An der Glühwein-Front hat sich in punkto Qualität einiges getan und die Chance ist signifikant gestiegen, an einer geschmückten Bretterbude einen roten, weißen oder sogar einen Rosé-Glühwein kredenzt zu bekommen, der einem nicht sofort ein Loch in den Magen ätzt oder im Zuckerschock mündet.
In München hat es geschneit. Sogar ziemlich viel, fast einen halben Meter. Das ist nicht so ungewöhnlich, wie es scheint, obwohl die Medien so tun, als habe es mindestens seit Ende der letzten Eiszeit vor 10.000 Jahren nicht mehr so viel geschnien (Partizip II auf Bayerisch) im Münchner Schotterbecken. Nur dreimal seit Beginn der Messungen soll in München mehr Schnee gelegen haben, 1959 und 1968 im Januar und 2006 im März. „Flockdown“ titelt die tz München, das ist nett.
Natürlich ändere der aktuelle Kälteeinbruch „nichts an dem globalen Trend“, beeilt sich die Süddeutsche Zeitung zu notieren, womit der Klimawandel, respektive die Erderhitzung, respektive Klimakrise gemeint ist. Nicht, dass man noch auf dumme Gedanken kommt. Auch wenn es gerade nicht danach aussehen, „die Erde brennt“, ließ Katharina Schulze, grüne Fraktionschefin im Bayerischen Landtag, in einem Videoclip verlauten.
Darauf einen Dujardin. Oder vielleicht, der Jahreszeit angemessen, doch besser einen Glühwein. Denn den braucht man jetzt, wenn man bei Minusgraden auf den tief verschneiten Weihnachts- oder Christkindlmärkten herumsteht. An der Glühwein-Front hat sich in punkto Qualität einiges getan und die Chance ist signifikant gestiegen, an einer geschmückten Bretterbude einen roten, weißen oder sogar einen Rosé-Glühwein kredenzt zu bekommen, der einem nicht sofort ein Loch in den Magen ätzt oder im Zuckerschock mündet.
Das Zauberwort heißt: Winzerglühwein
Das Zauberwort heißt: Winzerglühwein. Immer mehr Winzer bieten ihren Kunden spezielle Glühwein-Kompositionen aus Eigenanbau, die man nur noch erhitzen muss. Da dürfte sich etwas finden lassen, auch wenn es sich bei den jeweils verwendeten Grundweinen um solche handeln dürfte, die für höhere Qualitäten nicht infrage kommen. Das, was einst in der Literflasche verkauft wurde, die zunehmend aus der Mode gekommen ist.
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Glühweinhersteller ein Geheimnis um die verwendeten Basisweine machen wie die Nürnberger Kellerei Gerstacker, bekannt für ihre „Christkindles“-Glühweine im praktischen Großgebinde, wo sich auf telefonische Nachfrage eine übel gelaunte Mitarbeiterin aufs „Betriebsgeheimnis“ beruft.
Schon Wolfram Siebeck predigte, dass man auch bei sogenannten „Kochweinen“ auf die Qualität achten solle. Natürlich empfahl er seinen Lesern nicht, einen Chambertin grand cru für mehrere hundert oder gar tausend Euro zu einer Marinade fürs Wildschweinragout zu verarbeiten. Aber es sollte doch ein solider Wein sein, den man auch pur trinken würde. Idealerweise zu jenem Essen, für dessen Herstellung er verwendet wurde.
Wie heiß darf er sein?
Welchen Grundwein von welcher Sorte, rot, weiß oder rosé, man für einen Glühwein bevorzugen sollte, ist Geschmackssache. Am ehesten widerstehen fruchtbetonte Tropfen der weihnachtlichen Gewürzdröhnung, sei es Zimt, Sternanis, Nelke, Kardamom oder Orange. Wenn man zudem einen Wein mit Restsüße verwendet, kann man sich einen Teil des Zuckers sparen.
Andererseits sollte man auch Grundweine in Betracht ziehen, die eine schöne, knackige Säure aufweisen. Nicht nur, weil ich selbst ein Kind des Rheingaus bin, der deutschen Rieslingregion schlechthin, halte ich Glühwein auf Basis dieser Rebsorte für besonders charaktervoll. Wer will, kann auch zu einem Gewürztraminer greifen oder, wenn es denn sein muss, zu eher anspruchslosen Ertragsbringern wie Müller-Thurgau oder Scheurebe, die mir pur sonst nichts ins Glas kommen.
Wie heiß sollte man Glühwein trinken? Nicht mehr als 70 Grad, empfiehlt das Deutsche Weininstitut, um Alkohol und Aromen zu schonen. Ich würde sagen, die Trinktemperatur sollte immer mit der jeweiligen Außentemperatur korrelieren. Wenn es bitterkalt ist, darf man sich beim ersten Schluck schon mal die Zunge verbrennen. Denn in spätestens fünf Minuten ist die Idealtemperatur erreicht. Wenn man noch länger wartet, wird aus dem Glühwein ein Eiswein. Und zum Hände aufwärmen sollte es auch noch reichen.
Schon die Römer würzten ihren Wein
Das Würzen des Weines hat eine lange Tradition. Schon die Römer aromatisierten ihren Wein teilweise mit Honig und Gewürzen. Der römische Feinschmecker Marcus Gavius Apicius (25 v. – 43 n. Chr.) soll ein Rezept für Würzwein erwähnt haben, das heutigen Empfehlungen für Glühwein ähnelt: Zimt, Lorbeer, Sternanis, Koriander und Thymian sowie eine große Portion Honig sollte in den Wein gegeben werden, „um ihn genussvoller und haltbarer zu machen“.
