Markus Söder versuchte sich neulich in Würsteldiplomatie mit einer einfachen Bratwurst mit Senf und Schwarzbrot. Da geht allerdings noch mehr.
Es gibt gute Diplomatie (Genscher) und feministische Diplomatie (Baerbock), Holzhammerdiplomatie (Trump) und verschiedene Formen kulinarischer Diplomatie: Saumagen-Diplomatie (Kohl), Fischbrötchendiplomatie (Scholz) und Würsteldiplomatie. Als Erfinder der letztgenannten Spielart zwischenstaatlicher Kommunikation gilt der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Markus Söder. Letzten Dezember war er in Prag und verspeiste mit Tschechiens Ministerpräsident Petr Fiala eine Bratwurst auf dem Weihnachtsmarkt. Eine Woche zuvor hatte er in Warschau zusammen mit Polens Regierungschef Donald Tusk eine nicht näher bezeichnete Wurst an der Stadtmauer genossen.
Letzte Station von Söders kulinarisch-diplomatischer Tour de force durch Mittelosteuropa war Wien, wo er sich mit dem österreichischen Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) auf eine Bratwurst an einer Würstelbude unweit des Stephansdoms traf, genauer gesagt am Standl „Zum goldenen Würstl“ am „Graben“, einer schicken Einkaufsmeile. Sehr viele Worte seien dabei zwar nicht gewechselt worden, wusste der „Münchner Merkur“, doch immerhin hätten sich die beiden Staatenlenker gleich mit „Du“ angeredet und, so „Bild“, von „gemeinsamen Übereinstimmungen“ geschwärmt.
Vielleicht hat Stocker dabei Söder wurstmümmelnderweise erklärt, dass Österreich ein neutrales Land ist und somit auch nicht aus der Nato austreten kann, ein Ansinnen, dass der bayerische Ministerpräsident in einem Interview der FPÖ unterstellt hatte. Die Replik von FPÖ-Chef Herbert Kickl folgte postwendend: „CSU-Ministerpräsident Söder behauptet ernsthaft, dass die FPÖ fordern würde, dass Österreich aus der Nato austreten sollte. Kann vielleicht jemand Herrn Söder mitteilen, dass Österreich gar kein Nato-Mitglied ist? Lebt Herr Söder in einem Parallel-Universum oder verbreitet ÖVP-Stocker Fake News?“
Der Lapsus erinnert in fataler Weise an die zahllosen Versprecher und Fehlleistungen der früheren grünen Außenministerin, die jetzt bei der UNO ihr Unwesen treibt. Warum quatschen die Leute eigentlich nicht von Sachen, von denen sie etwas verstehen? Von Bratwürsten zum Beispiel, wobei man Söder als waschechtem Franken unterstellen darf, dass er zu gefüllten Därmen, speziell zu „Drei im Weggla“, eine besondere Beziehung hat. Außerdem postet Söder regelmäßig in den sozialen Medien seine Lieblingsgerichte und hat sogar zusammen mit dem Sternekoch Alexander Herrmann ein Kochbuch herausgegeben.
Vielfalt der Wiener Würstelstandkultur
Welche Art von Wurst er am Stand „Zum goldenen Würstl“ an der Seite von Christian Stocker etwas unelegant zum Mund führte, geht aus den fotografischen Dokumenten nicht hervor. Man könnte an eine Käsekrainer denken, immerhin die meist gefragte Wurst in diesem bekannten Schnellimbiss, doch man will ja keine Fake News verbreiten. Also Nachfrage beim österreichischen Bundeskanzleramt am Ballhausplatz 2. Der Pressesprecher des österreichischen Regierungschefs, Peter Treml, reagiert umgehend: „Es war eine klassische Bratwurst mit scharfem Senf. Liebe Grüße aus Wien, Peter Treml.
