Seit Jahren versuchen Umweltpolitiker, uns die Vorzüge eines Emissionshandelssystems für Kohlendioxid zu erklären. Dabei wird zum einen der gesamte Ausstoß dieses Gases beschränkt, zum anderen überlässt man es aber den Marktteilnehmern darüber zu entscheiden, wo genau die Einsparungen an CO2 vorgenommen werden.
Nun kann man durchaus unterschiedlicher Meinung hinsichtlich des Klimawandels und der Notwendigkeit der Emissionsreduzierung sein. Man kann auch gegen die bisher praktizierten CO2-Handelssysteme einwenden, dass diese in der Vergangenheit nicht besonders gut ausgestaltet waren.
Unabhängig davon, wie man zum Klimawandel steht, muss man aber doch eingestehen, dass die Logik eines Handelssystems für Dinge, deren Ausstoß man beschränken möchte, einen gewissen Reiz hat. Die Frage ist nur, warum man sich dieses Prinzip bisher nicht auch auf anderen Gebieten zu eigen gemacht hat. Zum Beispiel beim Bürokratieabbau.
Bürokratie und Kohlendioxid sind gar nicht so unähnlich. Beide lassen sich als unerwünschte Abfallprodukte verstehen.
Während Kohlendioxid vor allem bei der Energieerzeugung anfällt, ist Bürokratie ein Abfallprodukt der Regulierung. Idealerweise würden wir Energie mit minimalen CO2-Emissionen erzeugen – und idealerweise würden wir auch die Ziele der Regulierung mit minimalem Bürokratieaufwand erreichen.
Warum behandeln wir Bürokratie also nicht genau so, wie wir auch CO2 behandeln?
Ich habe dazu einen Vorschlag gemacht, der auf ein Handelssystem für bürokratische Verschmutzungsrechte hinausläuft. In meinem Bürokratiehandelssystem wird zunächst gemessen, wie viel Bürokratiekosten einzelne Behörden und Ministerien verursachen. Das kann man zum Beispiel mit dem in den Niederlanden entwickelten Standardkostenmodell erreichen, das dort seit mehreren Jahren erfolgreich angewandt wird.
In einem zweiten Schritt werden den Bürokraten Bürokratieverschmutzungszertfikate gegeben, die diese berechtigen, uns alle mit ihren Formularen zu belästigen. Aber eben nicht mehr so stark wie im Referenzjahr, sondern nur noch beispielsweise zu 95 Prozent.
Die mit diesen Zertifikaten ausgestatteten Bürokraten haben dann die Wahl: Entweder es gelingt ihnen, die eigenen Bürokratiekosten um fünf Prozent zu verringern. Oder sie müssen entsprechende Zertifikate von Kollegen in anderen Behörden kaufen, die beim Bürokratieabbau erfolgreicher gewesen sind.
Das Endergebnis ist ein Bürokratieabbau, dessen Gesamtumfang zwar von oben vorgegeben wird, dessen Maßnahmen aber dezentral entwickelt werden.
Ein kurzes Arbeitspapier mit diesem Vorschlag habe ich für das Centre for Independent Studies geschrieben. Es kann hier heruntergeladen werden.
In der Tageszeitung ‚The Australian‘ habe ich außerdem in einem Gastbeitrag die Grundidee meines Bürokratiehandelssystem erläutert.
Und im australischen ‚Business Spectator‘ wiederum gibt es noch einen Beitrag, der sich mit der Messung der Bürokratiekosten nach dem niederländischen Standardkostenmodell befasst.
Wer mag, kann sich auch ein Interview mit mir bei BNet anhören.
Bürokratieabbau per Emissionshandelssystem: Entweder ist meine Idee ziemlich verrückt oder schlichtweg genial. Ich bin mir selbst noch nicht ganz sicher.