Wenn es draußen gar zu belebt zugeht, ziehe ich es vor, mich in einen Innenraum zurückzuziehen und den Tieren draußen das Feld zu überlassen. Die Vorzüge der Nahrungsaufnahme im Freien halte ich ohnehin für überschätzt.
Diesmal zur Ferienzeit etwas leichteres, fast so leicht wie die Schwebetiere, um die es hier gehen soll. Denn wenn der erste Zwetschgendatschi in den Theken der Konditoreien steht, beginnt auch die Saison der sogenannten „Plagegeister“ allerlei zuweilen drolligen Hinweisen, wie man ihrer Herr werden könne. Einen solchen Tipp durfte ich vor kurzem live in einem Wiesbadener Café erleben, wo ich, der Jahreszeit entsprechend, im Freien Platz nahm und sogleich von übelriechenden Rauchschwanden umnebelt wurde, die aus einem auf dem Nachbartisch platzierten Aschenbecher aufstiegen.
Ich dachte, es handele sich um eine vor sich hin kokelnde Zigarette, doch die Servierdame, die ich darauf hinwies, klärte mich darüber auf, dass es sich um ein Mittel zur Vergrämung jener Plagegeister handele, insbesondere Wespen, die es dieses Jahr wieder besonders doll trieben und die Gäste im Freien zu vertreiben drohten. Was mich vertrieb, waren keine lästigen Insekten, sondern der Gestank vom Nachbartisch. Ich schlage mich, ehrlich gesagt, lieber mit der einen oder anderen Wespe herum, die ein Stück von meinem Zwetschgenkuchen begehrt, als mich den olfaktorischen Kollateralschäden einer wie auch immer beschaffenen Vergrämungstaktik auszusetzen.
In einem anderen Lokal waren die Freisitze mit Wassersprühflaschen ausgestattet. Sie sollten, wie ich erfuhr, ebenfalls dazu dienen, allfällige Insektenangriffe abzuwehren. Mit dem Sprühnebel werde den Tierchen vorgegaukelt, dass es regne, woraufhin sie sich in ihr Nest zurückzögen. Mangels Wespen oder Fliegen konnte ich keinen Feldversuch starten und blieb beim Verzehr meiner Mahlzeit unbehelligt.
Ungemein fleißige Lebewesen
Viele Menschen reagieren panisch darauf, wenn ein Kommando hungriger Wespen ihren Kuchenteller umschwirrt. Sie fuchteln wie wild mit ihren Händen herum oder pusten sie an und machen damit alles nur noch schlimmer, weil die Tiere nicht zur Ruhe kommen und besonders aggressiv werden. Am besten ist es, wenn sie sich brav an den Tellerrand setzen und gewissermaßen an der Mahlzeit teilnehmen. Gestochen worden bin ich von so einem Tierchen noch nie, und ich habe auch keine Angst, dass sie meinen Kuchen mit Krankheitserregern kontaminieren könnten. Außerdem mag ich solche Insekten, seien es Bienen, Wespen oder Hornissen, es sind ungemein fleißige Lebewesen, und ich schaue ihnen gerne zu, wenn sie ihr Tagwerk verrichten, während die Menschen es sich wieder mal bequem machen.
Wenn es draußen gar zu belebt zugeht, ziehe ich es vor, mich in einen Innenraum zurückzuziehen und den Tieren draußen das Feld zu überlassen. Die Vorzüge der Nahrungsaufnahme im Freien halte ich ohnehin für überschätzt, weil man sich dabei meist nicht wirklich aufs Essen konzentrieren kann. Irgendetwas stört immer, seien es die erwähnten Schwebetiere, sei es ein plötzlicher Windstoß oder eine heraufziehende Gewitterfront. Oder Passanten, die sich hüstelnd und schniefend zwischen den Tischen der Freisitze hindurchdrängen. In München gibt es seit Corona die Plage der sogenannten „Schanigärten“, das sind Freischankflächen, für die der Wirt die vor einem Restaurant liegende Parkplätze beanspruchen kann, zuzüglich zu den bereits vorhandenen Flächen, auf dem Bürgersteig.
