Georg Etscheit / 30.12.2021 / 16:00 / Foto: Bildarchiv Pieterman / 17 / Seite ausdrucken

Cancel Cuisine: Über Gesundheitsgefahren beim Silvesteressen

Zum Jahreswechsel hält das RKI noch ein besonderes Highlight für uns bereit: eine Studie über die Gefahren des Raclette-Essens ... Halten Sie sich fest!

Nachdem uns der Corona-Maßnahmenstaat zum zweiten Mal in Folge das Silvesterfeuerwerk vermiest hat, droht nun auch das traditionelle Festmahl zum Jahreswechsel ein Opfer des allgemeinen Irrsinns zu werden. Zunächst ist man als Gastgeber angehalten, die Gäste vor Betreten der Wohnung nach ihrem aktuellen Impfstatus zu befragen und sich gegebenenfalls ein gültiges PCR-Testzertifikat vorlegen zu lassen. Dann sind die Geladenen mit 1,5 Metern Sicherheitsabstand am Tisch zu platzieren, was in kleineren Wohnungen zwangsläufig auf ein Dinner for two hinausläuft. Von der Einladung einer 90-jährigen Dame sollte man absehen. Für Hochbetagte ab 65 Jahren reicht es, wenn sie den Jahreswechsel allein vor dem Bildschirm verbringen.

Eigentlich würde man denken, dass das Robert Koch-Institut (RKI) für Volkshygiene, Quarantäneknast und Impfpropaganda zu Zeiten einer die Gesellschaft bedrohenden Pandemie Besseres zu tun hätte, als Tipps fürs Silvesteressen zu geben, wobei es im konkreten Fall nicht einmal um Corona geht, sondern um andere potenziell tödliche Gesundheitsgefahren, die einem drohen, wenn man auf die Idee kommt, liebe Verwandte und Freunde zu einem Fondue- oder Raclette-Abend einzuladen.

„Kontakt mit den Bakterien kann nicht immer ausgeschlossen werden.“

„Viel Käse, Fleisch oder vegetarische Varianten mit frischem Gemüse: Bei Raclette und Fondue kann nahezu jeder kombinieren und essen, was er gerne mag“, textete jüngst so flott und urdemokratisch, wie sie es auf der Journalistenschule gelernt hat, eine Schreiberin des Redaktionsnetzwerkes Ippen.Media. Die Gerichte seien in der Weihnachtszeit oder zu Silvester sehr beliebt, doch solle man sie „mit Vorsicht genießen“. Eine neue Studie des RKI nämlich habe ergeben, dass das Risiko für bestimmte Durchfallerkrankungen durch den Verzehr von Fleischfondue oder Raclette mit Fleisch gesteigert sei. „Vor allem Hühnerfleisch ist hier ausschlaggebend und stellt eine potenzielle Erkrankungsgefahr dar.“ Der Grund: Rohes Hühnerfleisch sei häufig mit sogenannten Campylobacter-Bakterien verunreinigt.

Nun werde das Fleisch bei Fondue und Raclette zu Weihnachten in der Regel nicht roh gegessen, heißt es zutreffend in dem Bericht, wobei ich mich frage, was Fleisch bei einem Raclette-Essen überhaupt zu suchen hat. Ich kenne als Beilagen zu geschmolzenem Raclette-Käse nur Pellkartoffeln und Mixed Pickles. Jedenfalls würden die Stücke „im Eifer des Feiertagsgefechts“, welch nette Formulierung, „auch mal mit den bloßen Fingern berührt oder mit derselben Gabel, mit der auch gegessen wird“. Außerdem stehe das Fleisch häufig offen auf dem Esstisch und könnte so mit anderen Lebensmitteln oder Getränken in Berührung kommen. „Kurzum: Kontakt mit den Bakterien kann nicht immer ausgeschlossen werden.“

Leben Sie weiter ungesund!

Das stimmt, Kontakt mit Bakterien und Viren kann im Verlaufe eines Menschenlebens und vor allem beim Essen nicht immer ausgeschlossen werden. Wenn man das versuchen würde, müsste man nicht nur auf Fondue oder Raclette verzichten, sondern aufs Leben überhaupt. Ich selbst würde übrigens ein herzhaftes Käsefondue immer einem Fleischfondue – egal ob à la bourguignonne (in Öl) oder à la chinoise (in Brühe) – vorziehen, das ich mehr für eine Kochshow und ein Geduldsspiel als ein Essen halte.

Dazu lässt man zu gleichen Teilen geriebenen Emmentaler und Gryerzer von der würzigen Provenienz mit einem nicht zu säurehaltigen Weißwein, die Schweizer nehmen traditionell den aus der Chasselas-Traube gekelterten Fendant, in einem mit Knoblauch ausgeriebenen, irdenen Gefäß (Caquelon) schmelzen, bindet die Masse mit etwas Speisestärke, die man zuvor in Kirschwasser aufgelöst hat. Noch ein Spritzer Zitronensaft, Muskat und schwarzen Pfeffer aus der Mühle dazu, fertig.

