Fronleichnam im Benediktinerkloster Fontgombault in Zentralfrankreich. Die Festlichkeiten zu diesem katholischen Hochfest, in dem die Anwesenheit Gottes in der Eucharistie gefeiert wird, hatten bereits am Vorabend mit einer Pontifikalvesper in der romanischen Basilika begonnen. Am Fronleichnamstag selbst, französisch „Fete Dieu“, entfaltete sich die ganze Pracht der Tridentinischen Liturgie, die in Fontgombault als „außerordentlicher Ritus“ nicht geduldete Ausnahme, sondern die Regel ist, inklusive dem hier besonders gepflegten Gregorianischen Choral.
Weitab gelegen von größeren Städten und noch viel weiter von Paris, ist Fontgombault am Ufer des Flüsschens Creuse ein Ort fast unwirklicher Stille und Kontemplation, an dem die Mönche ein zurückgezogenes, beinahe autarkes Leben führen. Neben ihren spirituellen Pflichten widmen sie sich vielfältigen Arbeiten in der klostereigenen Landwirtschaft, in Bäckerei und Käserei, im Klostergarten, in der Küche, in allerlei Werkstätten oder dem eigenen, ökologisch vorbildlichen Wasserkraftwerk am Fluss.
Jeder Bruder hat eine oder gleich mehrere Aufgaben vom Père portier (Pförtner) über den Père clochier (Glöckner) bis zum Père Hotelier, der Gäste aus aller Welt empfängt. Die Ankommenden erwartet kein spiritueller „Club Med“ – die Besucher sind vielmehr aufgefordert, am Alltag der Mönche teilzunehmen, in den Rhythmus von „Zucht und Maß“ einzutauchen, dessen Formen sich seit den Tagen des Heiligen Benedikt von Nursia (480 bis 547) kaum verändert haben.
Auch die Nahrungsaufnahme ist Gottesdienst
Das Merkwürdigste für Neuankömmlinge sind wohl die schweigend eingenommenen Hauptmahlzeiten im historischen Refektorium. Nichts ist zu hören außer dem Klirren des Zinngeschirrs, aus dem die Mönche essen, und der monotonen Stimme des Lektors, der von einer Kanzel herab erbauliche Texte liest. Obwohl die Speisen gut und reichlich sind, ist hier auch eine im allgemeinen so prosaische Angelegenheit wie die Nahrungsaufnahme Gottesdienst.
An der Stirnseite des Refektoriums unter einem Kruzifix sitzt der Abt des Klosters, das etwa sechzig Mönche zählt, allein an seinem Tisch. Mit dem kurzen Schlag eines Holzhammers bestimmt er, wann das Mahl, das zügig, aber nicht hastig eingenommen wird, zum Ende kommen soll. Die Gäste sitzen in der Mitte des Saales und reichen sich gegenseitig die Speisen, die von den Mönchen gebracht werden. Zu trinken gibt es Wasser und einfachen Rotwein. Nach französischer Sitte steht stets ein gefüllter Brotkorb auf dem Tisch und begleitet das dreigängige Menü - Suppe, Hauptspeise, Nachtisch. Für die Gäste gibt es nach dem Mittagessen als Zeichen besonderer Gastfreundschaft noch eine Tasse Kaffee.
Die Klosterküche in Fontgombault besteht in einer fortwährenden Transformation der Speisen, einem beständigen Wechsel ihrer Texturen und Aggregatzustände. Es ist zwar nicht gerade so, dass hier Wasser in Wein und Steine in Fische und Brot verwandelt werden, aber kleine Wunder der Verwandlung geschehen hier allemal. Dies ist dem simplen Umstand geschuldet, dass im Kloster nichts weggeworfen wird, denn alle Speisen gelten als Gabe Gottes. Andernorts nennt sich das „Resteverwertung“. Wie kreativ aus diesen Resten immer wieder neue, schmackhafte Speisen entstehen, ist eine Kunst, die in früheren Zeiten jede Hausfrau beherrschte. Heute landet oft selbst Brot im Müll, ein Frevel.
Hauptgerichte sind meist fleischlos
Bei den Suppen im Kloster handelt es sich meist um einfache Gemüsesuppen – Linsen, Graupen, Spinat, Karotten. An heißen Tagen gibt es erfrischende Kaltschalen etwa mit Zitronengeschmack oder eine Milchsuppe. Die Hauptgerichte sind meist fleischlos. Oft werden im Refektorium deftige Gemüse-Gratins a la francaise aufgetischt, besonders gehaltvoll war ein Auflauf aus fein geschnittenen Zwiebeln, die mit einer Eiersauce übergossen waren. So einfach und doch so gut, wenn man von gewissen Folgeerscheinungen absieht.
