Von Katharina Lotter
Sixt ist bekannt für provokante, überraschende Werbung. Folgerichtig mischten sich kürzlich ein paar Aktivisten mit einem großen Transparent unter die vielen Castor-Demonstranten im Wendland, um mit dem Slogan “Stoppt teure Transporte! Mietet Van&Truck von Sixt!” die Anmietung von Lastern zu bewerben.
Gemein! Unethisch! Armselig! Unzählige Schreiber auf Twitter, in Foren, Blogs und sonstwo fühlen sich missbraucht, weil sie die Botschaft von Sixt in ihrer Empörung ohne Nachzudenken weitergetragen haben. Schön blöd. Was die Hamburger Werbeagentur Jung von Matt da getan habe, so einer der Empörten, sei “ein Missbrauch der Demonstrationsfreiheit”. Und der Mundpropaganda-Experte Martin Oetting, der mit seinem Unternehmen “trnd” nichts anderes tut, als Hausfrauen und Studenten mehr oder weniger kostenlos für die Verkündung von Werbebeotschaften einzuspannen (aktuell im Angebot: 3 Flaschen Shampoo erhalten, eine behalten, zwei weitere an “Freunde” verschenken und die im Gegenzug einen Umfragebogen ausfüllen lassen) erkannte sogar einen Fall von “Schmarotzertum”.
Ach was. Hier ärgern sich nur Leute, die gerne die ganze Aufmerksamkeit für sich alleine hätten. Denen selbst nichts Überraschendes einfällt. Die ein Recht darauf haben, die wichtigste Währung im Informationszeitalter für sich zu beanspruchen. Weil sie zu den “Guten” gehören. Und das muss genügen. Meinungsfreiheit heißt aber, dass Sixt darf, was auch Anti-Castor-Demonstranten dürfen. Meinungsfreiheit bedeutet, dass jeder um Aufmerksamkeit für seine Sache buhlen darf. Egal, ob man mehr Mietverträge abschließen oder mehr Spendenquittungen ausstellen will.