Jetzt werden vielerorts Fußgänger links und rechts von Tischen und Stühlen bedrängt, auf denen sich die Gäste breit machen. Das führt immer wieder zu unschönen Szenen, wenn sich Radfahrer oder Mütter mit Kinderwägen einen Durchlass erkämpfen oder Nachbarn die Lärrmbelästigung nicht mehr ertragen wollen. Im Übrigen handelt sich hier um eine schleichende, nicht hinnehmbare Privatisierung öffentlichen Raums, aber Sozis und Grünen, die sich besonders für die Schanigärten eingesetzt haben, liegt vor allem daran, den Parkraum zu verkleinern und Autofahrern das Leben so schwer wie möglich zu machen. Wer erfindet eigentlich mal eine zuverlässige Vergrämungstaktik für Politiker?
Alles, was sich im Stadium der Verwesung befindet
Es gibt auch Insekten, die mir wirklich auf die Nerven gehen und die ich unbarmherzig verfolge. Neben Stechmücken, die mich um den Schlaf bringen, und Schmeißfliegen, die nichts anderes tun, als lästig umherzuschwirren und dabei aufdringlich brummen, sind dies die winzigen Fruchtfliegen, die sich bei warmen Temperaturen oft in Scharen auf Lebensmittel setzen, insbesondere auf reifes Obst, oder der Biomülltonne entsteigen. Fruchtfliegen lieben alles, was sich im Stadium der Verwesung befindet, was sie besonders unappetitlich macht.
In einem Artikel auf Spiegel Online wurde jüngst um Verständnis für die „harmlosen Gäste“ geworben. „Fruchtfliegen wollen uns nichts Böses. Sie haben lediglich die eigene Fortpflanzung im Sinn.“ Bei den „richtigen Temperaturen“ reiche ein einziges Weibchen aus, um die Küche zu bevölkern. Wenn man dieser Logik folgt, sind auch Wölfe, Bären, Löwen und Tiger eigentlich harmlos, weil auch sie ja auch nur ihre Fortpflanzung im Sinn haben. Da brauchen sie halt ab und zu mal etwas zwischen den Zähnen.
Wie immer hält der Artikel Tipps bereit, wie man eine Essigfliegenplage eindämmen könne, darunter eine tierfreundliche Trichterfalle, mit der die nervenden Winzlinge lebend gefangen und andernorts wieder freigelassen werden können. Nur dürfe man sie nicht „direkt um die Ecke“ aussetzen, weil sie dann bald wieder mit am Küchentisch säßen – für so etwas werden Spiegel-Redakteure bezahlt! Zitiert wird wie immer auch ein Fachmann, in diesem Fall ein Biologe, der Fruchtfliegen große Ähnlichkeit mit uns Menschen attestiert. Fruchtfliegen seien soziale Wesen, die zuweilen unter Schlafproblemen, Depressionen oder Alkoholismus litten. Selbst Einsamkeit hätten Forscher bei ihnen nachweisen können. Meine Empathie hält sich trotzdem in Grenzen, wenn ich wieder einmal ein solches Tierchen aus dem Bierglas fischen muss.
Georg Etscheit schreibt auch für www.aufgegessen.info, den von ihm mit gegründeten gastrosophischen Blog für freien Genuss.
Beitragsbild: Pixabay

Man kann nur noch hoffen, dass Spiegel Dampfplauderer und ihre tief fliegenden Experten, alles, ausser ihrer eigenen Fortpflanzung im Sinn haben.
@Emil.Meins: Baygon… Verschluss mit Paketband auf Dauerfeuer öffnen… in den Raum werfen… Schlitze abdichten… wirkt Wunder… aber PSSST…
Hallihallo, in Wespen steckt ‚ne Menge Eiweiß. Stachel vorher vorsichtig entfernen, goldgelb braten, schmeckt wie Mehlwurm.
„ Fruchtfliegen seien soziale Wesen, die zuweilen unter Schlafproblemen, Depressionen oder Alkoholismus litten“. Sie kennen ja den alten Witz woran man das Geschlecht einer Fliege erkennt. Die männlichen sitzen auf dem Bierglas und die weiblichen auf dem Telefon.
