Carpenters: 50 Jahre „A Song For You“

Ich glaube, das Besondere an Karen Carpenters Stimme ist, dass sie völlig natürlich und unverstellt klingt. Dieses liebenswerte Bodenständige, das so viele Menschen anspricht und tief im Inneren berührt! Das tut es bei mir gleich beim ersten Stück „A Song for You“.

Kann man sich in eine Stimme verlieben? Nun, es ist mir durchaus schon ein paarmal passiert, dass ich am anderen Ende der Telefonleitung (sagt man noch so?) eine Person hatte, deren Stimme mir so sympathisch war, dass ich richtiggehend Lust verspürte, sie kennenlernen zu wollen. Zumindest hätte mich interessiert, wie sie aussieht und ob ihr Äußeres irgendwie zu ihrer Stimme passt. Auch im Freundes- und Bekanntenkreis war ich schon ein ums andere Mal verblüfft, wie manche Stimme erst am Telefon so richtig zur Geltung kommt. Nicht umsonst sagt man ja auch, dass jemand eine schöne Telefonstimme hat. In noch viel höherem Maße gilt das natürlich auch für die Musik: Die Stimme des Sängers oder der Sängerin ist – zumindest für mich – immens wichtig. Die Musik kann noch so gut sein, aber wenn mir die Stimme nicht gefällt, ist alles hin. Der große Ennio Morricone sagte einmal, dass das bemerkenswerteste Instrument von allen die menschliche Stimme sei. Instrumentale Darbietungen können natürlich etwas Wunderbares sein; und ein tolles Solo kann sicherlich auch begeistern. Aber was wirklich unter die Haut geht und das Herz berührt, ist die Stimme. Mit ihr lassen sich Emotionen am direktesten transportieren – manchmal sogar ohne die Absicht des Singenden.

Denn das, was der Hörer beim Hören fühlt, sind letztlich seine eigenen emotionalen Reaktionen und Projektionen, die durch das Gehörte bloß angeregt wurden. Nachdem der junge Elvis von der Bühne gegangen war und ihm ein hysterisch aufgebrachtes Publikum hinterher kreischte, fragte er den Colonel, seinen Manager: „Was habe ich denn gemacht?“ Darauf der Colonel: „Völlig egal. Geh raus und mach's nochmal!“ Natürlich war da noch das visuelle Moment, die leibhaftige Erscheinung. Aber viele Elvis-Fans berichteten, dass sie zuvor noch nie jemanden so singen gehört hätten. So bezog sich auch John Lennons berühmter Ausspruch „Before Elvis there was nothing!“ primär auf Elvis' Gesang, den er als Sechzehnjähriger zum ersten Mal gehört hatte, und der ihn – wie viele andere seiner Generation – tiefer berührt hat als alles, was ihm je zuvor zu Ohren gekommen war.

Beatlemania

Auch das Überschwappen der Beatlemania in die Vereinigten Staaten vollzog sich vorwiegend akustisch über den Song „I Want to Hold Your Hand“ und die Stimmen der Beatles – selbstredend eingebettet in das ganze Image der Pilzköpfe. Was sich da aber genau abspielt, ist ein Mysterium, das wahrscheinlich niemals in Gänze aufgeklärt werden kann. Die Magie der Musik: Dem einen zaubert sie eine Gänsehaut, den anderen lässt sie kalt. Festhalten kann man auf jeden Fall, dass die menschliche Stimme zugleich ein Transportmedium wie auch eine Projektionsfläche für die tiefsten menschlichen Gefühle und Sehnsüchte ist.

Über die Stimme von Karen Carpenter wurde schon viel gesagt und geschrieben (siehe auch hier). Sie wird von Fans und Musikkritikern gleichermaßen als etwas ganz Außergewöhnliches beschrieben. Dies mag sich etwa an ihrer Interpretation des Webber/Rice-Klassikers „Don't Cry for Me Argentina“ vom 1977er Carpenters-Album „Passage“ demonstrieren lassen, gegenüber der alle anderen Versionen geradezu verblassen. Selbst Sir Paul McCartney bescheinigte ihr, über die beste Frauenstimme der Welt zu verfügen.

