„Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ Der berühmte Satz des preußischen Philosophen Immanuel Kant ist so aktuell wie lange nicht, scheint doch der europäische Kontinent wieder einmal in geistige Finsternis versunken zu sein und längst einer neuen „Aufklärung“ bedürftig. Kant stammte aus Königsberg in Ostpreußen, wo er sein ganzes Leben als Philosoph und Hochschullehrer verbrachte, wo er 1804 auch starb und heute noch sein Denkmal steht.
Doch die Stadt gibt es nicht mehr. Sie wurde im Krieg fast völlig zerstört, Reste bedeutender Bauwerke wie des trutzigen Deutschordensschlosses abgetragen. Das alte Königsberg heißt jetzt, nach einem Sowjetfunktionär, Kaliningrad und fungiert als Provinzhauptstadt des gleichnamigen russischen „Oblast“, der nach seiner Annexion durch die frühere Sowjetunion aus dem nordöstlichen Drittel des früheren Ostpreußen gebildet wurde und seit dem Beitritt der Baltischen Staaten zur Europäischen Union keine Verbindung mehr zum russischen Mutterland besitzt. Eine Art Niemandsland, ein etwas trauriges, vergessenes Stück Europas, das wohl noch einige Zeit seiner Wiederauferstehung harren muss.
Fast nichts von alledem ist übrig geblieben
Dabei war Königsberg, Keimzelle des Königreiches Preußen, über Jahrhunderte eine der größten und prosperierendsten Städte des Deutschen Reiches. Vor allem in der Zwischenkriegszeit, als Ostpreußen nur über den polnischen „Korridor“ erreichbar war, blühte die Stadt auf, dank einer der späteren westdeutschen „Zonenrandförderung“ vergleichbaren Unterstützung durch die Berliner Reichsregierung. Königsberg hatte einen der ersten Verkehrsflughäfen der Welt, einen wichtigen Ostseehafen, eine bedeutende Messe und ein avantgardistisches Opernhaus. Im heutigen Oblast Kaliningrad stand auch Schloss Friedrichstein, wo die ZEIT-Mitgründerin und Buchautorin („Namen, die keiner mehr nennt“) Marion Gräfin Dönhoff zur Welt kam, und das Preußische Hauptgestüt Trakehnen, Heimat der gleichnamigen Pferderasse.
Fast nichts von alledem ist übrig geblieben. Und der ehrwürdige Name der Stadt hat nur in zwei kulinarischen Spezialitäten überlebt, dem köstlichen, geflämmten Königsberger Marzipan und den Königsberger Klopsen, feinen Kalbfleischbällchen in einer pikanten, sauren Soße. Letztere stehen unter latentem Revanchismusverdacht. Wer für sie schwärmt, könnte verdächtigt werden, die russische Exklave vielleicht doch wieder heim ins diesmal europäische Reich führen zu wollen. Dabei können Königsberger Klopse durchaus als fortschrittliche Kreation im Geiste der Multikulturalität gelten, sind doch mediterrane Kapern und Sardellen (Anchovis) notwendige Bestandteile der Rezeptur.
Meine Mutter verstand sich gut auf die Zubereitung von Königsberger Klopsen. Der in kulinarischen Fragen äußerst kritische Vater – von den Kochkünsten seiner Frau hielt er gemeinhin nicht besonders viel – lobte ihre ostpreußisch inspirierten Fleischbällchen mit der im Familienkreis überlieferten Sentenz: „Königsberger Klopse, die kann se.“ Wenn ich mich recht entsinne, verwendete meine Mutter allerdings kein Kalbshack, sondern das billigere Rinder- oder Schweinehack. Und die weiße Soße dazu band sie mit einer gehörigen Portion Mehl oder Speisestärke, was Puristen der Nouvelle Cuisine natürlich auf die Palme getrieben hätte. Aber wir Kinder und offensichtlich auch mein Vater aßen ihre Klopse gerne, zu denen Reis, Salzkartoffeln und wohl auch Rote Bete gereicht wurden. Es ist ein Gericht, das süß und sauer auf eine unaufdringliche Art miteinander in Einklang bringt und zudem gut aufgewärmt werden kann.
