Bayerische Volksfeste sind zu einem gefährlichen Pflaster geworden. Das bekam jüngst auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zu spüren, der bei einer Jubiläumsfeier zum 1.100-jährigen Bestehen der Gemeinde Bernau im Chiemgau mit einer Tomate beworfen wurde. Das ist zwar besser, als wenn „Einmann“ mit einem Messer um sich sticht, aber rohe, möglicherweise überreife Tomaten sind auch nicht jedermanns Sache.
Auf einem im Internet kursierenden Video war zu sehen, wie der CSU-Matador sich das linke Ohr abwischte und dann weiterging, um in einem Festzelt eine Rede zu halten. Der Täter sei von Söders Sicherheitsleuten überwältigt und in Handschellen abgeführt worden, hieß es. Vor vier Jahren war der Mann schon einmal auf einem Feuerwehrfest Ziel einer ähnlichen Attacke. Damals handelt es sich um zwei Eier, die Söder aber nicht getroffen hatten.
Die Vorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion im Bayerischen Landtag, Katharina Schulze, gab sich staatstragend und „verurteilte“ den Angriff: „Man wirft nichts auf Menschen, weder Tomaten noch Steine. Das bringt man schon kleinen Kindern bei.“ Ich weiß zwar nicht, was kleinen Kindern in linksgrünen Kinderhorten beigebracht wird, aber im Prinzip hat Schulze recht. Sie hofft ja immer noch auf eine Koalition mit der CSU, und auch wenn Söder immer den Grünenfresser gibt, weiß man, dass sich nichts so schnell ändert wie Söders Meinung, sogar das Wetter nicht.
Torten sind allen anderen potenziellen Wurfgeschossen vorzuziehen
Tomaten zählen zu den beliebtesten Wurfgeschossen, wenn manche Bürger meinen, ihren Frust über die aktuelle Politik nicht auf andere Weise abreagieren zu können. „Mutter“ aller Tomatenattacken war der legendäre Tomatenwurf des 13. September 1968. Damals bewarf die Aktivistin Sigrid Rüger auf einer Delegiertenkonferenz des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) in Frankfurt am Main den (männlichen) Vorstand mit Tomaten, um eine Diskussion über „Sexismus“ in den eigenen Reihen zu erzwingen. Der Wurf gilt als Initialzündung der neuen deutschen Frauenbewegung.
Auch Eier sind überaus beliebt, wenn es darum geht, der eigenen Meinung Nachdruck zu verleihen. Wer erinnert sich nicht an den wütenden Helmut Kohl, der bei einer Wahlkampfveranstaltung in Halle im Mai 1991 auf Eierwerfer losging und nur mühsam von seinen Leuten zurückgehalten werden konnte. Danach meinte er launig: „Da ich nicht die Absicht habe, wenn jemand vor mir steht und mich bewirft, davonzulaufen, bin ich eben auf die zu, und da stand ein Gitter dazwischen, und das war von Nutzen – für wen habe ich nicht gesagt, das überlasse ich Ihnen.“ Ich finde, so etwas verdient Respekt.
Vom kulinarischen Standpunkt aus betrachtet, sind Torten allen anderen potenziellen Wurfgeschossen vorzuziehen. Am besten eignen sich Sahnetorten, nicht zuletzt deshalb, weil sich (weiße) Sahne auf gedeckten Politikersakkos einfach am besten macht. Auch Fruchttorten sind geeignet, wenn sie dick mit glibbrigem Tortenguss von Dr. Oetker überzogen sind. Französische Fruchttartes, die ich immer der deutschen Variante vorziehe, werden meist nur sparsam mit aufgelöstem Fruchtgelee überglänzt, was ihren, neudeutsch, impact auf die betroffenen Politiker stark reduziert. Man sollte sie essen und nicht damit um sich werfen.
Bevor die 68er zu Bomben und Kalaschnikows übergingen, waren nicht nur Tomaten, sondern auch Torten in ihren Kreisen sehr angesagt. In Hannover wollte der Studentenführer Fritz Teufel mit seinen Genossen in den Kampfzeiten der Bewegung ein Café besuchen. Der Besitzer des Etablissements verweigerte ihnen jedoch den Eintritt und rief die Polizei, während die Abgewiesenen die Tortenauslage plünderten und ein süßes Gemetzel veranstalteten, das als „Tortenschlacht“ von Hannover in die Geschichte einging. Die war allerdings nichts gegen die vermutlich größte Totenschlacht der (Film)-Geschichte mit Stan Laurel und Oliver Hardy, für die angeblich 3.000 Torten einer Großbäckerei in Los Angeles zweckentfremdet wurden.