Glühwein selbst dürften die Römer nicht gekannt haben, schließlich lebten sie in einer Warmzeit, fetten Jahren, die die Erfolgsgeschichte des römischen Imperiums erst möglich machten. Damals warfen Olivenbäume und Weinrebe selbst auf der britischen Insel Erträge ab; zu Tacitus‘ Zeiten soll man dort auf rund 500 Weinbergen Reben angepflanzt und geerntet haben.
Dass es jetzt wieder so weit ist und mittlerweile einige der besten Champagner aus Südengland kommen, ist kein Grund, in Panik zu verfallen, sondern eine überaus erfreuliche Entwicklung. Für Olivenbäume müsste es aber noch deutlich wärmer werden. Und das Münchner „Schneechaos“ zeigt, dass auch für Glühwein die Zeit noch nicht abgelaufen ist.
Georg Etscheit schreibt auch für www.aufgegessen.info, den von ihm mit gegründeten gastrosophischen Blog für freien Genuss.
Beitragsbild: Frank Vincentz CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Ich trinke seit Jahren „ Atsukan “, weil ich den besser als diese billige Brühe abkann und vertrage ! Weihnachten und Weihnachsmarkt gibt es hier in meiner Wahlheimat nicht, nur Shinnen ( Neujahr ) aber Dann und bei viel Schnee wärmt der genausogut.
Gecancelt wurde doch dieser afrikanische Kakao, leider nicht die klebrig süsse alkoholische Tinktur der Jahresendjahrmärkte. Ein Gefahrensymbol wäre angebracht. Da fehlt nur noch Glykol als Zutat- Servus!
Ich hatte gestern im Lokschuppen einen ausgezeichneten Glühwein.
Rot. Rosé und Weißer war auch im Angebot.
Es gibt sie noch.
Kostet aber gut und gerne das Doppelte wie auf den Dörfern drumherum.
Wenn Habeck nicht den Strom kappt, macht man das besser mal selbst und lädt die Nachbarn ein. Aber nicht bei dem Wetter…
„Wintereinbruch“: Trafen sich im Jan. 1979 zwei Schneeflocken. Sprach die eine zur anderen: „Ich fliege nach St. Moritz; die Leute wollen Wintersport treiben!“ Darauf die andere: „Ich fliege in die DDR und mache Katastrophe!“ So auch heute; „plötzlich und unerwartet“ sinken die Temperaturen im Winter unter Null, und statt zu regnen, schneit es! Wer hätte das denn ahnen können? Wegen der globalen Erwärmung wirbelt der polare Wirbel nicht mehr richtig und lässt die kalte Luft auf den Süden los? Fand bisher der Temperaturausgleich nicht immer von Warm nach Kalt statt oder habe ich in Physik gepennt? Vielen Dank für den Hinweis auf den Winzerglühwein, der mich veranlasst hat, gleich noch bei unserem Versandhändler 6 x 1l weißen Llüühlein nachssubeställn. Wohlsein!
Es können keine Champagner aus Südengland kommen. „Champagner“ ist eine unveräußerliche Herkunftbezeichnung für Schaumweine aus, und NUR aus der französischen Champagne rund um Reims und Epernay. Aus Südengland mögen gute Schaumweine mit Flaschengärung kommen, so wie auch aus Frankreich von der Loire, aus der Bourgogne oder dem Alsace. Wo sie dann als „Crémant“ deklariert werden, aber niemals als Champagner.
Schon der SPIEGEL 19/2007 titelte: „Hilfe… Die Erde schmilzt!“ Vielleicht hat Katharina Schulze, grüne Fraktionschefin im Bayerischen Landtag, das alte Heft als Lektüre auf dem Klo zu oft gelesen? Sowas kann sich schon ins Hirn brennen, bei einfachen Gemütern, die es als bare Münze nehmen. Manchmal frage ich mich, ob es so etwas wie Gehirn-Phimose gibt, und ob das auch „Frauen“ befällt? Bei einigen Exemplaren bin ich geneigt, das zu befürworten. Im Übrigen ist das Archiv des SPIEGEL mit den alten Titelbildern und Aufmachern ganz interessant, z.B. spiegel.de/spiegel/print/index-2007: man sieht vieles, was heute wieder als topaktuell verkauft wird, dabei ist alles schon da gewesen. Zum Glühwein: meines Erachtens wird da viel zu viel Geschiss gemacht, weil man möglichst viel Profit machen will. Bei dem gesüßten und gewürzten Gesöff ist mir der Basiswein herzlich egal, solange er mir nicht aus Schwefelgründen Kopfweh macht. In letzter Zeit wurde schon Kaffee, Mineralwasser, der Wein sowieso, von geschäftstüchtigen Leuten entdeckt, es gibt Sommelieren, Baristas, und zahllose andere Experten, die letztlich nur ans Geld wollen. Die Kaffeemaschine, der Küchenrobot (T…mix und Nachfolger), der Saugroboter, der Akkusauger, alles wird zum Thema gemacht und ein Must have daraus, aber natürlich nur vom Feinsten. Und dann ist die teure Kaffeemaschine innen voll Schimmel und ranzigem Fett, weil die Leute zu blöd zum Putzen sind, und das Ding fliegt auf den Müll, voll funktionsfähig, und dann wird von Nachhaltigkeit gefaselt. Übrigens wurde der Wein früher meist eher gewürzt, um ihn überhaupt trinkbar zu machen , weil die Kellertechnik noch nicht so entwickelt war, und in schlechten Jahren die Plörre zu sauer war zum genussvollen Trinken. Das hatte nichts damit zu tun, daß es Feinschmeckerei war, sondern ein Notbehelf. Bei „wilder“ Gärung ohne Reinhefe kam es öfter zu Fehlgärungen, Essigstich etc., da half nur die Würze und der Honig.