Cora Stephan / 02.12.2021 / 11:00 / Foto: Pixabay / 28 / Seite ausdrucken

Cora Stephan: Die Stimme der Provinz – heute gerecht und nachhaltig!

Es steht geschrieben: Wir werden Fortschritt wagen und demnächst in einem Land leben, in dem der Wolf barrierefrei neben dem Schaf liegt und nachhaltig wiederkäut. Das Paradies ist nah. Man muss nur dran glauben.

Es steht geschrieben: Wir werden Fortschritt wagen und demnächst in einem Land leben, in dem der Wolf barrierefrei neben dem Schaf liegt und nachhaltig wiederkäut. Das Paradies ist nah. Man muss nur dran glauben.

Die neue Bibel heißt „Koalitionsvertrag“ eines Bündnisses „für Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit“ und gibt auf 178 Seiten Einblick in die Ära Grünrotgelb, die uns bevorsteht. Wir hier in der Provinz dürfen uns freuen:

„Es gilt, zu erhalten, was uns erhält und unsere Ressourcen zu schützen. Der Schutz von Umwelt und Natur ist daher essenzieller Bestandteil unseres politischen Handelns (...) Insbesondere der Kampf gegen das Artensterben, verlangt hohe Aufmerksamkeit und politisches Handeln. Unser Ziel ist eine nachhaltige, zukunftsfähige Landwirtschaft, in der die Bäuerinnen und Bauern ökonomisch tragfähig wirtschaften können und die Umwelt, Tieren und Klima gerecht wird.“ (Kommafehler inklusive)

Alora! Barrierefrei und geschlechtergerecht!

Das ist alles so schön, dass es gut sein muss. Das Zusammenleben von Weidetieren, Mensch und Wolf wird nun konfliktfrei gestaltet, in alten Buchenwäldern wird kein Holz mehr geschlagen, in anderen nur noch mit Rückepferden gearbeitet. Über alledem scheint die Sonn’ ohn’ Unterlass und drehen sich die Windräder:

„Die Energiewende werden wir ohne den Abbau von ökologischen Schutzstandards forcieren. Wir werden ein nationales Artenhilfsprogramm auflegen, das insbesondere den Schutz derjenigen Arten verbessert, bei denen es Konflikte mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien gibt, um die Energiewende naturverträglich zu gestalten.“

Denn: Artenvielfalt ist „eine Menschheitsaufgabe und eine ethische Verpflichtung“.

Das ist mal ein Wort! Wer hier in meiner Gegend sommers durch die Maisfelder gewandert ist, spürt die ethische Verpflichtung hautnah. Wo Mais wächst, gedeiht nichts anderes, Mais laugt die Böden aus, benötigt Herbizide und hat einen entsprechenden Düngebedarf. Insekten und Schmetterlinge mögen solche Monokulturen nicht. Und Naturschützer mögen den Mais ebensowenig.

Doch die Maisanbaufläche in Deutschland wächst – 2020 waren es gut 2.700.000 Hektar. Damit werden nicht die Schweine gefüttert, sondern Biogasanlagen. Artenvielfalt und Energiewende? Zero Points.

Etwas Ähnliches gilt für Windkraftanlagen, deren Ausbau forciert werden soll. Reden wir mal nicht darüber, dass sie nicht liefern, wenn der Wind nicht weht und dass sie Kulturlandschaften nicht nur optisch zerstören. Zum Artenschutz tragen sie nichts bei, da sie Vögel, Fledermäuse und Insektenschwärme bedrohen – und weil unter ihnen dank ihrer tonnenschweren Betonfundamente nichts wächst. Eine massive Bodenversiegelung, die Umweltschützer normalerweise nicht schätzen, etwa wenn es um Autobahnen und Eigenheime geht. Ein modernes Windrad benötigt überdies eine Tonne des seltenen Metalls Neodym, dessen Abbau eine ökologische Schweinerei ist. Und was die Entsorgung ausgedienter Rotorblätter betrifft: Sie werden als Sondermüll vergraben.

Windkraft und Natur- und Artenschutz? Zero Points.

Die Spannung wächst ins Unermessliche

Je länger man in diesem Pamphlet liest, dessen Verfasser uns in eine wunderbare Zukunft geleiten wollen, desto mehr wähnt man sich im Wolkenkuckucksheim. Alles soll geschlechtergerecht, barrierefrei, nachhaltig, diskriminierungsfrei und klimasensibel werden, aber nichts passt zusammen. So wenig wie Wolf und Lamm einträchtig nebeneinander liegen werden. Lamm isst Gras und Wolf isst Lamm. Das ist Natur.