Jeder sollte sich seines eigenen Geschmacks bedienen
Angeblich soll kein Geringerer als Immanuel Kant das in Ostpreußen schlicht „Soßklops“ oder „Saure Klops“ genannte Gericht in ganz Deutschland hoffähig gemacht haben. Der Gelehrte habe seinen Gästen öfter die Hackbällchen servieren lassen und sie dadurch popularisiert. Der Wahrheit näherkommen dürfte die Erklärung, wonach Haushaltshilfen aus den Ostgebieten des Reiches, die legendären „Mamsellen“, das Gericht in die Metropolen mitnahmen und es auf diese Weise zu einer Art Nationalspeise wurde. Schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts tauchte das Gericht immer wieder auf Speisekarten von Berliner Restaurants auf.
Als kulinarischer Richtungsweiser seiner Zeit nennt das „Universal-Lexikon der Kochkunst“ von 1886 ein Rezept für „preußische oder Königsberger Klopps“. Die Klöße aus gehacktem Rind- und Schweinefleisch werden direkt in einer hellen, mit Wein, Essig, Sardellen, Kapern und feinem Senf abgelöschten Einbrenne gekocht. Auch „Klopps mit Hering oder Sardellen“ werden in dem Buch genannt, die in einer mit Zitrone und Kapern verfeinerten und leicht eingedickten Brühe garen. Ob man Salzhering oder die feineren Anchovis unter das Fleisch mischt, war seinerzeit eher eine Frage des Geldbeutels als des Geschmacks. Im ländlichen Masuren – die früher im Süden Ostpreußens gelegene Seenlandschaft gehört heute zu Polen – komme noch immer Hering ins Hack, fand der Filmautor Jörg Teuscher heraus.
Ob Kalb-, Rind- oder Schweinefleisch – auch darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. „Traditionell wurde Kalbfleisch verwendet, ersatzweise Kalb- und Schweinefleisch“, so Teuscher. Rindfleisch hält Sternekoch Alfons Schuhbeck für „etwas sperrig“. In der ZDF-Kochshow Küchenschlacht präsentierte er im März 2020 ein ziemlich aufwändiges Rezept, bei dem er die Klößchen, natürlich aus Kalbshack, zuerst in einem unter anderem mit Ingwer aromatisierten Geflügelfonds-Sud ziehen lässt, den er mit Sahne verfeinert und mit Speisestärke bindet.
Ein wunderbares Klopse-Rezept hat auch Wolfram Siebeck für sein ZEIT-Sommerseminar aufgeschrieben. Es stammte vom Chefkoch des Berliner Gourmettempels Margaux, Michael Hoffmann, einem Pionier des Vegetarismus in der Spitzengastronomie. 2014 schloss er sein Restaurant, das Siebeck einmal als „avantgardistischste Küche der Hauptstadt“ bezeichnet hatte. Die weiße Soße funktioniert hier ganz ohne Mehlschwitze, die Siebeck konsequent auf den Index gesetzt hatte. Aber meines Erachtens spricht auch nichts gegen eine Einbrenne. Jeder sollte sich seines eigenen Verstandes (und Geschmacks) bedienen, um das Richtige herauszufinden. So geht Aufklärung!