Ich glaube, das Besondere an Karens Stimme ist, dass sie völlig natürlich und unverstellt klingt. Man hat den Eindruck, sie singt ganz einfach heraus; völlig unangestrengt und ohne groß darüber nachzudenken. Geradewegs so, als würde sie einen direkt ansprechen und ihm gut zureden. Es gibt bei ihr keine lauten, hohen Töne oder irgendwelche Protzereien, mit denen sie ihre gesanglichen Fähigkeiten vorführen möchte. Sie singt völlig unprätentiös und unpathetisch – regelrecht bescheiden. Eine technische Analyse ihres Gesangs hat ergeben, dass sie ihr ohnehin moderat eingesetztes Vibrato stärker tonal abwärts modulieren lässt. Vielleicht ist es das, was ihrer Stimme dieses Geerdete verleiht, das irgendwie nach unten zu zeigen scheint; dieses liebenswerte Bodenständige, das so viele Menschen anspricht und tief im Inneren berührt. Das tut es bei mir gleich beim ersten Stück „A Song for You“ des gleichnamigen Carpenters-Album, das im Juni 1972 erschien.

Vielleicht das stärkste Album der Carpenters

In Anbetracht von Karens frühem Tod mit 32 Jahren – sie war die erste prominente Magersucht-Tote – macht mir die Zeile „And when my life is over remember when we were together. We were alone and I was singing this song for you.“ immer noch regelmäßig einen Kloß im Hals. Obwohl sie den Song gar nicht selbst geschrieben hat – das Original stammt von Leon Russels 1970er-Debüt und wird von ihm in seiner ganz eigentümlichen, förmlich selbstironischen Art dargeboten – singt sie ihn so, als sei es ihr eigener und als ob sie wirklich alles genau so meint, wie sie es sagt. Das trifft wahrlich auf ganz viele Songs der Carpenters zu, die Karen von den jeweiligen Komponisten – bewusst oder unbewusst – buchstäblich auf den Leib geschrieben bekommen hat. Wie etwa das todtraurige „Goodbye to Love“, das biographisch mit ihrem notorischen Pech in der Liebe in Verbindung gebracht werden kann und wo es heißt:

l'll say goodbye to love.

No one ever cared if I should live or die.

Time and time again the chance for love has passed me by.

And all I know of love is how to live without it.

I just can't seem to find it.

So I've made my mind up I must live my life alone.“

 

(„Ich verabschiede mich von der Liebe.

Niemanden hat es je interessiert, ob ich lebe oder sterbe.

Ein aufs andere Mal ist die Liebe an mir vorbeigegangen.

Und alles was ich über Liebe weiß, ist, wie man ohne sie lebt.

Ich kann sie einfach nicht finden.

Also, habe ich mich damit abgefunden, allein leben zu müssen.“)

Melancholie und Lebensfreude

Vielleicht muss man den Text zusammen mit der Musik hören, um die tiefschwarze Melancholie, die darin liegt, nachempfinden zu können. Die Musik zu dem Stück, das nebenbei erwähnt mit einem unerwartet rockigen Gitarrensolo überrascht, stammt aus der Feder von Karens Bruder Richard, während der Text von einem gewissen John Bettis geschrieben wurde. Den kannten die beiden Geschwister schon seit Mitte der Sechzigerjahre aus ihrer Zeit in der Band Spectrum. Von daher besaß Bettis vielleicht wirklich profunde Einblicke in Karens Privatleben. Außerdem schrieb er auch noch die Texte für weitere Stücke der Carpenters; darunter einige ihrer größten Hits, wie „Only Yesterday“, „Yesterday Once More“ und „Top of the World“, der auch auf „A Song for You“ enthalten ist. Dieser ist wiederum ein Beispiel dafür, welche Lebensfreude Karen auch in der Lage war auszustrahlen. Demgegenüber steht Bettis Text für „I Need to Be in Love“ vom 1976er-Album „A Kind of Hush“ wieder für Karens dunkle Seite und thematisiert, genauso wie „Goodbye to Love“, die ganze Hoffnungslosigkeit, Enttäuschung und Düsternis, die die junge Frau immer wieder befallen hat und die letztlich den Ausschlag für ihre Erkrankung und ihren frühen Tod gab. In späteren Jahren konnte Bettis seine Karriere als Texter noch weiter ausbauen und schrieb Songtexte für Megastars wie Michael Jackson, Madonna, Diana Ross oder Whitney Houston.

