Von Daniela Seidel.
Nach dem neuesten Streich unserer illustren Ampel-Männer, -Frauen und -Kindsköpfe wird wohl bald jeder seinen Namen nach Belieben wählen können. Das kann ja heiter werden.
Ich muss Sie jetzt enttäuschen! Hier geht es nicht um die Re-Union der wilden schwedischen 80er-Jahre-Band, die aber ohnehin eher der hartgesottenen Punk-Szene ein Begriff gewesen sein dürfte. Umso allgemein bekannter hingegen wohl die dahinterstehende Geschichte, nach welcher ein Antrag auf diesen, doch recht kuriosen weiblichen Vornamen seinerzeit bei diversen (oder eben auch noch nicht) Standesämtern angeblich angenommen beziehungsweise abgelehnt wurde.
Beurkundet ist indes, dass das Konkurrenz-Unternehmen 1959 frischgebackenen Eltern dereinst satte 10.000 Mark hinblätterte (und offenbar einen für damalige Verhältnisse äußerst aufgeschlossenen Standesbeamten auftrieb), um ihr Töchterchen tatsächlich Pepsi-Carola zu nennen. Aber das ist lange her, war weit weg im kosmopolitischen Hamburg, Internet gab es damals noch nicht – und so war das Ganze nicht mehr als einige Jahrzehnte kursierende, urbane Legende, die stimmen konnte oder auch nicht. Und schlimmstenfalls ein paar so einfalls- wie harmlose Spötteleien nach sich zog. Insbesondere, wenn man als Mädchen Carola hieß.
Aber mal ehrlich, mit dem eigenen Vornamen sind doch die wenigsten Leute zufrieden. Meist ist er entweder zu altbacken, zu gewöhnlich, zu klanglos, oder man möchte schon aus Prinzip immer das, was man nicht hat. Ich beispielsweise war als kleines Mädchen irgendwie enttäuscht, dass meine Eltern mich nicht Claudia getauft hatten, obwohl dies angeblich ebenfalls zur Debatte stand. Spätestens allerdings, als „Die Ärzte“ jenen berüchtigten Song herausbrachten, in dem ein Schäferhund eine zentrale Rolle spielte, machte ich (damals noch römisch-katholisch und gerade dem Kommunionsunterricht entronnen) mehrmals täglich drei Kreuze, dass dieser pränatale Wunsch nicht in Erfüllung gegangen war.
Ja, unerhörte Gebete können ein Segen und Kinder können grausam sein!
Eltern, die ihr Kind Störenfried, Whisky, Popo oder Satan nennen wollen
Erwachsene aber kaum weniger. Man fragt sich ja unwillkürlich, was sich jene anficht, die ihren Spross allen Ernstes am liebsten Störenfried, Whisky, Popo oder Satan genannt hätten (abgelehnt). Hätte es da schlichte Verhütung nicht eher getan?
Vergleichsweise arglos muten da noch die, dem gemeinen Chantalismus nicht anheimgefallen und sich doch nicht so recht von ihm abgrenzen könnenden Schöpfungen wie Summer-Melody oder Imperial-Purity an. Diese wurden in jüngerer Vergangenheit ebenso akzeptiert wie Pumuckl, Prestige oder auch Camino Santiago Freigeist – wobei speziell bei letzterem die emergierende, mangelnde Dankbarkeit des Kindes eventuell dadurch wieder abgemildert werden könnte, dass, einem spontanen Impuls folgend, die Wahl auf Freigeist und nicht auf Querdenker fiel. Okay. Das war haarscharf!
Aber das ist ja ohnehin alles Schnee von gestern. Nach dem neuesten Streich unserer illustren Ampel-Männer, -Frauen und -Kindsköpfe wird wohl bald jeder seinen Namen nach Belieben wählen können. Aber natürlich höchstens einmal im Jahr, es soll ja schließlich mit ernsthaften Dingen zugehen und den Staatsapparat nicht unnötig aufblähen. Ob es dabei zwingend vonnöten ist, dass beim Wechselwunsch auch eine Änderung der dem natürlichen Jahresrhythmus folgenden sexuellen (Nicht)Identifikation ersichtlich sein muss oder eine grundsätzliche Unzufriedenheit ausreicht, konnte ich als Laie dem Vorschlag nicht entnehmen.