Für die Fruchtfliegen gibt es abseits der Spinnerei mit dem „Einfangen und Raustragen“ (sowas kann nur in grünen Gehirnen gedeihen…), was diese Hirnis ja auch für die Rote Schnecke praktizieren, und die kommen umgehend wieder zurück. (wenn man sie nicht mit dem SUV ganz nachhaltig 2 Kilometer wegfährt, viel Spass, Schwachköpfe!), eine ganz einfache Methode: Staubsauger, Wenn mal welche in meiner Kompostschüssel nisten, morgens mit eingeschaltetem Sauger mit dem Rohr an die Schüssel klopfen und die auffliegenden Biester sauber einsaugen. Ruhe. Die Methode mit den aufgestellten Fallen funktioniert auch, alte Weinreste tun’s auch. Mir sind sie immer in den rumänischen Schnaps geflogen, Feinschmecker! Industriesauger musste ich auch schon gegen in meinem Hof herumspazierende Riesenameisen (>1,5 cm!) anwenden, die bevorzugt Nester in alten Holzstumpen, Balken, Feuerholz mit Löchern und Faulstellen ihre Nester bauen. Gefährlich ist, wenn eine einzige ins Haus gelangen und Futter finden würde: sofort kommt der ganze Clan anmarschiert. (Kennen wir doch irgendwie?)
Ich hatte jahrelang im Frühling kleine Ameisen im Haus, von meiner Südwand bis in den Flur, erst als ich das rumänische Feldsteinfundament voller Löcher mit einer Schicht Beton überzogen hatte, bis in 40 cm Tiefe, war Ruhe. Und dann gibt‚ noch Marienkäfer! Verschiedene Modelle, Tausende! Dringen im Sommer durch jede Ritze ins Haus, zum Glück nur bis zur Veranda (Innentür bleibt zu), und krabbeln überall, bis sie sich Plätze zum Überwintern suchen. Dann nimmt man ein Brett weg: hunderte schlafende Marienkäfer in Winterstarre! Im Brennholzstapel, in der Dachisolierung, massenhaft Marienkäfer. zwar ist ein einzelner ganz nett, aber in Massen werden sie zur Plage. Wenn Sammeln im Joghurtbecher und rauswerfen nicht mehr hilft, kommt auch der Staubsauger zum Zuge. Nur stinkt der nach einer Weile ganz absonderlich, weil die Marienkäfer einen ganz eigenen Geruch haben: richtig „Grün“-grasig…
@Sam Lowry / Ich habe lediglich 2 Brötchenbeutel rechts und links der Terrasse (Abstand ca. 4 Meter) aufgehangen: ==> Ganz nebenbei: „Aufgehangen“ ist die falsche Form. Die korrekte Form ist „aufgehängt“. „Aufgehangen“ ist eine veraltete oder umgangssprachliche(*) Form, die heute nicht mehr als korrekt gilt. Erläuterung: Das Verb „aufhängen“ ist ein transitives Verb, das bedeutet, es benötigt ein direktes Objekt (z.B. „Ich habe das Bild aufgehängt“). Die korrekte Partizip Perfekt Form ist daher „aufgehängt“.(sagt gugels KI) Sorry Sam, soll keine >Belehrung sein, aber bin immer ganz „verstört“, wenn ich sowas lese. (*) So reden i.A. die Fischköpp, nördlich des Mains. Aber die Idee ist nicht schlecht, mit den simulierten Nestern. Ich werde demnächst meinen Speicher „ausräuchern“ dort ist im Sommer immer Wespen-Halligalli, hunderte Nester an den Dachbalken, die rumänischen machen lauter kleine Pappmaché-Kugeln, überall. Dazu fressen sie wohl das Holz an, also schädlich, Todesurteil! Hab‚ schon bei TEMU Räuchermaterial bestellt, neben einem kleinen Smoker für Buchensägemehl auch diverse Spiralen, und Räucherkerzen. Im Frühling summt es in meiner Durchfahrt wie zehn Bienenschwärme, weil dort die Wespen durch die unverputzte Lehmziegelwand ein-und ausfliegen. Früher war unterm Dach Wurst und Schinken aufgehängt und von unten ging ein Ofenrohr unters Dach, in einem Blecheimer wurde Rauch erzeugt. In D ist Wespentöten strikt verboten, aber wer ist so blöd, den Kammerjäger zu bestellen, und ein paar hundert € zu bezahlen? Meine Schwester hat einmal jemand geholt, da die Biester im Rolladenkasten immer neu bauen, wenn eine überlebt, oder die Brutzellen drinnen noch erhalten sind. Sonst blockiert irgendwann der Rolladen, das wird teuer. Inzwischen sprüht sie gnadenlos Insektenspray rein, da fallen die Biester dann irgendwann runter, aber PSSST!
Fruchtfliegen: Die bringen mich immer wieder einmal auf den Gedanken, ob es nicht entgegen der Meinung von 99% der Wissenschaftler vielleicht doch Urzeugung gebe. Also sagen wir: gab. Früher mal.