Die zähe Masse blubbert dann auf einem Rechaud (kein Stövchen mit Kerze!) vor sich hin, bis man sich in der gefräßigen Gruppe, bewaffnet mit zweizackigen Fonduegabeln (Feiertagsgefecht!), auf denen Weißbrotstücke aufgespießt sind, zum käseverkrusteten Boden vorgearbeitet hat, der für Kenner, obwohl ganz unten gelegen, den Gipfel des Genusses darstellt. Vorteil eines Käsefondues gegenüber einem Fleischfondue ist, dass man zuverlässig satt wird, der Nachteil, dass man womöglich eine durchwachte Nacht erleben muss, wobei das an Neujahr nicht so ins Gewicht fällt. Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker, diesmal mit Daniel Barenboim, kann man auch gut im leicht sedierten Zustand an sich vorbeirauschen lassen.

Ich weiß nicht, warum mir gerade Karl Lauterbach einfällt, aber ich glaube nicht, dass er schon einmal so unvorsichtig war, an einem Käse- oder Fleischfondue teilzunehmen. Wahrscheinlich würden ihm am laufenden Band die Brotwürfel oder Fleischbrocken in den Topf fallen, wo er dann umständlich und unappetitlich nach ihnen fischen würde. Bevor ich mich der Forderung anschlösse, ihn nach dem dritten verlorenen Brocken mit einem Betonklotz an den Füßen im Rhein zu versenken, möchte ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser meiner Kolumne, einen frohen Jahreswechsel wünschen, verbunden mit dem Versprechen, mich zeitnah im neuen Jahr noch einmal ausführlicher mit Herrn Lauterbachs seltsamen kulinarischen Vorlieben zu befassen.

Leben Sie weiter ungesund!

Foto: Bildarchiv Pieterman

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Leserpost

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Ludwig Luhmann / 30.12.2021

@Karla Kuhn / 30.12.2021 -  “Zumal die GEIMPFTEN immer mehr zu Superspreadern werden können?”—- Hallo Madame Kuhn, Sie haben mich wieder inspiriert und nun präsentiere ich Ihnen schnell das Ergebnis: Aus “Superspreader” wird die Variante “Supershedder”. Denn das Thema “shedding” ist noch ein Nebenthema, dem man neben ADE wenigstens ein bisschen mehr Aufmerksamkeit schenken könnte. - Viele Grüße und vielen Dank für all die mächtigen Kommentare und Anregungen ... Cheers;)

Markus tho Pesch / 30.12.2021

Stinkendes Käsefondue ist eklig. Es geht nichts über die Rinderfiletvariante.

Karla Kuhn / 30.12.2021

“Zunächst ist man als Gastgeber angehalten, die Gäste vor Betreten der Wohnung nach ihrem aktuellen Impfstatus zu befragen und sich gegebenenfalls ein gültiges PCR-Testzertifikat vorlegen zu lassen. Dann sind die Geladenen mit 1,5 Metern Sicherheitsabstand am Tisch zu platzieren, was in kleineren Wohnungen….....” Nee sowas,  wie irre ist das denn ?? Danke für den Lacher, ich krieg mich gar nicht mehr ein, es wird ja immer komischer. Langweilen die sich in ihren Kabuffeln ?? Zumal die GEIMPFTEN immer mehr zu Superspreadern werden können ? Da der   PCR Test offenbar jeden Schnupfen als Corona erkennt, ergo das ganze wahrscheinlich eine Posse ist ? Aber den Vogel schießen die mit ihrer absurden ESSENSBEVORMUNDUNG ab, denn nichts anderes ist diese alberne “Warnung.” „Kurzum: Kontakt mit den Bakterien kann nicht immer ausgeschlossen werden.“ Um GOTTES WILLEN, BAKTERIEN, eine neue SEUCHE ist im Anzug,  ich plädiere für EIN JAHR AUS-EINSPERRUNG !!  Was kommt als nächstes SCHEI..-VERBOT ?? Denn beim schei…. könnte man sich mit COLIBAKTERIEN verseuchen. Nebenbei, viele der älteren und alten GENERATION scheinen wesentlich immuner und auch stabiler zu sein, als so viele ADIPÖSE Jüngere, von denen viele an DIABETES leiden. Ein Arzt einer KLINIK, wo auch JUNGE Menschen mit DIABETES betreut werden, sagte mal sinngemäß (ich weiß leider den Namen der KLINIK nicht mehr, es war ein Fernsehbeitrag über adipöse Kinder und Jugendliche) “WENN es so weitergeht, daß immer mehr junge Menschen Diabetes bekommen, könnte das die Generation sein, die VOR IHREN ELTERN sterben könnte.” Toll ! Ich weiß nicht, warum mir gerade Karl Lauterbach einfällt, ....” Ich auch nicht aber ich vermute, schon wegen seinem “STEINBRUCH” wird er kaum teilnehmen können, denn kauen scheint der wohl nicht mehr zu können, darum nuschelt der auch so seltsam, vermutlich kredenzt der Typ sich selber Grießbrei. Aber VORSICHT, die Milch könnte BAKTERIENVERSEUCHT sein ! Danke für die herrliche SATIRE.