„A Song for You“ ist das vierte Studioalbum der Carpenters – und vielleicht ihr stärkstes. Jedenfalls sollten sie diese Qualität mit keinem der nachfolgenden Alben mehr erreichen (allenfalls noch in vereinzelten Stücken). Daran haben neben der bereits erwähnten Ballade „Goodbye to Love“ sowie dem Opener und Titelsong – in dem eines der schönsten Saxophon-Solos vorkommt, die ich kenne – weitere Highlights wie „Hurting Each Other“ und die Carole King-Komposition „It's Going to Take Some Time“ ihren Anteil, die allesamt auf der ersten Plattenseite versammelt sind. Auf der zweiten demonstrieren die beiden talentierten Geschwister dann eindrucksvoll, dass sie ursprünglich vom Jazz kommen, als dort immer wieder angejazzte Passagen vorkommen, die „A Song for You“ zum – wenn man so sagen kann – jazzigsten Album der Carpenters machen. Und in dem Instrumentalstück „Flat Baroque“ stellen sie unter Beweis, dass Klassik und Jazz keine Gegensätze sein müssen, wenn sich Richard am Klavier in schwindelerregend schnellen klassischen Etüden übt und Karen dazu am Schlagzeug die Jazzbesen tanzen lässt.

Kann man sich in eine Stimme verlieben? Ja!

Perfekt abgerundet wird die B-Seite durch die verträumte Chamber-Pop-Ballade „Crystal Lullaby“, die aus einer weiteren Kollaboration von Richard Carpenter und John Bettis hervorgegangen ist – und die Beach-Boys-Mastermind Brian Wilson wohl nicht besser hinbekommen hätte – sowie einem weiteren Carpenters-Klassiker namens “I Won't Last a Day Without You“. Dieser Song war einer von sechs Albumtracks, die auch als Single veröffentlicht wurden und sich auf den vordersten Rängen der nordamerikanischen Hitlisten platzieren konnten. Damit ist „A Song for You“ das Carpenters-Album mit den meisten Singleauskoppelungen, von denen „Top of the World“ die erfolgreichste war. Interessanterweise erkannte zunächst keiner von ihnen und ihrem Umfeld das Hitpotenzial dieses Songs, sodass er erst im Herbst 1973 als Single herausgebracht wurde, nachdem die Country-Sängerin Lynn Anderson mit ihrer Coverversion einen Hit gelandet hatte. „Top of the World“ gilt heute als die erfolgreichste Eigenkomposition der Carpenters. Nur mit ihrer Adaption des Motown-Klassikers „Please Mr. Postman“ von 1974, der gut zehn Jahre zuvor durch die unerreichte Coverversion der Beatles weltbekannt wurde, und ihrer Fassung der Bacharach-David-Komposition „Close to You“ aus dem Jahr 1970 gelangen ihnen noch mehr Nummer-1-Platzierungen.

Um nun wieder auf die eingangs aufgeworfene Frage zurückzukommen, ob man sich tatsächlich in eine Stimme verlieben könne. Nach allem Sinnieren darüber und in Anbetracht dessen, was nicht zuletzt die Musik der Carpenters, die ja maßgeblich von Karens Gesang geprägt ist, für mich bedeutet, gelange ich zu dem Ergebnis: Ja, man kann. Liebe und Zuneigung sind ja immer etwas höchst Subjektives, das sich einem rationalen Zugriff weitgehend entzieht. Was mich betrifft, so habe ich mich, als ich Karen Carpenter das erste Mal singen gehört habe – ich muss neun oder zehn Jahre alt gewesen sein –, unsterblich in ihre Stimme verliebt. Mehr als jede andere Frauenstimme bringt sie etwas in mir zum Schwingen, das mich mit seligem Wohlsein und zugleich tiefer Ergriffenheit erfüllt. Mir fehlen die Worte, um es besser beschreiben zu können – vielleicht auch, weil bei solchen Dingen wie der Musik die Sprache an ihre Grenzen stößt. „Musik sagt das Unsagbare.“, hatte Friedrich Smetana einst notiert. Demgemäß heißt es im Refrain von „A Song for You“: „And if my words don't come together listen to the melody 'cause my love is in there hiding.“ („Und wenn meine Worte versagen, hör auf die Melodie, denn darin verbirgt sich meine Liebe.“) Was sich aber durchaus in Worte fassen lässt und was ich an dieser Stelle keinesfalls versäumen möchte, ist, meiner ergebensten Dankbarkeit und Hochachtung gegenüber Édouard-Léon Scott de Martinville, Thomas Alva Edison und Emile Berliner Ausdruck zu verleihen, die die Grundlagen dafür geschaffen haben, dass ich Karen Carpenters wundervolle Stimme auch jetzt noch und jederzeit hören, genießen und lieben kann. Hoch lebe die Phonographie!

