In der Dresdner Gemäldegalerie „Alte Meister“ hängt ein reizendes Pastell, eines der schönsten, das es geben soll, wenn man Zeitgenossen des 18. Jahrhunderts als Zeugen heranzieht. Es handelt sich um die „Belle Chocolatière de Vienne“, das berühmte „Schokoladenmädchen“ von Jean-Étienne Liotard, geschaffen in der Blütezeit des französischen Rokoko und 1745 von Francesco Graf von Algarotti in Venedig für die Kunstsammlung des sächsischen Königs August III. erworben.
Das Bild zeigt eine junge, deutsche Kammerzofe mit einem Tablett, auf dem sie ihrer (unbekannten) Herrschaft eine Tasse heiße Schokolade bringt. Das Getränk aus den Tropen war damals beim Adel außerordentlich beliebt, nicht zuletzt, weil es als Aphrodisiakum galt. Und so kostbar, dass es nur in edelstem Porzellan serviert wurde, zusammen mit einer sogenannten Trembleuse, einer Untertasse mit hochgezogenem Rand, der das Getränk beim Servieren vor Erschütterungen schützen sollte.
Heute ist Schokolade in aller Munde und auf der ganzen Welt so beliebt, dass die Preise unaufhörlich steigen. Natürlich sollen wieder der Klimawandel und damit verbundene Missernten an der Preisexplosion schuld sein, doch das Erklärungsmuster für Unbilden und menschliche Fehlleistungen aller Art dürfte langsam ausgedient haben. Schokolade schmeckt eben gut und soll zudem leicht aufputschend wirken. Gemessen an der Bevölkerungszahl wurden Ende 2023 hierzulande gut 13,6 Kilogramm Schokolade pro Kopf produziert, was rund 2,6 Tafeln wöchentlich pro Kopf entspricht. Das ist doch eine Hausnummer!
Zweifelhafter Genuss
Gipfel der Dekadenz sind heute freilich nicht mehr die Tassen Trinkschokolade, sondern die in Elektromärkten überall erhältlichen Schokoladenbrunnen oder Schokoladenfontänen. Bei einem solchen Gerät wird Schokoladen erhitzt und verflüssigt und dann über eine schneckenartige Förderanlage von oben auf eine metallene Kaskade gepumpt, von wo sie effektvoll herunterrinnt. Unentbehrlich für ein „Schokoladenfondue“, wenn man der Werbung Glauben schenkt. Ich rate vom Kauf einer solchen Maschine ab. Flüssige Schokolade ist nicht nur so verführerisch, dass man sich daran schnell den Magen verdirbt. Das Gerät ist auch kaum zu reinigen, vor allem wenn man über keine Kammerzofe verfügt.
Wenn schon Schokolade in flüssiger Form, dann, wie einst zurzeit Ludwig XV. als Trinkschokolade. Dazu muss man nur eine möglichst gute Schokolade der Geschmacksrichtungen Vollmilch oder Zartbitter mit einem Messer grob zerhacken und vorsichtig in warmer Milch auflösen. Vielleicht noch etwas Vanilleextrakt dazu, eine Prise Salz und süße Schlagsahne als kühles Topping. Eine Trembleuse ist heute angesichts der im Vergleich zum 18. Jahrhundert immer noch akzeptablen Preise nicht mehr zwingend notwendig.
Auch auf spezielle, meist ziemlich teure Trinkschokoladenmischungen oder Trinkschokolade am Stiel, die man nur in heiße Milch tauchen muss, kann man getrost verzichten; auf „kakaohaltige Getränke“ wie Kaba und Nesquik sowieso. Der Kakaoanteil ist hier immer sehr überschaubar, der Zuckeranteil dafür umso höher. Schade um die Kalorien, die man sich beim zweifelhaften Genuss solcher Industrieprodukte zuführt.
