Gunnar Heinsohn / 05.11.2020 / 11:00 / Foto: Pixabay / 9 / Seite ausdrucken

Chinas Augen im Himmel

Ende Juli 2020 befinden sich 2.787 aktive Satelliten im Weltraum. Mehr als doppelt so viele Kunstmode funktionieren nicht mehr. Sie gehören zu den 29.000 Portionen Weltraumschrott, die mindestens 10 cm Durchmesser aufweisen. Kein Standard-Satellit würde einen Zusammenprall mit ihnen überstehen. 

Mit 1.425 Satelliten entfallen auf die USA gut 51 Prozent. China behauptet sich mit knapp 14 Prozent (382) unangefochten als Zweiter. Russland hält sich mit gut 6 Prozent (172) ebenfalls noch im Spitzentrio. Danach folgen Japan, Großbritannien, Indien und Kanada. Deutschland verteidigt den 10. Platz. Zu den Ländern, die Satelliten und Startraketen selber bauen, gehört es allerdings nicht.

Das Jahr 2020 weist die Himmels-Hightech-Richtung, nachdem China schon 2018 und 2019 beim Gesamtvolumen die Welt der kosmischen Augen dominiert. Von Januar bis März 2020 liegen die USA mit 9:7 Satelliten noch vor China, das im zweiten Quartal mit 8:8 bereits ein Unentschieden herausholt und im dritten Quartal mit 14:10 wuchtig vorbeizieht. Ohne die 15 Satelliten von Elon Musks SpaceX haben die USA zwischen Januar und Ende September 2020 nur noch 12 Satelliten nach oben gebracht. Im Gesamtzeitraum von Januar bis Ende Oktober 2020 steht es 31:27 für China. Es folgen Russland (12), EU (4), Japan (3) sowie Israel und Iran (jeweils 2). Auf die Bevölkerungsgröße bezogen (ein Zehntel Deutschlands) steht der jüdische Staat an der Wetlspitze.

Bei den Traglasten und dem Anteil der erfolgreichen Starts liegen die USA noch in Führung. Das gilt nicht mehr für modernste Spionage-Satelliten. Chinas Geräte vom Typ Yaogan-30 fliegen in sieben Dreiergruppen in rund 600 km Höhe über die Erde. Sie können jedem nautischen Signal folgen und die Schiffe elektro-optisch ausleuchten. Die US-Flugzeugträger werden rund um die Uhr still begleitet.

Erstrangiges Macht- und Geld-Terrain

Kommerziell schlägt das Satellitengeschäft schon 2019 mit 366 Milliarden Dollar zu Buche, davon 271 Milliarden im zivilen Bereich, in dem die USA mit 42 Prozent zwar noch dominieren, aber ebenfalls nachlassen.

Um auf diesem erstrangigen Macht- und Geld-Terrain mitzuhalten, braucht es in der Tat rocket science, also mathematische Kompetenz. China ist schon bei der Bevölkerung viermal stärker als die USA und sogar achtzehn mal stärker als die Bundesrepublik. Gegenüber Österreich oder der Schweiz heißt es jeweils 180:1. Beim Kompetenzpotential – höchste Leistungsklasse unter Zehnjährigen bei TIMSS 2015 – steht es 8:1 für China gegenüber den USA und rund 130:1 gegenüber Deutschland (G. Heinsohn, Wettkampf um die Klugen, Orell&Füssli 2019, Seite 109). 

Auch beim Durchschnittsalter von 38 Jahren wirkt China jugendlich-dynamisch gegenüber den 44 Jahren der 200 Millionen „Non-Hispanic Whites“ in Amerika oder den 45 Jahren in den Republiken von Berlin und Wien. Mit 43 Jahren stehen die Eidgenossen kaum besser da.

Es versteht sich, dass politische Führungen – ob ihre Versprechungen nun links oder konservativ klingen – auf die Kompetenz ihrer Wähler kaum Einfluss haben. Ein ganz klein wenig nach oben könnte es durch das Anwerben von Könnern gehen. Die aber sind überall knapp, kein Land hat zu viel davon. Leichter geht es in die Gegenrichtung mit der Aufnahme von Unglücklichen, die ohnehin bildungsfern durchs Leben müssen. Niemand gibt mehr von ihnen Herberge als Amerika und Deutschland. Niemand hingegen lässt weniger von ihnen über die Grenze als China. Bei ihrer Aufnahme würde das Reich der Mitte  seinen Kompetenzvorsprung verringern. Durch ihre Umlenkung in den Westen aber kann es ihn weiter vergrößern.