P.S. Eine mit Karen Carpenter vielleicht vergleichbare Sängerin ist die Britin Sarah Joyce, die 2010 unter dem Künstlernamen Rumer mit ihrem Debüt „Seasons of My Soul“ in Erscheinung trat. Seitdem hat sie in mehr oder minder regelmäßigen Abständen weitere Alben und EPs veröffentlicht. Leider hat sie keinen so begabten großen Bruder im Rücken, weshalb ihre Alben nicht die musikalische Vielfalt und Qualität eines guten Carpenters-Albums besitzen. Dennoch sehr empfehlenswerte Anspieltipps sind „Am I Forgiven?“ von ihrem Erstling oder ihre Interpretationen von Jimmy Webbs „P.F. Sloan“ und Townes Van Zandts „Flyin' Shoes“ von ihrem zweiten Album „Boys Don't Cry“ aus dem Jahr 2012 sowie ihre Coverversion von „Walk On By“ vom 2016er-Album „This Girl's in Love“, das ausschließlich Kompositionen von Burt Bacharach und Hal David enthält.

 

YouTube-Link zum bezaubernden Opener und Titelstück „A Song for You“

YouTube-Link zum tieftraurigen „Goodbye to Love“ mit vielen Bildern aus der Karriere des wohl talentiertesten Geschwisterpaars der Popmusik

YouTube-Link zu „Top of the World“ von einem Fernsehauftritt der Carpenters aus dem Jahr 1981, mit einer sichtlich abgemagerten Karen Carpenter, zwei Jahre vor ihrem Tod am 4. Februar 1983

Foto: M Records/ Billboard via Wikimedia Commons

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netiquette:

Anna Hegewald / 05.06.2022

Richtig, in eine Stimme kann man sich verlieben. Die Stimme von Karen Carperter war - leider war - einzigartig, und hat einen ganz besonderen, schönen, weichen Klang. DANKE, dass wir sie noch immer hören können.

b. stein / 05.06.2022

@Frank Mora. Sie schreiben “der Sound einer ganzen Generation Westler”. Diese Musik ist der Sound einer ganzen Generation, Ost GENAUSO wie West. Der Vorteil den Sie als Wessi hatten war natürlich, dass Sie die Konzerte besuchen konnten und wir nich. Aber sonst? Wer nicht grad in den Tälern der Ahnungslosen lebte, wie die Sachsen und zum Teil auch die Mecklenburger, der hatte den Soldatensender, Radio Luxemburg, RIAS, und im TV den Beat-Club und später Disco mit Ilja Richter und und und

Heike Olmes / 05.06.2022

Was für ein schöner Artikel. Mich würde interessieren, ob die wunderbare Stimme von Karen nur Talent war, oder auch geschult. Mir ist Alexandras Stimme auch unter die Haut gegangen, sie war zwar niemals in Russland, hat aber die Stimmung getroffen .Auch viel zu frûh verstorben.

Gisel Schinnnerer / 05.06.2022

Danke … : )

Joerg Machan / 05.06.2022

Ihre Artikel sind immer wieder ein Genuss ... Danke! Und da Sie gerade Rumer erwähnten, Ihre Version von Hugh Prestwood’s Ghost in This House ist ebenfalls sehr hörenswert. Auf Nashville Tears von 2020.

Sabine Heinrich / 05.06.2022

Vielen Dank für die Hommage an die Carpenters, lieber Herr Scheuerlein. Nun - ihre Musik war nicht meine - aber das Schicksal von Karen hat mich sehr berührt, zumal ich vor etlichen Jahren einige schwerst an Magersucht Erkrankte kennengelernt hatte - Patienten in einer Klinik. Es tat weh, diese jungen, zu Skeletten abgemagerten Menschen - überwiegend Mädchen und junge Frauen - zu sehen, die oft schon wiederholte Klinikaufenthalte hinter sich hatten. Da die Todesrate bei Magersüchtigen sehr hoch ist, dürften einige dieser meist sehr sympathischen, intelligenten Menschen schon längst nicht mehr am Leben sein. Traurig.

