Die Bundesregierung ist in Sachen "Elefantenaffäre" offenbar entschlossen, gegenüber afrikanischen Staaten wie Botswana weiterhin Porzellan zu zerschlagen. Die neusten deplazierten Reaktionen auf Kritik werden sich rächen.
Botswana schätzt deutsche Belehrung und moralische Deutungshoheit nicht. Der Präsident von Botswana, Mokgweetsi Masisi, wehrt sich schlagfertig gegen deutsche Politiker, die ihm erklären, wie das Leben in seinem Land zu funktionieren hat. Er hat deshalb den – nicht ganz ernst gemeinten – Vorschlag gemacht, Deutschland 20.000 Elefanten zu schenken, weil Umweltministerin Lemke (Grüne), sich für die Verschärfung des EU-Rechts einsetzt, um die Einfuhr von Jagdtrophäen zu reduzieren oder gar zu verbieten. Das empfinden die Botswaner (übrigens auch die Namibier) als „einseitiges, widerrechtliches und neokolonialistisches Verhalten". Die Bundesumweltministerin Steffi Lemke unternimmt weiterhin keinen Versuch, den entstandenen Schaden zu glätten.
Im Gegenteil, bei „Markus Lanz“ am 16. Mai 2024 agierte sie so hilflos, dass Berlins Kultursenator Joe Chialo (er stammt aus Tansania) ihr "ideologischen Export" von Ideen aus Berlin vorwerfen konnte. Es werde „eine Ansage in Richtung Afrika gemacht, ohne zu bedenken, was das in diesem Ökosystem wie in Botswana auslöst.“
Seit Jahren leidet Botswana unter einer massiven Überpopulation von Elefanten. Das Land kann nicht weiter hinnehmen, dass durch die Tiere Dörfer und Ernten vernichtet werden. Elefanten fressen um die 100 Kilogramm am Tag und zerstören damit auch ihren eigenen Lebensraum. Bis zu 300 Lizenzen für den Abschuss vergibt das Land jährlich, nimmt damit etwa 3 Millionen Dollar ein, wovon 50 Gemeinden profitieren. In Botswana – fast die Hälfte des Landes ist zu Nationalparks erklärt – gibt es seit Jahren mit großer Expertise aufgebaute Artenschutzprogramme, dazu gehört auch die kontrollierte Jagd. Viel Lärm um wenige Jagdtrophäen: Im Jahr 2023 seien, so Pro Wildlife, 569 Jagdtrophäen aus verschiedenen Ländern nach Deutschland eingeführt worden.
Bedauerliche Brüskierung
Irritierend finde ich die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion der CDU/CSU, Drucksache 20/11418, vom 15.05.2024. „Umgang des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz mit Staaten des südlichen Afrikas beim Artenschutz."
Vor dem Hintergrund der bestehenden ernsten Verstimmung finde ich Andeutungen zu „Unterstützungsleistungen“ und „Dass gerade bei komplexen Themen bisweilen von Regierungen unterschiedliche Positionen vertreten werden, ist nicht ungewöhnlich und auch in den innenpolitischen Kontext des jeweiligen Landes einzuordnen“ bemerkenswert taktlos.
Soweit ich weiß, gibt es in dieser Frage keinen innenpolitischen Dissens in Botswana. Eine solche unüberlegte Ausdrucksweise löst keinen Konflikt, im Gegenteil, die Regierung und ihr Präsident werden angegriffen. Man soll sich nicht täuschen, diese deplatzierte Reaktion bricht ein Tabu im Verhältnis zu einem afrikanischen Staat und wird auch von anderen betroffenen Staaten, z.B. Namibia, sehr genau verfolgt. Das wird langfristige Auswirkungen für unsere Afrikapolitik haben.
Solche unterschwelligen Drohungen sollte man sich sparen. Botswana bekommt keine der erwähnten “Unterstützungsleistungen“. Das Land ist seit jeher eine echte Demokratie und kann deshalb auf deutsche Samariterdienste bzw. bilaterale Entwicklungs“hilfe“ verzichten. Botswana ist ein „Upper Middle Income Country“.
Deutsche Politiker wären gut beraten, wenn sie sich aus Angelegenheiten anderer Staaten heraushalten, zumal wenn sie das Land noch nie besucht haben.
Volker Seitz, ist Botschafter a.D. und Autor des Bestsellers „Afrika wird armregiert“, dtv, 2021 (11. aktualisierte Auflage)

Ich würde als Präsident von Botswana die deutschen Vollidioten um finanzielle Hilfe (in Milliardenhöhe natürlich) bitten um dem Problem begegnen zu können – dann eine kleine Show (Umsiedlungsprogramme für die Elefanten oder so ähnliches) für die deutschen Idioten veranstalten – was man dann letztendlich in Botswana macht um das Problem zu lösen kriegt doch eh keiner mit, Hauptsache die grüne deutsche Seele kann sich wieder moralisch überlegen fühlen.
Deutsche Politiker sollten sich auch in Deutschland heraushalten dann wäre uns geholfen .
Die deutschen Grünen glauben zu wissen, was gut für die Menschheit und den Planeten ist. So wie sie uns das Heizen mit Öl und Gas verbieten, möchten sie den Afrikanern den Abschuss von Elefanten verbieten. Am deutschen Wesen soll die Welt genesen.
Symbolpolitik für Leute mit Komplexen, aber Lemke liegt zur Abwechslung richtig, sich hier einfach mal billigen Applaus auf Kosten irgendwelcher kleinen Länder abzuholen. Das Ausland macht das ständig auf Kosten der Bundesrepublik, also was soll’s. Botswana wird die Ansprüche aus Deutschland sowieso managen müssen, denn man wird kaum für 1,8 Millionen Lizenzeinnahmen die Hilfeeinnahmen aus Deutschland bei 70 Millionen aufwärts gefährden. Sie hat auch einen Punkt, wenn sie für ein Land mit der 1,6fachen Fläche der BR und 2,6 Millionen Einwohnern unterstellt, dass 300k Elefanten nicht das Problem sein können. Nur 300 Abschusslizenzen dürften das ohnehin kaum beheben.
Sehr guter Artikel. Aber mir fällt immer mehr auf, dass sich nur noch Peronen unbefangen äußern können, die bereits Pensioniert sind. l
Selbst wenn qualifikationslose und inkompetente deutsche Politiker Botswana oder Namibia besuchen sollten, wären sie zu ungebildet und dumm, zu verstehen, wie das Land funktioniert und warum die Menschen dort eine andere Sicht- und Lebensweise haben. Die deutsche Aussenministerin muss auch nicht mit einem grossen Tross dorthin reisen, um Frauentoiletten mitten im Stadtzentrum aufzustellen.
Das ist halt grünes De…(oh Gott, fast hätte ich Denken geschrieben)