Noch ein Bock als Gärtner: Mit großem PR-Tamtam kündigt die University of East Anglia an, dass die Arbeit ihrer Climate Research Unit (CRU) auch von einer “unabhängigen” Institution mit den besten Referenzen unter die Lupe genommen wird. Der Royal Society. Ausgerechnet. Die Royal Society war einst ein Bollwerk der unbestechlichen Wissenschaft, hat sich in Sachen Klima leider längst zum Büttel der Political Correctness und einer grünen Ideologie gemacht. «Nullius in verba» lautet eigentlich der Leitspruch der Royal Society. Sinngemäß bedeuten diese Worte von Horaz, «Auf niemandes Worte schwören». Wissen statt Glauben. Ein Sachverhalt ist nur dann wahr, wenn man ihn im Experiment bewiesen hat. Und diesen Wahlspruch haben die Funktionäre der Royal Society in Klimadingen gründlich verraten.
So verlangte man in einer ganz ungewöhnlichen Form von Amtsanmassung ostentativ von dem Ölkonzern Exxon Mobil, die fianzielle Unterstützung skeptischer Wissenschaftler und Organisationen einzustellen: “Britain’s leading scientists have challenged the US oil company ExxonMobil to stop funding groups that attempt to undermine the scientific consensus on climate change. In an unprecedented step, the Royal Society, Britain’s premier scientific academy, has written to the oil giant to demand that the company withdraws support for dozens of groups that have “misrepresented the science of climate change by outright denial of the evidence”. The scientists also strongly criticise the company’s public statements on global warming, which they describe as “inaccurate and misleading”.
Man wütete beinahe schlimmer als die jetzt aufgeflogenen CRU- und IPCC-Wissenschaftler. Zitat: “It is now more crucial than ever that we have a debate which is properly informed by the science. For people to be still producing information that misleads people about climate change is unhelpful. The next IPCC report should give people the final push that they need to take action and we can’t have people trying to undermine it.”
Royal Society-Sprecher (und “Senior Manager, Policy Coordination”) Bob Ward schrieb: “It is now more crucial than ever that we have a debate which is properly informed by the science. For people to be still producing information that misleads people about climate change is unhelpful. The next IPCC report should give people the final push that they need to take action and we can’t have people trying to undermine it.”
Die Süddeutsche Zeitung schrieb dazu: “Nie zuvor hatte die Society so etwas getan: sich in die Angelegenheiten einer Firma einzumischen. Und es zeigt, wie sehr die Wissenschaftsgemeinde durch die Aktivitäten von Lobbyisten beunruhigt ist, die seit Jahren versuchen, den zunehmenden wissenschaftlichen Konsens von den menschlich bedingten Ursachen des Klimawandels und seinen Folgen zu diskreditieren. Der Konzern, so die Royal Society, unterstütze nach eigenen Angaben mehrere Dutzend Gruppen, die “Informationen verbreiten, die die Wissenschaft des Klimawandels falsch darstellen: Indem sie unverblümt die Indizien bestreiten, dass Treibhausgase den Klimawandel vorantreiben; oder indem sie Menge und Relevanz der wissenschaftlichen Unsicherheiten dazu überbewerten; oder indem sie einen irreführenden Eindruck von den potenziellen Auswirkungen des menschlich bedingten Klimawandels erwecken.”
(Nebenbei bemerkt: Solche selbstgerechten Sätze fallen nach Climatgate sowohl der Süddeutschen Zeitung als auch der Royal Society kräftig auf die Füsse).
Zu den Organisationen, die unter anderem auch Gelder von Exxon für ihre Arbeit einwarben, gehörten das “Competitive Enterprise Institute” (CEI), das “George C Marshall Institute” sowie das “International Policy Network”. Es ist immer problematisch, wenn Industriegelder im Spiel sind, aber dieses Messer schneidet in beide Richtungen: Die Tatsache, dass beispielsweise der Vorsitzende des IPCC, Rajendra Pachauri, massiv Mittel interessierter Unternehmen für sein Institut Teri einwarb, übersah die Royal Society geflissentlich. Wobei hier noch ein großer Unterschied in der Qualität besteht: Pachauri verquickte sein Amt als IPCC-Vorsitzender mit den wirtschaftlichen Interessen von Unternehmen. Die Mitarbeiter der von Exxon unterstützten Institutionen haben im Gegensatz dazu nie zugleich öffentliche Ämter eingenommen.
Und was die Exxon-Spendenpraxis anbetrifft sollte man auch erwähnen: Es handelte sich um insgesamt 2,9 Millionen Dollar. Zur Einordnung: Exxon Mobil stiftete 2003 rund 100 Millionen Dollar für die Mainstream-Klimaforschung der Universität Stanford.
Der bekannte britische Wissenschafts-Journalist David Whitehouse antwortete Bob Ward von der Royal Society in einem Streitgespräch: “Different views, contrary positions, are essential to the progress of science. They are what keep arguments strong, the defence of arguments is what keeps them robust and healthy. And if somebody comes out with bad science, somebody comes out with misrepresentation, you tackle bad science with good science. It does not matter, it is irrelevant, whether these people are right or wrong, whether it’s god science or bad science. What troubles me is that the Royal Society is demanding another organisation to stop funding groups that have views different from the scientific consensus. Their views, the value of their views, will be determined by argument and not by doing a tussle around their funding, to get their money turned off because you disagree with what they’re saying….The question is not whether these people are right or wrong. It’s a question about their right to speak. When scientists and scientific organisations like yourself want to serve the cause of public policy, they do so best by following the ethics of science and not public relations and spin.”
Und diese Leute sollen ihre Buddies von CRU nun unabhängig untersuchen? Es besteht leider der Verdacht, dass es darum gehen könnte, einen Persilschein mit dem Signum der Royal Society auszustellen. Siehe dazu auch hier. Hoffentlich täusche ich mich. Hoffnung macht dabei: Man muss der britischen Presse im Moment ein Riesen-Kompliment machen. In einem regelrechten Aufklärungs-Rausch kommen dort täglich neue skandalöse Details an die Öffentlichkeit. In Großbritannien ist Climategate ein absolutes Topthema und die öffentliche Meinung macht eine rasante Kehrtwende. Daran werden wohl auch Persilscheine nicht mehr ändern.
Mehr dazu morgen.
