Obwohl nur Hypertonikern, Menschen mit zu hohem Blutdruck, eine Reduktion ihres Salzkonsums empfohlen wird, ist das Würzmittel auf der roten Liste der Gesundheitsapostel gelandet. Ganz vorn dabei: Salzleugner Karl Lauterbach.
Nach Fleisch, Fisch, Fett und Zucker steht jetzt offenbar Salz ganz oben auf der Abschussliste der linksgrünen Genussverweigerer. Wie anders ist es zu erklären, dass die Süddeutsche Zeitung unlängst Salz als potenziell lebensgefährlichem Würzmittel eine voluminöse Reportage widmete. Mit Karl Lauterbach, dem wohl peinlichsten Gesundheitsminister aller Zeiten, als Protagonisten.
Lauterbach ernährt sich „konsequent salzarm“. Sogar bei einem Staatsbankett im Elysée-Palast habe er, sicher zur Verwunderung des französischen Staatspräsidenten auf salzarmer Kost bestanden. Was er serviert bekam, ist nicht bekannt, ist auch egal, weil alles, was salzarm oder salzlos zubereitet wird, wie eingeschlafene Füße schmeckt.
„Schwierig“ sei anfangs auch die Versorgung in der Kantine des Gesundheitsministeriums gewesen, wird Lauterbach zitiert: „Da konnte jeder essen, nur ich bekam überhaupt nichts“, sagt Lauterbach. „Alles war gesalzen.“ Dumm gelaufen, möchte man ihm zurufen. Er könnte ja auch ganz normal essen, wie die überwiegende Mehrheit eines Volkes, das diesen Herold politischer Narretei überhaupt nicht zu interessieren scheint.
Nachsalzen kann man immer
In der SZ-Reportage wird dankenswerterweise darauf hingewiesen, dass es keine wissenschaftlichen Hinweise dafür gebe, wonach eine kochsalzarme Diät auch jüngeren Menschen nutze, die keine gesundheitlichen Probleme haben. Also eigentlich Entwarnung. Nur Hypertonikern, Menschen mit zu hohem Blutdruck, wird eine Reduktion ihres Salzkonsums empfohlen, wobei diese von der Pharmaindustrie meist ohnehin bestens mit Medikamenten zur Blutdrucksenkung versorgt sind.
Wie auch immer: Lauterbach wird sicher bald, analog zu seinen Hitzeschutzplänen, die Bevölkerung mit Salzschutzplänen beglücken. In Südafrika gibt es laut SZ-Recherche bereits Natrium-Höchstwerte für Brot, Frühstücksflocken oder Tütensuppen. Chile führte demnach einen Warnhinweis auf der Vorderseite von Verpackungen ein, wenn Lebensmittel bestimme Salzgrenzwerte überschreiten. Südkorea habe zum Schutz von Kindern die Fernsehwerbung von zu salzigen Lebensmitteln zwischen 17 und 19 Uhr verboten. Und in Schulmensen auf den Seychellen soll nach einem festgelegten maximalen Salzgehalt gekocht werden – es gebe sogar Richtlinien für Schulkioske, Spendenaktionen und andere Schulevents.
Ich selbst habe ein entspanntes Verhältnis zum Salz. Versalzenes Essen schmeckt mir genauso wenig wie ungesalzenes. Wenn man für eine größere Gästeschar kocht, sollte man eher etwas zurückhaltender mit dem Salzfass umgehen, weil die sensorische Wahrnehmung respektive die Geschmäcker eben verschieden sind, wenn auch meist nicht so extrem wie bei Herrn Lauterbach. Und nachsalzen kann man immer. In Restaurants finde ich es sehr unhöflich, wenn man nach Salz und Pfeffer erst fragen muss. Als sei ein Koch in Sachen Würzung unfehlbar.
Wenn man unbedingt überteuerte Lava fressen will
Vom Kult um diverse Salzsorten halte ich nichts. Mit Ausnahme von Fleur de Sel, das mir vor allem wegen seiner grobkörnigen Textur gefällt. Außerdem scheint es mir weniger „salzig“ als etwa handelsübliches Steinsalz, was wohl an seinem höheren Wassergehalt liegt. Eine der schönsten Anwendungen von Fleur de Sel, das als „Salzblüte“ von der Oberfläche der großen Becken der Salzgärten an den französischen Küsten abgeschöpft wird, ist ein rosa gebratenes, gutes Stück vom glücklichen Schwein. Dünn aufgeschnitten, mit gereiftem, dickflüssigem Balsamico beträufelt und zurückhaltend mit Fleur de Sel bestreut, das ist ein schwer zu übertrumpfender Genuss. Dazu nur Stangenbrot und ein leichter Rotwein.
Manche Gesundheitsapostel mit Ausnahme des Natriumchlorids grundsätzlich abholden Ministers schwärmen für Himalayasalz, das in Wirklichkeit meist aus industriellen Salzminen in Zentralpakistan stammt und mit dem „Dach der Welt“ wenig zu tun hat. Soll gesünder sein als Steinsalz oder Meersalz, ist jedoch auch nur NaCl, das im speziellen Fall mit Eisenoxid verunreinigt ist – daher die rötliche Farbe. Es ist deutlich teurer als normales Salz, wobei irgendwelche gesundheitlichen Vorteile, die den Preis rechtfertigen könnten, nicht nachzuweisen sind. Wie auch, gleicht seine Zusammensetzung doch zu 98 Prozent herkömmlichem Speisesalz, wie es auch in Deutschland gefördert wird. Aber der Glaube versetzt bekanntlich Berge.
In München-Schwabing gibt es ein beliebtes Restaurant, das sich auf Gourmetsalze spezialisiert hat, darunter aromatisierte Salze, die in der Tat anders schmecken, aber eben spezielle Zubereitungen sind. Dort kredenzt man auch hawaiianisches Alaea-Vulkansalz, wobei es sich bei der schwarzen Färbung nicht, wie aus Marketingzwecken gerne kolportiert, um „Aktivkohle“, sondern Verunreinigungen mit feinstem Vulkangestein handelt. Wenn man unbedingt überteuerte Lava fressen will – wohlan! Angebliches Ursalz aus den Alpen oder Kalaharisalz aus unterirdischen Soleseen der gleichnamigen Wüste ist auch nicht viel besser.
Die SZ-Reportage kommt, wie es sich für eine Reportage gehört, am Ende noch einmal auf den Protagonisten zu sprechen. Es sei nicht seine Haltung, Menschen über Verbote zu einer gesünderen Ernährung zu zwingen, wird Lauterbach zitiert. Missioniert haben will er noch niemanden, von den Corona-Impfungen natürlich abgesehen. Immerhin dulde seine Familie seine salzlose Präferenz. „Meine Kleidung ist meinen Kindern manchmal peinlich, aber darüber, dass ich salzloses Essen bestelle, haben sie sich noch nie beklagt.“ Das lassen wir jetzt einfach mal so stehen. Und sind froh, den verpeilten Sozi nicht zum Vater zu haben.
Georg Etscheit schreibt auch für www.aufgegessen.info, den von ihm mit gegründeten gastrosophischen Blog für freien Genuss.