Cora Stephan / 10.06.2021 / 11:00 / Foto: C.Kramer / 14 / Seite ausdrucken

Cora Stephan: Die Stimme der Provinz – bei uns grünt es anders

Eine tiefe Spaltung durchzieht die Nation. Zwischen Ost und West. Zwischen Stadt und Land. 

Insbesondere zu Wahlzeiten stehen sich die Lager in trauter Unversöhnlichkeit gegenüber. Denn siehe: in Dunkeldeutschland wird notorisch das Falsche gewählt, während das, was unseren Medien als das Richtige erscheint, nur in den Städten Zuspruch erhält. Beispiel Sachsen-Anhalt: die Grünen sind nur deshalb mit Ach und Krach in den Landtag eingezogen, weil sie in den größeren Städten Anhänger haben, und auch dort nur in den besseren Vierteln mit sanierten Altbauten und Stadthäusern. Außerhalb hatten sie keine Chance

Es ist schon richtig: Grüne wählen muss man sich leisten können. Eine Volkspartei sind die Grünen wahrhaftig nicht, auch wenn ihre Vertreter behaupten, im Dienste der menschlichen Gattung, des Klimas, achwas: des ganzen Universums zu stehen, assistiert von manch einem Medienmenschen, der sie im Baerbockfieber bereits zur Kanzlerpartei hochgeschrieben hat. Wer Gattungsinteressen zu vertreten behauptet, reklamiert eine Monopolstellung, denn das ist ja schier nicht zu übertreffen. 

Dabei ist es völlig legitim, als Partei nur eine bestimmte Klientel zu vertreten. Deshalb heißt es ja „Partei“. Doch seit wann möchten die Grünen eine Partei wie alle anderen sein?

Dass die Partei der Klima- und Geschlechtergerechtigkeit auf dem Land keinen Stich macht, schieben besorgte Beobachter gern auf das verhockte, stumpfsinnige und dickköpfige dunkeldeutsche Landvolk. Alle irgendwie rechts oder gar extrem! Diktatursozialisiert, eben, wie ein sogenannter Ostbeauftragter meint. Nun hat aber in Sachsen-Anhalt die AfD besonders in der demokratiesozialisierten  Altersgruppe der unter 40jährigen und gerade nicht unter den „diktatursozialisierten“ Älteren gut abgeschnitten. Das aber kann doch einen Wanderwitz nicht erschüttern: „Gewisse Dinge werden von Generation zu Generation weitergegeben.“  Vielleicht auch eine gewisse Abneigung gegen alle, die zwecks Rettung der Welt den „neuen Menschen“ fordern? Das hatten die da drüben nämlich schon mal.

 Abnehmendes Interesse an der zunehmenden Verspargelung

Nun, sonne und solche gibt es natürlich, hier wie da, übrigens auch in den No-go-Areas der Städte im Westen, dort sind es allerdings eher keine dumpfen Kartoffeln, sondern blitzschnelle graue Wölfe. Doch könnte es nicht sein, dass es gar nicht dieses finsteren Verdachts bedarf, um zu verstehen, warum die Grünen auch im Westen der Republik eher eine Partei städtischer Akademiker ist?

In der Provinz besteht ein überaus abnehmendes Interesse an der zunehmenden Verspargelung der Landschaft bei steigenden Strompreisen. Außerdem fährt man hier Auto und nur zum Spaß Fahrrad, weshalb sich niemand für ständig steigende Benzinpreise erwärmt. Und erst die Landwirte! Die finden es verständlicherweise wenig hilfreich, eingekeilt von  Bürokratie und Vorschriften auch noch beständig als Tierquäler und Naturverseucher attackiert zu werden, während die Regierung Freihandelsabkommen mit Ländern schließt, die unter Garantie Tier und Umwelt bei weitem nicht so umsichtig behandeln wie der freundliche Nachbar.

Und glaubt Renate Künast wirklich, sie habe sich hier in der Provinz beliebt gemacht, als sie behauptete, der Grund für Corona sei „die falsche Art und Weise, wie wir unsere Nahrungsmittel produzieren, Landwirtschaft betreiben und mit der Umwelt umgehen“? 

Nicht nur „Rechtspopulismus“ spaltet das Land, auch unpopuläres Grünzeug. Städtische Moden wie die Genderei oder m/w/d oder veganes Kantinenessen gehen uns hier in der Provinz am Hintersten vorbei. Es ist verblüffend, dass vor allem den führenden Funktionären der SPD jedes Gefühl für die Interessen ihrer einstigen Klientel abhanden gekommen ist. Muss man noch tiefer sinken, um endlich zu begreifen, dass man mit Minderheitenthemen keine Wähler gewinnt? Und dass man sich mit Antifaschismus vor allem in den Ländern der ehemaligen DDR bei niemandem einschmeichelt, der den Antifaschismus noch als Staatsideologie einer Diktatur erinnert?