Wenn man sich doch für Tomaten entscheidet, sollte man große Früchte wählen, etwa die heute überall erhältlichen und von Feinschmeckern geschätzten Ochsenherztomaten. Falls sie noch zu hart erscheinen, kann man sie vor Gebrauch ein paar Tage in der warmen Küche nachreifen lassen. Cocktailtomaten lassen sich zwar unauffälliger transportieren, besitzen aber eine zu kleine Masse, um eine wahrnehmbare Wirkung zu entfalten – sie prallen einfach ab. Übrigens macht es keinen Sinn, Tomaten auf Politiker zu werfen, die ein rotes Kostüm tragen wie Angela Merkel, die bei einer Wahlkampfveranstaltung 2017 in Heidelberg von zwei der Früchte getroffen wurde.
Rein juristisch sind Torten und Tomaten immer rohen Eiern (und Steinen) vorzuziehen, weil sie eine geringere Verletzungsgefahr bergen. Sonst drohen dem Werfer nämlich nicht nur eine Anzeige wegen Beleidigung oder tätlicher Beleidigung, sondern auch wegen Körperverletzung. Ganz abgesehen von möglichen zivilrechtlichen Folgen, wenn es darum geht, Schmerzensgeldansprüche abgelten oder teure Politikergarderobe reinigen zu lassen oder ersetzen zu müssen, was im Falle eines Anzugs des italienischen Luxusschneiders Brioni erhebliche Kosten verursachen kann. Eierflecken sind überdies schwerer zu entfernen als die von Tomaten oder Sahne.
Aus gegebenem Anlass weise ich darauf hin, dass dieser Artikel NICHT als Aufforderung zur Begehung von Straftaten oder entsprechende Handlungsanleitung zu verstehen ist. Ich verurteile ausdrücklich die Verwendung von Lebensmitteln im politischen Meinungskampf. Zumal der noch relativ neue, mittlerweile berüchtigte Paragraf § 188 StGB für die Beleidigung von „öffentlichen Amtsträger“ einen deutlich höheren Strafrahmen vorsieht als bei Privatpersonen.
Heute sind Politiker leider nicht mehr so souverän wie der einst viel gescholtene Karl-Theodor zu Guttenberg, der 2012 in Berlin den gezielten Wurf einer Joghurttorte in sein Gesicht mit einem ironischen Facebook-Kommentar quittierte: „Hurra, eine Tortenattacke! Ich dachte schon, ich würde in Friedrichshain verhungern“.
Georg Etscheit schreibt auch für www.aufgegessen.info, den von ihm mit gegründeten gastrosophischen Blog für freien Genuss.
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Deswegen haben die Ostfriesen den Teebeutelweitwurf erfunden, weil sie als Nation von passionierten Teetrinkern die Dinger verabscheuen.
@Alexander Bärwald … auch Tortenschlachten sind reiner Hollywood-Luxus für die geplagten armen Zuschauer in den Kinos gewesen, die sich nie hätten echte Tortenschlachten leisten können. Hardy war 3x verheiratet & Laurel 5x. Das konnte man wohl nur mit permanentem Humor ertragen.
Wie Ist eigentlich die benutzung von Exkrementen in diesem Kontext zu bewerten? Das Verletzungsrisiko dürfte recht gering sein,die olfaktorische wirkung jedoch erheblich…
„Hans-Joachim Gille / 26.07.2026
Am dümmsten war der Start der Frauenbewegung. Die war schon immer gescheitert. Frauen stört kein Sexismus. Frauen stört nur der Sexismus der falschen Männer. Auch ein Brad Pitt ist eben irgendwann mal zu alt, um bei den richtigen Frauen noch Sexist sein zu dürfen.“ – Eben, wer Sexist sein darf bestimmen die Gene – der Frauen, und darüber haben sie keine Macht.
Unvergleichbarer Essenswurf – Tellerwurf – wegen der Freude an der Beschreibung aber von Frédéric auf Cisy (Éducation Sentimentale, Flaubert) : Frédéric lui lanca son assiette au visage. Elle passa comme un éclair par-dessus la table, renversa deux bouteilles, démolit un compotier, et, se brisant contre le surtout en trois morceaux, frappa le ventre du vicomte. (Frédéric warf seinen Teller auf sein Gesicht. Er flog wie ein Blitz über den Tisch, warf zwei Flaschen um, beschädigte eine Kompottschale, zerbrach am Tafelausatz in drei Stücke und schlug dem Vicomte vor den Bauch.)
Die besten Tortenschlachten: in schwarz/weiß Stan and Olli, in Farbe The great Race. Was die Woken so alles kaputt machen.
Am dümmsten war der Start der Frauenbewegung. Die war schon immer gescheitert. Frauen stört kein Sexismus. Frauen stört nur der Sexismus der falschen Männer. Auch ein Brad Pitt ist eben irgendwann mal zu alt, um bei den richtigen Frauen noch Sexist sein zu dürfen.