zu oft zu laut ist.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Roger Letschs BlogUnbesorgt“.

Foto: Fabian Nicolay

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Leserpost

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M. Citronella / 17.06.2020

Der deutsche Mensch ist so wie ist er ist. Da gibt es nichts daran zu rütteln. Diese Eigenschaft wird ihm in seinen Genen weitergegeben und ihm wie mit der Muttermilch schon sehr früh eingeflößt. Es ist die Eigenschaft der Obrigkeitshörigkeit. Der deutsche Mensch braucht jemanden, zu dem er aufschauen, dem er vertrauen und dem er sein Leben anvertrauen kann. Und das sind die Personen der Obrigkeit. Auch Regierung genannt. Und wenn diese Obrigkeit auch noch von den öffentlich, rechtlichen Nachrichtenmedien so gelobt wird, wie sie gelobt werden, kann man sich als deutscher Mensch so gut fühlen und in Sicherheit sein, wie in Abrahams Schoß.  Die Kanzlerin liebt ja ihr Volk. Sie hat ja bei ihrer Vereidigung geschworen, für ihr Volk einzustehen und alles schlechte für ihr Volk abzuwenden. Also kann man ihr ja auch vertrauen. Nach den Wahlergebnissen der letzten 15 Jahre scheinen 87% der Bundesbürger so zu denken. Aus diesen Gründen wird wohl auch diese, von der Regierung und den Medien angepriesende Überwachungs- App von der Mehrheit der Bevölkerung,  dankend angenommen werden. Denn diese Regierung will ja nur das Beste für ihr Volk!  Und diese Kanzlerin und ihr Krankheits - sorry Gesundheitsminister sowieso!

Oliver Hoch / 17.06.2020

Natürlich bin ich für die Eindämmung gefährlicher Viren. Aber diese App ist aus meiner Sicht genauso sinnlos (wenn auch bei weitem nicht so teuer, obwohl für sich allein besehen extrem überteuert) wie alles andere, was unsere geliebte Regierung auf unsere Kosten zu beschließen geneigt war. Ich sehe in der Spahnophilen-App für mich und die mir nahestehenden Menschen netto keinerlei Vorteil. Dazu noch der Ekel - nein, das Zeug kommt nicht auf mein Handy.

S. Marek / 17.06.2020

Absolut wichtiges Watson Video: Kulturrevolution       ***************************************************************************************************************** In der kommunistischen Utopie von CHAZ laufen die Dinge ganz wie erwartet. 17. Juni 2020 Paul Joseph Watson In diesem neuen Video zeigt & spricht Paul Watson die utopische, so genannte “autonome Zone” an, die in Seattle von den Kommunisten der neuen Kulturrevolution eingerichtet wurde. Die Dinge laufen ganz wie erwartet. Verpassen Sie nicht das Video:  “Watson Video: Cultural Revolution | Frontpagemag”

Dov Nesher / 17.06.2020

@Jürgen Fischer. Infiziert zu sein ist kein Vergehen. @J.G.R. Benthien. Um den Titel sinnloseste App streiten sich ganz andere “Kaliber”. Man kann vom Sinn und Unsinn der App halten was man will. Der Informationsgewinn ist auch bei geringerer Nutzung als 60% vermutlich hilfreich. Wie sehr bleibt abzuwarten. Datenschutztechnisch ist sie (im Gegensatz zu so viel anderem staatlichen Unsinn) harmlos und der Aufregung kaum wert.

Roland Stolla-Besta / 17.06.2020

Da ich bereits im – ahem – gesegneten Alter bin, besitze ich ein Handy resp. Smartphone nur zum Telephonieren für Notfälle, also ein prepaid-Dingsbums. Wie ich den teutonischen Laden kenne, wird irgendwann – pikanterweise wohl nach dem Corona-Hype – diese Corona-App obligatorisch werden, kann man sie doch auch für völlig andere Dinge einsetzen, aber ich will jetzt nix mit Verschwörungen hier in die Welt setzen. Wird mir die dann dafür zuständige Bundesbehörde (Verfassungsschutz?) auch die Kosten für den Internetzugang erstatten? OK, als vorbildlicher Untertan habe ich die dann wohl selbst zu tragen. Aber wenn ich Glück habe, muß ich den ganzen Zirkus nicht mehr erleben. Ihr Nachgeborenen, viel Spaß in der Zukunft!

