Vor und nach der Lateinischen Münzunion hat etwas weder in Europa noch sonst wo auf der Welt jemals funktioniert: eine Währungsunion ohne gemeinsame Fiskal- und Finanzpolitik. Deshalb war der Euro von Anfang an eine Fehlgeburt. Politisches Wunschdenken setzte sich gegen ökonomischen Sachverstand durch. Die deutsche Einheit für die Aufgabe der D-Mark. Das Hineinpressen von völlig verschiedenen Volkswirtschaften in eine gemeinsame Währung.
Deutschland begann wie wild zu exportieren, schoss aber gleichzeitig das Geld vor, das zum Kauf seiner Waren ausgegeben wurde. Griechenland wurde vorgeworfen, sich in den Euro geschummelt zu haben. Das ist zwar richtig, aber der erste Staat, der die Aufnahmekriterien nicht erfüllte und aus politischen Gründen dennoch den Euro bekam, war – Italien.
Die dysfunktionale EU, die Fehlkonstruktion Euro lässt sich an den Namen von vier Orten festmachen. Schengen, der Wegfall von Grenzkontrollen zwischen den Teilnehmerstaaten und die angeblich gemeinsame Verantwortung für die Außengrenzen: ein Desaster. Dublin, das Übereinkommen zur Regelung des Asylwesens: eine Katastrophe. Maastricht, der Vertrag, in dem eine Defizitquote unter drei Prozent und ein Schuldenstand unter 60 Prozent des Bruttoinlandprodukts der Euro-Staaten vereinbart wurde: Makulatur. Genau wie die No-Bail-Out-Klausel, die die Haftung der Europäischen Union für Verbindlichkeiten einzelner Mitglieder ausdrücklich ausschließt: zu Konfetti verarbeitet.
Und als Sahnehäubchen noch der Vertrag von Lissabon. Realersatz für die von den Holländern und Franzosen abgelehnte EU-Verfassung. Und der Anfang der demokratiefeindlichen Methode, Völker so oft abstimmen zu lassen, bis sie endlich für das Richtige votierten. Aber solche Demokratiedefizite fallen in einer EU nicht weiter auf, in der die neue Kommissionspräsidentin zu diesem Posten kommt, obwohl sie gar nicht kandidierte. Und in der Gruppen und Räte bestimmen, die dazu keinerlei demokratische Legitimierung haben. In der Troikas zu unbootmäßigen Staaten entsandt werden. In dem einem griechischen Ministerpräsidenten, der sein Volk über drakonische Sparmaßnahmen abstimmen lassen wollte, so ein Unsinn schnell ausgeredet wurde.
Was können wir denn für Euch Gutes tun?
Mit dem wirtschaftlichen Zwerg Griechenland und dem Floh Zypern konnte man so umspringen. Jede Gegenwehr gegen das völlig sinnlose Verrösten von Abermilliarden Nothilfen, verbunden mit einem jahrelangen Leiden der Bevölkerung, wurde niedergebügelt. Aber Italien ist die drittgrösste Wirtschaftsmacht in der Eurozone. Mit der können Deutschland und Frankreich nicht schlittenfahren.
Italien hat sich noch nie groß um Haushaltsdisziplin oder die Einhaltung von Vorschriften aus Brüssel gekümmert, noch viel weniger um vermeintlich gute Ratschläge. Die Staatsverschuldung ist in den letzten zehn Jahren, also nach der Finanzkrise eins, um 70 Prozent gestiegen und liegt bei über 130 Prozent des BIP. Nur Japan und Griechenland schlagen hier Italien. Allerdings sind das in absoluten Zahlen bei Italien 2,3 Billionen, bei Griechenland bloss 340 Milliarden. Aber was soll’s, die durchschnittliche Staatsverschuldung in der Euro-Zone liegt bei 85,9 Prozent, auch Musterknabe und Zuchtmeister Deutschland reißt die Maastricht-Latte mit 61 Prozent.
Aber das sind alles Schönwetterprobleme im Vergleich zu zwei einfachen Zahlen: Eine Billion und knapp eine halbe Billion. Diese beiden Zahlen sollten eigentlich bewirken, dass die deutsche Regierung bei Matteo Salvini und bei allen italienischen Politikern, die möglicherweise etwas mit der nächsten Regierung zu tun haben, vorstellig wird und fürsorglich fragt: Was können wir denn für Euch Gutes tun? Alleine diese beiden Zahlen reichen aus, damit jeder italienische Politiker nur grinsend eine unfeine Handbewegung macht, wenn aus Brüssel, Berlin oder Paris Ermahnungen kommen, dass man sich in Italien doch mal am Riemen reißen solle.
