Um Fleischessern die Verdrängung ihres vermeintlich unmoralischen Tuns zu erschweren, schlägt eine SZ-Redakteurin Schockbilder auf tierischen Produkten vor, ähnlich denen auf Zigarettenschachteln. Ob's hülfe?
Die Fähigkeit zur Verdrängung ist eine der segensreichsten psychischen Eigenschaften des Menschen. Das Grundprinzip menschlicher Seelenhygiene wurde von Sigmund Freud entdeckt. Es handelt sich dabei laut Wikipedia um einen „Abwehrmechanismus, der innerseelische oder zwischenmenschliche Konflikte reguliert, indem tabuierte oder bedrohliche Sachverhalte oder Vorstellungen von der bewussten Wahrnehmung ferngehalten werden“.
So kann man sich etwa an einer köstlichen Scheibe Straßburger Gänseleberpastete delektieren, ohne dabei jene Enten und Gänse bedauern zu müssen, die zur Erzeugung dieser Delikatesse gequält werden. Man kann Käse und anderen Milchprodukten genussvoll zusprechen, ohne sich bewusst zu sein, dass dafür männliche Kälber gemeuchelt werden. Man kann nach Herzenslust eine Verdauungszigarette oder -zigarre schmauchen, ohne sich vor Lungenkrebs oder Herzinfarkt fürchten zu müssen.
Man kann auch, zum Schrecken aller Klimaschützer, regelmäßig zehntausende Kilometer in den Urlaub fliegen, ohne angstvoll darüber nachzusinnen, dass bald die Welt untergeht. Die Verdrängung erledigt das schon. Und man muss sich nicht jeden Tag von der Vorstellung verderben lassen, dass die Ampel unser Land zugrunde richtet. Nur am Wahltag sollte man sich wieder daran erinnern.
Abschreckungserfolg fraglich
Versuche, der Verdrängung ein Schnippchen zu schlagen, gehen in aller Regel fehl. Ein Beispiel für die vergeblichen Bemühungen, den Mechanismus auszutricksen, sind die seit 2016 auf jeder Zigarettenpackung in der EU prangenden Schockbilder von schaurigen Geschwüren im Mund, schwarzen Raucherlungen, amputierten Gliedmaßen oder zerstörten Zähnen, verbunden mit entsprechenden Warnhinweisen: „Rauchen verursacht neun von zehn Lungenkarzinomen“ oder „Rauchen kann ihr ungeborenes Kind töten“.
Bislang liegen nämlich keine wissenschaftlichen Beweise dafür vor, dass die Kampagne Wirkung zeigt. „Schockbilder auf Zigarettenschachteln sind aus Sicht des Thüringer Gesundheitsministeriums nur wenig geeignet, um vom Rauchen abzuschrecken“, heißt es in einem Artikel des Deutschen Ärzteblattes. Das renommierte Magazin zitiert einen Sprecher des Erfurter Ministeriums mit den Worten: „Wissenschaftliche Evidenzen belegen, dass das Abschreckungskonzept keine langfristige Wirkung hat und sogar gegensätzliche Ergebnisse verursacht.“
Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages hat internationale Studien dazu ausgewertet, wie sich die Gruselfotos in verschiedenen Ländern auf den Tabakkonsum auswirkten. Fast alle kamen zu dem Schluss, dass sie „wahrscheinlich“ den Konsum zurückgehen ließen. Allerdings sei es „oft“ nicht möglich gewesen, die Wirkung der abschreckenden Fotos vom Effekt anderer Maßnahmen gegen das Rauchen zu trennen. Ob eine Verringerung oder ein Beenden des Tabakkonsums ausschließlich den Bildern zugeordnet werden könne, sei nicht abschließend zu beantworten: „Hier könnten ebenso höhere Preise oder Steuern eine Rolle spielen“, heißt es in der Auswertung des Bundestages. Im Klartext: Kann sein, kann nicht sein. Genaues weiß man nicht.
Schockbilder auf Schnitzel, Schinken & Co.?