Viele Traditionscafes sind heute wahre Touristenfallen
Die beste Trinkschokolade, die ich je genossen habe, wird im Pariser Traditionscafe „Angelina“ in der Rue de Rivoli unweit des Louvre kredenzt. Sie ist so dickflüssig, fast puddingartig, dass man sie kaum gießen kann. Dazu gibt’s ein Törtchen namens Mont-Blanc, eine zuckrige Verführung aus knusprigem Baiser, Schlagsahne und Fäden aus Maronenpüree, kreiert vom Gründer des Cafe „Angelina“, einem gewissen Anton Rumpelmayer.
Der Österreicher eröffnete das Etablissement 1903 unter seinem Namen. Der klangvollere Name Angelina soll sich von Rumpelmayers Schwiegertochter herleiten, die das Kaffeehaus 1916 übernahm. Heute wird es von einem großen Gastronomieunternehmen geleitet, das die Marke „Angelina“ international bekannt machen will, was allerding im Fall des Wiener Café Demel schon einmal nicht funktionierte. Die Aura solcher Häuser lässt sich nicht transferieren, zum Glück.
Im „Angelina“ verkehrte einst Marcel Proust, um mutmaßlich Kakao zu schlürfen und eine Madeleine zu genießen. Eine weitere berühmte Adresse für Trinkschokolade ist das Caffè Pedrocchi in Padua, situiert in einem grandiosen klassizistischen Bau, in dem Berühmtheiten wie Lord Byron, Stendhal oder die Duse abstiegen. Die eigentliche Spezialität ist hier allerdings ein starker Espresso mit einer Emulsion aus Pfefferminzsirup und Sahne, der ungesüßt getrunken wird. Leider sind das „Pedrocchi“ wie das „Angelina“ oder „Demel“ wahre Touristenfallen, was mitunter negativ auf Qualität und Service durchschlägt.
Kakao für Erwachsene
Dass man den Begriff von Qualität nicht mit der Realität deutscher Weihnachtsmärkte in Verbindung bringen sollte, ist keine Überraschung. Der Glühwein ist meist ungenießbar, besser man wärmt sich die Hände an einem Kakao mit Schuss, Lumumba genannt. Der „Schuss“ besteht meist aus einer ordentlichen Zugabe von Rum. Manchmal findet man für diesen „Kakao für Erwachsene“ auch die Bezeichnung „Tote Tante“.
Patrice Lumumba war ein antikolonialistischer Freiheitskämpfer im Kongo, der zu Zeiten des Kalten Krieges unter Beteiligung westlicher Geheimdienste erschossen wurde, als er sich der Sowjetunion zuwandte. Dass die Bezeichnung „mit Schuss“ auf die ruchlose Tat zurückgeht, dürfte genauso ungeklärt sein wie eine rassistische Konnotation des braunen Heißgetränks. Laut Wikipedia soll „Lumumba“ als Kakaogetränk innerhalb der Linken sogar einen „solidarischen Beiklang“ besessen haben.
Auf Weihnachtsmärkten der linksgrünen Hochburgen Kassel und Bremerhaven wurde der Name jetzt nichtsdestoweniger gecancelt, eine Neuauflage des Mohren(kopf)streits und mindestens genauso sinnlos. „Tote Tante“ klingt übrigens auch nicht gerade sehr schmeichelhaft. Aber weiße, deutsche Tanten sind ja in aller Regel keine afrikanischen Freiheitskämpfer.

@Gerhard Schmidt: Es gab ja in der DDR ein beliebtes Gericht namens „Tote Oma“…
Einst hab ich mir viel aus Stendhal , Byron und …Proust gemacht , aber heute trinke ich das Zeug alle 10 Jahre
vielleicht , in Erinnerung an die glücklichen Tage der Kindheit , die es auch gab . Gehört wohl zum „ Attitude of
Life “ , wenn man reif altert .
