Die auf TikTok und Instagram gehypte Süßigkeit Dubai-Schokolade ist nichts weiter als ein hoffnungslos überteuertes Mitbringsel und wird sicherlich nicht lange Trend sein.
Bei meinem REWE-Händler um die Ecke gibt es Dubai-Schokolade. Die Sensation wird schon an der Eingangstür annonciert. Doch im Schokoladenregal sucht man vergeblich nach der Trendsüßigkeit. Die findet sich nämlich hinter der Kasse neben den Tabakwaren. Schokolade und Tabak ist keine so außergewöhnliche Kombination. Es gibt Aficionados, die sich ultrabittere Schokolade zu einer guten Cohiba gönnen. Doch bei Dubai-Schokolade handelt es sich, wie auf der hellgrünen Verpackung ersichtlich, um (süße) „Milk Chocolate“. Oder ist die vielleicht mit dem neuerdings halblegalen Cannabis versetzt und steht deshalb bei den Suchtmitteln.
Das Rätsel klärt sich, als ich das Preisschild sehe: 14.90 Euro für die 200 Gramm-Tafel. Deshalb also muss ich den Kassierer bitten, mir eine Tafel auszuhändigen, wie das bei Zigaretten, teuren Rasierklingen oder Alkoholika der Fall ist.
Bei diesem Fantasiepreis, denke ich, muss die allseits gehypte Wunderschokolade Naschkatzen geradewegs in den Himmel katapultieren, mindestens so hoch wie die auf der Packung abgebildete Silhouette von Dubai City mit dem 828 Meter hohen Burj Khalifa, dem höchsten Gebäude der Welt.
15 Euro für eine läppische Süßigkeit
Produzent der Schokolade ist eine mir bislang unbekannte Firma namens Bind. Ausweislich des Unternehmensauftritts im Internet der erste „boutique chocolate manufacturer“ in der Türkei, gegründet im Jahre 1971. Erfunden hat Dubai-Schokolade jedoch kein Türke, sondern eine gewisse Sarah Hamouda, Gründerin des Unternehmens Fix Dessert Chocolatier, das sie seit 2021 in dem für seine Luxusläden und ultramoderne Architektur bekannten Emirat am Persischen Golf anbietet. Angeblich hatte sie sich das Rezept während ihrer Schwangerschaft ausgedacht. In Dubai soll die Schokolade umgerechnet etwa 16,60 Euro kosten. Dass sie sich zu einem globalen Hit entwickeln würden, hätte sie nie gedacht, sagte Hamouda dem Sender CNN.
Als mir der REWE-Kassierer die Tafel aushändigt und ich dafür fast 15 Euro hinblättere, macht er ein gequältes Gesicht. Was muss das für ein Irrer sein, der bereit ist, für diese läppische Süßigkeit so viel zu berappen wie für zehn Tafeln Milka-Schokolade? Ich bemühte mich, dem Mann, der sicher nicht zu den Bestverdienenden gehört, zu vermitteln, dass ich mich dieser Schokolade aus beruflichen Gründen widme, weiß aber nicht, ob er mir das abgenommen hat. Dann trug ich die Tafel mit einem Hochgefühl der Erwartung nach Hause.
Was Dubai-Schokolade ausmacht, steht hinten auf der Zutatenliste. „Milchschokolade gefüllt mit Antep-Pistazien und Kadaifi. Antep-Pistazien aus Gaziantep in Südostanatolien gelten als die besten Pistazien der Türkei. Bei Kadifi handelt es sich um dünne, knusprige Teigfäden, auch Engelshaar genannt, die man zusammenlegt, mit Sirup tränkt und mit Nüssen oder Zimt bestreut, ein traditionelles Dessert des balkanisch-levantinischen Raumes. Als Bestandteil von Dubai-Schokolade soll es für den heute allseits beliebten Knuspereffekt sorgen.
Wie ein Stück Blei
Was so teuer ist, muss gut sein - das gilt übrigens auch für Weine über fünfzig Euro, wo der Preis nicht mehr mit dem Geschmack korreliert, sondern dem, was auf dem Etikett steht. Doch die Geschmacksprobe enttäuscht. Natürlich ist Pistaziencreme lecker, eine Umamibombe sondergleichen. Und auch der Crunch des Engelshaars macht Spaß auf der Zunge. Aber die Schokolade selbst wirkt billig.
