Der Fastfood-Hamburger bezog seine weltweite Popularität weniger aus seinen kulinarischen Eigenschaften, als aus dem mit ihm verbundenen Freiheitsversprechen. Essen wo und wann man wollte, gerne auch im Auto, beim Gehen oder bei einer beliebigen anderen Beschäftigung ohne Teller und lästiges Besteck. Das entsprach den Bedürfnissen der Nachkriegsgeneration, die sich von lästigen Fesseln bürgerlicher Anständigkeiten befreien wollte und dem vor allem von den USA geprägten Lebensstil lässiger, vom Konsumismus geprägter Unverbindlichkeit erlag.
Dass es auch ohne Freiheitsversprechen geht, zeigt die asiatische, insbesondere chinesische Kultur, die gerade dabei ist, den Westen zu erobern oder das, was von ihm übriggeblieben ist. Asiatische Speisen und Geschmäcker scheinen derzeit auf breiter Front einer bislang tonangebenden, US-amerikanisch, italienisch und teilweise türkisch dominierten Fastfoodkultur Konkurrenz zu machen. Asiatische Schnellimbisse schießen wie Shitakepilze aus dem Boden und verdrängen die noch verbliebenen Fachgeschäfte und Wirtshäuser. Kaum ein Restaurant, das noch nicht glaubt, seinen Gästen irgendetwas Asiatisches offerieren zu müssen. Und in der Hochgastronomie herrscht längst der Einheitsstil der euro-asiatischen Fusionküche mit Miso, Yuzu, Matcha und Kimchi.
Am unteren Ende der Skala hat sich ein Phänomen breit gemacht, das nicht nur ausgemachte Feinspitze das Gruseln lehrt und selbst einen pappigen Hamburger als Apotheose der Esskultur erscheinen lässt. Es sind die aus Japan und anderen asiatischen Ländern massenweise importierten Instantnudelgerichte („Ramen“), die seit einigen Jahren vor allem auf deutschen Schulhöfen Furore machen. Statt Kindergeschrei hört man dort mehr und mehr ein intensives Knuspern.
Knallbunte Nudelpackungen aller Geschmacksrichtungen
Es rührt nicht von den Loriotschen Steinläusen her, die die Schulgebäude anknabbern – das besorgt der durch mangelnde Instandhaltung bedingte natürliche Verfall. Nein, das Knuspern kommt von den Instantnudeln, die Jugendliche gerne ungekocht aus der Tüte verzehren. Dazu werden die meist in Blockform gepressten Nudeln, die in der Fabrik durch kurzes Frittieren nahezu unbegrenzt lang haltbar gemacht wurden, direkt in der Tüte zerbröselt, mit dem der Packung beigefügten Würzpulver überstreut und roh gesnackt. Ein Megatrend, wobei die in zahllosen Geschmacksvarianten angebotenen Nudeln auch dann nur schwer genießbar sind, wenn sie vorschriftsmäßig zuvor mit heißem Wasser übergossen wurden. Dafür gibt es in manchen Asia-Supermärkten eigene Heißwasserzapfstellen.
In gut sortierten Asia-Supermärkten, wie sie immer häufiger deutsche Stadtbilder prägen – aufgemerkt Herr Bundeskanzler! – füllen die knallbunten Nudelpackungen aller Geschmackrichtungen, besonders beliebt bei deutschen Kids soll „Typ Chicken“ sein – ganze Regalmeter. Ein Angebot, das genau das Gegenteil von dem ist, was Ökos und Gesundheitsapostel seit Jahrzehnten predigen: Instantnudeln sind unnatürlich (synthetische Aromastoffe, Geschmacksverstärker), unökologisch (Palmfett in den Nudeln, Plastikverpackung), ungesund (mit viel zu viel Salz versetzt) und sie zerstören nicht zuletzt den Geschmackssinn der jüngeren Generation, der fortan für alles Subtilere nicht mehr erreichbar ist.
In ihren Ursprungsländern China und Japan gehören Nudelgerichte, vor allem Nudelsuppen, seit Jahrhunderten zu den populärsten Speisen, wobei die Behauptung, dass Marco Polo die Pastakultur erst im 13. Jahrhundert aus Fernost nach Italien importiert haben soll, wohl nicht zutrifft. Zur Ehrenrettung der Italiener sei gesagt, dass so etwas wie Nudeln schon bei den Römern verzehrt wurde. Trotzdem dürfte die chinesische Nudelkultur noch älter sein, es gibt Belege, wonach die Chinesen Nudeln schon 2000 Jahre v. Chr. kannten.
