Kein Land hat so viel ausländische Minen und Raffinerien für Seltene Erden übernommen wie China, obwohl das Land selbst über große Vorkommen verfügt. Der Westen läuft Gefahr, die Zukunft zu verschlafen.
China hat seine Führungsposition beim Zugang zu kritischen Rohstoffen erheblich ausgebaut und den Abstand zu Europa und den USA vergrößert. Laut einer Analyse des Handelsblatts hat kein anderes Land in den letzten zehn Jahren so viele Minen und Raffinerien für kritische Rohstoffe übernommen wie China. Insgesamt gab es 95 Übernahmen durch chinesische Firmen im kritischen Rohstoffsektor außerhalb Chinas. Das sind deutlich mehr als die 59 Übernahmen der USA und die 45 der EU.
Die Analyse, basierend auf Daten von LSEG für den Zeitraum 2015 bis 2025, zeigt, dass Chinas Übernahmen signifikant sind. Experten warnen, dass die EU und Deutschland in Entschlossenheit und Umsetzung hinterherhinken. In einem globalen Wettbewerb um Rohstoffprojekte seien die Europäer zu zögerlich. Die Internationale Energieagentur berichte, dass China bei einigen Mineralien wie seltenen Erden, Grafit und Kobalt eine marktbeherrschende Stellung hat. In China selbst befindet sich etwa die Hälfte solcher seltenen Erden, durch die Übernahmen im Ausland werde die Vormachtstellung weiter zu einem Quasi-Monopol ausgebaut.
Allerdings werden auch neue Vorkommen außerhalb des chinesischen Einflussbereiches entdeckt, um die dann sofort ein Rennen einsetzt. Brasilien bietet das Potential als neues Explorationsgebiet und zukünftiger Lieferant für Seltene Erden, berichtet sachwert-magazin.de. Auch sind die Förderkosten hier um einiges geringer als in kalten Gebieten wie Grönland, Schweden und Kanada, die ebenfalls über Vorkommen verfügen und zum Westen gehören. Brasilien hingegen ist kein automatischer Partner des Westens. Im Gegenteil, die sozialistische Regierung von Luis Ignacio da Silva ist der Trump-Regierung gegenüber feindlich gesonnen (und umgekehrt) und ist durch BRICS ein Partner Chinas. Die einseitige Parteinahme der EU für da Silva und gegen seinen pro-westlichen Konkurrenten Jair Bolsonaro war aus geostrategischer Sicht eine Dummheit.
Während China eine Art Neo-Kolonialismus durchführt, durchaus ähnlich mit dem britischen Imperialismus des späten 19. Jahrhunderts, konzentrieren sich westliche Staaten weiterhin vor allem auf einseitige Entwicklungsprojekte des Gebens statt Nehmens, die allein humanitären und Umweltschutzzielen dienen sollen. So edel und gut dies scheinen mag, fördert es letztendlich weiter die Abhängigkeit von China und den Ausbau des chinesischen Einflusses im globalen Süden.
Seltene Erden, die eigentlich Metalle sind, sind unverzichtbar für moderne Technologien und die Industrie, da sie einzigartige magnetische, optische und katalytische Eigenschaften haben. Sie werden in vielen Alltagsprodukten und Zukunftstechnologien eingesetzt, etwa für Elektromotoren, Windturbinen, Smartphones, Computer, Bildschirme, Batterien für Hybridautos, Katalysatoren und Drohnen. Sie sind nicht wirklich so selten, aber sehr kostspielig in der Förderung und Aufbereitung.
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