Ungeachtet mangelnder Evidenz werden immer wieder Forderungen erhoben, die Schockkampagne auf andere Produkte auszuweiten, deren Konsum aus Gründen des Gesundheitsschutzes oder anderer Motive reduziert werden soll. Der jüngste Vorschlag kam aus der „Wissenschaftsredaktion“ der Süddeutschen Zeitung, die berüchtigt war für ihre Verherrlichung der Coronapolitik und nach Kräften die Klimapanik schürt. Diesmal geht es wieder einmal um die Fleischesser, die Tieren, Umwelt und Gesundheit schadeten und denen „das Verdrängen erschwert“ werden solle.
Wer so fanatisch und freudlos schreibt wie die SZ-Redakteurin Christina Berndt, kann eigentlich nur Veganerin sein, wahrscheinlich auch noch Mitglied bei den verpeilten Aktivisten der Tierschutzsekte PETA. Ein vegetarischer Lebensstil sei „durch und durch erstrebenswert, ein veganer noch mehr“, heißt es in einem jüngst erschienen Artikel. „Nicht vegan zu leben, gelingt nur, wenn man einigermaßen herzlos ist oder ein guter Verdränger“, formuliert Frau Berndt und regt als „harte, aber vernünftige Lösung“ Schockbilder auf Schnitzel, Schinken & Co. an. Britische „Forschende“ hätten das getestet. Fotos von kranken Herzen oder verdorrten Landschaften auf der Hamburger-Packung könnten demnach den Griff nach Fleischprodukten um „bis zu“ zehn Prozent reduzieren. Oder Schockbilder aus Tierställen, verbunden mit Botschaften wie „Für diese Eier mussten Hühner qualvoll sterben“ oder „Das Trinken dieser Milch macht Kälber zu Waisen“.
Merkwürdig, dass Frau Berndt noch vor zwei Jahren einen Essay schrieb, in der sie die Ansicht vertrat, dass jeder, der Tiere liebe, sie auch essen solle. Eine Welt mit „lauter Vegetariern“ wäre ein traurige. Der Artikel wurde damals von Tierschützern und der vegetarisch-veganen Lobby scharf kritisiert. Irgendwann muss Frau Berndt wohl die Kurve gekriegt habe. Vielleicht hat man als Fleischverächter bessere Chancen, seinen Job bei der Alpenprawda zu behalten.
Dass ich herzlos sein soll, weil ich Fleisch, Käse, Butter und Wurst esse und auch gewiss solange nicht davon lassen werde, bis man mir androht, mich deswegen ins Umerziehungslager zu stecken, hat mir noch niemand gesagt. Ich mag Hühner und Kälbchen, letztere müssen sich von mir bei Almwanderungen immer die feuchte Schnauze streicheln lassen. Dass sie irgendwann im Schlachthof enden, ist so traurig nicht, denn sie wissen nichts davon. Zum Verdrängen stehe ich und nehme mir dabei Sigmund Freud zum Vorbild, der trotz Gaumenkrebs von seiner Zigarre nicht lassen mochte.
Bei Schreibenden vom Schlage einer Christina Berndt und Medien wie der SZ hilft verdrängen aber nicht, da hilft nur abbestellen.
Georg Etscheit schreibt auch für www.aufgegessen.info, den von ihm mitgegründeten gastrosophischen Blog für freien Genuss.
Beitragsbild: 1971markus@wikipedia.de CC BY 3.0 via Wikimedia Commons

Das Schockbilder niemanden von seinem Tun abbringen können, zeigt sich doch regelmäßig bei Wahlen. Da hängt man Plakate mit den Konterfeis von z. B. Lang, Esken, Künast, Roth und früher sogar von Merkel auf und, anstatt sich mit Grausen zu wenden, gibt es jede Menge Leute, die die abgebildeten Personen sogar noch wählen! Und für die, die völlig abgestumpft sind und die anscheinend überhaupt nichts mehr schreckt, gibt es sogar noch Plakate mit dem Gesicht (?) von Helge Lindh. Quasi so als Mutprobe.