Bald jährlich neue, namensaktualisierte Reisepässe, Führerscheine und Hundesteuerbescheide
Endgültig vorbei sein dürften allerdings die Zeiten, in der das Geschlecht aus der ursprünglichen Namensgebung eindeutig hervorgehen muss. Womöglich kann man eines nicht allzu fernen Tages von seinen Kindern verklagt werden, wenn man sich zu etwas präzisierem als „It" oder „Schaumerma" hinreißen lässt und den Nachwuchs damit impertinenterweise in seiner entgrenzten Entwicklung blockiert.
Ja, nun, willkommen im New Normal. Hier darf jeder alles sein und tun. Es sei denn, er wollte kürzlich während der immer noch andauernden, grauenhaftesten Pandemie seit Menschengedenken (wen auch immer) heiraten – alles null problemo. Dann war zwar ein Eröffnungstanz, allerdings keine Polonaise erlaubt. Das war dann für die meisten aber auch plausibel und man hat sich überwiegend kritiklos gefügt. Ging ja immerhin um Menschenleben!
Ja, dieser, bis ad absurdum gepeitschten und zugleich herbeigesehnten Regulitis, die mit ihren Freiheitsversprechen orientierungslose Menschen bis zu einem Maximum an Zugeständnissen und Bekenntnissen treibt, sind offenbar keine Grenzen gesetzt. Gut, dem Alwin Münchmeyer, Franz Josef Strauß und etlichen anderen zugeschriebenen Bonmot zufolge, „dass die zehn Gebote 279 Wörter haben, die EU-Verordnung zur Einführung von Karamellbonbons dagegen 25.911 Worte braucht“, haben wir zwar immer mehr Freiheit durch immer mehr neue, bescheuerte Vorschriften. Aber das alles, inklusive bald jährlich neuer, namensaktualisierter Reisepässe, Führerscheine und Hundesteuerbescheide muss immerhin verwaltet und (dreimal dürfen Sie raten, von wem) bezahlt werden. Und schafft nebenbei ganz viele neue Arbeitsplätze.
An dieser Stelle sollte eingeworfen werden: Damals noch redlich arbeitende Faktenchecker hatten herausgefunden, dass gar keine EU-Verordnung zur Einführung von Karamellbonbons existiert, aber das nur am Rande.
Clowneske Nebenkriegsschauplätze noch und nöcher
Der immer monströser werdende Wasserkopf zur Bewältigung unserer Bürokratie, die den galoppierenden Wahnsinn fördert und fordert, statt selbst wertschöpfend zu arbeiten, existiert allerdings. Ebenso, wie die Tatsache, dass die Diagnose „Geschlechtsdystrophie“ (eine Identitätsstörung mit dem starken und anhaltenden Gefühl, dass das eigene anatomische Geschlecht und das eigene Selbstverständnis […] nicht miteinander übereinstimmen, diese Unstimmigkeit verursacht erhebliches Leid) bei Kindern und Jugendlichen in knapp zehn Jahren um das 25-fache zugenommen hat. Dass das alles aber absolut normal und total gesund ist, erklärt kleinen Kindern dann vormittags die Maus und dem geneigten, aufgeklärten Erwachsenen, der sich nicht in die rechte Ecke rücken lassen und mit #Stopfalsebalance-Argumenten rüsten lassen wollenden Erwachsenen tagsüber Quarks & Co.
Ab diesem Punkt lässt sich trefflich weiter sinnieren. Geht es hier um die offenbar wirkungsvolle Ablenkung von mittlerweile unlösbaren, existenzbedrohenden Problemen, für die unsere zwangsfinanzierten Vertreter keine Lösung mehr haben, außer clowneske Nebenkriegsschauplätze noch und nöcher zu eröffnen? Wir alle wissen es nicht. Die Akteure dieses Spektakels wahrscheinlich selbst nicht mehr. Das ist beängstigend und macht Hoffnung zugleich – denn wie jeder Irrsinn findet auch dieser zwangsläufig irgendwann ein Ende.