Man sucht an der falschen Stelle, wenn man nur in der rechten Ecke nach Gründen dafür sucht, warum man in der Provinz nicht jeden Mist mitmacht. 

Foto: C.Kramer

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Leserpost

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Jürgen Fischer / 10.06.2021

Mir fällt gerade ein weiterer Punkt zur grünen Schizophrenie ein: Kann sich noch jemand daran erinnern, wie sie vorJahr(zehnt)en gegen die „Überfremdung“ von Flora und Fauna zu Felde gezogen sind? Es durften auf keinen Fall Arten „von außerhalb“ ins Land eingeschleppt werden - sie haben wirklich den Begriff „Überfremdung“ wortwörtlich verwendet. Und dann kam 2015, und sie haben eine Kehrtwende hingelegt wie Claudia Kemfert. Plötzlich war „Überfremdung“ ein Unwort, des Teufels und der Schwefelpartei. Aber naja, die Grünen hatten es zu Gründungszeiten damit auch nicht so genau genommen, da hatten sie ja stramme Nazis mit dabei. Wie war das mit den doppelten Maßstäben? Ich wiederhole mich, wenn ich sage, sie drehen sich’s genau so, wie sie es gerade brauchen.

Wolf von Fichtenberg / 10.06.2021

Ach kommen Sie, das Land ist grün: und es wählt Grün. So wie in der Provinz am vergangenen Sonntag. Mit wehenden Fahnen zog man in den Wahlkampf – zumeist ungesehen – und das Landvolk sagte „Ja“ zu Grün, denn sie wissen schon wer die Interessen verteidigt. Und so schaue ich in die kleinen Dörfer, dort wo es der nur Bauer ist, der den Mist produziert. Ja, man ist von Grün überzeugt, kreuzte begeistert auf dem Stimmzettel die Visionäre an. Man kann sich nichts Besseres vorstellen als Abgaben für CO² zu zahlen und im Winter per Lastenrad über einen Feldweg zu strampeln um die läppischen zwanzig Kilometer zum Lebensmittelladen hinter sich zu bringen. Und so war der Sieg grandios. Beispiele? Im Örtchen Küsel erreichte man sensationelle 0,0 Prozent, während sich die CDU mit 23,1 Prozenten auf dem zweiten Platz wiederfand,  nur ganz knapp, ja hauchdünn von der AfD überholt, die lediglich auf 42,3 Prozent kam. Oder ein weiteres Bauernörtchen: Grabow. Sensationelle 0,3 Prozent der Wähler scheinen von den nahen Windkraftanlagen absolut begeistert zu sein und straften die CDU (39,3 %) sowie die AfD (28,4 %) ab. Sachsen-Anhalt = Bauernland = Grünes Land.. Nur Grüne sind hier die Exoten.  Und gäbe es die Städte Magdeburg, Dessau und Halle nicht, dann wären sie im Zähltopf der „Sonstigen“ gelandet. - Aber auch in den Dörfern gibt es sie. Die Stadtflüchter, die ach so nachhaltig Lebenden. Weltenretter, jene die die Dorfidylle lieben. Man erkennt sie rasch, denn bei ihnen sprießt oft das Unkraut im Vorgarten und sie nennen es fast mystisch „Wildkraut“. Eben jene, bei denen man schon vor Corona die Abstandsregeln einhielt, denn besserwiss-belehrende Vorträge kommen beim Bauer nicht so gut an- ... Ja, im Rebellenland Sachsen-Anhalt scheinen die Uhren anders zu ticken und wenn man genau hinschaut erkennt man dass die Zeiger auf Normal stehen.

Hans, Michel / 10.06.2021

Mal was für den veganen Herrn hier im Forum. Ich lehne vegetarisches und erst recht veganes Essen grundsätzlich ab. Es geht diesen Leuten nicht um die täglich Mahlzeit, nein sie wollen nur etwas Besseres sein, sie wollen sich über die normalen Menschen erheben. Selbstverständlich stehe auf meinem Speiseplan auch ein leckerer Gemüseeintopf, allerdings mit leckerer Fleischbrühe. Was Tofu betrifft: der gute Mann soll sich doch mal belesen wie der Dreck der zu uns in Massen exportiert wird, hergestellt wird. Was die Kuh betrifft: Soja bracht jede Menge besten Ackerboden und viel Wasser. Die Kühe nutzen, bestimmt bis zu 60 % Böden, die nicht für den Ackerbau gebraucht werden. Z.B. auf den Almen in bis zu 2000 m Höhe. Außerdem, ohne Tierhaltung kein Mist, ergo kein Dünger. Und Bioland mit “Kunst"dünger geht ja gleich gar nicht. Wahrscheinlich so ein Städter der von tuten und blasen keine Ahnung hat. Aber Gendern kann er sicher ganz prima.