Insgesamt ist das Produkt vor allem eines: extrem süß und extrem magenfüllend. Nach zwei Stücken hat man das Gefühl, ein Stück Blei verschluckt zu haben. Überhaupt sind mit wilden Füllungen versehene Schokoladen, wie sie auch die österreichische Schokoladenfabrik Zotter anbietet, keine wirkliche kulinarische Bereicherung, weil sie den feinen Geschmack guter Schokolade überdecken.
Mag sein, dass es bessere Produzenten gibt als Bind, aber der Hype um Dubai-Schokolade, der angeblich schon zu einem Preisanstieg bei Pistazien geführt hat, wird nicht lange halten. Sicher nicht länger wie jener um andere Instagram- und Tiktok-Süßigkeiten wie Cupcakes, Cronuts, Zimtschnecken oder Pawlowas, wobei Zimtschnecken und Pawlowas immerhin noch eine gewisse kulinarische Tradition für sich in Anspruch nehmen können. Dubai-Schokolade dagegen war nie mehr als ein hoffnungslos überteuertes Mitbringsel aus einem nichtssagenden Retortenstaat. Die Frage ist, warum Journalisten so scharf darauf sind und ihre Medien als kostenlose Werbeplattformen zur Verfügung stellen.
Georg Etscheit schreibt auch für www.aufgegessen.info, den von ihm mit gegründeten gastrosophischen Blog für freien Genuss.

Also ich muss schon sagen: „Retortenstaat“. Ich meine, dann ist Israel auch einer. Beide aus der Wüste gestampft. Große Leistung. Stelle man das mal entgegen dem Geplärre hier, wenn es mal zwei bis drei Wochen heiß und trocken ist und man sich gewahr wird, dass man keine funktionierende Wasserwirtschaft aufgebaut hat, genannt Klimawandel. Selbst die Römer waren weiter.
Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah. Hier wird doch ständig die DDR 2.0 gewünscht. Dann kommt, Inhalt bis heute unbekannt, wahrscheinlich aber ohne Schokolade, die Schlagersüßtafel und Creck (mit Sammelbild) zurück. Erstmal eine Tafel pro Westbürger und jedermann ist geheilt.
Dazu einen „Palestine Drinks“ und „Gaza Drinks“, die gehören zu den schwedischen Unternehmen „Safad Food AB“ und „FS.L Food AB“. Beide Marken geben auf ihren Webseiten an, große Teile ihrer Gewinne an bedürftige Palästinenser zu spenden und eine Dose kostet nur 1,80 € !?
@Joachim Lucas: Japanisches Rindfleisch ist seinen Preis wert. Suntory Whisky dagegen ist absurd teuer geworden, weil jeder ihn jetzt haben will.
Marketing ist eben alles, und Verrückte gibt es immer genug. Sonst würde kein Mensch Jägermeister saufen oder Red Bull oder einen Whisky/Wein für 1000 Euro die Flasche, Kobe Rind essen oder eben restlos überteuerte Schokolade. Das hat alles nichts mit dem Produkt zu tun sondern mehr mit dem Aufwertungsbedürfnis von Personen, sprich dem EGO.
„nichtssagenden Retortenstaat“. Mehr Überheblichkeit aus einem untergehenden Industriestaat gibt’s nicht. Es sind nur ein paar Flugstunden, die Frankfurt und Dubai voneinander trennen. Aber ein Vergleich der Skyline beider Städte oder ein Blick auf die Infrastruktur (hier Hauptbahnhof und Bahnhofsviertel, dort Straßenbahn und Metro) lohnt sich. Man kann sich natürlich fragen, ob Dubai-Schokolade aus der Kategorie zuckersüßer Arabian Delights oder mit Goldstaub überpuderter Capuccino notwendig sind (dafür ist in dieser Gegend Diabetes Volkskrankheit) , aber der Verfall hierzulande ist es definitiv nicht.
Danke für die Aufklärung; dieses Produkt war mir bis heute völlig unbekannt und wird es geschmacklich dann auch bleiben…