Diese zwei Zahlen stehen für die Target2-Salden Deutschlands und Italiens. Target2 ist eine Art Ausgleichssystem zwischen den immer noch existierenden nationalen Notenbanken. Deutschland ist hier Gläubiger von einer runden Billion. Und Italien ein Schuldner einer runden halben Billion. Und wie jeder weiß: Bei solchen Beträgen sitzt nicht der Gläubiger, sondern der Schuldner am längeren Hebel. Der Gläubiger wird sich hüten, dem Schuldner zu sehr zuzusetzen, sich im Gegenteil angelegentlich um sein Wohlergehen kümmern.
Mit einem Satz: Die Euro-Krise ist zurück
Denn wenn Italien aus dem Euro austreten sollte – und nicht nur Salvini kokettiert damit schon seit langer Zeit –, dann müsste dieser Saldo glattgestellt werden. Also Italien kehrt wieder zur Lira zurück und legt vorher noch schnell 500 Milliarden Euro auf den Tisch. Selten so gelacht.
Die nächste Regierungskrise in Italien, der Wiederanstieg des Spread, also Italien muss schon heute für Staatsschuldpapiere 1,7 Prozent Zins zahlen, während jeder, der deutsche Bundesschatzbriefe will, dafür noch 0,6 Prozent drauflegt, also Geld dafür zahlt, dass er Geld verleiht: Damit liegt der Spread also bei 2,3 Prozent, und das ist im gleichen Währungskorsett verdammt viel. Bei dem Volumen der italienischen Staatsschulden fehlt nicht mehr allzu viel, dass sich die nächste Regierung ernsthaft überlegen muss, ob sie unter dem Schuldendienst zusammenbrechen will – oder einen radikalen Schnitt machen. Mit einem Satz: Die Euro-Krise ist zurück. Eigentlich war sie auch nie wirklich fort.
Was passiert, wenn man sich zwar unfreiwillig, aber immerhin den Rettungsbemühungen der EU unterwirft, dafür bietet Griechenland ja genügend Anschauungsunterricht. Mehr als 200 Milliarden sinnlos verpulvert, einer ganzen Generation die Zukunft gestohlen, jahrelanges Leiden der Bevölkerung, und am schlimmsten: Es ist keine Besserung in Sicht. Griechenland käme aus dem Elend nur heraus, wenn es wieder mal Staatsbankrott erklären würde und einen Neustart mit eigener Währung versuchte.
Davon ist Italien noch etwas entfernt. Aber wenn die Eurokraten in leichter Verkennung der wahren Verhältnisse auch bei Italien versuchen, das Land mit ungebetenen Ratschlägen oder gar Strafverfahren wegen den ewigen Luftnummern bei den Schätzungen von Staatseinnahmen zu kujonieren, dann könnte aus Kokettieren und leisem Drohen schnell ernst werden: Nach dem Brexit wäre dann vor dem Italexit. Dem sich vielleicht auch noch ein paar andere Länder anschließen würden. Und das wäre dann der Exitus des Euro.
„Die Frau, die den Euro zerstört hat“
Beim Brexit geht es um vergleichsweise wenige Milliarden, die Grossbritannien sozusagen als Austrittsgebühr noch zahlen soll. Bei Italien wären es alleine bei Target2 schon mal rund 500 Milliarden. Die Deutschland wohl unter "ciao, ragazzi" abbuchen müsste. Ist also in Deutschland entsprechendes Problembewusstsein vorhanden? Nun, wenn der "Spiegel" mal wieder die Meinung der Regierung widerspiegelt, eher nicht. Denn der will in seinem aktuellen Artikel über den "Mann, der den Euro zerstören könnte", als Schlusspointe beobachtet haben, dass in Lega-Kreisen das Buch eines Ökonomen herumgereicht werde, das den Titel trägt: "Der Untergang des Euro. Wie und warum das Ende der Währungsunion die Demokratie und den Wohlstand in Europa retten würde."
Mit einer Arroganz, mit der sich der hässliche Deutsche überall sofort unbeliebt macht, schließt der "Spiegel": "Für die meisten anderen Ökonomen klingt das zwar ziemlich unsinnig. Aber der Unsinn hat sich in der Politik zuletzt ja häufiger durchgesetzt."