Für uns hier in der Provinz heißen diese luftigen Absichtserklärungen entweder gar nichts oder nichts Gutes. Ein sentimentales Naturverständnis paart sich mit einer Ideologie, die keine Gefangenen macht. Naturromantik ist auch nur eine Ausprägung von Naturentfremdung.

Wer behauptet, die Natur schützen zu können, ist ihr offenbar selten über den Weg gelaufen. Nein, der Wolf verträgt sich nicht mit dem Lamm und Artenschutz nicht mit der „klimasensiblen“ „Energiewende“. Im übrigen: Wer von Artenvielfalt redet, sollte wenigstens die Krähe von der Amsel unterscheiden können.

Selbst der gut gealterte Buchenwald ist nicht das Paradies, als das er hier gehandelt wird. Ja, er ist ein Traum – verglichen mit den düsteren und langweiligen Monokulturen aus Nadelholz. Mein Förster behauptet allerdings, dass gerade dichte Buchenwälder ohne durch Einschlag entstandene Lichtungen nicht gerade für Artenvielfalt stehen – denn im Schatten unter den dichten Baumkronen wächst nichts mehr, was Insekten und Vögeln gefällt.

Kann es sein, dass unsere Ampelregierung dafür sorgen wird, dass auch sonst nicht mehr viel wächst? Vor allem nicht die Freiheit, das Buzzword, das wohl die FDP schnell noch in den Untertitel geschmuggelt hat, um wenigstens eine kleine liberale Spur zu hinterlassen? Die Spannung wächst ins Unermessliche.

Derweil füttern wir hier die Spatzen, die Meisen, den Kleiber und den Specht und freuen uns, auch wieder einer Amsel begegnet zu sein.

 

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Foto: Pixabay

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Wolfgang Sauer / 02.12.2021

Der einleitende Satz erinnert mich an die Erbauungspamphlete der Zeugen Jehovas damals als diese noch vor der Tür stehen durften. Da war das was hier einleitend geschrieben steht tatsächlich bildlich so dargestellt, als Paradies am Ende aller Tage.

Christian Feider / 02.12.2021

Die meisten grünen,die ich persönlich kenne,wohnen in Innenstädten und haben SEHR wenig Realitätsbezug zu den Gebieten,aus denen Sie eines fernen Tages mal zum Studium geflüchtet sind. Diese Grünen trifft man höchstens noch zur Wahlkampfzeit,wenn die Wahlregion beackert werden soll. Mit der Region und Ihren Problemen/Realitäten verbindet Sie aber null-komma-null, geht es doch wie immer zuerst um das eigene EGO was die “alten” Buchenwälder angeht, den bekanntesten, den Rheinhardswald,lassen gerade die öko-Fans von den Grünen weitgehend planieren,um dort eine Batterie Ihrer Vogelschredder ausstellen zu können,da regt sich auch kein einziger “Baumkletterer” oder “Endegelände” Wanderer…warum wohl? die durchschnittlichen “alten Buchenwälder” sind aber defakto schlagreife Wertholzwälder,ein Bonus,wenn die Naturverjüngung schon zeigt begonnen hat,denn ab dem hundertjährigen Geburtstag verliert der Buchenbaum seinen Holzwert durch Fäule. grün konnte man in den frühen 80ern nachvollziehen,da gab es genug Projekte realer Art für Sie,heute ist das eine linksextremistische grün getarnte Sekte der Ex-Maoisten

Irma Blumhagen / 02.12.2021

„ …das insbesondere den Schutz derjenigen Arten verbessert, bei denen es Konflikte mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien gibt…“. Meinen die damit etwa sich selbst?

Christoph Schriever / 02.12.2021

Das Tier, das in Deutschland unter dem Markenamen „Wolf“ aktiv ist und vehement fundamentalistisch pseudoökologisch aktiviert wurde ist kein Wolf, sondern der (amerikanische) Kojote. Einem Wolf fallen auch Kälber und Fohlen zum Opfer. Ein Wolf frißt bei Hunger und Gelegenheit kleine Kinder, streunende Mountainbiker und einsame Pilzsammler. Darum gibt es in Schweden nur 400 Wölfe und nur im menschenleeren Norden. Bei uns gibt es 2000 oder mehr „Wölfe“ in der Parklandschaft für naturfremde Städter. Der Kojote ist die Erfüllung nostalgischer Sehnsüchte, lebensfremder und an sich lebensunfähiger Fantasten, die auch glauben, dass Wind Strom macht, Hüpfen das Klima ändert und Kobolde den Weltfrieden erhalten. Nein - es sind Kojoten. Darum fressen sie höchstens Schafe und darum vermehren sie sich so rasant. Denn bei den Kojoten bekommt jedes weibliche Tier jährlich Welpen. Bei den Wölfen nur die Leitwölfin eines Rudels. Also im Durchschnitt ein weibliches Tier von sechs, also nur 15% der Fruchtbarkeitsleistung von Kojoten. Die Wölfe in Deutschland sind wie alles aus der Grünen Ecke: Verar…ung.