„Vergleichsweise arglos muten da noch die, dem gemeinen Chantalismus nicht anheimgefallen und sich doch nicht so recht von ihm abgrenzen könnenden Schöpfungen wie Summer-Melody oder Imperial-Purity an.“ ♥ Schantall, tu doch ma´ die Omma winken!
Das ist alles gewollt, von der Poitik und den Oligarchen des Westen. Warum auch nicht, soll das Volk doch seinen Dauerrausch ausleben. Wenn schon politisch geknechtet, dann wenigstens deren Kinder mit frei wählbarem und ausgefallenem Namen. Gut ein paar haben es damals nicht verstanden, da kommt dann nur schnöde Schantall, Kävin und Schäsen raus.
Liebe Frau Seidel, wir werden es erleben. Was wir aber nicht erleben werden ist die jährlich neu wählbare Steuernummer inklusive Wunschziffern. Denn die entscheidende Identität bleibt digital in Stein gemeißelt.
Sie haben den Vornamen „Decembre noelle“ vergessen, Frau Seidel. Aber Spaß beiseite, als ich vor 36 Jahren meinen Sohn mit einem Middlename zum Firstname anmelden wollte ( Vater Amerikaner, Middlename war der einer berühmten und ehrenwerten Person aus Atlanta und in den Staaten durchaus üblich), bekam ich eine Abfuhr des Standesbeamten. Er weigerte sich, den Geburtsschein auszustellen. Somit fielen sämtliche Anmeldungen weg, auch die des Kindergeldes. Also wandte ich mich an die hiesige Zeitung, die das entsprechend groß herausbrachte. Der „Stadtanruf“ folgte promt „……so sei das ja nicht gemeint gewesen …….“ und ich bekam eine Geburtsurkunde mit folgendem Eintrag: „Kind, männlichen Geschlechts ohne Namen“, damit ich das Kindergeld beantragen konnte. Ich hatte mich dann an das amerik. Konsulat gewandt, die entsetzt waren und mir einen Anwalt empfahlen. – Drei Jahre später wurde mir ohne Kommentar die Geburtsurkunde mit dem Middlename zugesandt. Auf meinen Anruf hin erfuhr ich, daß ein jüngerer Standesbeamte den „Schrank“ seines Vorgängers aufräumte und den Antrag bewilligte.
„…denn wie jeder Irrsinn findet auch dieser zwangsläufig irgendwann ein Ende.“ Da bin ich mir nicht mehr so sicher. ‚Wenn Du denkst, da geht nichts mehr, kommt irgendwo der nächste Schwachsinn daher.‘ Diesbezüglich sind unsere Polit-Bonzen und deren Schranzen schließlich unglaublich kreativ!
Der Irrsinn findet in der Tat ein Ende, sobald eine bereits absehbare Hyperinflation die Realwirtschaft mit sich in den Abgrund reißt. Angenehm wird das nicht; zu den sehr großen Problemen, die wir Deutschen und Europäer sowieso schon damit hätten, werden Scharen plündernder Kulturbringer hinzukommen. Aber bis dahin haben sich die Spitzenpolitiker. -journalisten und -zivilgesellschaftler schon in Länder ausfliegen lassen, in denen sie längst Villen mit großen Parks besitzen. Aus den Parks lassen sich leicht landwirtschaftliche Anbauflächen machen, auf denen schlechtbezahlte Arbeiter aus z.B. Uruguay oder Kanada alles Nötige für die weltbürgerliche Elite anbauen. Also bitte, was gibt es da zu fürchten?
Ein jeder hat seine Art unglücklich zu sein, und man soll ihn nicht dabei stören. (Aristoteles). Geschlechtdystrophie ist doch nicht unbedingt neu, jedoch frage ich mich mit welchem Recht Comicfiguren ihren Zeichner hinterfragen?