Cora Stephan / 30.12.2021 / 10:00 / Foto: Pixabay / 19 / Seite ausdrucken

Cora Stephan: Die Stimme der Provinz. Wo sind all die Frauen hin?

Also hier bei uns – auf dem Dorf, in tiefster Provinz – kenne ich keine Frau, die „geschlechtergerecht“ spricht. Obwohl es die neue Familienministerin doch so wichtig findet: Anne Spiegel, eine Grüne aus Leimen, wünscht sich „geschlechtergerechte“ Sprache auch in Reden und Gesetzestexten. Macht nix, könnte man denken. Bei Politikerreden hört doch eh keiner zu. Und wer möchte schon in seiner Freizeit barrierefreie und klimasensible Gesetzestexte studieren? Also macht doch, was ihr wollt.

So sind wir halt: verhockt und verbockt. Rückständig wie circa 65 Prozent der Bevölkerung, die das ganze Gegender ebenfalls albern finden. Der behauptete Fortschritt samt Zugewinn an Sensibilität ist nichts anderes als eine Modeerscheinung, von der man hofft, dass sie bald wieder verschwindet. Wir gehen hier im Übrigen ungern im gleichen Schritt voran, wohin auch immer.

Gut, es gibt ein paar Männer, höfliche Kerle, die glauben, das Gegender gehöre sich so. Da muss noch ein wenig Überzeugungsarbeit geleistet werden. Aber davon abgesehen? Sind Frauen unsichtbar, wenn man sie nicht extra erwähnt?

Zumal es immer mehr werden! Wer will heutzutage schon noch ein toxischer weißer Mann sein? Mit unserer geschlechtergerechten Regierung aber kann sich jetzt jeder Mann seine innere Frau beim Standesamt bestätigen lassen. Im Koalitionsvertrag, passenderweise „Mehr Fortschritt wagen“ betitelt, nachzulesen auf Seite 117. Das „Selbstbestimmungsrecht“, heißt es da, ermöglicht „ein Verfahren beim Standesamt, das Änderungen des Geschlechtseintrags im Personenstand grundsätzlich per Selbstauskunft möglich macht.“ Kein chirurgischer Eingriff und keine Perücke nötig. Voilà!

Ein weiterer Sieg der Frauen: Sie sind nun wirklich nicht mehr zu übersehen!

Lesben, die nicht mit „Transfrauen“ ins Bett gehen wollen

Wenn es da nicht einen gewissen Widerspruch gäbe. Die fortschrittlich Geschlechtersensiblen sind nämlich längst weiter. Das Konzept Frau ist schließlich Teil einer binären Sichtweise, welche die menschliche Vielfalt auf gerade mal zwei Geschlechter reduziert. Alle anderen werden als Abweichung von der „binären Norm“ betrachtet und „unterdrückt“.

Deshalb also bitte nicht mehr „Studenten und Studentinnen“ sagen, sondern Studierende, auch wenn die Gemeinten just das nicht tun, sondern in der Kneipe herumhängen oder für Geschlechtergerechtigkeit kämpfen.

Was für das Konzept „Frau“ gilt, gilt natürlich auch für das Konzept „Mutter“ oder „Vater“. Sensible sprechen von Elternteil 1 oder 2 oder 3 oder 4. Wer hingegen an dem reaktionären Konzept von Mann und Frau festhält, kriegt Flak – was wir hierzulande Shitstorm nennen. Der trifft seit Monaten J. K. Rowling, die Schöpferin der Harry-Potter-Serie. Warum? Weil sie an das Vorhandensein von Frauen glaubt. Sie hat sich nämlich darüber lustig gemacht, dass von „Menschen, die menstruieren“ gesprochen werden soll, wo man früher schlicht „Frauen“ gesagt hat. Und sie findet es absurd, dass ein Vergewaltiger mit Penis als „Frau“ geführt wird, nur weil er sich zu einer solchen erklärt hat.

Nun versucht man, auch J. K. Rowling, ihrer Eigenaussage zufolge eine Frau, zum Verschwinden zu bringen. Warum? Ganz klar: Sie ist „transphob“.