 

Gunnar Heinsohn (*1943) lehrte von 2011 bis 2020 Kriegsdemographie am NATO Defense College in Rom. 2019 hat er Wettkampf um die Klugenpubliziert (Zürich: Orell&Füssli).

Foto: Pixabay

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Stefan Riedel / 05.11.2020

Sputnik, Apollo, Mao? Ich bleibe dann doch lieber auf diesem Planeten.

Hans Meier / 05.11.2020

Ich schätze Herrn Heinsohns nüchterne Sichtweise, denn nur die menschliche Intelligenz hat das Potential geniale Entwicklungen zu realisieren. Angesichts der Absolventenzahlen der Hochschulen Chinas die in Ingenieur- und Natur-Wissenschaften jährlich ins Berufsleben starten, habe ich keinen Zweifel darüber, auf welcher Überholspur Chinas Wirtschaft und Wissenschaft dynamisch beschleunigt. Zudem kontrolliert in China eine kommunistische Partei, die das Nichtvorhandensein einer Opposition damit begründet, die beste Realpolitik für das zu steigernde Wohlergehen der Bevölkerung, unter Anwendung von Logik durchzusetzen. Also Null Toleranz für Drogenkonsum, Opposition oder islamische Allüren, das ist absolut konsequent in der Innenpolitik und verzichtet auf pseudowissenschaftliches Trallala. Die konzentrierte Bündelung intelligenter Entscheidungen hat in China real keine Gegner, da sieht man sich in Deutschland ständig vom absoluten Gegenteil konfrontiert. Früher hatten die Chinesen mal „Mao“ und haben daraus gelernt politische Idioten zu vermeiden, wir erleiden mit Pech-Merkel den Hirntot in life und Farbe.

Gabriele Klein / 05.11.2020

Es versteht sich, dass politische Führungen – ob ihre Versprechungen nun links oder konservativ klingen – auf die Kompetenz ihrer Wähler kaum Einfluss haben”. Das glaub ich nicht. Totalitäre Regime die die Wahrheit gepachtet   haben tun sich alleine von daher mit der Suche nach ihr schwer, ganz egal wo sie beginnt. Hinzu kommt noch die mit Planwirtschaft einhergehende Korruption die jede Leistung im Kern erstickt, da nicht Fähigkeit sondern Vitamin B entscheidet.  In einem Artikel las ich dass genau das ein Sicherheitsproblem eines chinesischen Bio-Reaktors anscheinend war, dessen Leitung in kommunistischer Linientreue so einwandfrei war wie fachfremd.  Was immer man in solchen Ländern an Fortschritt hat ist im Grunde von den freien Ländern geklaut.  Aber man kann hier auch viel kürzer aus der Praxis argumentieren. Wenn das in China wirklich so dolle wäre, wie sie schreiben, dann würde die Ware hier dankbar Abnehmer finden. Allerdings ist deutlich erkennbar dass der online Kunde vor dieser Ware das Kreuz macht.  Interessanterweise wird sie meist unter englisch lautenden Händlernamen angeboten u. ist untauglich von Anfang an. Im guten Glauben an ein englisches Produkt entpackte erst kürzlich eine manuelle Nußmühle für die Küche, (Vorläufer etwa 250g etwa 30cm hoch knapp 10cm brei).  Der Neukauf aus nicht geglättetem Eisenmaterial .. (Schlackenprodukt?.  Teile waren teils nicht verschraubt sondern mit hervorstehenden Drähten montiert in der Dicke eines Stacheldrahts wo man sich beim bloßen Handhaben schon verletzte. Das ganze hatte doch sage und schreibe das Gewicht meines Medizinballs. Also so etwa 3 kg. Eine Anleitung fehlte, so daß die Vollständigkeit der Teile nicht geprüft werden konnte. Das Einzige was normal schien waren die zarten Schrauben, wie diese allerdings nun dieses Teil wo auch immer halten können bleibt rätselhaft. Also Herr Heinsohn, dagegen ist was ich aus den Behindertenwerkstätten erhielt hochintelligent . Einen Rücklauf hatte ich da noch nie.

Andreas Rochow / 05.11.2020

China wird auch an der suizidalen Dekarbonisierung nicht teilnehmen. In Kalpakkam/Indien wird 2021 der erste fast breeder nuclear reactor (Schneller Brüter) ans Netz gehen. Der Fortschritt findet definitiv EU-fern statt. Dass die Chinesen (und die Inder) besser rechnen und planen können als die EU, liegt auf der Hand: Die überheblichen Propagandavorreiter aus Berlin ernten immer häufiger nur noch ein müdes Lächeln.