Anton Weigl / 02.12.2021

Auf der Weide ist es genau so wie im Bundestag. Im Bundestag gibt es zwar mehrere Parteien, aber nur die Grünen haben etwas zu sagen wohin das Land gesteuert wird. Auf der Weide gibt es auch verschiedene Tier. Der Wolf bestimmt wer gefressen wird.

Thomas Taterka / 02.12.2021

Dieses Land KANN praktisch nur Erntewälder besitzen , weil es zu dicht besiedelt ist ( vergleiche Fläche und Einwohnerzahl mit Frankreich ! ) . Dennoch geht der CDU - Arsch Dr. Sowieso gerne auf Trophäenjagd am Yukon und schwärmt von seiner Wildheit . Ist er wieder zu Hause, räsonniert er davon , daß der Staatswald an die Börse gehen sollte ( Gewinne privatisieren , Verluste sozialisieren ) . - Der Naturschutz ist in Deutschland seit jeher ein Witz ( oftmals eine Sondermülldeponie ) . Was glauben Sie, warum Horst Stern irgendwann verstummt ist ? Weil es keinen Sinn hat in Deutschland über Natur - und Artenschutz zu reden ? Er bedeutet der Mehrheit NICHTS . Nur die Kohle zählt , allein deshalb werden die Mannschaften in der Führung ausgetauscht . Und alle haben ein bereichsblödes Alibi . Wenn man echte Natur sehen will , lebt oder fährt man ins Ausland . Wohin entscheidet die schwärmerische Intensität des persönlichen Geschmacks . Empfehlungen werde ich hier nicht aussprechen , sonst kommt das blöde Heuchler - Pack noch hinterher und am Ende sitzt man wieder genau unter den Deutschen, vor denen man flieht . Wer will das schon ? Die Deutschen im Ausland sind eine Plage des aufdringlichen Sendungsbewusstseins . Sie müssen Alles politisieren, aber auch wirklich ALLES . Ekelhafteste Eigenschaft eines zerrütteten Volkes. Mir kann das gestohlen bleiben .

Hans Reinhardt / 02.12.2021

Möchte mal wissen, wer von denen, die diese gequirlte Scheisse, aka Koalitionsvertag, verbrochen haben, eine Buche von, sagen wir mal einer Esche, unterscheiden kann. Beim Wolf und dem Lamm könnten sie es vielleicht schaffen; das Schaf ist weiß und der Wolf grau. Allerdings gibt es auch braune und schwarze Schafe und helle Wölfe und schon haben wir die Misere. Das Reh ist die Frau vom Hirsch und ihr Kind heißt Bambi. So sieht sie aus, die schöne neue Welt, Lamm frisst Gras, Wolf frisst Lamm und Ideologie frisst Hirn. Übrigens, hat hier jemand noch mal was vom Cuxhavener Wolfsrudel gehört? Da gab es vor Jahren mal ein paar Schafsrisse, verzweifelte Schäfer und dann….. nichts mehr. Irgendwann waren die Wölfe weg. Disparu. Rache der Lämmer? Man weiß so wenig.

Anton Huber / 02.12.2021

Der Wolf das Bärbock der Habock schrie HURZ!

Helmut Bühler / 02.12.2021

Grün und rot gemischt gibt eben braun. Weite Teile des Programms hätte auch der Naturfreund und Vegetarier Hitler unterschrieben. Ob man zur Gesundung des Volkskörpers und der Volksgenossen, die man zu ihrem Glück durch Kollektivierung zwingen muss, nun das Hakenkreuz oder die Regenbogenflagge hisst, in Teilen macht das keinen Unterschied.

Rolf Mainz / 02.12.2021

Der Tenor jener Zitate aus dem Koalitionsvertrag erinnert fatal an überwunden geglaubten Zeiten. Und tatsächlich waren Natur, Umwelt und Landwirtschaft ebenfalls bedeutende Themen des nationalsozialistischen Programms. Geschichte wiederholt sich eben doch. “Fortschritt wagen”? Wo Brandt noch vorgab “mehr Demokratie wagen” zu wollen, da scheint aktuell der Wunsch vorzuherrschen, mehr Diktatur wagen zu wollen. Ob Ökodiktatur, Klimadiktatur, Migrationsdiktatur oder Pandemiediktatur, Hauptsache mehr Diktatur. Ganz a la Walter Ulbricht: “es muss nach Demokratie aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben”. Aber gewählt ist gewählt, Michel will es so, trotz Drittem Reich und DDR.

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