Danke Herr Etscheit für diese immer schönen Gedankenausflüge…ein wohltuende Inspiration …
‚ein antikolonialistischer Freiheitskämpfer im …, … der er sich der Sowjetunion zuwandte.‘ Solche Burschen, die ihr Land und ihre Mit-Menschen dem BOLSCHEWISMUS ausliefern (wollen), mglw. noch der besonders blutigen und grausamen kubanischen Spielart (vgl. Nachbarland Angola) sind KEINE Freiheitskämpfer! Es ist bedrückend, diese geschichtsverfälschte Verkürzung ausgerechnet auf der Achse lesen zu müssen. Lumumba war ein fanatischer gewaltbereiter Links-Nationalist. Was passiert wäre, wenn er Kongo oder Teile des Kongos wirklich beherrscht hätte, wissen wir nicht. Die Regierungsbilanzen seiner Brüder im Geiste: Nkrumah (Ghana), Sekou Toure (Guinea), Neto (Angola), Machel (Mocambique) oder ganz modern Ortega (Nicaragua) aber sind AUSNAHMSLOS schrecklich. Das müßten und sollten wir wissen – und an die Millionen Opfer dieser angeblichen ‚Freiheitskämpfer‘ immer wieder erinnern!!! Und wieder zeigt sich die Doppelmoral des Werte-Westens: ‚Es reicht nicht Opfer zu sein – man muß auch von „den Richtigen“ umgelegt werden’. Im Gegensatz zu z.B. den vier unschuldigen Zarenkindern wurde Lumumba zweifellos von ‘den Richtigen’, daher konkret von weißen Kolonialisten bzw. in deren Auftrag ‚umgelegt’. Macht ihn das alleine schon zu einem ‘Opfer’? Die ganze Kampagne mit dem Lumumba-Kakao stammt übrigens von der krankhaft geltungssüchtigen Internet- und sonstigen ‚Aktivistin‘ Annalena Schmidt. Diese, eine gebürtigen Hessin, hat es sich zur propagandistischen Lebensaufgabe gemacht, die ‚dunkeldeutschen‘ Sachsen (Bautzen, Dresden) zu ‚entnazifizieren’. Schmidt wurde weiterhin durch ihre perverse und vollkommen enthemmte antirussische Kriegsrhetorik bekannt: ‘Ich war vielleicht früher mal „Schwerter zu Flugscharen“, jetzt bin ich für „Weinflaschen zu Molotowcocktails“ !‚ (September 2022 auf Twitter). Eine Gesellschaft, der die Selbstreinigungskräfte fehlen, solche Figuren auszuschalten, ist krank und verloren. Sogar die Intelligenteren unter den Lumumba-Fans, müßten das einsehen.
Besser ‚ne „Tote Tante“ in der Tasse als ‘ne „Oma gegen Rechts“ in der Nachbarschaft!
Weil hier auch von ungenießbaren Glühwein geschrieben steht. Mein letzter Glühwein auf Weihnachtsmärkten liegt Jahre zurück. Ich fand neulich auf einem kleinen Weihnachtsmarkt, das beste Angebot war für drei Euro der Tassenpfand. Der als Solo ist in Ordnung und am Ende bekommt man alles zurück.
Cancel Cuisine: Es beginnt in meinen Augen mit den modernen Herden. Herd im Sinn von Ceranfeld und Ofen. Die Standard Ceran- oder Induktionsfelder sind inzwischen klein. Eigentlich nur noch geeignet für ein oder zwei Personen Haushalte. Und die Öfen? Im Zuge der Modernisierung haben sich die meisten Hersteller vom Backwagen verabschiedet. Jetzt muss man wieder Topflappen benutzen und darauf achten, dass man das Backblech nicht zu weit aus dem Ofen zieht und es abstürzt. Der Höhepunkt der Moderne sind Teleskopschienen. Mal eben schnell in der Höhe verändern? Oh, dafür sind sie nicht gedacht. Dann geht es natürlich um Energieklasse. Und die lässt sich am besten niedrig halten, indem sich der Ofen nicht über 275 Grad hinaus aufheizen lässt. Selbstgebackene Pizza, angebacken bei 300 Grad? Überbewertet. Schaut man auf Backwagen, die es noch gibt, so macht sich der Eindruck breit, dass alles auf billig konstruiert ist: Die Nasen für die Aufnahme und die Backbleche. Bei letzterem kann man nur hoffen, dass sie nicht so knapp geschnitten sind, dass sie bei leichter Unaufmerksamkeit – es liegt immer am Benutzer – beim Einhängen abstürzen.