Der Champagner-Absatz bricht ein – doch was könnte man stattdessen konsumieren? Vielleicht Rottkäppchen-Sekt, Erdnussflips oder Kartoffelchips? Nicht ganz so dekadent, aber als Seelentröster reichen sie allemal.
Das ist kein Rückgang, sondern ein Einbruch: Der Champagner-Absatz in Deutschland ist 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 18,5 Prozent gesunken. Im weltweiten Umsatz-Ranking der Champagner-Exportmärkte fällt Deutschland damit auf den fünften Platz zurück, nach den USA, Großbritannien, Japan und nun sogar Italien. „Champagner ist ein echtes Barometer für die Gemütslage der Verbraucher“, wird der Vize-Präsident des Champagner-Verbandes, Maxime Toubart, zitiert. Wohl wahr. Gut möglich, dass im Zuge der Merzschen Schuldenorgie echter französischer Champagner wirklich wieder zum unbezahlbaren Luxusgut wird.
Für notorische Champagnerhasser ein Grund zum Jubeln. Denn für linksgrüne Genussverweigerer und Möchtegern-Asketen sind die Bouteillen aus Reims nicht mehr und nicht weniger als ein Symbol für die Exzesse des fossilen Kapitalismus. Während die Armen darben, schwadronieren sie, lassen es die Reichen mit Dom Perignon, Veuve Clicquot und Krug „die Korken knallen“. Und wenn immer mehr Menschen auf der Straße landen und die Aktienkurse steigen, bricht bei denen „da oben“ die sprichwörtliche „Champagnerlaune“ aus.
Wenn die Welt so einfach wäre. Aber zum Glück gibt es ja noch Rotkäppchen-Sekt, die DDR-Volksbrause, mit denen die Gerontokraten aus Wandlitz zumindest Teile der Bevölkerung bei Laune zu halten versuchten. Natürlich zählte auch die VEB-Plörre aus Freyburg an der Unstrut zur heiß begehrten „Bückware“, die man oft nur mit entsprechenden Beziehungen ergattern konnte. Oder im Intershop gegen Westmark.
Spanische Kartoffelchips
„Prickelnder Luxus im schalen Sozialismus“, textet das Handelsblatt etwas euphemistisch. Nach einer Delle direkt nach der Wende ging es mit Rotkäppchen, nun Teil der Unternehmensgruppe Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien GmbH wieder steil bergauf. Seit kurzem gibt es in Freyburg sogar eine schicke Rotkäppchen-„Erlebniswelt“, eine Art Disneyland für Fans einer der ältesten Sektmarken Deutschlands. Damit der Deutsche weiß, was in Zukunft in der Sektflöte landet.
Ganz so schaurig, wie man denken könnte, schmeckt Rotkäppchen heute nicht mehr. Als billiger Seelentröster eignet sich die Marke mit der knallroten Kapsel allemal. Dazu eine Tüte leckere Erdnussflips und der Abend ist gerettet. Mir ist natürlich bewusst, dass es sich bei den fettigen Würmchen aus der Knistertüte um klassisches Junkfood handelt – null Nährwert, viel Fett und Salz, und vermutlich Krebs erregende Acrylamide – komme aber nicht umhin, zu bekennen, dass es Zeiten gibt, in denen ich jeden Tag eine ganze Tüte von dem Zeug vertilgen könnte. Wie am Abend des Schuldenputsches.
Zumindest gourmettechnisch empfehlenswerter sind Kartoffelchips und zwar spanische. Sie sind krosser als die bei uns erhältlichen Standardprodukte, weniger fettig und nicht so salzig. Spanische Patatas fritas werden in Olivenöl gebacken und mit Meersalz bestreut. Man knuspert sie als Bestandteil einer Auswahl von Tapas oder sogar als Beilage zu einem Stück Fleisch. Merkwürdige Sitten haben sie, die Iberer. Das Abendessen beginnt erst um Mitternacht, besteht nur aus Vorspeisen und man serviert Kartoffelchips zu Kaviar. Das soll einer verstehen.
Suchtfaktor auf einer Skala von eins bis zehn: neun
Noch ein Seelentröster, den ich kürzlich wiederentdeckt habe, diesmal von der süßen Seite: Edle Tropfen in Nuss aus dem Hause Trumpf, heute eine Marke des Lebensmittelherstellers Krüger – ein echter Retroklassiker. Das Mundgefühl ist nicht zu toppen. Am besten, man lutscht zunächst die Vollmilch- oder Bitterschokolade mit den Nusssplittern vorsichtig ab und knackt schließlich die mit flüssigem Alkohol gefüllte Zuckerkapsel. Suchtfaktor auf einer Skala von eins bis zehn: neun. Wie bei den Erdnussflips kann man eigentlich erst wieder aufhören, wenn die Schachtel leer ist.
