Cora Stephan / 08.12.2022 / 13:00 / Foto: Pixabay / 13 / Seite ausdrucken

Cora Stephan: Die Stimme der Provinz: Mal etwas Schönes?

Besser, wir fürchten uns vor den Umsturzplänen eines spinnerten Adligen als vor den negativen Folgen der Massenmigration. Die gute Botschaft? Genau. Möge er im „Abgrund terroristischer Bedrohung“ schmoren. Zugegeben: „Schreib doch was Schönes“ geht anders. Aber heute ist mir nicht danach.

Schreib doch was Schönes, sagte sie sich. So etwas Vorweihnachtliches, Heimeliges, etwas, das Freude bereitet und Hoffnung vermittelt.

Schreib über Dörte und Meike Näkel von einem der besten Rotweingüter Deutschlands, dem Weingut Meyer-Näkel! Die beiden hätten im verheerenden Hochwasser an der Ahr, 17 Monate ist das her, beinahe ihr Leben verloren. Nicht nur die gesamte Rotweinernte des Jahres 2020 ging buchstäblich den Bach hinunter, auch die Vinothek und das Büro mit dem alten Weinkeller in der Dorfmitte, die Kelterhalle und das Barriquelager wurden durch die Wassermassen so stark beschädigt, dass an einen Wiederaufbau nicht gedacht werden kann. Doch die beiden haben weitergemacht, haben die Jahrgänge 2021 und 2022 eingebracht und werden das Weingut an anderer Stelle wieder aufbauen.

Ist das nicht großartig? Tröstend in diesen Zeiten?

Ich könnte auch über meine Nachbarn schreiben, die ein altes Fachwerkhaus in der Mitte des Dorfes geduldig und liebevoll restaurieren, nicht kaputtmodernisieren, sondern so, wie es sich gehört: mit Holz und Lehm, bewährten Baustoffe, die jede Wärmedämmung unnötig machen, etwa mit dem von Spechten besonders geliebten Styropor. Es ist jetzt nicht gerade eine Hochwasserkatastrophe, die den beiden das Leben schwer macht, sondern die aufgeplusterte deutsche Bürokratie und die extrem angezogenen Preise für Baumaterialien.

Vor allem Holz ist teurer geworden – und würde wohl noch teurer sein, wären viele Bauvorhaben bundesweit nicht mittlerweile eingestellt. Wie war das noch? Wollte der Bundeskanzler nicht 400.000 neue Wohnungen im Jahr bauen? Das dürfte wohl allein infolge von Lieferkettenproblemen, Material- und Fachkräftemangel und explodierenden Preisen in die Hose gehen.

Meine Nachbarn aber machen weiter, geduldig, Schritt für Schritt, überwiegend in Eigenarbeit. Obwohl das Christkindchen in diesem Jahr wieder nur in einer Krippe und nicht im Bettchen liegen wird. Das ist doch auch eine schöne Vorweihnachtsgeschichte, oder?

Reichsbürger stürmen den Reichstag und etablieren ein Terrorregime!

Und so könnte es weitergehen, mit lauter guten Nachrichten!

Etwa der: Eine Razzia in elf Bundesländern hat uns in einen „Abgrund terroristischer Bedrohung“ blicken lassen (Nancy Faeser). Doch, dem Einsatz von 3.000 Polizeikräften sei Dank, wurde gerade noch rechtzeitig eine Verschwörung von Reichsbürgern und Querdenkern ausgehoben.

Hurra – uns bleibt ein neues Kaiserreich à la 1871 erspart. Im letzten Moment hat die Demokratie gesiegt und der monarchistischen Hydra den Kopf abgeschlagen. Man stelle sich vor: Heinrich XIII. Prinz Reuß reißt die Macht an sich und macht uns den Kaiser Wilhelm! Bewaffnete Reichsbürger stürmen den Reichstag und etablieren ein Terrorregime!

Nein, ach was, ein Fürstentum Reuß, denn dort hätten bis 1918 die Menschen „ein glückliches Leben“ geführt, denn die Verwaltungsstrukturen seien „überschaubar und klar“ gewesen. „Lief etwas nicht rund, ging man zum Prinzen.“ Ein Prinz, der, wenn er sich nicht gerade in Frankfurt am Main festnehmen lässt, in einem Schlösschen namens Waidmannsheil residiert. Dort soll 1843 auch Lola Montez gesehen worden sein.

Es wurde ein Kampf gegen Rechts gewonnen

Zum Prinzen gehen? Zugegeben: Das klingt verführerisch. Hierzulande läuft so vieles nicht rund, und es hilft rein gar nichts, sich mit seinen Beschwerden an irgendeine Hoheit zu wenden, bei uns regiert die rotgrüne Plebs, und die ist schwerhörig. Was das Erstürmen des Reichstags betrifft: Dazu allerdings dürfte nicht viel gehören. Man wartet einfach die Rede eines AfD-Abgeordneten ab, dann sind die Reihen leer und man kann gemütlich einmarschieren. Denn mehr als 50 Verschwörer stehen offenbar nicht zur Verfügung, viele davon jenseits des Rentenalters. Aber wer weiß, was da für Talente schlummern: Auch der US-Präsident ist ja nicht mehr der Jüngste.

Darf man sich über diese Leute lustig machen, deren 25 an der Zahl – darunter der Fürst und eine Richterin – von 3.000 Polizeibeamte in elf Bundesländern hopps genommen wurden?

Ach. Irgendwie schon. Gewiss muss man auch augenscheinliche Spinner an möglichem Tun hindern. Die Razzia war ebenso gewiss von langer Hand vorbereitet. Und doch: Wurde hier mit Kanonen auf Spatzen geschossen? Und ist das üblich, dass die Presse schon zuvor über die „Geheim-Aktion“ informiert wurde?

