Sebastian Thormann, Gastautor / 03.06.2020 / 12:00 / Foto: Pixabay / 5 / Seite ausdrucken

China: Parteigenosse Konfuzius im Auslandseinsatz

Seit fast zwei Jahrzehnten ist China mit sogenannten Konfuzius-Instituten an Universitäten auf der ganzen Welt aktiv. Die Einrichtungen stehen seit längerer Zeit im Verdacht, der Ausbreitung des Einflusses des kommunistischen Regimes zu dienen.

Vor kurzem berichtete das Wall Street Journal nun über einen bemerkenswerten Vorfall an einer australischen Universität. Die Universität Queensland droht einem ihrer Studenten mit der Exmatrikulation und weiteren rechtlichen Schritten, wegen seines Protestes gegen das Konfuzius-Institut der Universität.

Er hatte unter anderem in einem Schutzanzug vor dem Institut demonstriert, wohl um auf den Umgang des Regimes mit dem Coronavirus-Ausbruch in Wuhan aufmerksam zu machen. Außerdem kritisierte er die menschenunwürdige Behandlung der chinesischen Minderheit der Uiguren in China.

Laut Universität gab es eine Beschwerde gegen seine Proteste und seine Kritik im Netz, die als “Diskriminierung, Belästigung oder Mobbing” wahrgenommen werden könne. Außerdem hatte er interne Dokumente zu seinem Disziplinarverfahren veröffentlicht, das er unfair und nicht rechtsstaatlichen Prinzipien folgend nannte und als „Känguru-Gericht“ bezeichnete.

Der Student klagt gleichzeitig auf Unterlassung gegen den chinesischen Generalkonsul, der ihn online attackiert hatte. Daraufhin habe er Morddrohungen von pro-chinesischen Unterstützern bekommen. Mehr als erstaunlich ist auch, dass genau dieser Generalkonsul selbst außerordentlicher Professor am Konfuzius-Institut der Universität ist. Eine Tatsache, die für Diplomaten höchst ungewöhnlich ist.

Es wird kritisiert, dass China versucht, durch das Konfuzius-Institut auch Einfluss auf die Lehre zu nehmen, u.a. durch finanzielle Abhängigkeiten. Die Universität Queensland erhält nämlich inzwischen mehr Studiengebühren von ausländischen Studenten als von inländischen. Für 2020 hat die Universität außerdem erwartet, dass mehr als 60% dieser ausländischen Studenten aus China kommen.

Konfuzius-Institute gibt es natürlich nicht nur in Australien. Sie sind an Universitäten rund um den Globus, und sie können oft als Einfallstor für chinesischen Einfluss dienen. In den USA etwa wurden aufgrund der Gefahren für die Akademische Freiheit dadurch, alleine in den letzten zwei Jahren, fast 20 dieser Institute geschlossen. Die Sicherheitsbehörden nehmen die bestehenden Institute außerdem genauer unter die Lupe. Darüber sollte man vielleicht auch hierzulande mal nachdenken. Die Gefahr durch das chinesische Regime sollte nicht unterschätzt werden.

Auch an deutschen Unis wächst das Misstrauen gegen die 19 hierzulande von China installierten Konfuzius-Institute.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf dem Jugend-Blog Apollo News. 

Foto: Pixabay

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Leserpost

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F. Hoffmann / 03.06.2020

Einfach mal den Film „Der tausendköpfige Drache“ von ARTE (2017) auf YouTube anschauen. Vor den Konfuzius-Instituten warnt der kanadische Geheimdienst schon seit 2007. In Kanada wurden bereits die meisten Konfuzius-Institute geschlossen. In Kanada leben viele Chinesen, die vor dem KP-Regime geflohen sind. Die merkten schnell was da läuft.

Robert Krischik / 03.06.2020

Geld regiert die Welt. Und das kommt mehr und mehr aus China.

Jochen Becker / 03.06.2020

“Die Gefahr durch das chinesische Regime sollte nicht unterschätzt werden.” Mit solchen diffusen Warnungen wird die in Mode gekommene Sinophobie gefördert. Worin besteht denn diese Gefahr? Soll sie nur von einheimischen Tendenzen zum Totalitarismus und Überwachungs- und Nanny Staat ablenken? Die “Gelbe Gefahr” läßt sich nur im geopolitischen Rahmen beurteilen. Das angloamerikanische Imperium sieht seine globale Dominanz schwinden und benutzt alle Mittel den wachsenden chinesischen Einfluß zu dämonisieren. Die Erzeugung von Angst ist dabei ein erprobtes Mittel. Die realen Gefahren gehen eher vom aggressiven kriegerischen Weltpolizisten aus, als von kooperativen Handelsbestrebungen der Chinesen. Die Bestrebungen ihren kulturellen und ideologischen Einfluß zu vergrößern sind verständlich aus der Perspektive eines bedeutenden globalen Players. Die Aktivitäten der Konfuzius-Institute sind winzig im Vergleich zum amerikanischen Kulturimperialismus mit Amerikahäusern, Nachrichtensendern, Think Tanks und Hollywood. Nicht zuletzt sind die Lehren des Konfuzius, die das chinesische Denken immer noch bestimmen eine friedlichere und kooperativere Geisteshaltung als der puritanisch geprägte Exceptionalismus in God`s Own Country.

Hjalmar Kreutzer / 03.06.2020

„Devisen“, also Geld in Dollar, D-Mark usw. waren im Sozialismus immer Mangelware. Warum gibt die chinesische Partei- und Staatsführung wohl so viele Devisen in der westlichen Welt für die Studienplätze von chinesischen Beststudenten aus? Wissens-, Technologie und Ideologietransfer aus China in den Westen oder doch immer noch Wissens- und Technologietransfer aus dem Westen nach China? Wenn Abhängigkeiten bestehen, dann doch wohl auf Gegenseitigkeit? Wie konnte es andererseits dann dahin kommen, dass eine australische Universität in derart hohem Maße finanziell von chinesischen „Drittmitteln“ abhängig ist, dass die Universitätsleitung schxxende Angst davor hat, den Genossen Professor Generalkonsul zu verärgern? Wieso zieht die Stadtverwaltung von Trier den Schwanz ein, wenn die Chinesen dort ein Marx-Denkmal hinklotzen; wieso zieht die Regierung Merkel den Schwanz vor der chinesischen Führung ein? Sind diese Dinge nicht in erster Linie im Westen hausgemacht? In funktionierenden Demokratien muss es möglich sein, sich mit unserer Lebensweise und kapitalistischen Wirtschaftsweise ebenso argumentativ und auch mittels friedlicher Proteste auseinanderzusetzen, wie mit der kommunistischen Ideologie und den politischen Zuständen in China. Der Student ist für seine politische Meinungsäußerung eher durch die Universitätsleitung in Schutz zu nehmen, und dem Herrn Generalkonsul klarzumachen, dass es in Australien sehr wohl toleriert wird, für den Sozialismus zu werben, im Gegenzug in China leider nicht toleriert wird, für westliche Demokratie zu werben. Nebenbei bemerkt fände ich konservativer alter Knochen es aber hilfreich, würde der Studiosus studieren und etwas lernen, statt im Schutzanzug herum zu hampeln, es sei denn, er studiert Politgedöns. Dann zählte die Demo als Praktikum ;-)

Alex Micham / 03.06.2020

‘Einfallstor für chinesischen Einfluss’. Das ist etwas leichthin geschrieben. Den Einfluss haben sie längst, und sie haben dafür kein Konfuzius-Institut benötigt, nur gute Angebote in Produktion und Handel.

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