Karla Kuhn / 17.06.2020

Was ich gelesen habe, jeder App Besitzer muß 15 Min. neben einem Infizierten stehen der ebenfalls eine App hat, ehe diese aufzeichnet, anschlägt oder wie ich das nennen soll. Abgesehen davon an den GRENZEN ist Schluß ! Es wird extra darauf hingewiesen, die App nur vom RKI runterzuladen, ansonsten könnte man sich einen Trojaner einfangen.  Da läuten schon bei mir alle Alarmglocken. Da stelle ich mir doch die Frage,  WIE VIEL solche APPS gibt es denn, wenn ausdrücklich nur auf das RKI hingewiesen wird ? Oder bekommen die “Hinweiser” etwa einen BONUS ??  Edward SNOWDEN soll AUSDRÜCKLICH vor einer solche APP gewarnt haben. Er ist ein WIRKLICHER EXPERTE. Denke ich an die unsägliche ALEXA, viele haben sich diese “Spionin” auch noch freiwillig ins Haus geholt, glaube ich Herrn Snowdens Aussage AUFS WORT !  Mal ehrlich WAS SOLL DAS GANZE überhaupt ! Hochkarätige Wissenschaftler wie Prof. BHAKTI und andere haben Corona ” ENTTARNT”  Volker Seitz hat in seinem Artikel darauf hingewiesen, daß MALARIA weltweit MEHR Todesopfer fordert.  Gibt es eine “Malaria APP?” Gibt es eine TBC App, die leider auch wieder im kommen ist ?? (Video von Dr. Mütterlein,Leiter der TBC-Parsberg Klinik) Nein,  Frau Merkel hat sich verraten, als sie von ihrer GIGANTISCHEN Transformation schwärmte. Auch die NICHT GEWÜNSCHTEN Obduktionen zweifeln für mich die Seriosität dieser App. an. Corona ist vorbei. WER kann denn GENAU sagen, daß die NEU Infizierten das Virus nicht schon JAHRELANG in sich tragen ?? Genau wie das HERPESVIRUS ?? Das bei sehr vielen Menschen ebenfalls schlummert ?? Mein kluge Mutter hat immer gesagt BILDUNG schützt vor FALSCHINFORMATIONEN. Auch wenn die meisten Menschen keine Virologen, Epidemiologen etc. sind, eine gewisse Bildung haben wir bereits in der Schule erfahren und im Zeitalter von INTERNET, kann jeder sein Wissen wieder auffrischen. Wieder viele ganz KLASSE , KLUGE Leserbriefe !! Auch der von Dr. Markus Hahn !

S.Niemeyer / 17.06.2020

Kleine Ergänzung: Auch unter den App-Willigen sind “Spinner dabei, sogar extreme Typen” wie notorisch Denkfaule, Beschwörungsformelanhänger, Maskenfetischisten, chronisch eifernde Leichtgläubige.

Jürgen Fischer / 17.06.2020

Der Schwachsinn fängt doch schon da an, dass alle unter Generalverdacht gestellt werden. Egal ob man was hat oder nicht, jeder wird als potentieller Virenträger stigmatisiert. Ich seh’s aber so, wenn ich nix habe, kann sich auch keiner bei mir anstecken. Dann sehe ich auch nicht ein, warum ich mit einem Gesichtslappen herumlaufen oder mir ein Smartphone kaufen soll, um mir darauf eine Stasi-App zu installieren. Aber nein, die Mehrzahl dreht durch, die Mehrzahl macht mit, und das nicht nur im besten Schland aller Zeiten. Dabei sollte man doch wissen, wenn der Herr Professor Lauterbach so fleißig Werbung für etwas macht, ist Vorsicht geboten. Hatten wir doch gerade erst gestern.

Volker Kleinophorst / 17.06.2020

Wenn Frau regiert, kann nur ein großer Kindergarten dabei rauskommen.

Claudius Pappe / 17.06.2020

Der von Herrn Broder so geschätzte Herr Beckers bekommt den Fernsehpreis

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