Beitragsbild: Gottlieb Doebler CC BY 2.0 via Wikimedia Commons

Kohl hatte/musste das Angebot der Russen Ostpreußen zurückzugeben, ablehnen. „Am 02.07.1990 ging in der deutschen Botschaft in Moskau ein geheimes Fernschreiben ein. Darin stand geschrieben, Russland sei bereit, über eine Rückgabe des nördlichen Ostpreußens zu verhandeln. Zu dieser Zeit fanden auch die Verhandlungen zum 2+4 Vertrag statt und die Sowjetunion steckte in einer schweren Wirtschaftskrise. Das genannte Gebiet gehörte völkerrechtlich zu Deutschland. Die deutsche Regierung in Bonn jedoch wischte das Angebot vom Tisch mit der Aussage, die Wiedervereinigung habe Priorität und mögliche Probleme im nördlichen Ostpreußen seien eine Angelegenheit Moskaus.“ (Quelle: gegenfrage.com) Das ist ein Klops und nicht nur ein Klopsgericht.
ggf könnten sich Reisewillige, denen die hiesigen Wahlergebnisse nicht gefallen, dort niederlassen. Bei günstiger Gelegenheit könnte man das Fleckchen Moskau abkaufen. vgl ggf Verkauf Alaskas an die USA oder Schenkung der Krim an die Ukraine. Letzteres ist jetzt eher ein schlechtes Beispiel. Am 30. April 1803 kaufte US-Präsident Thomas Jefferson im so genannten Louisiana Purchase die französische Kolonie Louisiana von Napoleon I. für 15 Mio. $. Es wird wohl mehr Geld kosten. Preußen könnte man die Gegend schon nennen. Amtssprachen deutsch und russisch. Militärische Neutralität wird zugesichert. PS Mit Terror wie die Kurden, sollte man das wiedererlangen der Staatlichkeit nicht erreichen wollen. Ob ich das ernst meine? Woher soll ich das Wissen?
„Kenichsberrch, Kenichsberrch, was denk ich nur an Kenichsberrch. De Menschen sind verjangen, de Turrmuhrr schleecht nich‚ mehr. Was hob‘ ich nu verloren, mejn Kenichsberrch, das kennt doch kejnerr mehrr. Vom Kneiphof und dem Dom, den Steindamm ging ich lang, nu läuten kejne Glocken, da wirrd es mir janz bang. Der Schloßturrm grießt nich mehr, was hob ich nur verlore. Mejn Kenichsberrch, das jibt’s nich mehr, ‚s ist doch nu schon lange herr. Mit am Zuch sin mir jefahre, nach Cranz rauf, an das Haff. Derr Wind, derr wejht noch immerr, nurr das Haff, das is nu leer. Vom Pregel an die Memel, do zieht es mich noch hin, do geh ich oft im Traume, wejl ich dort zu Hause bin. Viel Lejd und auch viel Frejde, das hob ich do jekannt, in Tilsit an der Memel, der scheensten Stadt im Land. Nuscht nichts ist jeblieben, kejn Kirch‘ und auch kejn Schloß, doch ich träume immerr noch, von mejner Hejmat‚ Schoß.„
Königsberger Klopse ? Reaktionäre Küche . Heute gehören Köttbullar und Köfte zu Schland !
Wenn der Westen mit Russland fertig geworden ist, bekommen wir dann Königsberg zurück? Glaube ich nicht. Die USA bekommen das Öl und wir bekommen ein Stück staubige Wüste von Afghanistan oder Mali.
Ich mag das gar nicht schreiben: Frau Merkel kocht die selbst und bewirtet damit internationale Gäste im kleinen Kreis. ( Sah ich in einem Trailer über die Frau Bundeskanzler)
Meine Großeltern und mein Vater sind in Königsberg geboren. Meine Oma kochte typisch ostpreußisch, die Königsberger Klopse koche ich seit langem nach. Ich besitze ein ostpreußisches Kochbuch mit Rezepten, die von vielen Familien zusammengetragen wurden. Deftige Gerichte, erdverbunden ohne Schnickschnack, was das Land eben hergab. (Zum Schmunzeln: Einkaufsliste aus dem Kochbuch: Man kaufe einen 5kg schweren Schweinekopf…..). Herrlich :-)