Reste von Gemüsebeilagen verwandeln sich anderntags etwa in einen Brei, der auf dicke Scheiben des hellen Klosterbrotes gestrichen und ebenfalls überbacken wird. Eine einfache Interpretation des französischen Klassikers „Croque monsieur“. In besonders guter Erinnerung ist mir ein mediterraner Reissalat mit Fleisch von einem fetten Suppenhuhn und getrockneten Tomaten, übergossen mit jenem intensiven Olivenöl, das hier auch den obligatorischen grünen Salat bereichert. Warum schmeckt Salat eigentlich nur in Deutschland so schlecht?
Sehr oft gibt es Kartoffeln, mal Brühkartoffeln, ebenfalls mit Olivenöl übergossen oder mit eigenem Klosterkäse überbackene Ofenkartoffeln in der Schale. Als weitere „Sättigungsbeilagen“ sind im Kloster Reis, Couscous und Nudeln beliebt, letztere manchmal solo, nur in Olivenöl geschwenkt. Eine Abwandlung des italienischen aglio e olio. Und wenn man, wie hier üblich, nicht genascht hat, kommt einem auch dieses sehr einfache Mahl wie eine Delikatesse vor.
Sich konsequent jeder Zwischenmahlzeit enthalten
An Festtagen steigert sich die Klosterküche fast in Gourmetregionen. Einmal aß ich feine Tranchen von Kalbfleisch mit grünen Bohnen und einem Klacks selbst geschlagener Mayonnaise. Ein andermal gab es ein pikantes Wildgulasch mit Stangenbohnen und Couscous. Nicht zu vergessen das, was der Patissier von Fontgombault in petto hat: Süße Aufläufe aus Äpfeln und Brot, eine feine Schoko-Vanillecreme oder süßen Graupenauflauf mit Apfelkompott wie bei Muttern. Manchmal gibt es auch nur frische Äpfel und anderes Obst oder ein Stück harter, dunkler Schokolade. An Festtagen zieren Fruchtsorbets den Tisch mit frisch gebackenen Meringen (Baisers), einmal gab es sogar eine Eisbombe, deren zerflossene Reste sich später in einen Pudding verwandelten.
Man kann viel lernen von den Klosterköchen. Nicht nur die Art und Weise, wie achtsam und kreativ hier mit Lebensmitteln umgegangen wird, sondern auch, dass der Wechsel von normalen Tagen und Festtagen, zu denen im christlichen Verständnis immer der Sonntag zählt, ebenso den Appetit anregt wie ein kleines Loch im Magen, das dann entsteht, wenn man sich konsequent jeder Zwischenmahlzeit enthält. Dann lernt man, auch einfache Speisen wieder zu schätzen. Das ständige Essen zwischendurch in Form irgendwelcher, meist industriell gefertigter „Snacks“ ist wohl der größte Feind abendländischer Esskultur.
Georg Etscheit schreibt auch für www.aufgegessen.info, den von ihm mit gegründeten gastrosophischen Blog für freien Genuss.
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Beitragsbild: Montage Achgut.com/ Robindch, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

In dem Kloster lebt ja auch Jean Claude Romand.
Demut und Bescheidenheit.
Die Worte kennt kaum noch jemand.
Ich hatte mal einen Schwager, aus Ossiland, ein echter „Proletarier“, dumm, aber von sich überzeugt, er sei ein Geschenk an die Frauen und die Welt, der sich bei Tisch benahm wie in einem permanenten Allyou can eat-Rausch (kann ich noch 2 Schnitzel haben?), weil er der Meinung war, er müsse seinen Beitrag zum Haushalt in Form von Essen wieder hereinholen.
Der hätte niemals etwas vom Vortag gegessen, und musste auch immer das teure, aber geschmacklose Bier aus der TV-Werbung kaufen, war er seinem Image schuldig, obwohl man ihm auch hätte Pferdepisse hinstellen können, nachdem er seinen Pegel erstmal erreicht hatte.
Manche Leute pflegen ein Image von sich selbst, dem sie leider nie auch nur annähernd nahekommen, das drückt sich dann auch im Verhältnis zum Essen aus, auch eine Folge davon, daß wir im Überfluß leben, und den Wert der Dinge nicht mehr schätzen..
Wir lernten als Kinder noch: Vergiß nie wo du herstammst. Und auch, Essen als Gottesgabe zu betrachten und es nicht sinnlos wegzuwerfen.
Nichts anderes machen die Mönche.
Nur wer nie wirklich Hunger hatte, kommt auf solche Ideen.