Matthias Venus / 30.12.2021

Immerhin hat Deutschlands oberster Impf-Taliban mit der maroden Knabberleiste nicht davor gewarnt, durch zuviel ungesunde Ernährung während der Festtage zum bevorzugten Beuteschema der bösen Viren zu werden, sowie die AA (anonymen Adipösen) aus der letzten Bundesregierung.

Nikolaus Szczepanski / 30.12.2021

Herr Etscheit, was Sie bezüglich Raclette anmerken ist absolut richtig: Käse, Kartoffeln und Mixed Pickles. Alles andere ist deutscher Quatsch. Ebenso gibt es auch nur eine Art Wiener Schnitzel. Statt Fendant, besser einen “Gutedel Kabinett” aus dem Markgräfler Land. Es handelt sich um die gleiche Traube mitsamt Bodenstruktur und Binnenklima, wie auch im Wallis. Der Unterschied liegt allein im Preis. Ersterer (übertragen auf Deutschland ein QbA) € 25,-, letzterer € 6,,50. Von den Keltermethoden zu Gunsten Deutschlands mal ganz abgesehen. (Schreibe ich hier in meiner Eigenschaft als Schweizer). In diesem Sinne ein gutes 2022!

Frank Mertes / 30.12.2021

Und ich dachte, es gäbe analog zum Feuerwerksverbot längst ein Raclette-Verbot zu Silvester. Welch eine Nachlässigkeit!

Ludwig Luhmann / 30.12.2021

@Sabine Schönfeld / 30.12.2021 - “Wahrscheinlich wird am Ende dieses Winters so ziemlich jeder in Deutschland geimpft, genesen oder gestorben sein”, sagte Spahn.—- On verra, wie der Franzos’ saht. ... Cheers, Madame Schönefelder;)

Dirk Jungnickel / 30.12.2021

Eigentlich ist der C - Oberterrorist (K.L.)  - jetzt im Quotenkabinett für die P(l)andemie ansässig - nicht einmal mehr satirekonvertibel. Im Internet kursiert ein Video, in dem irgendwo im - geographisch !!! - fernen China, C - Delinquenten in Schutzanzügen mit eigenen Fotos versehen durch die Straßen getrieben werden, wahrscheinlich in ein im Kommunismus bewährtes GULag - System. DANN NÄMLICH IST SPÄTESTENS SCHLUSS MIT SATIRE,  im C - Staatsterrorismus ist Schluß mit lustig ! Richtig, Herr K.L. ?

Sabine Schönfeld / 30.12.2021

Und jetzt aß ich doch tatsächlich gerade eben noch Raclette-Käse auf Lauchzwiebeln mit Kartoffeln aus dem Backofen, alles auch noch von Aldi! Also gehe ich jetzt doch ganz einfach ganz gepflegt sterben. Genau genommen bin ich wie die meisten anderen nach objektiven Maßstäben eigentlich schon lange tot. Ich starb geschätzte tausendmal im Kalten Krieg, fünfhunderttausendmal in der Ökokatastrophe, zehntausendmal am Waldsterben. Wie oft starb ich am Ozon-Loch? Ich erinnere mich nicht. Möglicherweise starb ich auch zwischendurch am Cholesterin und am Bewegungsmangel. Ich starb an der schlichten Tatsache einer letztlich willkürlich stattfindenden Jahrtausendwende. Der Stress muss mich zudem viele tausende Male getötet haben, ebenso die vielen Infektionen, die ich mir in allen möglichen Ländern der Erde wahrscheinlich einfing. Ich starb und starb und starb und doch tippt irgendetwas seltsamerweise hier noch immer auf der Tastatur, kurz nach dem Racletteessen. Und selbstverständlich ist zu allem anderen nach zwei Jahren Covid-19 mein Leben so unwahrscheinlich, dass man sich meines Todes nun wirklich sicher sein kann. Wenigstens erspart mir die letzte Mahlzeit den wirklich dummen Tod durch Ungeschicklichkeit, der mich von jeher den posthumen Erwerb des Darwin-Awards fürchten ließ. “Wir werden alle sterben.” Knorkator hat die wesentliche Botschaft unserer Medien für die Nachwelt in musikalischer Form hinterlassen, dem Manager sei Dank.

Peter Wachter / 30.12.2021

Ja dem Klabautermann empfehle ich kein Käse- oder Fleischfondue, denn wenn der wie in der BPK wieder so einen Sekundenschlaf hat, fällt der mit Kopf in den Topf und würde ertrinken, das wäre doch wirklich schade !?

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