Jörg Themlitz / 10.06.2021

Nun mal langsam und etwas mehr Verständnis. Wenn ich so einen Friseur hätte wie Frau Künast, würde ich wahrscheinlich auch nur noch Quatsch erzählen. Und für den Fall ich gerate einmal an einen solchen, sind meine Kinder angewiesen, mich aus dem Verkehr zu ziehen und in der Küche an eine Maschine anzuschließen. Eine Handlungsanweisung zum Verhalten wenn der Flatterstrom gerade mal wo anders hingeflattert ist, erarbeite ich gerade. Sehe mich aber a la “Matrix” als Energiespeicher. Der warme, dann unnütze, doch gut stromvernetzte Pensionär kühlt die Hühnchen im Supermarkt wieder auf -22° C runter.

Th. Stoppel / 10.06.2021

Für Merkelsche Parteidemokraten, incl. Wanderwitz, hätte ich einen Vorschlag für den “Wahlkampf” und dem Wahlzettel für die Wahlurne. Einen vorgedruckten Wahlbogen mit eingetragenen Prozentzahlen und Regierungskombinationen für die werbenden Parteien, gespickt mit Hinweisen der “Demokratiehüter” zur Demokratiefähigkeit. Dann wird dieser Zettel noch unterteilt in Altersgruppen, Geschlecht (hier wird es kompliziert) und Beruf, wobei Parteimitarbeiter unter sonstiges laufen würden. Nun kann man nach der “Wahl” die antidemokratischen Stimmen beruhigt aussortieren und als ungültig deklarieren. Der Rest wird gemischt und mit anwesenden Parteigrößen der “Demokratiebewahrer” unter dem Schlachtruf “eene meene Muh und raus bist Du” die neue Regierungskoalition bilden. So schlägt man 2 Fliegen mit einer Klappe, dem Bürger gibt man das Gefühl, er bewegt was und kann mitbestimmen, was natürlich ein Trugschluß ist und unter der elitären Clique kann man seine Leute in Ämter unterbringen und nicht genehme politische Kräfte ins Dauerabseits. Und schon hat die Scheindemokratie gesiegt und alle reiben sich die Hände, aus unterschiedlichen Gründen. Fazit, wer heutzutage noch an die Demokratie in Deutschland glaubt, hat die letzten 11 Jahre geschlafen.

Gerhard Hotz / 10.06.2021

Apropos “veganes Kantinenessen”: Würde vielen guttun. Tierische Proteine braucht der erwachsene Körper nicht mehr. Die sind in der Wachstumsphase sinnvoll, und vielleicht noch im Alter. Dazwischen richten sie eher Schaden an. Und: Warum muss man Soja zuerst noch durch eine Kuh durchlaufen lassen, wenn dabei doch neun Zehntel der Energie verloren geht?

F. Auerbacher / 10.06.2021

Ja, das ist das Problem: Grün wählen, muss man sich leisten können und deshalb schafft die grüne Ideologie ständig neue, gutdotierte Arbeitsplätze in NGOs, Ministerien, Genderinstituten usw. Die sind zwar völlig unproduktiv, aber sie sorgen dafür, dass der Zustrom an Wählern nicht abbricht. Und wir Trottel zahlen das alles :-(

Chr. Kühn / 10.06.2021

Na, hoffen wir für das [KRAFTAUSDRUCK] Wanderwitz, daß er beim nächsten Heimaturlaub im Erzgebirge selber im Dunkel verschwindet. Also durch Abwahl, versteht sich.

Karsten Dörre / 09.06.2021

Irgendwer hat nach der Sachsen-Anhalt-Wahl gesagt, grün wählt man dort kaum, weil das Bundesland die meisten modernen Windräder schon hat. Oder satt hat. In Mecklenburg-Vorpommern wird der Landtag gleichzeitig mit dem Bundestag gewählt. Die Grünen in MV haben in den Umfragen ähnlich astronomische Umfragewerte wie in Sachsen-Anhalt. Im letzten Landtag mit 4,8% gescheitert, sollen es jetzt zwischen 10% und 14% sein.

S.Müller-Marek / 09.06.2021

....Grüne wählen muss man sich leisten können…..  DAS haben Grünenwähler bestimmt noch nicht kapiert, hauptsächlich nicht die Jung- und Erstwähler und die verblendeten Anhänger der grünen Sekte erst dann, wenn sie bemerken, wer da in schicken Villen wohnt, um die Welt jettet, Wasser predigt, aber Wein säuft.

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