Natürlich haben die Trumpf-Marketingstrategen längst eine ganze Reihe von Edle Tropfen in Nuss-„Editionen“ auf den Markt geworfen. Es gibt die Pralinen mit Likör, Rum oder klassischen Bränden wie Grappa, Whisky und Calvados, außerdem mit verschiedenen Cocktails wie Cuba Libre oder Piña colada. Ich bevorzuge nach wie vor die Ursprungsvariante mit vier Obstbränden: Kirsche, Williamsbirne, Himbeere und Zwetschge, wobei die Unterschiede zwischen den Fruchtsorten nur schwer herauszuschmecken sind. Doch die Brände sind selbst nicht süß und harmonieren perfekt mit der Schokolade, wobei die bittere Variante meines Erachtens die beste ist. Fast unverschämt günstig sind sie noch dazu.
Im Internet gibt es sogar eine eigene Edle Tropfen in Nuss-Homepage. Da heißt es unter dem Stichwort „Nachhaltigkeit“: „Wir sind der Ansicht, dass Genuss für sich selbst und Verantwortung für andere zu übernehmen, unbedingt zusammengehören. Gerade beim Kampf gegen den Klimawandel ist es wichtig, heute zu handeln, um den Planeten für künftige Generationen zu bewahren. Die Edlen Tropfen in Nuss leisten hier ihren Betrag.“ Dann geht es um ein Energiemanagementsystem, ein effizientes Blockheizkraftwerk und Klimaneutralität. Sehr fortschrittlich und beruhigend, dass uns Edle Tropfen in Nuss wohl auch unter dem verschärften Klimaregime von Merz, Klingbeil und Konsorten erhalten bleiben. Wenn Trumpf/Krüger nicht auf Champagner macht und irgendwann Pleite geht.
Georg Etscheit schreibt auch für www.aufgegessen.info, den von ihm mit gegründeten gastrosophischen Blog für freien Genuss.

Rotkäppchen-Sekt? Mich schaudert es. Da gibt es für ein paar Euro mehr bessere Alternativen.
Nun, wenn´s schon um „Prickelspüli“ geht, sollte man „Kessler Jägergrün“ vielleicht auch mal eine Kolumne widmen …
„Hauptbestandteile des Nährwerts eines Lebensmittels sind die drei sogenannten Makronährstoffe Kohlenhydrate, Fette, Proteine und die bei ihrer Verdauung verwertbare Energie (physiologischer Brennwert). Daneben spielen zahlreiche Mikronährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe (Mengen- und Spurenelemente) sowie sekundäre Pflanzenstoffe eine Rolle.“ --- Auch wenn es dem Autor nicht gefallen wird, Erdnussflips, gesalzene Erdnüsse und Chips machen mit etwa 500 – 700 kcal pro 100g satt. Ich vermute, dass der Autor das Baguette auch als etwas bezeichnen wird, was „keinen Nährwert“ hat. Ich kenne Leute, die seit Jahrzehnten fest daran glauben, dass nur Vollkornbrot die Menschheit heilen kann, während Weißbrot selbstverständlich keinerlei „Nährwert“ habe. Ich kenne diese GRÜNEN Lügen seit Jahrzehnten. Und die ganzen Vollkornfanatiker, von denen noch viele nicht kapiert haben, dass Vollkorn zu erheblichen Verdauungsschwierigkeiten führen kann, probieren ihre Beschwerden mit noch mehr Vollkorn zu kurieren, denn Weißbrot hat ja KEINEN NÄHRWERT … Hahahaha… und Pflanzen haben natürlich keine Abwehrstoffe gegen Fressfeinde wie uns Menschen … Pflanzen sind grün und freundlich … Ich empfehle Bärenklausalat frisch aus dem Garten. Da bekommt man Makro- und Mikronährstoffenährstoffe noch und nöcher!
Edle Tropfen in Nuss, um die elenden Tröpfe im Bundestag zu vergessen… Fragt sich nur, ob die Leberzirrhose oder der Diabetes zuerst kommt.
hi, was heißt hier „nur“ Vorspeisen? Wenn Sie Beethovens Coriolan-Ouvertüre aus Anno ’43, dirigiert von Wilhelm Furtwängler, hören, sind Sie auch bedient.
Welche Seelen sollen getröstet werden, die die CDU gewählt haben oder die, die durch diese Wähler mitgefangen, mitgehangen wurden? Früher war „Rötkäppchen“, immerhin 15 Mark die Flasche was besonderes, zumindest vom Preis her. Sekt war selten und besonderen Anlässen vorbehalten. Mit dem Westen wurde das anders, aber keinnesfalls besser. Dekadenz und Überheblichkeit, auch beim Sekt. Rötkäppchen, das haben wir schnell bemerkt, ist nur noch dritte Wahl. Selbst preiswerte schmecken bei uns zu Hause besser. Was geblieben ist, ein besonderer Anlaß muß sein und nicht weil wir uns damit rein finanziell jeden Tag besaufen könnten. Als Tröster gegen die Regierung würde es eh nicht reichen, dann schon täglich eine Flasche Schnaps.