Der neue luxemburgische Großherzog wäre am liebsten Koch geworden. Zu seinen Lieblingsspeisen zählt auch das traditionelle „Gromperekichelcher“.
Thronwechsel im kleinen Luxemburg: Nach 25 Jahren gab der bisherige Großherzog Henri sein royales Amt an seinen ältesten Sohn Guillaume weiter. Kurz darauf wurde der neue Staatschef im Parlament vereidigt. „Ich möchte ein Großherzog sein, der Brücken zwischen den Generationen, zwischen Tradition und Innovation schlägt“, sagte der 43-jährige in seiner anschließenden Thronrede. Was man so sagt, wenn man keine Macht hat und nicht viel mehr darf als Lächeln und Hände schütteln. Aber geteiltes Leid ist halbes Leid. Auch unserem neben manchen gekrönten Häuptern bei der Thronbesteigung anwesend gewesenen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier geht es nicht anders. Wobei Guillaume wenigstens eine farbenfrohe Uniform tragen darf.
Der neue luxemburgische Großherzog wird als „freundlich, offen und wortgewandt“ beschrieben. Er spreche neben Luxemburgisch auch Deutsch, Französisch, Englisch und Spanisch, habe Politikwissenschaft in Großbritannien und Frankreich studiert und zudem eine Offiziersausbildung an der britischen Militärakademie Sandhurst absolviert. Ja, Luxemburg besitzt eine Armee. 900 Mann, eine etwa größer geratene Palastwache. Aber mehr braucht es auch nicht, um eine Steueroase zu verteidigen. Und die 1000 Milliarden Euro, die hier von 122 Banken verwaltet werden, sind meist nur Zahlen und kein Anreiz für Panzerknacker.
Dass Guillaume, wie die Hofberichterstatter raunen, „zu seinem großen Tag noch ein kleines Geheimnis“ verriet, ist eine Steilvorlage für diese Kolumne. In einem anderen Leben, so der neue Großherzog, wäre er am liebsten Koch geworden. „Ich koche so gerne, mein Geist kann sich da ganz beruhigen.“ Zu seinen Lieblingsspeisen zählten auch traditionelle luxemburgische Speisen wie „Gromperekichelcher“, eine regionale Variante von Kartoffelpuffern, wie sie auch im nahen Rheinland gerne gegessen werden.
Altes Wort für Kartoffel
Der etwas merkwürdige Name leitet sich wohl ab von einem alten Wort für Kartoffel: Grundbeeren. Auch wenn sich die Wurzeln der Gromperekichelcher in der ländlichen und landwirtschaftlichen Vergangenheit Luxemburgs fänden, erläutert das offizielle Portal des Herzogtums, machten zahlreiche moderne Varianten dieses Gericht „abwechslungsreich und unglaublich vielfältig“. Bei traditionellen Terminen würden die Gromperekichelcher mit Salz und Apfelmus serviert, aber die Einfachheit des Gerichts eröffne Spielraum für eigene Interpretationen.
Wenn auch Gromperekichelcher etwa auf Volksfesten in Luxemburg weit verbreitet sind, als offizielles Nationalgericht gilt „Judd mat Gaardebounen“ - geräucherter Schweinenacken mit Saubohnen, häufig mit Kartoffeln serviert. „Bouneschlupp“ wiederum ist eine Suppe aus grünen Bohnen, die mit Möhren, Zwiebeln, Porree, Sellerie, Kartoffeln, Milch oder Sahne sowie Räucherspeck verfeinert werden kann, „Träipen“, Schwarzwurst serviert mit Apfelkompott oder Kartoffelpüree, ähnelt dem rheinischen „Himmel und Äd“, während „Friture“, kleine, gebratene Moselfische, die ohne Besteck verzehrt werden, selten geworden sind. Glücklicherweise kann man die Fischbabys auch züchten.
Natürlich ist ein so kleines Land wie Luxemburg den kulinarischen Einflüssen der Nachbarländer ausgesetzt, darunter solch verfressene Nationen wie Frankreich und Belgien, die in Person von Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und dem belgischen Königspaar bei der Thronbesteigung Guillaumes anwesend waren. Für den französisch-internationalen Touch steht vor allem Léa Linster, die Grande Dame der luxemburgischen Gourmetküche. Heute ist ihr Sohn Louis für die Geschicke des mit einem Michelin-Stern ausgezeichneten Familienbetriebs in Frisange, etwa zehn Kilometer von Luxemburg-Stadt entfernt, verantwortlich.