Michael Stoll / 05.11.2020

China überholt den “Westen” technologisch gerade in allen Bereichen. Der einzige Mensch, der gewillt und in der Lage ist, dagegen anzukämpfen, wurde gerade von seinen Landsleuten, zugunsten eines Demenzkranken und einer Linken, abgewählt. (Es sei denn, es geschieht noch ein Wunder in Nevada oder vor Gericht.)

Siegfried Molnár / 05.11.2020

Ein Volk, das seine eigene Nachkommenschaft industriell tötet und dies an seinen Alten fortzusetzen gedenkt, kann sich nicht nach oben entwickeln. Wenn Begabungen im medizinischen Müll landen, Geborenene schon nach der Geburt von ihren Eltern getrennt werden (was selbst bei Ferkeln und Kälbern laut Tierschutzgesetz verboten ist), Nachkommenschaft höchstens der Beschmückung von karrieristischen Frauen und Männern dient, dann entstehen weder Sekundärtugenden noch der Leistungswille und die Leistungsfähigkeit, mit irgendjemandem in dieser Welt mitzuhalten. Wer sein Haus auf Sand baut und nicht auf einen Felsen, den holt der Sturm und die Flut. Wir haben schon verloren. Mit Einwanderung übrigens ist das Problem überhaupt nicht lösbar. Denn die hochbesteuerten europäischen Einwanderungssysteme locken höchstens Terroristen, Clan- und Einzelverbrecher oder Sozialschmarotzer ins Land. Wem man 70% des Einkommens stiehlt und das Leben durch hunderttausende Regulationen und Verordnungen zumüllt - welche Superleistung will man da noch erzielen?

E. Sommer / 05.11.2020

Tja, ich würde behaupten, dass es inzwischen keine dümmere Spezies auf Gottes Erden gibt, als die aktuelle deutschsprachige Politikergeneration (vielleicht noch diejenigen, die die immer wieder wählen, aber denen kann man die mit jedem Jahr mehr zu Tage tretende Bildungsmisere zu Gute halten). Jeder mit ein bisschen Grips kann sehen, dass die Themen und Ergebnisse, die aus der Blase “Politik” abgesondert (vor allem aus den linksfaschistischen Fraktionen) werden, mit der Realität, aber noch viel wichtiger mit der Lebenswirklichkeit, wie sie sich in 10, 20 Jahren darstellen wird, nichts zu tun haben, bzw. sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit negativ auswirken werden.

giesemann gerhard / 05.11.2020

Von der Bevölkerungszahl her gesehen müsste China 3 bis 4 Mal so viele Satelliten haben als wie die USA. Oder die Europäer. So wie im 19. Jhdt.  China die Nummer 1 war im Welthandel, der Weltproduktion, bis die Engländer sie um 200 Jahre zurück geworfen hatten, rückwirkend betrachtet, Stichwort Opiumkriege - so wird das wieder kommen. Was ist dabei so schlimm? Im Moment sind sie noch wenig innovativ, aber auch da holt China auf, steht ihnen auch zu, wenn sie es aus eigener Kraft schaffen. Abkupfern ist erlaubt, solange man dafür was bezahlt, Lizenzgebühren. Die Moslems werden es wohl nicht schaffen, so wie die drauf sind - obwohl sie ein paar hundert Millionen mehr sind als die Chinesen. Die Inder? Der Rest der Amerikas außer USA/Kanada? Afrika? Weiß nicht. Russland nicht ganz vergessen. Nichts bleibt, wie es ist, auch wenn wir noch so jammern, das müssen wir immer bedenken. Zu den Zuwanderern, die wir nicht brauchen können - so wenig wie China - singen wir, nach einer bekannten Melodie: Kommt her, Verdammte dieser Erde, versifft den Rest, der uns verblieb - auf dass es bald so siffig werde, wie dort, woher es euch vertrieb ... .

Lora Ispum / 05.11.2020

Herr Heinsohn, ich teile Ihre Einschätzung. Aber: Sie schreiben, dass Deutschland nicht zu den Ländern gehört, die Satelliten und Startraketen selber bauen. Laut Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrt (BDLI) werden Satelliten mindestens in Bremen und Ottobrunn gebaut. Der BDLI unterscheidet zwischen Bau und Zulieferung.

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