Nach dem Beben dieser Woche in der Provinz Sichuan präsentiert sich ein neues China. Die Unterstützung des Auslands wird dankend angenommen, gar erbeten. Und das Regime in Peking hat, anders als noch vor Monaten bei den Unruhen in Tibet, nun auch umfangreiche Berichterstattung zugelassen. Selbst in chinesischen Medien dürfen die großen Schwierigkeiten der Rettungskräfte ausführlich diskutiert werden.
Selbst wenn die neue Offenheit und die mediale Selbstinszenierung von Premierminister Wen Jiabao auch taktische Gründe haben mögen und der Imagepflege im Olympiajahr dienen, so ist diese Lockerung doch nur zu begrüßen. Anders als in Birma, das sich mit dem Bilder- und Berichtsverbot aus dem weltweiten Empathie-Zusammenhang gerissen hat, wird die Bilderflut aus Sichuan auch das Mitleid im Ausland und die Spendenbereitschaft beflügeln. Und das sollte sie auch. Hat die Weltmeinung China wegen der harten Hand in Tibet in den letzten Wochen zu Recht harsch kritisiert, so muss es nun darum gehen, Peking zu zeigen, dass sich Öffnung lohnt und dass das Land auch in Zukunft besser damit fährt.
http://www.debatte.welt.de/kommentare/72839/der+westen+sollte+chinas+neue+offenheit+honorieren