Manche Erkenntnis braucht halt ihre Zeit. Manchmal glatt fünfzehn Jahre – wenn wir den Unfall im AKW Fukushima als Grabstein der deutschen Atomenergie nehmen. Doch nun kommen sie plötzlich um die Ecke, erst Friedrich Merz, dann Ursula von der Leyen, und bezeichnen den deutschen Ausstieg aus der Kernenergie als „schweren strategischen Fehler“. „Ich glaube, dass es für Europa ein strategischer Fehler war, einer zuverlässigen, bezahlbaren Quelle für emissionsarmen Strom den Rücken zu kehren“, erklärte die EU-Kommissionspräsidentin. Die Grünen toben natürlich. Aber haben sie etwas zu befürchten?
Denn das ist nun wirklich schon lange bekannt, insbesondere bei den deutschen Nachbarn, die uns mit ihrem Atomstrom versorgen. Und bekannt sollte eigentlich auch sein, dass noch so viele Windmühlen unseren Energiebedarf nicht decken, sofern kein Wind weht. Die sogenannte Energiewende basiert auf Ideologie und Propaganda, und der Abriss von völlig funktionsfähigen AKW bedeutet eine immense Verschleuderung deutschen Wohlstands.
Die späte Einsicht von Merz und vdL ist nicht nur ein ausgestreckter Zeigefinger in Richtung Angela Merkel, die für was auch immer demnächst mit höchsten Würden ausgezeichnet wird, sondern geht an den Gründungsmythos der Grünen, inoffizielle Regierungspartei von Gnaden der CDU. Denn so begann das alles: mit dem Widerstand der Landbevölkerung gegen ein geplantes Kernkraftwerk bei Wyhl. Das befeuerte Mitte der 1970er-Jahre die Anti-Atomkraftbewegung in der Bundesrepublik Deutschland, was wiederum den Grünen einen mächtigen Schub gab. Noch heute ist man dort stolz auf den deutschen Sonderweg. Dabei waren weder der Unfall in Tschernobyl noch die Havarie in Fukushima etwas, das die deutschen AKW hätte treffen können. Doch allein das Wort „Atom“ löst bei vielen Menschen Panik aus – denn bei einer atomaren Konfrontation wäre Deutschland das Austragungsgebiet. Diese Angst hat den Grünen geholfen.
Und jetzt? Zwar haben die Grünen ausgerechnet in Baden-Württemberg dem vorläufigen Endergebnis gemäß die Wahlen gewonnen – beschämend für das einst dank Maschinenbau und Autoindustrie wirtschaftsstarke Land. Wer den Hymnen auf Elektromobilität getraut hat, braucht sich nur anzuschauen, was dieser Weg die Autoindustrie gekostet hat. Denn auch die Rückkehr zum Verbrenner ist teuer. Porsche meldet einen Gewinneinbruch von 91,4 Prozent. Und nun wieder Grünschwarz?
Die Grünen müssen sich wohl keine Sorgen machen
Gewiss gehört Cem Özdemir eher zu den Pragmatikern unter den Grünen. Aber würde er sich für die Rückkehr zum Atomstrom stark machen? Und ist es dafür nicht zu spät? Laut EnBW ist der gesamte nukleare Kraftwerkspark in Baden-Württemberg in den Rückbau gegangen: Obrigheim seit 2008, die Blöcke Neckarwestheim I und Philippsburg 1 seit 2017, Block Philippsburg 2 seit 2020 und Block Neckarwestheim II seit Mai 2023.
Die Grünen toben vergebens, dass nun an ihrem Gründungsmythos gekratzt wird. Doch sie müssen sich wohl keine Sorgen machen. Denn auch Merz hat nicht die Absicht, strategische Fehler auszubügeln. Die Vorgängerregierungen hätten beschlossen, aus der Kernkraft auszusteigen. Er bedaure das, aber: „Der Beschluss ist irreversibel.“ In der Sendung von Caren Miosga sagte Merz im April 2025 auf die Frage, warum die Option Kernkraft zwar bei der CDU im Parteiprogramm stehe, aber nicht im Koalitionsvertrag: „Die SPD wollte das nicht, das haben wir zu akzeptieren gehabt.“ Na klar. Ich sage nur: Bettvorleger.
Egal. Da gibt es doch diese kleinen modularen Reaktoren, die sich jeder in den Garten stellen kann? Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung meldet sauertöpfisch: Anstelle von circa 400 Reaktoren mit großer Leistung müsste man tausend bis zehntausend SMR beziehungsweise Mikroreaktoren einsetzen. Egal. Wir wollen Vorreiter bei der Kernfusion werden, sagte Merz beim Nordsee‑Gipfel im Januar. Langfristig will er, „dass Deutschland den ersten Fusionsreaktor der Welt ans Netz nimmt“. Woah! Das ist noch nicht einmal Zukunftsmusik. Es bleibt also alles wie es ist. Deutschland schafft sich ab. Wer prophezeite das noch mal?
Beitragsbild: Avda - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Wenn Uschi v.d.L. von einem „schweren strategischen Fehler“ spricht, dann muss das wohl stimmen. Bekanntlich sind sämtliche ihrer Aussagen von reinster Weisheit geprägt. In Tschernobyl waren die unfähigen russischen Ingenieure Schuld. Nicht-kommunistische Ingenieure machen solche Fehler nicht, hieß es 1986. 2011 war dann der blöde Tsunami schuld, niemand hätte mit sowas rechnen können. Japan ist schließlich nicht Thailand, weiß jeder Globus. Auffällig:
Andere Katastrophen werden nie genannt. Asse II zum Beispiel. In welchem Land war das nochmal?