Ideale Nahrung für Bewohner von Krisengebieten
Nach Japan kamen sie als Ramen erst im 19. Jahrhundert und zählen dort heute zu den wichtigsten Hauptspeisen. Sie sind leicht herzustellen, selbst wenn man nicht zu Industrieware greift, schnell zu verzehren, preiswert und sättigend. In Japan soll es mehr als 200.000 Ramen-Restaurants geben, auch in Form mobiler Verkaufsstände und Schnellimbisse. Im Gegensatz zur deutschen Nudelsuppe auf Basis einer Fleisch- oder Gemüsebrühe, gibt es zahlreiche Arten von Ramen-Brühen, Nudelvarianten und noch mehr mögliche Einlagen. Daraus ergibt sich eine fast unbegrenzte Zahl an Kombinationen.
Während sich die Japaner offenbar überwiegend mit frisch hergestellten Ramen versorgen, dominieren andernorts die Instantpackungen. Nach Schätzungen der World Instant Noodles Association – ja sowas gibt es wirklich – werden aktuell mehr als 120 Milliarden Packungen verkauft, Tendenz steigend. Den höchsten Prokopf-Verbrauch hat Vietnam, gefolgt von Südkorea und Thailand. In Deutschland ist noch Luft nach oben, aber wenn sich immer mehr Menschen unter verschärften wirtschaftlichen Bedingungen von der vergleichsweise teuren Pizza oder dem BigMac abwenden, findet man vielleicht Anschluss. Instantnudeln sind auch die ideale Nahrung für Bewohner von Krisengebieten. Vielleicht ist ja nicht Soylent Green das Nahrungsmittel der Zukunft, sondern Ramen aus der Fertigpackung und die Fünf-Minuten-Terrine.
Für alle, die noch nie eine echte Nudelsuppe gekocht haben, hier das Rezept: Zuerst eine kräftig gewürzte Gemüse-, Gefügel- oder Rindfleischbrühe kochen oder fertig kaufen. Dann Wurzelgemüse wie Lauch, Karotten, Sellerie in feine Streifen („Julienne“) schneiden und in etwas Öl anrösten (Röstaromen!), mit der Brühe aufgießen, erhitzen, und in der Suppe die Nudeln weich kochen. Am besten, man nimmt dafür spezielle, kleine Suppennudeln, nicht wegen des Geschmacks, sondern weil sie mit dem Löffel besser zu erwischen sind als gebrochene Spaghetti. Wer auf den asiatischen Touch Wert legt, kann ein paar Spritzer Sojasauce dazugeben. Noch besser schmeckt das, wenn man noch etwas Fleisch übrig hat, Hühnerbrust etwa oder Streifen von feinem Tafelspitz!
Georg Etscheit schreibt auch für www.aufgegessen.info, den von ihm mit gegründeten gastrosophischen Blog für freien Genuss.

„Ein neuer Megatrend hat die Jugend befallen: Meist in Blockform gepresste Instantnudelgerichte (“Ramen„) direkt in der Tüte zerbröseln, mit Würzpulver überstreuen und roh snacken.“
Neuer Trend???
Das haben Sohnemann und seine Grundschulkumpel auch schon gemacht.
Sohnemann wurde im Juni (heuer!) 30.
Nix „neuer Trend“ also.
Naja Herr Etscheit, bringen Sie lieber Zahlen aus der sterbenden Gastronomie. Amerikaner sind ja nichts anderes als die einstigen Proleten & Halsabschneider Europas & sogenanntes asiatisches Essen dient nur als Ersatz, weil man sich, Dank westlicher Politik, keine Reisen mehr nach Asien leisten kann.
Während des Lesens gibt es bei mir Abendessen, bestehend aus einer Schale Bourbon-Vanillepudding über Waldmeister-Götterspeise. Fällt das noch unter „subtilere Geschmacksnuancen“, oder sollte ich mir wegen schwerem Verstoßes gegen das Kulinarische Gesetzbuch (KGB) schon den Bademantel bereit legen?