Wer einmal wachen Sinnes die zahllosen Kochshows im TV anschaut, der sieht, wie verschwenderisch dort mit dem Essen umgegangen wird, während gleichzeitig von Nachhaltigkeit gefaselt wird. Zentimeterdicke Kartoffelschalen, Zitrone geköpft, ein bißchen ausgedrückt, weggeschmissen. Früchte und Gemüse großzügig oben+unten abgeschnitten, Rest in den Müll.
Mögen all diese Leute einmal Zeiten erleben, wo sie darum froh wären, Suppe aus Kartoffelschalen zu essen.
Und sogar das wird schon zelebriert als besonders Öko und Nachhaltig. Und teuer.
Ja die Sache mit dem „Brot“ habe ich schweren Herzens auch schon gekübelt… ich nenne es „Gebacke“ wenn ich die Zutaten so lese dann ist das für mich leider nicht Brot es sollte verboten sein so was zu produzieren und es auch noch Brot zu benennen das ist nicht Wertschätzung der Zutaten. Aus diesen Gründen gibts bei uns selten „Brot“ und wenn dann noch was übrig ist dann wirds wie gesagt gekübelt. Brot für unseren Kleinhaushalt selber zu backen ist aus meiner Sicht unwirtschaftlich. Leider
Herr Etscheit, Ihre Chance ein eigenes kleines Einmannkloster zu beziehen:
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Wäre die ideale Ambiente für Achgut-Autoren-Treffen.
ich arbeite seit Jahrzehnten für Unis, die von katholischen Gemeinschaften getragen werden und war am Anfang sehr erstaunt, wie wichtig gutes Essen und Trinken für die Ordensmitglieder sind. Und jetzt bin ich erstaunt, daß es noch Klöster gibt, wo es etwas frugaler zugeht. Wie weit eine Gemeinschaft von der Öffentlichkeit entfernt ist und in welchem Land (Katholizismus kommt in komplett unterschiedlichen Ausprägungen) sie sich befindet, sind die wichtigsten Faktoren. In Spanien wird nichtmal an den Freitagen in der Fastenzeit auf Fleisch verzichtet und in den USA spielen Freitage überhaupt keine Rolle. In Deutschland sind alle Freitage Fastentage, die meist durch Verzicht auf Fleisch begangen werden.
Man warf mir schon öfter vor, dass ich wie ein Mönch im Kloster lebe.
Obwohl ich nicht religiös bin, würde ich mich im Kloster wohl fühlen. Solange mir niemand Predigten hält, verkneife ich auch meine bissige Religionskritik. Ich halte die Theologie für den Teufel.
„Cogita et labora“
Mein Speiseplan nähert sich allmählich der Klosterküche an. Einfache möglichst naturbelasse Speisen, kleine Portionen, gesundes Hungergefühl, Völlerei nur zu Festtagen.
Heute gibt es Gemüsesuppe, Kirschen-Erdbeer-Saft, Äpfel, Maulbeeren beim Laufen gepflückt.
Knuspriges Butterbrot mit ein wenig Salz ist eine Himmelfahrt die ich nur selten antrete.
„…industriell gefertigter “Snacks„ ist wohl der größte Feind abendländischer Esskultur.“
Ja, ich enthalte mich des Teufelszeugs. Nicht nur aus gesundheitlichen Gründen, sondern um den reinen Geschmack naturbelassener Speisen überhaupt genießen zu können.
Ich exkommuniziere die gezuckerten Energiegetränke, das stellt den verdorbenen Geschmacksinn wieder her.
Ich genieße auch eine knusprige Karotte und klares Wasser.
Alkohol niemals alleine, nur in guter Gesellschaft, nur in Maßen, nur in hoher Qualität.
Ich mutiere vom jugendlichen Fleischfresser zum weisen Fleischgenießer. Nicht auf die Menge, sondern auf die Qualität der Zubereitung kommt es mir an.
In Gourmetlokalen wird jeder Spagetti einzeln frisiert. Inzwischen verstehe ich die Philosophie dahinter.
In einem anderen Jahrhundert wäre ich ein gut gelaunter Mönch oder ein geselliger Eremit geworden.
„Bruder Thomas schmeißt eine Runde, um 8 ist aber Schlafenszeit.“
Ich liebe die kontemplative, kreative Stille meiner kunstbehangenen Klause. Wie der Wind durch die Blätter rauscht, wie die Vögel zwitschern, wie die Sonne prickelnd meine irdische Hülle durchdringt.
Und jetzt gehe ich Laufen und Nachspeise (Maulbeeren) pflücken.