Leider atmet die Speisekarte der Linsters heute den für europäische „Sternerestaurants“ notorischen Geist einer euro-asiatischen Fusionküche, die sich weit von ihren Wurzeln entfernt hat, seien es die französischen oder luxemburgischen. Vielleicht kann sich Guillaume ja auf ähnliche Weise für die luxemburgische kulinarische Tradition stark machen wie sich der heutige britische König Charles III. als Prince of Wales gegen die moderne Architektur in die Schlacht warf. Auch wenn er dafür zuweilen belächelt oder angefeindet wurde.
Georg Etscheit schreibt auch für www.aufgegessen.info, den von ihm mit gegründeten gastrosophischen Blog für freien Genuss.
Beitragsbild: Frankie Fouganthin - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Ach, es gibt ein mE fast besseres Oma-Rezept aus dem Siegerland. Ich teile es, weil Essen Menschen zusammenbringt und versöhnt.
-ein 2,5kg-Betz mehlige Kartoffeln durch ein Sieb raspeln, Wasser auffangen und dann vorsichtig abschütten, sobald sich die Stärke unten abgesetzt hat. Kartoffelraspeln gut ausdrücken, mit der aufgefangenen Stärke, 4 dicken EL Haferflocken, zwei Eiern, ordentlicher Prise Salz und kleiner Prise Zucker sowie zwei feingehackten Zwiebeln rasch vermengen. Diesen Teig in heißem Olivenöl rasch zu goldbraunen kleinen Fladen beidseitig ausbacken und dazu Apfelmus reichen, himmlisch. Macht sogar woke Kinder kurz freundlich, sowas kriegen die nicht zuhause.
In Rheinland-Pfalz (so in der Ecke Kreuznach) heißen die Kartoffeln immer noch ‚Grumberre’. Und die „Gromperekichelcher“ sind bei uns ganz unexotisch: Riefkook!
In Kürze: „Geriebene Kartoffeln und Schalotten, Knoblauch, Mehl, Petersilie und Eier gut vermengen und mit Salz, Pfeffer und frisch geriebenem Muskat würzen. Zu Puffern formen und diese in heißem Öl ausbacken. Wenn die Ränder außen goldbraun sind, sollten sie gar sein.“ Also popelige Reibekuchen…
Luxemburg war einst die mächtigste Dynastie Europas und hat vier deutsche Könige und Kaiser gestellt. Leider musste es später die Hälfte seines Staatsgebietes an andere abgeben, darunter meine Heimatregion in der Eifel. Mein Wohnort trägt noch den luxemburgisch- böhmischen Löwen im Wappen. Kulinarisch eher rustikal ( der berühmte Kachkeis wurde hier vergessen), hat Luxemburg ausserdem interessante Weine. Der Kalkboden der Obermosel zwischen Schengen und Trier ist das letzte Anbaugebiet der römischen Elbling-Rebe, auch auf deutscher Seite. Ein paar Kilometer weiter östlich fließt die Saar bereits durch Devonschiefer, der die besten Rieslinge der Welt hervorbringt (Scharzhofberger).
Luxemburg war einst die mächtigste Dynastie Europas und hat vier deutsche Könige und Kaiser gestellt. Leider musste es später die Hälfte seines Staatsgebietes an andere abgeben, darunter meine Heimatregion in der Eifel. Mein Wohnort trägt noch den luxemburgisch- böhmischen Löwen im Wappen. Kulinarisch eher rustikal ( der berühmte Kachkeis wurde hier vergessen), hat Luxemburg ausserdem interessante Weine. Der Kalkboden der Obermosel zwischen Schengen und Trier ist das letzte Anbaugebiet der römischen Elbling-Rebe, auch auf deutscher Seite. Ein paar Kilometer weiter östlich fließt die Saar bereits durch Devonschiefer, der die besten Rieslinge der Welt hervorbringt (Scharzhofberger).