@ Bendix: Die Preise für simples Hühnerfleisch sind in Germania inzwischen wirklich exorbitant, wenn man überlegt, daß in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts noch „Hühnerklein“ für kleines Geld überall angeboten wurde, und die Leute daraus Suppe kochten, und fröhlich die Knochen abnagten, die dann der Hund bekam, oder die Hühner, nachdem sie durch eine Knochenpresse gedrückt waren (Wir hatten noch so ein Ding, das im Hühnerhof angeschraubt war). Daß es kein Hühnerklein mehr gibt, hat Luxus- (puh, für sowas bin ich mir zu fein) und Marketing-Gründe (Verkauf alles vermeintlich Wertlosen in „arme Länder“, Hühnerfüße als Delikatesse nach China), sowie das Geheul der Tierschützer gegen die Hühnerhaltung. Hier in Rumänien findet man im Kühlregal bei LIDL/Kaufland/PENNY schönstes Hühnerklein (und natürlich auch alles andere von Huhn und Hähnchen), vor 2 Jahren zahlte ich für ein Paket gerade knapp 4 Lei (80 Cent), ich kaufte es immer für den Hund, nebenbei fiel eine schöne Suppe ab. Ist inzwischen etwas teurer, hab lange keines mehr gekauft, aber hier gibt es massig Hühnerfarmen, die den Markt beliefern, auch mit Eiern. Die Hühnerbeine sind auch günstig, im Dorfladen kann man sie tiefgekühlt aus einem großen Sack kaufen, was ihre Beliebtheit zeigt. Einzig die Flügel sind teurer, da sie gegrillt zum rumänischen Kulturgut gehören und auch wegen der ChickenWings. Aber sehr interessant, daß LIDL hier wirbt:„Frisches Fleisch. Zu jeder Gelegenheit. Sie wissen, dass es sich lohnt.“ und im wöchentlichen Flyer ein Bild: 3 Mann mit dem erhobenen Grillbesteck wie die 3 Musketiere, unter dem Slogan „Fleisch für alle. Alle für Fleisch, Grillen als Familiensport!“. Das hört sich doch anders an als in Deutschland, wo Fleischesser quasi verteufelt werden.(Aber das Vegan-Zeug hat als Nische hier auch schon Einzug gehalten) Und die Rumänen sind große Suppenkasper; Hühnersuppe mit Nudeln, Ciorba de Burta (Kuttelsuppe), Salatsuppe aus Kopfsalat, Krautsuppe, Grüne Bohnensuppe. Pofta buna
Fleischbrühen gehören zum A&O der guten Küche, wie das Lorbeerblatt . Niemals fertig kaufen , immer selber machen, da kinderleicht . – Es sei denn , du bist auf Trekkingtour in Ländern , die auf AchGut
zugleich verteufelt und als Emigrationsziele beworben werden . Vermutlich wegen einer selbstverständlich rein geistigen Besitz-Zwangsneurose . Zwinker .
Das einzige was mir dazu einfällt sind die Zubereitungshinweise auf den Packungen: Tüte unten aufreißen, Inhalt zusammenkehren. Es stört mich nicht, wenn jemand das gut findet. Schlimmer ist die Tatsache, der Handel stellt sich immer mehr auf Fertigfraß um. Normale Produkte werden verdrängt.
„Nudelpackungen aller Geschmackrichtungen, genau das Gegenteil von dem ist, was Ökos und Gesundheitsapostel seit Jahrzehnten predigen: unnatürlich, unökologisch, ungesund, sie zerstören den Geschmackssinn der jüngeren Generation, der fortan für alles Subtilere nicht mehr erreichbar ist.“ ===> Damit ist es sowieso nicht mehr weit her, nach Kellogs, Nutella, Oreo und wie der ganze Industriemüll heißt, kann nichts mehr kaputt gehen, die fressen auch Soylent Green ohne Murren! Der in letzter Zeit etwas abgedrehte Sebastian Lege, der durchaus Verdienste hat, die ihm aber wohl etwas zu Kopf gestiegen sind, läuft im TV in Endlosschleife und ist jetzt bei KIKA gelandet, dem Propagandasender, der „Zersetzung“ und Infiltration für Kids auf der Agenda hat, und kocht dort „Öko“für die Kids, die sich hauptsächlich aus MiHiGrus zusammensetzen, frühpubertierende Turkaraber-Jungs mit beginnenden Schnurrbärten und entsprechenden Mädels dazu. Ist zwar leider ein exaktes Abbild der Realität, aber trotzdem hatte Lege trotz Übergewicht nicht so viel Arsch in der Hose, auf ein paar, wenigstens Alibi- Kevins und -Lucas, -Annas und -Emmas zu bestehen. Hätte nicht geschadet, die ÖRR verfälschen die Realität ja auch permanent. Ist aber eher eine im Trend liegende Show, als daß es fruchten würde. Zum Thema Ramen gibt es übrigens einen tollen japanischen Spielfilm, die Komödie „Tampopo “(1985) von Jūzō Itami. (Findet die Suchmaschine leicht), der wirklich liebenswert ist, und noch etliche weniger bekannte ( „Ramen Shop“ (2018 aus Singapur „The Ramen Girl“ (2008), .
Dort sieht man auch die „Geheimnisse“ der Zubereitung.