Da gehört mal wieder auf einen groben Klotz ein grober Keil: Ich bezweifle doch stark, dass das für viele Ökonomen unsinnig klingt. Ganz im Gegenteil. Und Unsinn hat sich im "Spiegel" zuletzt häufiger durchgesetzt, aber leider nicht die entsprechende Fehlerkultur oder etwas Demut statt Rechthaberei. Wenn wir schon dabei sind: Nichts gegen knackige Titel in der Tradition des Warnrufs "Das Ende der Welt" nach dem Wahlsieg Donald Trumps. Aber Salvini mag ja vieles sein, doch den Euro zerstören, das könnte er schon deswegen nicht, weil ihm diese Arbeit andere abgenommen haben.
In erster Linie die deutsche Regierung. Indem sie darauf bestand, dass bei einer der vielen Griechenland-Rettungen zusätzlich noch Privatanleger rasiert werden, also zwangsweise einen Schuldenschnitt hinnehmen mussten. Staatliche Gläubiger aber nicht. Für eine solche Gläubigerbevorzugung kommt man normalerweise in den Knast. Hierzulande bleibt man einfach im Kanzleramt. Als Chefin einer Regierung, die sich um den komatösen Zustand des Euros wahrlich große Verdienste erworben hat. Aber einen Titel wie "Die Frau, die den Euro zerstört hat", den würde man im "Spiegel" nicht mal lesen, wenn ihn Relotius vorschlagen würde.
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In der Geschichte gibt es zahllose Beispiele gescheiterter Währungssysteme und der Euro wird diese Reihe fortschreiben. Bereits Voltaire wußte: "Papiergeld kehrt früher oder später zu seinem inneren Wert zurück: Null" Interessant auch ein Zitat von Alan Greenspan, immerhin ehemaliger Präsident der amerikanischen Notenbank Federal Reserve aus dem Jahr 1966: "Die Abschaffung des Goldstandards machte es den Politikern des Wohlfahrtstaates möglich, das Bankensystem als Mittel zur unbegrenzten Erweiterung des Kredits zu nutzen. Ohne Goldstandard gibt es keine Möglichkeit, die Sparer vor der Enteignung durch Inflation zu schützen. Der Wert des Geldes kann nicht sicher bewahrt werden. Wenn es anders wäre, müsste der Staat den Besitz dieses Geldes illegal machen, wie dies bereits einmal mit Gold geschehen ist. Die Finanzpolitik des Wohlfahrtsstaates setzt voraus, dass sich die Inhaber von Vermögen nicht schützen können. Das ist das schäbige Geheimnis hinter den Tiraden der Vertreter des Wohlfahrtsstaates gegen das Gold. " Der libertäre amerikanische Abgeordnete Ron Paul fragte ihn im Jahr 2002 diesbezüglich: "Möchten Sie, Mr. Greenspan, gerne einen Widerruf ausbringen ?" Seine Antwort war: "Nein, ich würde kein einziges Wort verändern" (!) Ergo: Nur Gold ist Geld, alles andere ist Papier und das Erwachen aus diesem papierenen Kreditrausch wird sehr schmerzhaft werden. Spannend bleibt die Frage, wann die Blase platzt und was danach kommt.
Oh Herr Zeyer, die Idee, dass die EU ein großes Leid über die Griechische Wirtschaft gebracht habe, gehört zwar zum Standardrepertoire der Doomsayer von links, es ist deswegen aber nicht automatisch falsch! - Nie gab es in Griechenland soviele dolle Wägen wie jetzt auf den Straßen - das ist doch was! Und die Bahn und die Fährbetriebe usw. zahlen noch immer Löhne, die weit über ihren finanziellen Möglichkeiten leigen- dito die Rentenkasse. Das ist ja alles echtes Geld, mit dem die Griechen richtig schöne Sachen kaufen können. Dass sie selbst Olivenöl und holländische Tomaten dafür kauf(t)en , sagt ihnen ja keiner, das machen sie freiwillig - und mit großem Eifer!
@ Frau Schoenfelder. Wenn wir so 1000 Jahre auf die Reihe kriegen, koennten wir stolz sein, oder? Habe keine Ahnung von der materie und hoffe, dass die, die es wissen, es wissen. Sie jedenfalls, meine liebe, moechte ich nicht als Mandantin haben. Sie verstehen. Denke ich.