Das harsche Urteil trifft auch Lesben, die nicht mit „Transfrauen“ ins Bett gehen wollen, die Merkmale eines Mannes aufweisen. Oder die lesbische Tennisikone Martina Navratilova, die es unfair findet, wenn Frauen im Sport mit jemandem konkurrieren müssen, der alle Vorteile männlicher Physis in Anschlag bringen kann.

Die quantitative Zunahme von Frauen durch Männer, die sich als Frauen definieren, leitet zum Verschwinden biologischer Frauen über, wenn schon ihre Existenz transphob sein soll. Also wozu dann noch „geschlechtergerechte Sprache“?

Übrigens: diesen Unsinn verbreiten eher selten Menschen, die unter erheblichen Qualen ihr Geschlecht gewechselt haben, sondern Lobbyisten, die unter der Fahne der „Selbstbestimmung“ reisen. Sie sind ganz offenkundig schlicht und ergreifend biophob.

Wir hier in der Provinz sind womöglich ein wenig näher dran an der Biologie und dem am weitesten verbreiteten Reproduktionsverhalten. Bei uns sind Frauen auch ohne Sprachverhunzung sichtbar, etwa die Mütter, die ihre frischgebackenen Kinder durchs Dorf schieben, ein überaus erfreulicher Anblick, nebenbei.

Doch wenn Georg es möchte, würden wir ihn alle Georgina nennen.

 

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Leserpost

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Volker Kleinophorst / 30.12.2021

Was man sich als Unsensibler bei Gender so fragt: Heißt jetzt nun Otze, Otzin oder gar Otz*In, weil man die Otzen aller Geschlechter “mitnehmen” möchte. Es mag ein wenig provokativ klingen, aber: Wie ist denn die Antwort? PS.: Fun Fact: Auf dem Hamburger Kiez gibt es eine Otzenstraße.

Katharina Otto / 30.12.2021

@Volker Kleinophorst. Sie haben vollkommen Recht. Diese “Aktivisten” interessieren sich für uns Transfrauen keinen Deut. Und wir nicht für sie, zumindest die Mehrheit. Wir sind nur ein Vehikel. Ich bin schon seit Jahren aktivistophob.

Dr. Jäger / 30.12.2021

@G. Kramler, Gender-Lobbyisten werden für den Wahn meist bezahlt, Unis und NGOs haben dafür reichlich Steuergeld. Gender-Trolle sind eher das Fussvolk , Gesinnungstäter, die sich wichtig machen,leben meist auch auf kosten der Steuerzahler , bekommen aber vergleichbar eher Peanuts.

Gabriele H. Schulze / 30.12.2021

P.S. Seit “Der Betroffenheitskult” bin ich eine Fannin, Frau Stephan. Glückauf!

Jörg Themlitz / 30.12.2021

“...dass von „Menschen, die menstruieren“ gesprochen werden soll, wo man früher schlicht „Frauen“ gesagt hat.”, Diskriminierung der Frau ab 50 oder werden die dann zu Frauen. (wie Morgen bei Ekel Alfred: “Wenn der Punsch kalt wird, wird er dann automatisch Bowle?”) Während eine handvoll, verhärmter, übelwollender Giftspritzen, den tratschenden Dorfbrunnen verlassen hat und aus dem home office mit Hilfe moderner Medien ihre geistigen Störungen in die Welt hinausposaunen, singen zehntausende lebenslustiger Frauen !!! und Männer auf Ibiza, Mallorca etc. gemeinsam “Geh mal Bier holn, Du wirst schon wieder häßlich.”

Gabriele H. Schulze / 30.12.2021

Mütter mit frischgebackenen Kindern - erfreulicher Anblick? Im Prinzip ja. Bei uns aufm Dorf bin ich des zahlreichen Anblicks eher überdrüssig, da schon Banlieue….

R. Schäfer / 30.12.2021

Alles Kinderkacke, wie die gesamte bisherige grün-linke Politik. Nichts davon bringt die Menschheit weiter. Demnächst fordere ich meine Anerkennung als Pferd. Schliesslich stimmen mehr als 50% der Gene mit denen des Menschen überein. Da spar ich mir ne Menge Steuern und die Finanzierung dieser Kinderkacke. Oder sind Pferde einkommenssteuerpflichtig?

Helmut Driesel / 30.12.2021

  Da fällt mir ein: Schorschi klingt doch gut, da können Sie die Vulnerabilien immer bis zum späten Abend offen lassen.

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