Die schnelle Antwort ist ein Hinweis darauf, wie wichtig in Wien bzw. Österreich Wurstangelegenheiten genommen werden, wobei sich die Frage stellt, ob die „lieben Grüße aus Wien“ eine für den Sprecher eines Bundeskanzlers - wenn auch eines europäischen Kleinstaates - angemessene Grußformel darstellen. Doch wir wollen nicht kleinlich sein und die Wurst im Topf lassen. Das „Goldene Würstel“ teilte ergänzend mit: „Bei dem gemeinsamen Imbiss von Ministerpräsident Dr. Markus Söder und dem österreichischen Bundeskanzler Herrn Stocker handelte es sich um eine klassische weiße Wiener Bratwurst. Serviert wurde sie mit scharfem Senf und einer Scheibe Schwarzbrot.“
Wer sich ein wenig mit der österreichischen respektive Wiener Würstelstandkultur auskennt, muss nun leider konstatieren, dass eine einfache Bratwurst mit Senf und Schwarzbrot so ziemlich das langweiligste ist, was man sich angesichts der Vielfalt der überall in Wien offerierten Würstel-Spezialitäten vorstellen kann - von Burenwurst über Bosna, Debreziner, Laugen-Hot-Dogs und trendigen Biowürsten bis zur berühmt-berüchtigten Käsekrainer, die im Wiener Volksmund „Eitrige“ heißt, weil sie mit Käsestückchen versetzt ist, der beim Abbeißen etwas unappetitlich aus der Wurstmasse herauszuquellen pflegt.
„Vermutlich braucht es kumpelige Bilder wie diese, denn die realen Probleme sind noch viel schwerer verdaulich als eine Wiener Eitrige“, ätzt der „Merkur“. Zu diesen zählt der bayerisch-österreichische Dauerstreit um den Schwerlastverkehr auf der durch Tirol führenden, notorisch überlasteten Brenner-Route. Alle vierzehn Tage provozieren die Ösis hier einen Megastau auf deutscher Seite, weil sie Lkws nur gruppenweise durchlassen, angeblich aus Gründen des Schutzes der Bevölkerung des Inntales vor Lärm und Abgasen, eine Maßnahme, die dringend einer wurstdiplomatischen Lösung bedürfte.
Meine Wurst de préférence ist übrigens eine einfach „Frankfurter“, wie Wiener Würstel in Österreich heißen, nur in Wasser erhitzt und serviert mit süßem oder scharfem Senf und frisch geriebenem Kren (Meerrettich). Dazu besser eine frische Semmel als Schwarzbrot sowie ein kühles Dosenbier. Ein nachgerade feinsinniger Genuss, der auch gut als Pausenimbiss während einer Opernaufführung an der Wiener Staatsoper taugt. Zu einer mit reichlich Zwiebeln und Curry gewürzten Bosna würde ich Opernbesuchern nicht raten. Auch für die Würsteldiplomatie ist diese Spielart der österreichischen Wurstkultur denkbar ungeeignet.
Georg Etscheit schreibt auch für www.aufgegessen.info, den von ihm mit gegründeten gastrosophischen Blog für freien Genuss.

Am wiener Würstelstand ist das Eiterfingerl mit Kit und an 16er-Blech unübertroffen!
Dabei spielt es keine Rolle, dass es Besseres gibt.
Zum Würstelstand geht man nämlich nur, wenn nach der inzwischen leider extrem frühen Sperrstunde der höheren Gastronomie (21h) der Hunger bzw. Appetit unerträglich wird.
Jetzt weiß ich, warum in Europa so viel Hanswurste Politik machen.
Der Österreichische Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP): „Ich habe aber überhaupt kein Verständnis, wenn man gesund ist, keine Verpflichtungen hat und trotzdem Teilzeit arbeitet.“ Der Pensionsantrittsalter ist eben erhöht worden. Trinkgelder sollen besteuert werden. Die Sozialisten wollen Millionärssteuer, Erbschaftssteuer. Noch mehr Steuern, um die irre Politik zu finanzieren. ✦ Ich halte es unter den aktuellen Umständen für verantwortungslos Steuern zu zahlen!
Dem Maggus seine Doppel-Wumms …äääh … Doppelwurst ? Die „ Güldene “ ? Dann Wohl bekomms …
„Warum quatschen die Leute eigentlich nicht von Sachen, von denen sie etwas verstehen?“ Ich fürchte, weil sie von nichts etwas verstehen. Aber davon reichlich. Kleine Würstel eben.
Übrigens…in Berlin sagen wir nicht mehr „Curry rot/weiß mit Pommes“. Das heißt jetzt Filet im Darm auf Tomatenmousse an frittierten Kartoffelstangen! So lassen sich auch die 15,90 € dafür begründen…
@Walter Weima
Wie recht sie haben kann man auch am Finanzausgleich der Länder messen.
M.G.