Frank Mora / 05.06.2022

Carpenters, Bee Gees, Abba, Glen Campbell (Live in Sioux Falls), aber auch Wave (A.C. Jobim) oder Bert Kaempfert (Live in the Albert Hall) sind der Sound einer ganzen Generation Westler. Einfach mal wieder reinhören. Alles wird gut.

Gerald Weinbehr / 05.06.2022

Schöner Artikel. Zu meiner Schulzeit in den 70ern waren die Carpenters im Radio allgegenwärtig, aber natürlich unter Jugendlichen total uncool. Trotzdem hat man schon damals mitgesummt oder gar mitgesungen, wenn man sich unbelauscht fühlte (ähnlich wie bei ABBA). Mein Vater hatte es nicht mit Popmusik, einige Sachen mochte er aber doch. So habe ich ihm zu irgendeinem Geburtstag eine “Greatest Hits”-CD der Carpenters geschenkt. Als wir Kinder nach dem Tod meiner Eltern den Haushalt auflösten, habe ich die CD adoptiert. Wegwerfen kam nicht in Frage! Es ist nicht meine Lieblings-CD, aber ich höre sie ausgesprochen gerne. Am Sonntagmorgen beim Frühstück - wunderbar! Als vor einigen Monaten zwei meiner Geschwister bei mir zu Gast waren, habe ich die Scheibe eingelegt. Ist gut angekommen, denn natürlich kennen die Kinder jener Zeit die Lieder. Und können mitsummen oder gar mitsingen. Das sind teilweise echte Klassiker.

Wolfgang Schüler / 05.06.2022

PS. Ihre Artikel sind für mich mit ihrer warmen, liebevollen Schreibweise und großem Fachwissen immer ein Grund zur Freude. Dafür vielen Dank. Und ich würde würde wirklich gerne für Sie und die Achse spenden, aber seit Corona bin ich völlig verarmt und verschuldet mein Pech war, daß ich den Beruf des Musikers erlernt habe. Mein Schrotthandy hier und irgendein offenes Wlan beim Discounter oder in Ausnahmen auch mal eine 5 € Prepaid-Karte sind meine letzten verbliebenen Mittel, noch irgendwie mit der Welt in Kontakt zu bleiben. Und es wird alles immer noch schlimmer und aussichtsloser

Wolfgang Schüler / 05.06.2022

Auch von mir ein klares JA. Ihr wunderbarerer Artikel hat mich emotional tief angesprochen. Als Jahrgang 64 hörte auch ich in Kindertagen die Songs der Carpenters und es ist bestimmt etwas verklärt, aber ich verbinde damit endlose Sommertage und ungetrübte Lebensfreude. Wenn ich das mit heute vergleiche, bricht es mir fast das Herz vor Kummer. Und noch etwas: ich habe eine ganze Reihe geliebter Mensch verloren, die keine 35 , ja nicht einmal 30 wurden. Das war jedesmal ein schwerer Schlag und im Grunde vermisse ich heute noch jeden. Aber seit wenigen Jahren bemerke ich immer häufiger Gedankengänge in mir ” seid froh, ihr habt die beste Zeit erwischt - seitdem geht’s sowieso nur noch bergab. Und falls ihr mal traurig seid, weil ihr nicht mehr hier sein könnt, macht einfach mal einen kurzen Ausflug hierher und ihr werdet euch sofort wieder dankbar schlafen legen oder was immer sonst da so geboten ist.” Aber noch einmal zur Musik. Durch die schönsten Songs in Pop und Jazz der 70er bis fast heute zieht sich besonders ein Name wie ein roter Faden: Burt Bacharach. Für mich zusammen mit Ennio Morricone und Rogers &Heart; das Beste was der Musik passieren konnte in Sachen Komponisten. Und auch wenn die beiden nicht direkt vergleichbar sind - so möchte ich unbedingt noch Frank Sinatra erwähnen. Auch er konnte mich in wenigen Sekunden zum Glücklichsein oder zum Weinen bringen. Dass auch da was dran war, belegen u.a. die Äußerungen solcher Jazz-Ikonen wie Miles Davis “... Sinatra war in Sachen Expressivität ein Genie und mein ganz großes Vorbild dafür…”. Viele Grüße.

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