Dr. Thilo Sarrazin behauptete das. Aber, Frau Dr. Stephan, analysieren & respektieren Sie doch besser den Wähler & nicht die gewählten Politiker. Nur jeder 5. Ländle-Wähler ist offensichtlich unzufrieden. 29% gingen erst gar nicht wählen, wozu auch? Solange man in Sindelfingen über Zebrastreifen aus Carrara-Marmor wandeln kann, geht es dem Ländler einfach zu gut, um sich der profanen Politik widmen zu müssen. Bei unseren Landsleuten in der Schweiz ist es noch schlimmer. Wieso am SFR sparen? Wir (Schweizer-Deutschen) sind reich. Gönnt doch den armen, links-extremen Schluckern beim SFR. Rücken Sie der von Ihnen präferierten KI zu Leibe (kostet 10x so viel Strom, wie eine einfache Google-Abfrage) & checken den Median-Vermögenswert mit & ohne Immobilien in BaWü. Dasselbe machen Sie dann im Vergleich mit den Sachsen-Anhaltinern. Per Epost können Sie Sich die Zahlen vom Ex-Genossen Sarrazin bestätigen lassen (Wenn Der es nicht weiß, wer dann?). Danach wissen Sie Bescheid, warum wir in BaWü keine AKWs brauchen.
Bevor der erste Fusionsreaktor in Betrieb genommen werden kann, existiert Deutschland nicht mehr.
>>Dabei waren weder der Unfall in Tschernobyl noch die Havarie in Fukushima etwas, das die deutschen AKW hätte treffen können.<<
## Frau Stephan, woher haben Sie diese Erkenntnisse?
Jedes der in Deutschland bis 2022 betriebenen AKW hatte den gleichen schweren konzeptionellen Fehler, dass die Leistung nicht ausreichend skalierbar ist. Das heißt, bei einem Nothalt, gleichgültig aus welchem Grund, blieb die Dampfturbine einfach stehen, es wurde GAR KEIN STROM mehr erzeugt, obwohl das Wasser weiter siedet und ohne AKTIVE Kühlung ist in solchen Reaktoren die schwere Havarie NICHT VERMEIDBAR. Das ist genau das Szenario, das wir beim KKW Fukushima SYSTEMATISCH drei bis vier Mal beobachten konnten. Für Sie als Politikwissenschaftlerin: Die haben 50MW zu viel, sehr langsam abklingende „Restwärme“. KÖNNEN ABER NICHT diese Energie zum Betrieb der aktiven Kühlung (Kühlpumpen) nutzen.
Die Folge ist: Das Wasser verdampft ständig weiter, der Überdruck kann nur durch Druckentlastung in die Umgebung abgebaut werden (Das bereits ist ein Störfall, weil das Wasser im Primärkreislauf stark radioaktiv ist). Sobald die Brennstäbe oben aus dem Wasser herausschauen, kommen sie zur WEISSGLUT und dann verbrennt das Metall (Zirkonium), das die Brennelemente ummantelt. Rotglühendes URAN sammelt sich am Boden des Reaktors und erreicht dort die GEOMETRIE, die zur Zündung einer kritischen Kernspaltung nötig ist und frisst sich durch JEDES Material. Der Betrieb der Kühlpumpen, um diesen Zustand zu verhindern, erfolgt nicht mit einfachem Kraftstrom 380V, sondern mit einer Sonderspannung von z.B. 4000V. So dass bei einem Ausfall der Notstrom-Dieselgenaratoren, die für diesen Fall vorgehalten werden, KEIN ERSATZ beschafft werden kann. Es gibt keine ausreichende REDUNDANZ. Wenn Ihnen der Manfred Haferburg etwas vom Tsunami erzählt, oder dass die Russen in Tschernobyl so dumm waren: Halbe Wahrheit. Die Ursache war der systematische AUSFALL ALLER KÜHLPUMPEN. Das wäre in DE GENAU SO GEWESEN!
Stimmt genau! Bei der Merkel war alles „alternativlos“, beim Merzens Fritze „irreversibel“; andere Wortwahl, gleiche Bedeutung. Und so lange Rotgrün mit auf der Regierungsbank sitzt, kann/darf der Fritze auch nix anderes erzählen als seine Herren und Meister ihm gestatten. So wie bei den Themen Atomkraft, Klima, Energiewende, Deindustrialisierung, Migration, Genderquatsch, E-Autos. Bemitleidenswerte CDU! Aber vielleicht sollten wir wirklich den 11. März als Gedenktag einführen, im steten Gedenken an eine ordenbehängte Exe, die an dem Tag vor 15 Jahren das Totenglöckchen für Deutschlands Wohlstand geläutet hat!
Pinocchio und Pfizer-Uschi sind doch demokratisch gewählt! Oder nicht ?
Es ist der Wähler, stupid !
Cem Özdemir, ich sehe nur das Bild auf seinem Balkon. „Ich und meine Pflanze“ würde ich es nennen. Es ist nachvollziehbar, warum er gewählt wurde. Die Polizei war nicht vorstellig, hat sicher nur das Haus bewacht. Das ist doch nett, und wenn ich fort bin, bitte schauen sie nach meinen Blumen, ab und zu mal gießen. Wer es besser weiß, warum er gewählt wurde, soll es hier kund tun.