"Target2 ist eine Art Ausgleichssystem zwischen den immer noch existierenden nationalen Notenbanken." Falsch ! Target 2 ist eben kein Ausgleichssystem, es ist von vornherein als Deutschland-Plündrungssystem installiert worden, denn ein Ausgleich oder eine Vollstreckung war nie beabsichtigt. (anders bei den US-Bundesstaaten) Und wem verdanken wir den Verrat deutscher Interessen ? Waigel von der CSU, Jurist seines Zeichens, aber vom Vertragsrecht oder einer Vertragsgestaltung keine Ahnung oder einfach nur böswillig !
Ich denke mittlerweile die deutsche Regierung realisiert überhaupt nicht, dass sie der Gläubiger ist, sondern denkt sie sei der nette Onkel, den alle mögen. Ich les von einer gemeinsamen europäischen Mission im Iran - USA Konflikt, ich lese dass Seehofer eine gemeinsame europäische Aktion will um die Glücksritter aus dem Mittelmeer zu fischen und und und. Ich versteh das alles nicht mehr! Es gibt keine gemeinsame Amtssprache, junge Leute sagen zwar "Ej das ist doch Englisch!" aber die haben das noch nie einem Franzosen erzählt! Es gibt auch nur die Haltung "Die EU soll zahlen, die muss zahlen" von den einen und von den anderen "wir müssen die EU bezahlen" Ich sehe mittlerweile die einzige Rettung in einem möglichst schnellen Zusammenbruch, damit noch überhaupt etwas zu retten ist. Diese ganze EU ist in Ordnung als lockerer Staatenverbund und die Grenzen früher haben einen auch nicht umgebracht und das bisschen Kopfrechnen beim bezahlen in fremder Währung auch nicht. Aber diesen Moloch hat keiner gewollt! In der Frühzeit der EU gab es die eine oder andere nationale Abstimmung, immer waren die Leute dagegen, aber das hat genau keinen interessiert! Ich seh noch Helmut Kohl vor mir, wie er behauptet, dass kein Land für die Schulden eines anderen aufzukommen habe, dass das überhaupt nicht passieren könne........... Will heißen wir werden schon viel zu lange von Illusionisten regiert.
Herr @Rühl, gerade das römische Reich ist ein gutes Beispiel dafür, daß ein ständig wachsendes Staaten-Konstrukt immer unübersichtlicher wurde und letztendlich scheiterte. Auch denke ich, gab es damals nicht so eindeutig d i e eine Währung wie Sie vermuten und wie es heutzutage der Euro ist. Ich denke, auch die lokalen Währungen hatten in abgelegenen Gebieten noch Bedeutung und der Tauschhandel. Griechenland kann kein Geld drucken, das kann nur Draghi, und nur deshalb, um die EU mit aller Macht aufrecht zu erhalten. Die Banken werden das Gebäude sehr wahrscheinlich zum Einsturz bringen, und ich denke bald, denn sie verdienen schlicht kein Geld mehr und auch der billige Trick der Zinssenkung ist erschöpft. Banken wollen ihr Geld bereits in Safes unterbringen, damit sie so dem Negativzins entgehen, und spätestens Ende des Jahres, trifft der Negativzins auch die ' normalen Leute'. Dann können sie eine neue Geschäftsidee entwickeln. Sie leihen sich einen Haufen Geld, und müssen nicht mehr alles zurückzahlen. Das ist pervers und kann meines Erachtens nicht gut gehen, nicht nach Adam Riese. Aber vielleicht verändern sich auch die Grundrechenarten im ideologischen Wahn, wundern kann ich mich schon lange nicht mehr, nur noch aufregen.....
Herr Donald Adolf Murmelstein von der Böse, Sie schreiben mir aus dem Herzen, es ist ein völlig verwahrlostes System entstanden in dem ehemalige stolze Arbeitnehmer, zu Sklaven für diese sauberen Herrenmenschen degradiert werden. Dieses gnadenlose Verbrechersystem der Globalisten muss zerschlagen werden, deshalb hoffe ich auf Donald Trump, denn obwohl er selber reich ist, hat er erkannt, dass die Globalisten ganze Länder und Staaten, sich zur Beute machen und damit auch politische Macht ausüben können. Wenn die Demokratie überleben will, dann muss der Globalismus in die Zwangsjacke gesteckt werden, radikal durch weltweiter Zerschlagung dieses üblen Systems. Leider kümmert es nur wenige Menschen sich mit solchen Themen zu befassen und die Bevölkerung wird ja auch nicht aufgeklärt, viele können sich nicht vorstellen, dass der Euro crahsen wird, vor allem die Jugend nicht, denn sie ist mit diesem Falschgeld aufgewachsen.