Ach, was frag ich denn. Hauptsache: Es wurde ein Kampf gegen Rechts gewonnen. Dahinter muss der Kampf für das Leben der hier schon länger Vorhandenen zurückstehen. Schon ist der Mord an einem und der Anschlag auf ein anderes junges Mädchen in Illerkirchberg aus den Schlagzeilen verschwunden. Der Täter: ein Asylbewerber aus Eritrea.

Gut also, dass darüber nun nicht weiter gesprochen wird. Denn das tut nichts zur Sache – außer, dass es sich um einen Mann handelt. Toxisch, halt, wie Männer so sind. Wie heißt es in der Pressemeldung der Polizei zum Sachverhalt? „Die Polizei betont, dass sie sich bewusst ist, dass Ereignisse dieser Art Ängste und Emotionen schüren. Sie bittet daher darum, keinen Generalverdacht gegen Fremde, Schutzsuchende oder Asylbewerber allgemein zu hegen oder solchem Verdacht Vorschub oder Unterstützung zu leisten.“ Genau. Bloß nicht darüber reden, über die negativen Folgen der Massenmigration nach Deutschland.

Besser, wir fürchten uns vor den Umsturzplänen eines spinnerten Adligen. Die gute Botschaft? Genau. Möge er im „Abgrund terroristischer Bedrohung“ schmoren. Zugegeben: „Schreib doch was Schönes“ geht anders. Aber heute ist mir nicht danach.

Foto: Pixabay

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Leserpost

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Sam Lowry / 08.12.2022

Eben, man sollte sich erstmal die andere Seite anhören, bevor man aus der Propaganda gesaugte voreilige Schlüsse zieht. Ist “Der Angeklagte hat das letzte Wort” bereits auch schon vom BVG gelöscht worden? Ich habe bisher keine Beweismittel gesehen und weiß auch nicht, wer diese Leute sind. Was wäre denn, wenn sie lautere Absichten haben? Diese Regierung macht Deutschland kaputt, schlechter würden es die “Reichsbürger” sicher auch nicht machen können. Punkt.

W. Renner / 08.12.2022

Wie heisst die Deichgräfin aus RLP nochmal, welche sicherlich nichts dazu beigetragen hat, dass die Winzer sich trotzdem durchgekämpft haben? Die kanzlernde Gedächtnislücke wollte Gedächtnislücke wollte 400.000 Wohnungen bauen? War das Teil des 5 oder des 50 Jahresplans des Politbüros? Oder reichen die Steine am Ende doch nur für eine Mauer? Fragen über Fragen.

Arne Ausländer / 08.12.2022

Wo bleibt eigentlich die Warnung der Polizei vor einem Generalverdacht gegen “Reichsbüger” und alle, denen dieses Label verpaßt wird? Und gegen Oppositionelle allgemein? Oder davor, “solchem Verdacht Vorschub oder Unterstützung zu leisten“? Ach, bestimmt habe ich die nur verpaßt. Denn wer diese “Rettung der Republik” nun politisch ausschlachten wollte, ist ja bekanntlich ebenso erbärmlich wie die eigentlichen Täter. Hat uns doch der Restl-Georg gerade erst erklärt.

Ernst-Fr. Siebert / 08.12.2022

Kann es sein, daß man (auch) jungen Mädchen sagt, sie sollen keine Vorurteile haben. Erst ziehen sie die falschen Schlüsse und danach ein Nochnichtsolangehierlebender? Da gibt es doch mehrere Beispiele.

Ernst-Fr. Siebert / 08.12.2022

“eines spinnerten Adligen” Woher weiß man, daß der spinnt? Hat man ihn zu Wort kommen lassen? Kennt man seine Ziele und Argumente? Hat er überhaupt welche? Ist er schuldfähig, bzw. wird das gerade geprüft? So, wie über ihn geschrieben wird, scheint die Prüfung dessen angezeigt, wenngleich er niemanden erstochen hat. Jedenfalls, was auch immer geschehen wird, das “Spinnerte Adlige” wird er nicht wieder los, selbst wenn es sich heraus stellen sollte, daß er ein Philanthrop wie (Namen bitte einsetzen) ist.

Peter Krämer / 08.12.2022

Nach jeder der beinahe alltäglichen “Einzelfälle” sind sofort Warnungen aus Politik und Medien zu hören, man solle keine falschen Schlüsse aus den Ereignissen ziehen. Der Hinweis ist bekannt, da oft wiederholt, bleibt aber doch ungenau. Könnte man dem Bürger nicht konkret sagen, zu welchen Schlüssen er denn kommen sollte, damit er nicht in unerwünschte Richtungen denkt?

Klaus Keller / 08.12.2022

“Hurra – uns bleibt ein neues Kaiserreich à la 1871 erspart.” Ist nach 1918 wirklich alles besser geworden? Wusste ich gar nicht. Wenn ich eine Reset-Taste für die deutsche Geschichte hätte wäre mein Datum vielleicht der 8.12.1912. Man müsste nur einen guten Defensivtaktiker im Verteidigungsministerium haben. Das Deutsche Reich hätte sich nach einem anderen Kriegsverlauf in Ruhe weiterentwickeln können. Davon kann man doch träumen. Im Moment wollen die Sozialdemokraten für den Krieg gegen Russland rüsten. Diese Strategen haben nichts gelernt.

Sabine Heinrich / 08.12.2022

Ich hoffe, dass wenigstens die Türken in dem Ort des abscheulichen Verbrechens den Mut aufbringen, statt Betroffenheitslichter am Ort der Mordtat aufzustellen, stille Mahnwachen vor dem Flüchtlingsheim organisieren.

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